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Grippe Krankheit Bettruhe Erkältung (Bild: Shutterstock)

Wer lange inaktiv im Bett liegt, kühlt schneller aus. Bild: Shutterstock

Bei Krankheit ab ins Bett – das ist fast nie eine gute Idee

Fast keine Krankheit wird durch Bettruhe besser. Im Gegenteil. Die Beschwerden können zunehmen.



«Legen Sie sich für ein paar Tage ins Bett.» Dieser Ratschlag gehört nach wie vor zu den gängigen Ratschlägen, die man in Arztpraxen hört. Doch die wissenschaftliche Datenlage zeigt: Es gibt kaum eine Krankheit, die im Bett wirklich besser wird. Im Gegenteil.

«Wir müssen davon ausgehen, dass immer noch viele Ärzte zur Bettruhe raten», berichtet Annette Becker von der Philipps-Universität in Marburg. Manchmal, so die Leiterin der Allgemeinmedizinischen Abteilung, geschehe dies nur im Nebensatz.

Nicht selten werde jedoch auch eine konkrete therapeutische Absicht verfolgt. Die werde von der Vorstellung getragen: «Da ist etwas kaputt, also muss ich den Patienten schonen.» Doch: «Wenn ich dessen Körper tage- oder sogar wochenlang inaktiviere, hat das weitreichende Konsequenzen für ihn», so Becker.

So schwächt die dauerhafte Immobilisation den Blutdruck und die Durchblutung der Organe. Das merkt der Patient daran, dass ihm – etwa bei einem Toilettengang – schwindelig wird, was zum Anlass genommen wird, sich gleich wieder hinzulegen. Die Folge: Der Kreislauf verliert weiter an Schwung.

Zudem erhöht ein schwacher Blutfluss das Risiko für die berüchtigten Gerinnsel einer Thrombose; und das flache Atmen während der Bettruhe verschlechtert den Sauerstoffgehalt des Blutes und die Durchlüftung der Lunge. Dadurch wird diese anfälliger für Infekte und Entzündungen.

Teufelskreis entsteht

Von zentraler Bedeutung ist zudem der Muskelverlust. Er beträgt schon zu Beginn der Bettruhe rund 15 Prozent pro Woche. Das schwächt den Patienten nicht nur weiter, sondern macht auch seine Bewegungen unsicherer, wenn er sich mal aus dem Bett erhebt. Gerade bei älteren Patienten erhöht dies die Sturzgefahr – und sie werden mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Pflegefall.

Eine Studie der US-amerikanischen Yale University zeigte: Das Risiko stationärer Patienten auf eine Pflegebedürftigkeit steigt um das Sechzigfache, wenn man sie vier Wochen lang mehr oder weniger im Bett hält. Es beträgt jedoch gerade mal das Fünffache, wenn man sie aus ihrem Krankenzimmer herausholt, damit sie sich bewegen.

Im Falle akuter Rückenschmerzen wie dem Hexenschuss verstärkt Bettruhe oft genau das, was die Beschwerden auslöst. Denn wenn sich der Patient ins Bett legt, werden die Schmerzen zwar erst einmal nachlassen, doch sofern er sich erhebt, werden sie wieder da sein und ihn in eine Schonhaltung zwingen, die über ihren Einfluss auf die Muskulatur die Schmerzen weiter verschlimmert.

«Diese Zunahme an Schmerzen verstärkt wiederum das Bedürfnis nach mehr Schonung», erläutert Becker. «Die Schonung wird damit zum Grund des Krankseins und das Kranksein zum Grund des Schonens.» Am Ende steckt der Patient in einem Teufelskreis, in dem der Schmerz geradezu zwangsläufig chronisch wird.

Besser ist: Der Rückenpatient nimmt ein Schmerzmittel ein und begibt sich vorübergehend in eine Rückenlage mit angewinkelten, hochgelagerten Beinen, die ihm spontan Erleichterung verschafft. «Doch aus dieser Position sollte er sich schon bald wieder erheben», sagt Becker.

Dann sollte er sich – mithilfe des Schmerzmittels – so weit bewegen, wie es ihm möglich ist. Die verbesserte Durchblutung und sinkende Muskelspannung schwächt den Schmerz bereits ab. Das Gefühl, seinem Leiden nicht ausgeliefert zu sein, gibt einen weiteren Heilungsschub.

Was tun bei Grippe?

Bei Atemwegsinfekten wie etwa einer Grippe sollte man sich zwar körperlich schonen, doch das muss nicht im Bett geschehen. Wobei Becker sagt: «Wer sich matt und erschlagen fühlt und möglicherweise Gliederschmerzen hat, kann sich natürlich hinlegen – und das wird ihm vermutlich auch guttun.»

Doch man sollte sich keine Schonzeiten auferlegen, nach dem Muster: Jetzt kuriere ich mich mindestens vier Tage im Bett richtig aus. Die Werbung für Erkältungsmittel suggeriert zwar, dass Schlafen die Heilung begünstigt. Doch das ist keineswegs belegt.

Was hingegen erwiesen ist: Wer lange inaktiv im Bett liegt, kühlt schneller aus. Ausserdem kann man in horizontaler Position schlechter abhusten, was gerade bei Atemwegsinfekten als Erleichterung empfunden wird. Was also tun? In den eigenen vier Wänden immer mal wieder wenig anstrengenden Alltagsgeschäften nachgehen, beispielsweise sich einen Tee kochen, Zähne putzen, duschen gehen und sich frische Kleidung anziehen.

Vor der Operation Sport treiben

Insgesamt gibt es nur wenige Krankheiten, bei denen man die Bettruhe gemäss wissenschaftlicher Datenlage als hilfreich einstufen kann. Dazu zählt neben instabilen Knochenbrüchen der akute Herzinfarkt, bei dem in der Regel aber 12 bis 24 Stunden Ruhigstellung ausreichen.

Selbst nach Operationen sollte der Patient möglichst schnell wieder in Bewegung kommen, wobei dies naturgemäss umso leichter klappt, je besser vorher seine körperliche Fitness gewesen ist. «Es ist sinnvoller, man trainiert vor dem Eingriff, um sich körperlich in Form zu bringen, als danach auf die angeblichen Segnungen der Bettruhe zu vertrauen», mahnt Becker.

Viele Ärzte sehen in Problemschwangerschaften mit drohender Frühgeburt eine klassische Indikation für strenge Bettruhe. Doch selbst das ist mittlerweile überholt. Judith Maloni von der US-amerikanischen Privathochschule Case Western Reserve University kommt nach Analyse der vorliegenden Studien zum Schluss: «Bettruhe bringt für Mutter und Kind eher Nach- als Vorteile.»

So macht es etwa der damit einhergehende Muskelschwund der Frau viel schwerer, das Baby bei der Niederkunft herauszupressen. Und ob Bettruhe eine drohende Frühgeburt wirklich aufhalten oder verzögern kann, ist keinesfalls sicher.

Das klingt zwar logisch, weil der Fötus in der Betthorizontale weniger auf den verkürzten Muttermund drückt. Doch in der Realität ist diese Strategie nicht wirkungsvoller, als wenn man den Frauen lediglich empfiehlt, sich nicht zu verausgaben und dem Körper Stossbelastungen zu ersparen. Nicht immer entspricht eben das, was logisch klingt, auch der Wahrheit. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • PaLve! 08.03.2018 12:48
    Highlight Highlight Als ich letztens die Grippe hatte und es mir nach zwei Tagen im Bett wieder einigermassen ging, hatte ich die Nase voll davon. Danach war ich einen Abend lang fort, relativ vorsichtig. Dies hat mich mit drei weiteren, im Bett liegenden, Tagen beschert.
    Erholung ist wichtig für den Körper, dass dieses Naturgesetz nicht missachtet werden sollte, kann mir jeder Mediziner bestätigen. Was man mit solchen Artikeln bewirken will, kann ich nicht nachvollziehen.
  • sheshe 08.03.2018 08:49
    Highlight Highlight Ich glaube von den Erstellern der Studie hatte noch nie jemand einen Hexenschuss. Tönt ja auf Papier alles sehr toll, wenn es dann aber schiesst, willst du dich einfach nur hinlegen.
  • Simsalabum 08.03.2018 08:46
    Highlight Highlight Alle drei Stunden ein Stockwerk Treppe hoch und runter steigen, danach einen Tee kochen. Zwei mal täglich 5-15min draussen spazieren (je nach Verfassung). Am ersten Krankheitstag ein Bad nehmen. Ohne Medikamente bin ich immer nach zwei Tagen gesund so. Ausnahme ist die Grippe, da geht es vier bis sieben Tage und noch Knoblauchsirup dazu.
    • iHero 08.03.2018 08:57
      Highlight Highlight Knoblauchsirup. Nur schon dieses Wort löst bei mir Übelkeit aus... Dabei mag ich Knoblauch eigentlich nicht ungerne.
    • Simsalabum 08.03.2018 09:48
      Highlight Highlight Wird mi Apfelessig und viel Honig eingekocht, danach mit Wasser verdünt. Ist nicht so schlimm wie es klingt 😉.
  • Anam.Cara 08.03.2018 07:32
    Highlight Highlight Nett. Da hat die Uni Yale ja ein Jahrhundertwerk verfasst. Es wurde vermutlich viel Geld und noch viel mehr Zeit investiert. Und man hat etwas herausgefunden, das die Menschheit wirklich weiter bringt: wenn ich mit Fieber nichts mehr tun kann/will, als wie eine tote Fliege im Bett zu liegen, sollte ich unbedingt zwischendurch aufstehen (wasser holen, urinieren, ...)
    Was bin ich froh, dass die Gelehrten mich endlich erleuchtet haben zu diesem Thema.
    /Sarkasmus off
    Gab es echt keine besseren Themen für eine Studie?
  • Wilhelm Dingo 08.03.2018 07:23
    Highlight Highlight Darum mache ich, wenn ich krank bin genau das, wozu ich Lust habe. Manchmal ist es wirklich nur unter die Decke kriechen, manchmal aber kann Einkaufen oder spazieren gehen gut sein. Auch essen sollte man genau das, worauf man Lust hat.
  • büezer83 08.03.2018 06:19
    Highlight Highlight na hoffe tlich liest dies niemand aus dem arbeitgeberverband. das wars dann wohl mit dem bezahlten krankgeschrieben sein😁
  • Domimar 08.03.2018 06:18
    Highlight Highlight Wenn ich krank bin (jedes Schaltjahr einmal, so ungefähr), dann bleibe ich nicht zu Hause, um die ganze Zeit im Bett zu liegen, sondern bewusst mit der Absicht, mich mental zu schonen. Vielleicht zocke ich mal einen Tag lang ein Spiel, das intellektuell nicht fordert (komplexere Spiele sind dann mühsam), oder ich lese oder schaue Fernseh oder sonst was. Mir geht es mehr darum, keine Menschen in meiner Nähe zu haben. Aber selten liege ich nur im Bett rum, wirklich nur, wenn ich keine Kraft mehr hab.
    • pinex 08.03.2018 13:32
      Highlight Highlight Dann machst du ja alles richtig :)
  • Toaster97 08.03.2018 02:21
    Highlight Highlight Also den Artikel hätte man sich sparen können... nach "Tagen oder Wochen" Bettruhe ist es doch durchaus logisch dass der Körper negativ beeinflusst wird. Die Aussge :"das wird ihm vermutlich auch gut tun", bei der Grippe sagt dann auch vieles über diesen Wissenschaftlichen Befund aus.
    Und zuletzt: vor einer Operation Sportreiben.. ja wenn man kann Empfielt es sich ja schon, aber meines Erachtens ist dies bei zimlich vielen Operationen eher Kontraproduktiv.
  • HPOfficejet3650 08.03.2018 02:12
    Highlight Highlight Kann ich mir schlecht vorstellen...

    Hatte bis gestern die Grippe mit 40 Grad Fieber und war dank Bettruhe (!) und sehr viel Wasser Trinken innert 4 Tagen wieder auf den Beinen. Ich rotierte lediglich zwischen TV und Bett ;) aber meh Bewegung hatte ich nicht. Deshalb kann ich es mir nicht vorstellen, dass Bettruhe kontraproduktiv sein sollte. Mir hat es sehr geholfen 👌🏼
    • iHero 08.03.2018 08:16
      Highlight Highlight Denke es ist hier eine Frage davon, welche Krankheit man hat. Bei einer Grippe mit relativ kurzer Leidensdauer würde es mir gleich gehen wie Ihnen: Ab ins Bett und rausschwitzen das Zeug. Wobei ich mich auch da immer mal wieder in die Dusche, aufs Sofa und in die Küche begebe. Aber was ist bei 3-, 4-, 5-wöchiger Krankheit? Da bin ich durchaus gewillt zu glauben, dass Bettpflicht eher schadet als hilft.
    • mmafightingforreal 08.03.2018 08:46
      Highlight Highlight Diese Ein-Mann-Feldstudien sind immer sehr aussagekräftig! Publizieren Sie diese doch...
      Oder lesen Sie den Tex nochmals durch, danach wird Ihnen Wichtiges auffallen.
    • PumpinPie 08.03.2018 08:56
      Highlight Highlight Aber du bist offenbar immerhin zwischen Bett und TV geswitscht. Dem Körper hilft es schön nur, wenn er durch das aufrechte Sitzen von einigen Minuten/Stunden anstrengen und seine Muskulatur benutzen muss. Die dauernde Horizontale ist schlimm für die Muskeln und die Lungenbelüftung! ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Leee 08.03.2018 00:58
    Highlight Highlight Ich arbeite in einem Spital, wir unterscheiden zwischen Bettruhe und strenger Bettruhe. Bei strenger Bettruhe sollte man das Bett möglichst gar nicht verlassen, bei Bettruhe verbringt man einen grossen Teil des Tages im Bett, wird jedoch regelmässig mobilisiert (je nach Gesundheitszustand entweder sitzen oder laufen). Das habe wir bis jetzt in jeder Institution so gehandhabt. Anscheinend ist die Schweiz der Wissenschaft voraus.
  • p4trick 07.03.2018 23:54
    Highlight Highlight Wer zum Arzt geht hat grundsätzlich schon verloren. Bei einer normalen Grippe oder Schnupfen bringt ein Arzt rein gar nichts. Im Prinzip bei 90% der Fällen die ihr ein Arzt aufsucht oder musst (unnötiges Arztzeugnis)
    Mit Wasser drinken bringt ihr im Prinzip alles weg. Bei Halsentzündung tuts auch ein guter Schnaps
    • Fabio74 08.03.2018 07:30
      Highlight Highlight Nun verlangen Arbeitgeber Teils ab dem 2. Tag ein Zeugnis. Also bleibt nur der Gang zum Arzt
      Der Rest deines Kommentars ist sinnfreier Mist.
    • Vintage 08.03.2018 13:41
      Highlight Highlight Schnaps? Oh je.
  • who cares? 07.03.2018 22:16
    Highlight Highlight Ja, am besten geher wir einfach arbeiten (Ironie).

    In der Praxis: letztes Mal als ich krank war, habe ich kaum eine Treppe geschafft und hätte am Esstisch mit dem Kopf auf dem Tisch gleich einschlafen können. Ich denke, da hat mir dann die Bettruhe doch etwas geholfen...
    • mmafightingforreal 08.03.2018 08:47
      Highlight Highlight Lest Ihr eigentlich den Text oder bloss den Titel? Lächerlich diese Kommentare
  • #ka 07.03.2018 22:06
    Highlight Highlight Und am schlus heists uf de bustel "los da belag ine vo hand" ... Isch sicher huere mit fieber... Ich gibe zue i h ha nid alles gläse aber lönd üs doch wenigstens das nu. das mier üs döfet usrue wenn mr chrank sind.. Und demit mein ich nid de schnuderi... Ide hütige zit wird vo üs scho gnueg erwartet... Aber die schlagzile isch "es zeiche i die falsch richtig" find ich. Aber peace out und #firstworldproblems
    • Anam.Cara 08.03.2018 07:25
      Highlight Highlight Normalerweise verstehe ich praktisch alle CH-Dialekte und Ausdrücke. Aber bei #ka kaum die Hälfte. Was wolltest du uns genau mitteilen? Und findest du nicht auch, dass es "Schriftsprache" heisst, weil man sie für schriftliches verwenden kann? Dann verstehen die anderen auch, was man sagen möchte...
    • trio 08.03.2018 12:51
      Highlight Highlight Naja, ist nicht wirklich schwer zu verstehen 😉 aber Schriftsprache ist doch einfacher und oft angenehmer zu lesen.
  • The Host 07.03.2018 20:57
    Highlight Highlight Nicht ins Bett? Auf dem Sofa chillt es sich auch ganz gut.
    • Ramy 08.03.2018 08:30
      Highlight Highlight Da ist der Fernseher auch in Sichtweite :D

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