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Medikamente frau

Neue Arzneimittel müssen von Swissmedic zugelassen werden, bevor sie auf den Markt kommen.  Bild: shutterstock.com

Darum kommen derzeit keine neuen Medikamente auf den Markt

Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) herrscht Chaos. Weil das BAG mit der dreijährlichen Preisüberprüfung von Medikamenten so ausgelastet ist, können derzeit keine neuen Arzneimittel zugelassen werden. Das betrifft auch Patienten. 



Alle drei Jahre überprüft das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Preise aller zugelassenen Arzneimittel und Therapien. Das heisst für die Mitarbeiter des BAGs vor allem Eines: Tausende von Excel-Zeilen durchforsten und kontrollieren, ob die Medikamente auch weiterhin die Aufnahmebedingungen erfüllen und ob sie günstiger verkauft werden können. 

So kommt ein neues Medikament auf den Markt

Will eine Pharmafirma ein neues Medikament oder eine neue Therapie auf den Markt bringen, braucht sie als allererstes die Zulassung von Swissmedic. Das Schweizerische Heilmittelinstitut beurteilt dann die Qualität, die Sicherheit und Wirksamkeit des neuen Arzneimittels.

In einem zweiten Schritt geht es zum Bundesamt für Gesundheit (BAG). Nach erneuter Prüfung legt das BAG den Preis des Medikaments fest und setzt es auf eine sogenannte Spezialitätenliste (SL). Krankenkassen vergüten ausschliesslich Therapien und Medikamente, die sich auf dieser Liste befinden. Das Aufnahmeverfahren auf die SL dauert in der Regel 18 Wochen. 

Aktuell herrscht jedoch Chaos beim BAG. Weil die Preisüberprüfungen erste Priorität haben, da sie bis Anfang Dezember abgeschlossen sein müssen, hat das BAG alle anderen Aktivitäten auf Eis gelegt. Das hat Konsquenzen: Gesuche für neue Arzneimittel werden anstatt im August erst wieder im Oktober bearbeitet. 

Neue Medikamente und Therapien kommen folglich nur mit riesiger Verzögerung auf den Markt. Pharmafirmen sind darüber wenig erfreut.

«Verzögerungen sind inakzeptabel»

«Die Priorisierung des BAG und die damit verbundenen Verzögerungen sind für uns inakzeptabel», erklärt Sara Käch, Leiterin Kommunikation von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz. Sorge bereitet Käch besonders der Zulassungsstopp: «Der Zugang zu Innovation wird verzögert und ist dadurch nicht mehr für alle Grundversicherten gesichert. Wir sind sehr besorgt über die Auswirkungen für Patienten und den Standort Schweiz.» 

Und jetzt: Medikamente neu interpretiert von Zukkihund

Die Forderung von Käch ans BAG ist klar: «Wir wollen, dass das BAG die abgezogenen Ressourcen umgehend wieder für die Aufnahme von Innovationen einsetzt. Der Zugang für alle Grundversicherten zu neuen Therapien ist sonst gefährdet.» 

Das BAG bestätigt zwar, dass es derzeit zu Verzögerungen kommt, spielt den Ball aber zurück an die Pharmafirmen. Grund für die Verzögerungen seien die Pharmafirmen selbst, die oft horrende Summen für Arzneimittel forderten, so Mediensprecher Grégoire Gogniat vom BAG. «Die Preisvorstellungen der Pharmafirmen entsprechen oft nicht dem Nutzen der Therapie. Wegen dieser hohen Forderungen können neue Therapien vermehrt nicht mehr oder nur verzögert nach intensiven Diskussionen in die Spezialitätenliste aufgenommen werden», erklärt Gogniat. 

ARCHIV - ZUM MEDIKAMENTEN-AUSLANDPREISVERGLEICH, AM DONNERSTAG, 31. MAI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---- Ein Generika-Medikament des Hersteller Mepha Pharma AG in Aesch abgefuellt in Kapseln, am 31. Januar 2006. (KEYSTONE/Gaetan Bally)  === ,  ===

Die Pillen wären ready, doch deren Zulassung dauert länger als gewohnt.  Bild: KEYSTONE

Laut Sara Käch von Interpharma würde ein verstärkter Dialog das Problem lösen. «Wir erwarten, dass das BAG verstärkt mit Interpharma und ihren Mitgliedern ins Gespräch tritt. Wir sind nach wie vor bereit, an Lösungen für die derzeitigen Probleme mitzuarbeiten.» 

Wie ein «harmloses» Beruhigungsmittel einen Skandal auslöste

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Video: srf

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23
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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • JackMac 21.07.2018 22:08
    Highlight Highlight Fehlt eindeutig mein Lieblingsmedikament
    Benutzer Bild
  • Mariokart-Luigi 21.07.2018 09:07
    Highlight Highlight Denkt dabei jemand an die immer steigenden Krankenkassenprämien?!
    • Stiller Berg 22.07.2018 01:38
      Highlight Highlight Ein Stichwort aus dem Artikel dazu: Preisüberprüfung
  • Lumpirr01 20.07.2018 12:16
    Highlight Highlight @Helene Obrist: Ihre Aussage:

    "Will eine Pharmafirma ein neues Medikament oder eine neue Therapie auf den Markt bringen, braucht sie als allererstes die Zulassung von Swissmedic"

    stimmt bestenfalls für den Schweizer Markt. Praktisch alle neuen Medikamente werden zuerst in den grössten Märkten USA, Kanada und EU zugelassen / eingeführt. Die Swissmedic ist meistens kapazitätsmässig gar nicht in der Lage, alle Zulassungsdokumente zu prüfen und über die Zulassung zu entscheiden. Die Markteinführung in der Schweiz erfolgt meistens erst dann, wenn andere bereits zugestimmt haben.............
  • zeromg 20.07.2018 12:08
    Highlight Highlight Excel Tabellen. Echt? Haben die keine Datenbank?
    • RhabarBär 20.07.2018 12:56
      Highlight Highlight Dachte ich auch, das macht doch heutzutage ein Algorithmus
  • Watcher 20.07.2018 11:54
    Highlight Highlight Medikamente sind - teilweise - auch völlig überflüssig. Nach vielen Jahren Kopfschmerzen und viel Tabletten habe ich nach ein paar Wochen ohne Tabletten keine Kopfschmerzen mehr. Seither bin ich - in diesem Fall - der Meinung, dass unser Körper nicht für diese teure Chemie, welche der Wachsenden Pharmaindustrie die Konten füllt, gemacht ist. Schliesslich konnte die Menschheit über eine geraume Zeit auch ohne leben. Ich bin eher der Meinung, unser "System" zu überdenken, und zwar so, dass diese neu geschaffenen Krankheiten aussterben.
    • Beggride 20.07.2018 13:03
      Highlight Highlight mit Medikamenten lebt man besser... Aber auch länger.
    • Dr. Zoidberg 20.07.2018 16:16
      Highlight Highlight Klar könnte die Menschheit ohne Medikamente leben. Halt so 30 - 35 Jahre, falls nicht die Pest oder Pocken dazwischen gekommen sind.

      Gott, was für ein Schwachsinn. Wer jahrelang Kopfschmerzen hat, sollte zu einem gescheiten Arzt gehen, statt Tabletten einzuwerfen.
    • Corpus Delicti 20.07.2018 18:04
      Highlight Highlight Watcher: Dies mag auf "Bagatellen" wohl zutreffen, jedoch gibt es unzählige Fälle und Diagnosen, welche eine medikamentöse Therapie unabdingbar machen. Dosis facit venenum.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raphael Stein 20.07.2018 11:14
    Highlight Highlight Tausende von Excel-Zeilen durchforsten und kontrollieren,

    Wie muss ich mir das vorstellen?
    So mit dem Zeigfinger auf ausgedruckten Tabellen von oben nach unten fahren ...

    Hilfe.

  • Andre Suwanda 20.07.2018 11:12
    Highlight Highlight Gemäss Liste der swissmedic wurden 2017 483 Neuzulassungen gesprochen. 2018 sind es bis jetzt 229. Ich glaube das reicht schon.
    • sowhat 21.07.2018 07:46
      Highlight Highlight Danke für diese Zahlen.
      Das legt nahe, dass die Pharmaindustrie, am lobbyieren ist und sich mit Hilfe der Medien Unterstützung aus der Bevölkerung holt. Ist der Artikel also Teil der geplanten Stimmungsmache?
  • Kronrod 20.07.2018 10:47
    Highlight Highlight Eines Tages wird unser System unter der Last der eigenen Bürokratie zusammenbrechen. Daran ist schon das römische Reich zerbrochen.
    • Mutzli 21.07.2018 12:21
      Highlight Highlight Ja schon klar, war die pöhse Bürokratie, nicht etwa die zig internen Kriege, Kaiser-Usurpatoren, wegbrechen der Verwaltung und industrie, klimaverschlechterung und geburtenrückgang etc. Stattdessen mussten die ollen Römer einmal zu viel ein Fornular ausfüllen, haben kollektiv gesagt “ich mag nimma“ und fertig imperium romanum...
  • ARoq 20.07.2018 10:43
    Highlight Highlight Können wir die Zulassungen nicht mit der EU harmonisieren? Das würde viel Geld und Zeit sparen.
    • Lumpirr01 20.07.2018 12:21
      Highlight Highlight Als Mitarbeiter einer grossen Pharmafirma kann ich bestätigen, dass das bereits grösstenteils der Fall ist.......
  • Blitzesammler 20.07.2018 10:29
    Highlight Highlight «Sorge bereitet Käch besonders der Zulassungsstopp: «Der Zugang zu Innovation wird verzögert und ist dadurch nicht mehr für alle Grundversicherten gesichert.»
    Wer's glaubt wird sehlig! Denen geht es wohl kaum um die Patienten... Eher um das Geld, welches sie nicht (oder erst etwas später) verdienen. Gier, gier, gier
    • Alnothur 20.07.2018 11:05
      Highlight Highlight Schaffen wir doch die pöhsen pöhsen Medikamente ab. Nützen ja nichts, sind bloss Profitvehikel.
    • Jättelattejaterö 20.07.2018 13:35
      Highlight Highlight Das Geld wird im Ausland (Massenmärkte) gemacht, die Schweiz hat hier eine Nebenrolle. Alle wollen verdienen, auch du brauchst deinen Lohn.
  • mrgoku 20.07.2018 10:11
    Highlight Highlight Lustig wie die Pharmaindustrie einen Schuldigen sucht... selber aber richtig heftig abkassieren....

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