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4 Grafiken zur Zunahme von psychischen Störungen bei jungen Frauen

Psychische Störungen haben in den letzten beiden Jahren vor allem bei jungen Frauen zugenommen.
Psychische Störungen haben in den letzten beiden Jahren vor allem bei jungen Frauen zugenommen.Bild: Shutterstock

4 Grafiken zeigen, wie stark psychische Störungen bei jungen Menschen zugenommen haben

In den Pandemiejahren 2020 und 2021 mussten deutlich mehr 10- bis 24-Jährige wegen psychischer Störungen hospitalisiert werden als in den Jahren zuvor. Betroffen ist vor allem die Altersgruppe zwischen 10 und 24 Jahren – und dort insbesondere die Frauen.
12.12.2022, 17:0612.12.2022, 17:21
Philipp Reich
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Dass die Nachfrage nach psychologischer Betreuung in der Corona-Pandemie das Angebot massiv übertraf, ist bereits bekannt. Klar ist nun, dass vor allem junge Frauen in den vergangenen zwei Jahren im Spital psychiatrische Hilfe suchten.

Zwischen 2020 und 2021 ist die Zahl der stationären Spitalaufenthalte wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 10 und 24 Jahren um 26 Prozent angestiegen. Bei gleichaltrigen Männern betrug der Anstieg im selben Zeitraum lediglich 6 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte.

Mit 19'532 Spitalaufenthalten waren die psychischen Störungen erstmals Hauptursache für die Hospitalisierungen bei den 10- bis 24-Jährigen und beliefen sich in dieser Altersgruppe auf einen prozentualen Anteil von 22,3 Prozent. Bei Erwachsenen ab 25 Jahren blieb die Zahl der stationären Spitalaufenthalte wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen mit einem moderaten Anstieg von einem Prozent dagegen fast konstant.

Im ersten Pandemiejahr waren die am häufigsten aufgetretenen Störungen bei jungen Frauen affektive Störungen, darunter laut BFS hauptsächlich Depressionen. Bei jungen Männern dagegen überwogen Störungen durch psychotrope Substanzen (beispielsweise Psychopharmaka oder Halluzinogene). Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie nahmen die affektiven Störungen dann auch bei den jungen Männern deutlich zu und bei jungen Frauen kam es zu einem ausserordentlichen Anstieg.

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grafik: BFS – bundesamt für Statistik

Dank mehreren Feldstudien ist bereits bekannt, dass die Corona-Krise jungen Menschen psychisch tendenziell stärker zugesetzt hat als älteren, da sie sich ohnehin bereits in einer herausfordernden Lebensphase befanden. So gestaltete es sich während der Pandemie noch schwieriger, eine Ausbildung zu absolvieren oder ins Berufsleben einzusteigen, weil verschiedene Ausbildungsstätten geschlossen waren. Ausserdem hemmten die pandemiebedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten den Ablöseprozess von der Familie. Aufgrund der angeordneten Massnahmen mussten die jungen Menschen ihr soziales Leben stark einschränken, was sich auf die Entwicklung der Beziehungen zu Gleichaltrigen auswirkte.

Warum aber Mädchen so viel stärker betroffen sind als Jungen, ist noch nicht komplett geklärt. Oliver Bilke-Hentsch, Präsident der Vereinigung Kinder- und Jugendpsychiatrischer Chefärztinnen und Chefärzte der Schweiz, erklärte Anfang Januar in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger , dass Mädchen wohl schlicht sensibler und deshalb besser in der Lage seien, sich mit ihren Sorgen und Problemen auseinanderzusetzen und diese auch anzusprechen, als Jungen. «Buben leiden weniger als Mädchen. Vielmehr neigen sie dazu, ihre Ängste und Probleme zu verdrängen.»

Es seien jedoch vor allem Mädchen, die an schweren Depressionen leiden und ihr Leben oder zumindest viele Bereiche davon als sinnlos empfinden würden. «Sie fragen sich etwa, ob es sich überhaupt lohnt, zu lernen oder irgendetwas im Leben anzustreben.» Dieses Phänomen hat während der Pandemie stark zugenommen.

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93 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Das Internet
12.12.2022 18:51registriert August 2020
Immer alles schön auf Covid abschieben, ist ja gerade Mode! Das greift aber meiner Meinung nach massiv zu kurz. Wir sind die erste Generation in Europa seit den Weltkriegen, die die Welt in schlechterem Zustand an unsere Kinder übergeben, als wir sie übernommen haben. Das Wohl unserer Nachfolgegeneration ist mit unserem Materialismus flöten gegangen. Tiefe Steuern sind wichtiger als intakte Infrastruktur. Alle wollen für sich einen Wahnsinnsjob, der nur mit anspruchsvoller Ausbildung zu erreichen ist. Der Druck wächst, der Sinn geht verloren. Resultat: kollektive Erschöpfungsdepression!
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Fight4urRight2beHighasaKite
12.12.2022 19:42registriert Oktober 2022
Mit der Art und Weise wie wir in der Moderne leben, dürfte es schwierig werden, psychische Krankheiten einzudämmen.

Ich bin noch keine 35 und habe die digitale Entwicklung vom C-64 in Vaters Gamekeller, bis hin zu einem Smartphone in allen Händen miterlebt. Heute ist alles online miteinander vernetzt und unsere Art zu kommunizieren hat sich in knapp zwei Generationen enorm verändert.

Dass diese schnelle Entwicklung nicht nur ein Erfolg ist, liegt auf der Hand. Auf Frauen dürfte die Onlinewelt noch mehr Druck ausüben bei all den zelebrierten Schönheitsidealen auf Social Media.
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ELMatador
12.12.2022 18:12registriert Februar 2020
Der allgemeine Leistungsdruck, der den Jugendlichen immer mehr aufgebunden wird. Ist und bleibt horrend. Die Frage, die sich stellt, ist, wie kann man damit umgehen bzw wie ermöglicht man es den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, aber den Leistungsdruck zu reduzieren.

Meiner Meinung nach müssen einerseits die Eltern, die teils komplett überfordert sind, für extreme oder inexistente Erwartungen sorgen, anderseits die Lehrpersonen, die heute immer mehr überfordert werden, angegangen werden.
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