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Der Liestaler Bahnhof wird in den kommenden zehn Jahren sein Gesicht stark verändern. So wird das Bahnhofsgebäude (links) abgerissen. Die SBB wollen neue Grossbauten errichten. Darin wäre eine Uni-Fakultät sehr gut möglich. bild: Hans-Martin Jermann

Wenn aus «Studieren in Basel» «Studieren in Liestal» wird: Uni will 3000 Studenten zügeln

Bis zu 3000 Jura- und Wirtschaftsstudierende sollen künftig am Liestaler Bahnhof die Vorlesung besuchen. Damit wäre auf einen Schlag ein Fünftel der gesamten Uni im Baselbieter Kantonshauptort zuhause. Das würde so einige Probleme lösen.

Hans-Martin Jermann / bz Basel



Die Universität Basel hat ein Problem: Das Wachstum der vergangenen zehn Jahre und ihre heutige Stärke verdankt sie der gemeinsamen Trägerschaft von Basel-Stadt und Baselland. Diese Trägerschaft wird im Landkanton allerdings infrage gestellt. Ein Grund sind die maroden Kantonsfinanzen. Ein anderer die Tatsache, dass viele Baselbieter die Uni nicht als eigene Institution wahrnehmen, die es zu stützen gilt. Die gemeinsame Trägerschaft und damit der Erfolg der Uni ist bedroht.

Erste zwei Institute im Baselbiet

Was tun? «Wollen wir langfristig die Trägerschaft des Landkantons sichern, werden wir nicht darum herum kommen, weitere Teile der Universität im Baselbiet anzusiedeln», forderte Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel, im Januar in einem BZ-Interview. Das Baselbiet beherbergt erst zwei Uni-Institute: Das Departement für Sport (auf dem St.Jakobareal in Münchenstein, wobei der Institutssitz auf Basler Seite liegt) sowie das vor wenigen Monaten eröffnete Department of Biomedical Engineering am Bachgraben in Allschwil.

Universitätsratspräsident Ueli Vischer sagte im Herbst der «Schweiz am Sonntag», dass man offen sei für die Idee, im Landkanton eine Fakultät zu eröffnen. «Auch wenn es die Studenten wahrscheinlich nicht so gerne hätten», wie er anfügte. Die postulierte «Offenheit» war pures Understatement.

Wie die BZ weiss, treiben die Uni-Verantwortlichen die Pläne für eine substanzielle Ansiedlung im Baselbiet längst mit Hochdruck voran. «Der Grundsatzentscheid ist auf Seite der Uni gefallen», betont der Reinacher Unternehmer und Uniratsvizepräsident Klaus Endress.

Mit der Juristischen und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sollen gleich zwei Fakultäten und 2700 Studierende nach Liestal zügeln. Auf einen Schlag wäre so ein Fünftel der gesamten Uni im Baselbieter Kantonshauptort zu Hause.

Neue Perspektiven am Bahnhof

Im Fokus der Planungen steht der Bahnhof Liestal, der sich in einem Entwicklungsprozess befindet: Nicht «nur» kriegt Liestal in den kommenden zehn Jahren den Viertelstundentakt bei der Regio-S-Bahn sowie ein neues Bahnhofsgebäude – die Pläne dazu werden heute Montag der Öffentlichkeit vorgestellt. Die SBB haben zudem bereits kundgetan, am Bahnhof einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag in mehrere grosse Gebäude zu investieren. Diese könnten auch eine Uni-Fakultät aufnehmen.

Liestal ist von Basel mit dem Schnellzug in zehn Minuten erreichbar – also zumindest vom Bahnhof SBB nicht weiter entfernt als der Petersplatz, das Zentrum der Uni. Der grüne Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott scheint von den Ideen angetan – er weibelt seit Jahren dafür, dass Liestal Uni-Standort wird (siehe Kasten). Auf Anfrage betont er indes, dass er «zu den einschlägigen Spekulationen derzeit keine Auskunft geben» könne.

Universität Basel

Hohe Mieten: Uni-Räumlichkeiten in der Stadt Basel. Bild: Keystone

Doch nicht «nur» zieht die Attraktivitätssteigerung die beiden Fakultäten Richtung Liestal, es stossen auch die heutigen Rahmenbedingungen vom Standort Basel weg: Die Einmietungen der Jura- sowie der Wirtschaftsstudierenden im Peter-Merian- und Jacob-Burckhardt-Haus am Basler Bahnhof SBB gelten im Uni-internen Vergleich als teuer. «Das sind ganz sicher keine günstigen Unterkünfte», kommentiert Endress lapidar.

Zudem betonte die Uni beim Umzug der beiden Fakultäten 2006 und 2009, dass die Standorte mittelfristige Provisorien darstellten und mit zehnjährigen Mietverträgen gesichert seien. «In diesen beiden Gebäuden und an dieser Lage kann sich die Uni langfristig nicht halten», sagt ein Uni-Kenner. Das alleine spricht noch nicht für einen Umzug. Der Preis wird entscheiden: Können die SBB – oder mögliche andere Eigentümer – der Uni keine markant günstigere Miete anbieten, kommt der Liestaler Campus nicht zustande.

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann betont, dass es in der städtischen Regierung keine Abwehrhaltung gegen eine stärkere Präsenz der Uni im «geschätzten» Partnerkanton gebe: «Wir sagen seit Jahren: Wir sind offen für einen Standort von Uni-Fakultäten im Kanton Baselland.» Zugleich stellt er klar, dass es die Baselbieter Regierung gewesen sei, die in den vergangenen Jahren keine ernsthaften Angebote für Areale gemacht habe. Demgegenüber habe sich der Liestaler Stadtpräsident immer wieder bemüht, im Gespräch mit der Uni zu bleiben.

«Kein unnötiges Hin und Her»

Ein allfälliger Umzug müsse inhaltlich Sinn machen und dürfe für die Studierenden nicht zu einem «unnötigen Hin und Her» führen. «Es kann nicht sein, dass ein Studierender von 8 bis 10 Uhr in Liestal ein Seminar besucht, von 10 bis 12 Uhr dann aber eine Vorlesung im Kollegiengebäude am Petersplatz ansteht.»

Eymann würde sich gegen eine Auslagerung der Medizinischen Fakultät oder Bereichen der Life Sciences zur Wehr setzen. «Dies steht auch nicht zur Debatte.» Eine Ansiedlung der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Liestal könne er sich hingegen vorstellen. «Wichtig wäre, dass möglichst abgeschlossene Einheiten umziehen», sagt er.

Gemäss Informationen der BZ entscheidet der Universitätsrat am 17. Mai über das weitere Vorgehen: Mit grosser Wahrscheinlichkeit fällt dann der Startschuss für vertiefte Machbarkeits-Untersuchungen. Der Entscheid ist auch deshalb politisch brisant, weil er mitten in den Abstimmungskampf um die Baselbieter Beiträge an die Pensionskasse der Universität fällt. Werden die Pläne für den Campus Liestal wider Erwarten gestoppt, so ist das Wasser auf die Mühlen der Uni-kritischen Baselbieter SVP. Dann könnte die Referendumsabstimmung vom 5. Juni plötzlich spannend werden. 

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