Schweiz
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In Lebensmitteln verboten – doch Globuli dürfen Hunde- und Delfinmilch enthalten

Für die Inhaltsstoffe von homöopathischen Arzneimitteln gelten laschere Regeln als für Nahrungsmittel. So sind in der Schweiz Präparate erhältlich, die aus der Milch von Hündinnen hergestellt wurden.



Draufschreiben, was drin ist: Der Ruf deutscher Politiker nach einer strengeren Deklarationspflicht für homöopathische Mittel hat die Debatte über den Inhalt solcher Präparate neu entfacht – auch in der Schweiz. Dass etwa Globuli aus Küchenschaben hergestellt werden, provozierte ungläubige Kommentare.

Abseits des Grundsatzstreits nach der Wirksamkeit von Homöopathie werden auch ganz praktische Fragen laut: Woher beziehen die Hersteller die teils höchst exotischen Inhaltsstoffe? Und wer kontrolliert deren Qualität?

Hundemilch-Globuli für besseres Selbstwertgefühl

Neben homöopathischen Arzneimitteln aus Küchenschaben sind in der Schweiz etwa mehrere Präparate aus Hundemilch – im lateinischen Fachjargon lac caninum genannt – offiziell zugelassen. In deutschen und österreichischen Online-Shops sind gar Globuli aus Delfin- (lac delphinum) oder Löwenmilch (lac leonium) erhältlich. Milch-Präparate werden in der Homöopathie unter anderem eingesetzt, um Ängsten und einem geringen Selbstwertgefühl entgegenzuwirken.

Pikant: Im Lebensmittel-Regal wären solche Produkte verboten. Weder Hunde noch Delfine oder Löwen gehören zu den Tierarten, die in der Schweiz zur Lebensmittelgewinnung zugelassen sind, wie das zuständige Bundesamt auf Anfrage bestätigt.

Die «Qualität» muss stimmen

Für die Zulassung eines homöopathischen Mittels reicht es hingegen aus, wenn der entsprechende Ausgangsstoff auf der Liste der homöopathischen und anthroposophischen Stoffe aufgeführt ist. Und dies ist sowohl bei Hunde- als auch bei Löwen- und Delphinmilch der Fall, wie Lukas Jaggi vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic bestätigt. Selbst die letzteren beiden Stoffe könnten also im Meldeverfahren zugelassen werden.

Um eine Zulassung zu erhalten, muss der Antragssteller nachweisen, dass die «Qualität» des Produkts gewährleistet ist, und, wo nötig, «Unterlagen zum Artenschutz» vorlegen. In einem Formular muss er zudem deklarieren, in welchem Land die Tiere gehalten werden, von denen der verwendete Stoff stammt. 

«Das Ausgangsmaterial wird aus der Milch von Delphinen gewonnen, die ihre Jungen nicht annehmen.»

Homöopathie-Hersteller Homeocur

watson hat bei den Herstellern nachgefragt, woher sie die Tiermilch beziehen. Die Firma Omida schreibt, der Lieferant der Hundemilch stamme «aus dem EU-Raum». Man verfüge über eine Herstellungsbewilligung der Swissmedic und stelle alle Medikamente nach internationalen Richtlinien her. Die Firma Boiron verfügt in der Schweiz ebenfalls über eine Zulassung für Präparate aus Hundemilch, hat nach eigenen Angaben aber keine entsprechenden Produkte im Sortiment.

Wer auf der Suche nach Delfinmilch-Globuli ist, wird beispielsweise beim österreichischen Hersteller Homeocur fündig. Zur Frage, woher die Delfinmilch stammt, schreibt die Firma: «Das Ausgangsmaterial für hom. Arzneien besorgen wir uns selbst, es wird aus der Milch von Delphinen gewonnen, die ihre Jungen nicht annehmen.» Lieferant sei eine englische Firma. Wo die Delfine gehalten werden und wie man sich das «Melken» von Delfinen vorstellen muss, kann die verantwortliche Pharmazeutin hingegen nicht beantworten.

Drogenfund in Pferdekopf-Statue

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Video: reuters

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Frausowieso 14.08.2017 14:32
    Highlight Highlight ....aber Asiaten verachten, weil sie an die Wirkung von Nashorn und co glauben.
  • rothi 13.08.2017 23:28
    Highlight Highlight Die mit Abstand beste homöopathische Indrigenz finde ich immer noch Black Goo. Ah ja, macht nicht denselben Fehler wie ich und googelt das. Da sind Chemtrails Kinderkram...
    • SemperFi 14.08.2017 15:00
      Highlight Highlight Super, hab ich natürlich erst recht trotzdem gemacht. Jetzt hab ich den Mist...
  • Nik G. 13.08.2017 23:06
    Highlight Highlight Ich findes es immer spannend bei solchen Berichten wird nie auf die Inhaltsstoffe von Pharmazeutika eingegangen. Dort stehen sehr viele Namen die 99 % der Menschen auch nicht verstehen. Ich meine in Gesichtscremen gibt es Harnstoff. Schlussendlich finde ich muss alles hibterfragt werden welche Behandlungsmethoden Sinn macht. Diee alternative Nedizin bietet in gewissen Behandlungen sehr gute Ergebnisse. Besonders in der Geburt wird viel mit möglicht wenig chemie gearbeitet. Es gibt nicht immer nur Schwarz und Weiss. Man soll beides Anwenden und beides kritisch betrachten
  • SemperFi 13.08.2017 21:20
    Highlight Highlight Spassig: Da monieren die Homöopathie-Gegner immer, da sei auf Grund der Verdünnung ja gar nichts drin und dann soll da plötzlich wieder Hundemilch oder Arsen drin sein. Eine konsequente Argumentation stelle ich mir irgendwie anders vor😂
  • QueenNiin 13.08.2017 20:42
    Highlight Highlight Es gibt ja sogar so Globuli-Kurse... ob die da über Delfinmilch reden?
  • wasylon 13.08.2017 19:15
    Highlight Highlight Ja da hat sich der Stimmbürger selbst ein Ei ins Nest gelegt als er die Initiative für Komplementärmedizin angenommen hat. Jetzt geniesst der Homöopathie Hokuspokus Verfassungsrang und das Globuli Weihwasser wird von der obligatorischen Grundversicherung bezahlt.
  • taisho-corer 13.08.2017 18:55
    Highlight Highlight Glaubuli 😂
  • LeChef 13.08.2017 18:21
    Highlight Highlight In Anbetracht dessen, dass die Herstellung dieser Produkte kaum kontrolliert ist, wäre es nicht verwunderlich, wenn viele Präparate den angegeben Wirkstoff nicht einmal enthalten.

    Die Diskussion ist aber sowieso müssig, denn selbst wenn die Wirkstoffe bei der Herstellung ordnungsgemäss beigefügt werden, sind ihre Konzentrationen im Endprodukt so verschwindend gering, dass sie (wenn überhaupt) nur im Labor von reinen Zuckerkügelchen unterschieden werden können.

    Ob da jetzt also Kakerlaken, Hundemilch oder gebrauchtes Friteusenfett drin ist, ist absolut unerheblich.
  • Corto Maltese 13.08.2017 17:23
    Highlight Highlight Ob es eine Rolle spielt oder nicht was da drin ist sollte jeder für sich entscheiden können und genau dafür wären die Deklarationen.
  • Der Tom 13.08.2017 17:21
    Highlight Highlight Was nicht drin ist ist nicht drin. Ob Hundemilch oder Gift. Völlig einerlei. Wirkt genau gleich nicht.
    • Abnaxos 13.08.2017 18:39
      Highlight Highlight Wenn das homöopathische Mittel «korrekt» hergestellt wurde, waren diese Zutaten durchaus im Herstellungsprozess beteiligt.

      Am Ende ist davon nichts mehr drin, das ist richtig. Trotzdem musste man die Delphinmilch zuerst zu diesem Nichts verdünnen. Daher interessiert es mich durchaus, woher diese Delphinmilch gekommen ist und wie man einen Delphin melkt.
  • nakasara 13.08.2017 17:19
    Highlight Highlight hahahahaha ich lach mich tot, von so einem seich hab ich von meinem Arzt noch nie was gehört oder bekommen, belladonna, arnika, ja aber hundemilch hahhahahaha scheibenkleister, sind wir hier bei den simpsons, wo rattenmilch getrunken wird? xD
    keine ahnung was für ein arzt solche "globuli" verschreibt, aber alle homöopathischen Ärzte die ich bis jetzz hatte, haben mir noch keine schaben, delfine oder hunde vorgesezt.
    aber die Deklaration sollte meiner Meinung nach auch so wie bei den Lebensmitteln sein. das wünschr ich mir jedoch auch für pharmamittel! was genau ist drin? steht auch nie drauf!
    • aye 13.08.2017 18:23
      Highlight Highlight Bei schulmedizinischen Arzneimitteln steht immer drauf, was drin ist - nur können die wenigsten etwas mit den Namen der chemischen Verbindungen anfangen, und das was man sich noch vorstellen könnte (Hilfsstoffe beispielsweise) wird in Latein angegeben.

      Bei homöopathischen Präparaten gibt es normalerweise genauso eine Inhaltsangabe, nur eben auch in Latein, obwohl hier auf Deutsch beinahe immer verständlich wäre, was drin ist. Nur tönt es eben nicht sehr überzeugend, wenn in einem Schnupfen-Globuli ganz normaler Rotz verwendet wird.
      Durch die Verdünnung auch egal, ist ja nichts mehr drin...
      Play Icon
  • John Smith (2) 13.08.2017 17:13
    Highlight Highlight Es spielt doch überhaupt keinen Unterschied, ob Globuli nun keine Kuh- und Ziegenmilch oder keine Delphin- und Hundemilch enthalten. Einzig vor der Gefahr von Diabetes durch die exzessive Einnahme der Zuckerkugeln sollte man warnen.

Immer mehr äussern sich zur Organspende – doch das Ziel ist noch weit entfernt

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