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Polizisten vor der Bar des Restaurant Sous Le Pont in der Berner Reitschule.
Polizisten vor der Bar des Restaurant Sous Le Pont in der Berner Reitschule.bild: twitter/reitschulebern

Polizei stürmt Reitschule – Sicherheitsdirektor Reto Nause kassiert daraufhin Hausverbot

Am Freitagabend wurde in der Berner Reitschule eine Grossrazzia durchgeführt. Auch Sicherheitsdirektor Reto Nause war vor Ort. Für ihn endete der Abend mit einem Hausverbot.
24.11.2018, 07:5324.11.2018, 12:52

Am Freitagabend kam es auf der Berner Schützenmatte zu einem ungewöhnlichen Vorfall: Um kurz nach 21 Uhr stürmte die Polizei den Innenhof des Berner Kulturzentrums Reitschule. Mehrere Dutzend Einsatzkräfte waren am Einsatz beteiligt, bei dem es zu mehreren Verhaftungen kam, berichtet ein Augenzeuge im Gespräch mit der Zeitung «Der Bund». Die Beamten rückten auch in die Innenräume der Reitschule vor, so zum Beispiel ins Restaurant Sous le Pont.

Ihren Unmut über den Grosseinsatz brachten die Reitschüler und Reitschülerinnen sogleich via Social Media zum Ausdruck, denn der Betrieb des Restaurants sei während Stunden blockiert gewesen:

Doch mit der Medienmitteilung war es nicht getan. Die Reitschüler und Reitschülerinnen ergriffen noch eine weitere Massnahme, indem sie Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) vom Gelände verwiesen und ihm Hausverbot erteilten.

«Gravierende» Zustände

Nause war auf dem Heimweg von einem Konzert an der Reitschule vorbeigekommen, sagte er am Samstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Kaum habe er den Vorplatz betreten, habe ihn ein unbekannter Mann angesprochen und ihn aufgefordert, den Ort zu verlassen – denn er (Nause) habe ein Hausverbot in der Reitschule.

Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP).
Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP).Bild: KEYSTONE

Der Sicherheitsdirektor kam der Aufforderung nach. Einen Eindruck von der Situation auf dem Vorplatz habe er trotzdem gewonnen: Die Zustände in Sachen Drogendealerei seien «gravierend». In der kurzen Zeit sei ihm fünfmal Kokain und dreimal Haschisch angeboten worden.

Was für politische Konsequenzen Nause aus dem Vorfall zieht, liess er am Samstag offen. Die Liegenschaft gehört der Stadt Bern. Der Kulturbetrieb wird von der öffentlichen Hand subventioniert.

Polizeieinsatz wurde behindert

Die Reitschüler stiessen sich offenbar aufgrund der Stunden zuvor durchgeführten Aktion gegen den Drogenhandel an Nauses Anwesenheit. Bei dem Einsatz der Kantonspolizei auf der Schützenmatte und im Innern des Kulturzentrums waren 15 Männer angehalten worden – 13 wegen des Verdachts der Dealerei und zwei, weil sie den Polizeieinsatz behindert haben sollen.

9 Männer stammen aus Nigeria, je einer aus dem Irak, Italien, Syrien, Sudan, Marokko und Äthiopien. Sie werden alle angezeigt, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Neun sind mittlerweile wieder auf freiem Fuss, vier wurden wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz in Haft genommen.

Die Polizei wurde beim Einsatz nach eigenen Angaben von mehreren Personen behindert. So habe ein Unbekannter vom Balkon der Reitschule aus Polizisten mit einer Steinschleuder angegriffen. Im Innern der Reitschule seien die Einsatzkräfte verbal und körperlich bedrängt worden.

Wortgefecht auf Twitter

Die Mediengruppe der Reitschule teilte mit, mindestens eine Person sei durch Gummigeschosse verletzt worden. Der Betrieb im Reitschul-Restaurant Sous le Pont sei stundenlang beeinträchtigt worden, ebenso der öffentliche Verkehr um die Schützenmatte.

Nause hatte auf seinen Rausschmiss zunächst empört reagiert:

Woraufhin sich die beiden Parteien weiter gegenseitig via Twitter anfeindeten:

Die Stimmung rund um die Berner Reitschule ist bereits seit September angespannt. Damals eskalierte die Situation, nachdem eine Patrouille auf der Schützenmatte Präsenz markierte. Reitschule und Polizei beschuldigten sich anschliessend gegenseitig, für die Ausschreitungen verantwortlich zu sein. (viw/sda)

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