Schweiz
Crans-Montana

70 Sekunden zwischen Feuer-Ausbruch und Flashover in Crans-Montana

crans montana decke fängt feuer le constellation silvester 2.1.26
Kurz vor dem verhängnisvollen Moment: Das Servicepersonal hält Flaschen mit Wunderkerzen in die Höhe.Bild: x

Laut Rekonstruktion: 70 Sekunden zwischen Feuer-Ausbruch und Flashover in Crans-Montana

In der Silvesternacht nahm das Geschehen in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana seinen verhängnisvollen Lauf. Eine Rekonstruktion des zeitlichen Ablaufs zeigt, dass zwischen dem Beginn des Feuers und dem schlagartigen Ausbreiten nur etwa 70 Sekunden vergingen.
19.01.2026, 21:3020.01.2026, 03:26

Die deutsche Zeitung Bild hat den unmittelbaren Beginn der Katastrophe rekonstruiert, unter anderem durch Zeugenaussagen der ebenfalls in der Bar beschäftigen Servicemitarbeitenden Louise L. und Einsatzprotokolle der Rettungskräfte.

  • 21:30 Uhr: In der Bar «Le Constellation» beginnt die Silvesterparty. Der Zutritt ist beschränkt, nur Gäste mit entsprechenden Bändchen dürfen hinein. Reservierte Tische kosten bis zu 1000 Franken.
  • 22:15 Uhr: Die Betreiberin der Bar, Jessica Moretti, trifft im Lokal ein.
  • Mitternacht: Wie die 25-jährigen Kellnerin Louise L. gegenüber «Bild» angibt, ist der Betrieb zu diesem Zeitpunkt noch ruhig. Es bleibt Zeit für Neujahrswünsche, serviert werden nur wenige Getränke, die Bar ist nicht stark gefüllt.
  • 1:10 Uhr: Zwei Gruppen bestellen Champagner und Wodka. Ein Gast bittet darum, dass die Flaschen erst 10 bis 15 Minuten später serviert werden.
  • 1:15 Uhr: Jessica Moretti bittet die Mitarbeiterinnen Cyane P. und Camille C. kurzfristig um Unterstützung beim Servieren. Insgesamt sollen 16 Flaschen ausgeliefert werden. Die beiden begeben sich über die enge Treppe vom Erdgeschoss nach unten. Louise L. wird ins Büro geschickt, um Masken zu holen.
  • 1:26 Uhr: Auf das Kommando «Los, los» setzt sich die Gruppe mit den Flaschen in Bewegung. Cyane sitzt auf den Schultern eines Mannes. Der DJ spielt auf Wunsch der Gäste den Song «A.W.A.» des französischen Rappers Lacrime.
  • 1:26:52 Uhr: Cyane führt eine Gruppe von sechs Personen mit insgesamt zehn Flaschen und brennenden Wunderkerzen durch die Bar. Am Ende läuft Jessica Moretti mit einer Champagnerflasche und filmt das Geschehen mit ihrem Handy. Laut Louise L. wird das Feuer in diesem Moment noch nicht wahrgenommen.
  • 1:27:02 Uhr: Erste Gäste bemerken die Flammen, nehmen die Situation jedoch zunächst nicht ernst. Ein Mann reagiert lachend und geht von einem Missgeschick aus.
  • 1:27:23 Uhr: Ein junger Mann versucht, das Feuer mit seinem Pullover zu löschen, wodurch sich die Flammen weiter ausbreiten. Louise L. berichtet später, dass auf Videoaufnahmen zu sehen sei, wie der Brand erst nach dem Weggang der Flaschengruppe ausbricht. Sie habe Panik bekommen und vor einer Explosion gewarnt.
  • 1:27:50 Uhr: Die Gäste versuchen über die enge Treppe zu fliehen. Jessica Moretti kann das Lokal frühzeitig verlassen und kommt mit leichten Verletzungen an der Hand davon.
  • 1:28:12 Uhr: Es kommt zu einem sogenannten Flashover. Rauchgase entzünden sich schlagartig, die Bar steht innert Sekunden vom Keller bis zur Veranda in Vollbrand. Ein Polizist spricht später von dichtem Rauch, Gedränge am Eingang und einer Explosion.
  • 1:28 Uhr: Jessica Moretti setzt den Notruf ab.
  • 1:32 Uhr: Eine erste Streife der mobilen Polizeieinheit wird alarmiert. Bei deren Eintreffen herrscht laut einem Inspektor völliges Chaos.
  • 1:38 Uhr: Die Feuerwehr erreicht den Einsatzort. Offene Flammen sind nicht mehr sichtbar, aus den oberen Stockwerken dringt jedoch dichter Rauch. Verletzte werden unter anderem in einem gegenüberliegenden Lokal mit Wasser versorgt.
  • 4:14 Uhr: Für Angehörige der Betroffenen wird eine Hotline eingerichtet.
  • 5:08 Uhr: Die Evakuierung der Verletzten ist abgeschlossen. Insgesamt kommen dabei zehn Helikopter zum Einsatz.

(mke)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Swen Goldpreis
19.01.2026 22:53registriert April 2019
Oder anders zusammengefasst:

Vom Zeitpunkt, als die ersten Personen das Feuer überhaupt bemerken bis zum Vollbrand - 70 Sekunden.

Vom Zeitpunkt, an dem das Feuer so bedrohlich wirkt, dass Menschen zu fliehen beginnen, bis zum Vollbrand - 22 Sekunden.

An alle, die davon sprechen, dass die "dummen" Opfer filmten statt sich zu retten: In 22 Sekunden hätte man das Lokal auch nicht evakuiert, wenn sich alle Gäste perfekt verhalten hälten.
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Hadock50
19.01.2026 22:35registriert Juli 2020
Ein Lob an alle Einsatzkräfte.
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Ius_Aeterna_93
19.01.2026 23:11registriert April 2024
Das Ganze spielte sich innerhalb von 1-2 Minuten ab, selbst wenn man sofort losgerannt wäre hätte man es nur knapp geschafft. Das Schicksal all jener die gefilmt haben war da so gut wie besiegelt (ich nenne es Doom-Prinzip).

Der Flash-Over kann man sich vielleicht als eine Art Explosion ohne Druckelement vorstellen, das Feuer ist auf einmal überall.

Alle die zu spät losgerannt sind steckten in der Treppe fest, andere wiederum standen hilflos am verbarrikadierten Notausgang.

Das Fazit: Brandschutz war nicht nur nicht vorhanden sondern negativ (eine regelrechte Todesfalle).
2012
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