Schweiz
Gesundheit

In Lebensmitteln verboten – doch Globuli dürfen Hunde- und Delfinmilch enthalten

Bild

In Lebensmitteln verboten – doch Globuli dürfen Hunde- und Delfinmilch enthalten

Für die Inhaltsstoffe von homöopathischen Arzneimitteln gelten laschere Regeln als für Nahrungsmittel. So sind in der Schweiz Präparate erhältlich, die aus der Milch von Hündinnen hergestellt wurden.
13.08.2017, 17:0413.08.2017, 17:04

Draufschreiben, was drin ist: Der Ruf deutscher Politiker nach einer strengeren Deklarationspflicht für homöopathische Mittel hat die Debatte über den Inhalt solcher Präparate neu entfacht – auch in der Schweiz. Dass etwa Globuli aus Küchenschaben hergestellt werden, provozierte ungläubige Kommentare.

Abseits des Grundsatzstreits nach der Wirksamkeit von Homöopathie werden auch ganz praktische Fragen laut: Woher beziehen die Hersteller die teils höchst exotischen Inhaltsstoffe? Und wer kontrolliert deren Qualität?

Hundemilch-Globuli für besseres Selbstwertgefühl

Neben homöopathischen Arzneimitteln aus Küchenschaben sind in der Schweiz etwa mehrere Präparate aus Hundemilch – im lateinischen Fachjargon lac caninum genannt – offiziell zugelassen. In deutschen und österreichischen Online-Shops sind gar Globuli aus Delfin- (lac delphinum) oder Löwenmilch (lac leonium) erhältlich. Milch-Präparate werden in der Homöopathie unter anderem eingesetzt, um Ängsten und einem geringen Selbstwertgefühl entgegenzuwirken.

Pikant: Im Lebensmittel-Regal wären solche Produkte verboten. Weder Hunde noch Delfine oder Löwen gehören zu den Tierarten, die in der Schweiz zur Lebensmittelgewinnung zugelassen sind, wie das zuständige Bundesamt auf Anfrage bestätigt.

Die «Qualität» muss stimmen

Für die Zulassung eines homöopathischen Mittels reicht es hingegen aus, wenn der entsprechende Ausgangsstoff auf der Liste der homöopathischen und anthroposophischen Stoffe aufgeführt ist. Und dies ist sowohl bei Hunde- als auch bei Löwen- und Delphinmilch der Fall, wie Lukas Jaggi vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic bestätigt. Selbst die letzteren beiden Stoffe könnten also im Meldeverfahren zugelassen werden.

Um eine Zulassung zu erhalten, muss der Antragssteller nachweisen, dass die «Qualität» des Produkts gewährleistet ist, und, wo nötig, «Unterlagen zum Artenschutz» vorlegen. In einem Formular muss er zudem deklarieren, in welchem Land die Tiere gehalten werden, von denen der verwendete Stoff stammt. 

«Das Ausgangsmaterial wird aus der Milch von Delphinen gewonnen, die ihre Jungen nicht annehmen.»
Homöopathie-Hersteller Homeocur

watson hat bei den Herstellern nachgefragt, woher sie die Tiermilch beziehen. Die Firma Omida schreibt, der Lieferant der Hundemilch stamme «aus dem EU-Raum». Man verfüge über eine Herstellungsbewilligung der Swissmedic und stelle alle Medikamente nach internationalen Richtlinien her. Die Firma Boiron verfügt in der Schweiz ebenfalls über eine Zulassung für Präparate aus Hundemilch, hat nach eigenen Angaben aber keine entsprechenden Produkte im Sortiment.

Wer auf der Suche nach Delfinmilch-Globuli ist, wird beispielsweise beim österreichischen Hersteller Homeocur fündig. Zur Frage, woher die Delfinmilch stammt, schreibt die Firma: «Das Ausgangsmaterial für hom. Arzneien besorgen wir uns selbst, es wird aus der Milch von Delphinen gewonnen, die ihre Jungen nicht annehmen.» Lieferant sei eine englische Firma. Wo die Delfine gehalten werden und wie man sich das «Melken» von Delfinen vorstellen muss, kann die verantwortliche Pharmazeutin hingegen nicht beantworten.

Drogenfund in Pferdekopf-Statue

Video: reuters
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Er erfand den sprechenden Bankomaten – das machte ihn verdächtig
Gegen alle Widerstände studiert Alireza Darvishy in Zürich Informatik, macht bei der Credit Suisse Karriere – und wird zum Pionier für digitale Barrierefreiheit.
Alireza Darvishy steht am Zürcher Central und möchte in der nahegelegenen UBS-Filiale Geld abheben. Für die allermeisten Menschen ist das Routine: Karte rein, Betrag auswählen, fertig. Für Darvishy ist es etwas komplizierter. Er lebt mit einer Sehbehinderung und nimmt durch ein eingeschränktes Sichtfeld nur Formen, Farben und Bewegungen wahr. Deshalb sucht er beim Bankomaten die Kopfhörerbuchse. So kann die Maschine mit ihm sprechen.
Zur Story