DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eveline Widmer-Schlumpf, Swiss Federal council and Finance Minister, on her way to a press conference, Tuesday, May 20, 2014 in Bern, Switzerland. Widmer-Schlumpf will comment on the US Justice Department's verdict to charge Suisse bank Credit Suisse AG with helping wealthy Americans to avoid paying taxes through offshore accounts. Credit Suisse was imposed a penalty of USD 2.6 billion by the US authorities on Monday, May 19 2014. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Dossierfest und zäh: Eveline Widmer-Schlumpf hat gute Chancen auf eine Wiederwahl – wenn sie bleiben will.
Bild: KEYSTONE

Drei gute Gründe, weshalb Widmer-Schlumpf selbst bei einem Rechtsrutsch hoffen darf

FDP und SVP dürften am 18. Oktober Sitze gewinnen. Dies zeigen aktuelle Umfragen und Analysen. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat trotzdem intakte Chancen auf eine Wiederwahl.



Knapp drei Wochen vor den nationalen Wahlen scheint sich der Rechtstrend zu bestätigen. Zwei Sonntagsblätter haben entsprechende Zahlen veröffentlicht: Laut einer repräsentativen Umfrage des «SonntagsBlick» werden SVP und vor allem FDP deutlich zulegen, während den Mitteparteien «ein veritables Desaster» drohe. Die «Schweiz am Sonntag» hat eine detaillierte Analyse möglicher Sitzgewinne für alle Kantone erstellt. Demnach kann Mitte-Rechts mit bis zu elf zusätzlichen Mandaten in National- und Ständerat rechnen.

Ein solches Szenario verspricht Hochspannung bei der Gesamterneuerungswahl des Bundesrats am 9. Dezember. Eveline Widmer-Schlumpf, deren Sitz die SVP «zurückerobern» will, wurde vor vier Jahren mit 131 Stimmen wiedergewählt. Sie übertraf das absolute Mehr um genau diese elf Stimmen. Trotzdem sind die Perspektiven der BDP-Bundesrätin nicht so schlecht, wie man annehmen könnte. Ihre Chancen auf eine Wiederwahl sind aus mehreren Gründen intakt:

1. Sitzverteilung in der Mitte

Trotz Rechtsrutsch kommt Widmer-Schlumpf in der Modellrechnung der «Schweiz am Sonntag» auf 125 Stimmen (SP, Grüne, CVP, BDP, EVP, diverse Linke), während das Mitte-Rechts-Lager 121 Stimmen vereinigt (SVP, FDP, GLP, diverse Rechte). Dies würde für die Wiederwahl reichen. Allerdings hinkt diese Prognose aus mehreren Gründen. So ist es zweifelhaft, dass die Grünliberalen einen SVP-Kandidaten wählen würden. Im Nationalrats-Rating der NZZ sind sie links der Mitte angesiedelt. Zumindest ein Teil der Fraktion dürfte für die Bündnerin votieren.

Officials empty ballot boxes to count votes of the cabinet election during the winter Parliament Session in Bern, Switzerland, December 14, 2011. (KEYSTONE/POOL/Michael Buholzer)

Bundesratswahl 2011: Widmer-Schlumpf übertraf das absolute Mehr um elf Stimmen.
Bild: keystone

Ähnlich sieht es bei den anderen Parteien aus. Die CVP war bislang eine verlässliche Stütze von Widmer-Schlumpf, dennoch könnten einzelne «Dissidenten» nach rechts abwandern. Der einflussreiche Fraktionschef Filippo Lombardi hat sich öffentlich für einen zweiten SVP-Sitz stark gemacht. Dieser Effekt dürfte jedoch kompensiert werden durch «Abtrünnige» bei der FDP. Bereits vor acht und vier Jahren konnte die BDP-Bundesrätin auf FDP-Support zählen.

2. FDP-Bashing durch SVP und «Weltwoche»

Verstärkt werden könnte dieser Effekt durch die anhaltenden Angriffe auf die FDP aus den Reihen der SVP. Vor allem ihr Hausblatt «Weltwoche» tut sich in dieser Hinsicht hervor, etwa mit einem «ABC des Unfreisinns». Nach Philipp Müllers Autounfall hievte sie den FDP-Präsidenten aufs Cover mit der Schlagzeile «Menschliches Versagen». Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», enervierte sich über dieses «Unfriendly fire» der SVP auf die FDP.

Weltwoche-Cover zu Philipp Müllers Autounfall

«Weltwoche»-Attacke auf Philipp Müller.

Ein Motiv ortet Müller in der Weigerung der Freisinnigen, mit der Volkspartei flächendeckend Listenverbindungen einzugehen. Dennoch falle die Penetranz der Angriffe auf: «Offenbar passt es der SVP nicht, dass der Freisinn im Moment erfolgreich ist und sich so die Konkurrenzlage im bürgerlichen Wählersegment verändert.» Das betrifft auch die personelle Komponente: Philipp Müller gelingt es immer besser, sich als führender Kopf im rechtsbügerlichen Lager zu etablieren. Für die SVP stellt dies eine Bedrohung dar, was die Attacken auf seine Person erklären könnte.

So wählst du richtig

Nationalrat

Ständerat

Der Verein Politools lässt dich deine politischen Einstellungen auf der Wahlplattform Smartvote mit denjenigen der kandidierenden Politiker vergleichen. Es empfiehlt sich, nicht Kandidaten mit der grössten Übereinstimmung zu wählen, sondern solche mit grosser Übereinstimmung und intakten Wahlchancen.

3. SVP-Kakophonie im Kandidaten-Karussell

Im Juni setzte die SVP eine Findungskommission für mögliche Bundesratskandidaten ein, geleitet vom früheren Aargauer Regierungsrat Ernst Hasler. Sie wollte damit ein Debakel wie 2011 vermeiden, als ihr Kandidat Bruno Zuppiger über eine Erbschaftsaffäre stolperte. Funktioniert hat dies bislang nicht, im Gegenteil. Statt die Kommission in Ruhe arbeiten zu lassen, lancieren führende Parteiexponenten laufend Kandidaturen der zweifelhaften Sorte.

Parteipraesident Toni Brunner, links, und Nationalrat Adrian Amstutz, rechts, von der SVP, aeussern sich zur Zuwanderung, am Dienstag, 26. Mai 2015, in Bern. Die SVP ist nicht zufrieden mit den Vorschlaegen des Bundesrats zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Die Regierung missachte damit den Volkswillen. Die SVP lehnt es vor allem ab, dass die Zuwanderung aus Europa nur mit Zustimmung der EU begrenzt werden soll. Damit werde der EU ein Vetorecht betreffend der Schweizer Gesetzgebung eingeraeumt, erklaerte die SVP zum Ablauf der Vernehmlassungsfrist. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Toni Brunner und Adrian Amstutz sind kaum wählbar.
Bild: KEYSTONE

Im Sommerloch machte sich Parteipräsident Toni Brunner für Adrian Amstutz stark, obwohl dieser aus zwei Gründen kaum wählbar ist: Der Fraktionschef ist eine polarisierende Figur, und er wäre der dritte Berner in der Landesregierung, was auch nach Aufhebung der Kantonsklausel kaum vermittelbar wäre. SVP-Vordenker Christoph Blocher wiederum sprach sich für Toni Brunner aus, obwohl der Toggenburger auch nach 20 Jahren im Nationalrat kaum mehr ist als ein ewig bubenhafter Sprücheklopfer. In Bundesbern lästert man über Brunners fehlende Dossierkenntnisse.

Solche Manöver lassen einen Verdacht aufkommen: Will die SVP gar keinen zweiten Sitz? Tatsächlich kann sie mit dem heutigen Arrangement gut leben. Mit Ueli Maurer erfüllt sie die Ansprüche der «Traditionalisten», die Wert legen auf eine SVP-Vertretung im Bundesrat. Gleichzeitig kann sie weiterhin jammern, dass sie als wählerstärkste Partei mit nur einem Sitz untervertreten ist, und so ihr Doppelspiel als Regierungs- und Oppositionspartei fortführen.

«Weshalb die SVP meint, mit Dauerattacken auf die FDP ihrem grossen Ziel näher zu kommen, ist nicht nachvollziehbar», schreibt Felix E. Müller. Ausser sie verfolgt dieses Ziel nicht ernsthaft. Mehr wird man am Wahltag wissen. Falls der Rechtsrutsch noch deutlicher ausfällt als erwartet, ist ein zweiter SVP-Sitz kaum vermeidbar. Gleiches gilt für den Fall, dass Eveline Widmer-Schlumpf auf eine erneute Kandidatur verzichten sollte. Bis Ende Oktober will sie darüber entscheiden.

Soll Eveline Widmer-Schlumpf wiedergewählt werden?

Go Vote CH Helvezin

#GoVoteCH

#GoVoteCH ist eine Compilation mit 3 x 26 Tracks aus der Schweiz. Und #GoVoteCH will die Wahlbeteiligung erhöhen: Die 78 Artists rufen deshalb für den 18. Oktober 2015 zur Wahl auf. Denn: «Im Bundeshaus wird vieles entschieden, das im Alltag Auswirkungen hat. Wählen ist ein Privileg. Wer kann, soll.» #GoVoteCH ist ein Projekt der Zeitschrift «Helvezin».

Das könnte dich auch interssieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Grossbrände in Kapstadt verwüsten Uni und Hospital

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Expertin der Task Force: «Wir setzen jetzt den Sommer aufs Spiel»

Der Bundesrat lockert am Montag in diversen Bereichen. Wir haben mit Tanja Stadler von der Science Task Force gesprochen und versucht, auch etwas in die Zukunft zu schauen.

Die Wissenschaft ist mit den vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen nicht einverstanden. In der Science Task Force kam es gar zu einem weiteren Abgang. Dominique de Quervain verlässt die Expertengruppe, wegen des «politischen Korsetts».

Auch Tanja Stadler, welche bei der Task Force die Expertengruppe Data and Modelling leitet, ist wenig erfreut über die Lockerungsschritte. Wir haben mit Ihr über die aktuelle Lage in der Schweiz und die kommenden Wochen gesprochen.

>> Coronavirus: Alle News …

Artikel lesen
Link zum Artikel