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Gegendemo gegen «Marsch fürs Läbe»: Der Demozug bewegt sich nun durchs Breitenrain-Quartier.
Gegendemo gegen «Marsch fürs Läbe»: Der Demozug bewegt sich nun durchs Breitenrain-Quartier.Bild: watson

«Marsch fürs Läbe» mobilisierte 1500 Menschen, die Gegendemo 800

In Bern ist eine Gegendemo gegen die Kundgebung «Marsch fürs Läbä» friedlich zu Ende gegangen. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent. 
15.09.2018, 14:2015.09.2018, 19:21

1500 Menschen haben nach Angaben der Organisatoren am Samstag in Bern am «Marsch fürs Läbe» teilgenommen, einer bewilligten Kundgebung gegen Abtreibung. Eine Gegendemonstration mobilisierte bis zu schätzungsweise 800 Personen. Sie verlief friedlich und endete um halb fünf Uhr vor der Reitschule.

Diese unbewilligte Gegendemonstration lief unter dem Titel «Marsch fürs Leben stoppen». Den Kundgebungsteilnehmern gelang es aber nicht, bis zum Bundesplatz vorzudringen, wo sich die Abtreibungsgegner versammelt hatten.

Die Polizei hatte den Bundesplatz mit Absperrgittern von allen Seiten her abgeriegelt. Zudem standen Dutzende von Polizisten in Vollmontur zum Eingreifen bereit.

Die unbewilligte Demonstration wurde von der Polizei toleriert, wie ein watson-Reporter vor Ort feststellte. In Anspielung auf die Gesinnung der Abtreibungsgegner sangen sie lautstark: «Alle Kinder werden so wie wir! Alle Kinder, werden alle queer!» An der Spitze trugen sie ein Transparent mit der Aufschrift «Bern stellt sich queer» (schwul). Auf anderen Plakaten stand «My Body, my Choice». 

Die unbewilligte Demonstration wird von der Polizei toleriert.
Die unbewilligte Demonstration wird von der Polizei toleriert.Bild: watson

Als die Gegendemonstranten nach einem Zug durch die Stadt zum Bundesplatz kamen, liessen sie es bei einem Pfeifkonzert aus Trillerpfeifen bewenden. Dann zogen sie ab. Es kam zu keinerlei Konfrontationen zwischen Demonstranten aus Berns linker Szene und christlich-konservativen Abtreibungsgegnern.

Der Demozug zieht durch die Innenstadt.
Der Demozug zieht durch die Innenstadt.Bild: watson

Petition an Bundesrat lanciert

Mit dem neunten «Marsch fürs Läbe» wollten die Organisatoren ein Thema an die Öffentlichkeit tragen, das ihnen zufolge heute noch ein Tabu ist: Dass Frauen nach einer Abtreibung in seelische und körperliche Not kämen. Deshalb berichteten zwei Frauen an der Kundgebung von ihren Erfahrungen.

Teilnehmer der Kundgebung«Marsch fürs Läbe». 
Teilnehmer der Kundgebung«Marsch fürs Läbe». Bild: KEYSTONE

An der Kundgebung lancierten die Organisatoren – unter ihnen die Schweizerische Evangelische Allianz und die EDU – auch eine Petition an den Bundesrat. Die Landesregierung soll sich anhand dieser Bittschrift ein «umfassendes, wissenschaftlich gestütztes Bild über die gesundheitlichen Folgen von Abtreibungen verschaffen». Der apostolische Nuntius in Bern, Erzbischof Thomas E. Gullicksen, richtete eine Grussbotschaft an die Teilnehmer.

Der apostolische Nuntius in Bern, Erzbischof Thomas E. Gullicksen, richtete eine Grussbotschaft an die Teilnehmer.

Berner Sicherheitsdirektor zufrieden

Der Stadtberner Sicherheits- und Umweltdirektor Reto Nause zog nach dem Anlass eine positive Bilanz. Polizeieinsatz und -taktik seien aufgegangen. Die bewilligte Kundgebung habe wie geplant und ohne Zwischenfälle stattfinden können. 

Die Berner Stadtregierung hatte der Kantonspolizei eigentlich den Auftrag gegeben, eine Gegendemonstration zu verhindern. Darauf angesprochen sagte Nause, die Gegendemo habe sich zuerst stadtauswärts bewegt.

In der Tat schlug der Demonstrationszug, vom Berner Bahnhofplatz ausgehend, zuerst den Weg ins Länggassquartier ein. Danach zog er aber via Inselspital zurück ins Stadtzentrum.

Ungefähr 300 Personen demonstrieren gegen «Marsch fürs Läbe». 
Ungefähr 300 Personen demonstrieren gegen «Marsch fürs Läbe». Bild: watson

Da sich die Kundgebungsteilnehmer friedlich verhalten hätten, habe die Einsatzleitung den Zug toleriert, sagte Nause. Die Polizei habe damit den Beweis geliefert, dass sie in der Lage sei, angemessen zu reagieren und verhältnismässig vorzugehen.

Demo-Aufruf der PNOS sorgte für Wirbel

Eingeladen haben mehrere christlich-konservative Organisationen, darunter die Schweizerische Evangelische Allianz und die EDU Schweiz. Gegner der Kundgebung werfen den Organisatoren vor, ein «frauenverachtendes und rückständiges Gesellschaftsbild» zu vertreten. Ebenso sorgte ein Demo-Aufruf der PNOS im Vorfeld für Wirbel. 

Teilnehmer der Gegendemo in Bern.
Teilnehmer der Gegendemo in Bern.Bild: watson

Im «Namen Gottes» werde das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über den eigenen Körper verneint. Die Gegner haben eine Gegendemonstration angekündigt, welche die Polizei verhindern soll. Die Berner Stadtregierung hat der Polizei den entsprechenden Auftrag erteilt.

Gitterwagen der Polizei stehen vor dem Bundesplatz bereit. 
Gitterwagen der Polizei stehen vor dem Bundesplatz bereit. bild: watson

Im Kanton Bern bleiben deshalb am Samstag viele Wachen geschlossen, vor allem auf dem Land. Die Polizisten müssen in Bern Dienst leisten.

Vor zwei Jahren war die Ausgangslage in Bern identisch: Damals sicherten mehrere hundert Polizisten den «Marsch fürs Läbe» und verhinderten, dass der gegnerische Demonstrationszug bis zum Bundesplatz vordringen konnte. Es blieb weitgehend friedlich. (am/sda)

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178 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pafeld
15.09.2018 15:28registriert August 2014
Nennt das Ding doch gefälligst beim Namen: Marsch zur Unterdrückung der Frau im Namen des christlichen Gottes. Niemand kann von sich behaupten, man würde für eine gute Sache eintreten, wenn selbst die PNOS zur Teilnahme an der Aktion aufruft.
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TheDude10
15.09.2018 15:14registriert November 2015
Wen die PNOS mit christlichen fundis mitläuft ist ja klar, dass es nicht um die frau geht, sondern um die eine mittelalterliche Einstellung und Angst mache.
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bytheway
15.09.2018 15:58registriert Dezember 2014
Auch wenn ich gegen ein Abtreibungsverbot bin, haben diese Leute genauso das demokratische Recht, eine Kundgebung abzuhalten.
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