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Maurer lässt sich für China einspannen, Molina will Konsequenzen

Maurer besucht mit Autokraten Militärparade in China – SP-Molina fordert Konsequenzen

Auf Einladung des chinesischen Regimes nimmt der Ex-SVP-Bundesrat gemeinsam mit autokratischen Herrschern an einer grossen Militärparade in Peking teil. Es ist nicht Maurers erste chinafreundliche Aktion seit dem Ausscheiden aus dem Amt.
29.08.2025, 15:0229.08.2025, 16:40
Christoph Bernet / ch media
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Kreml-Herrscher Wladimir Putin, Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, Simbabwes Autokrat Emmerson Mnangagwa – und alt Bundesrat Ueli Maurer (SVP): Sie alle nehmen am nächsten Mittwoch an einer grossen Militärparade in Peking teil.

Switzerland's President Ueli Maurer, right, and China's President Xi Jinping review an honor guard during a welcome ceremony at the Great Hall of the People, Monday, April 29, 2019, in Bejin ...
Freunde von früher: 2019 empfing Chinas Machthaber Xi Jinping den damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer in Peking.Bild: AP/Pool Kyodo News

Das chinesische Regime begeht damit den 80. Jahrestag der Kapitulation Japans. Im offiziellen Propagandajargon wird der «Sieg des chinesischen Volkes im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression und im Antifaschistischen Weltkrieg» gefeiert.

Das Regime nutzt den Anlass zu Propagandazwecken. Zehntausende Soldaten sowie neue Kampfjets und Überschallwaffen werden am Tiananmen-Platz in Peking vor Chinas Machthaber Xi Jinping und den geladenen Gästen vorbeiziehen.

Maurer reist ohne Absprache mit Bundesrat

Aus Europa reisen nebst Putin nur die Chinafreunde Alexander Lukaschenko aus Belarus, Aleksandar Vucic aus Serbien und Robert Fico aus der Slowakei als amtierende Staatsoberhäupter nach Peking.

FILE - Russian President Vladimir Putin, right, and Chinese President Xi Jinpin shake hands at the Kremlin in Moscow, Russia, May 8, 2025. (AP Photo/Pavel Bednyakov, File)
Russia US Space
Xi und Putin im Jahr 2025.Bild: keystone

Angesprochen auf die fehlenden europäischen Spitzengäste verwies ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums am Donnerstag unter anderem auf die Teilnahme «ehemaliger Würdenträger» – er dürfte damit auch alt Bundesrat Maurer gemeint haben.

Wie SRF am Donnerstag berichtete, hat Ueli Maurer weder die Bundeskanzlei noch das Aussendepartement EDA über seine Teilnahme informiert. Gegenüber SRF sagte Maurer, er habe von der chinesischen Regierung eine Einladung erhalten und diese angenommen. Es sei wichtig, Kontakte und Beziehungen zu China zu pflegen.

Botschaft nutzte Maurer-Treffen gegen Taiwan

Bereits während seiner Amtszeit pflegte Maurer ein freundliches Verhältnis zu China. Während seines Präsidialjahres 2019 wurde er von Xi Jinping mit militärischen Ehren zu einem Staatsbesuch empfangen.

Auch später sorgte Maurer mit Kontakten zum offiziellen China für Schlagzeilen. Wenige Tage nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Ende 2022 traf er sich im Vorfeld des WEF mit Chinas Vizeministerpräsident Liu He.

Im April 2023 besuchte er ohne Absprache mit dem Bundesrat den chinesischen Botschafter in Bern zu einem Austausch über Wirtschaftsthemen. Die Botschaft machte das Treffen erst einige Wochen später publik. Just an dem Tag, als der Nationalrat einem Vorstoss über eine engere Zusammenarbeit mit dem Parlament von Taiwan zugestimmt hatte.

Im September 2024 besuchte Maurer eine Konferenz des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas in Shandong. Dort wurde Maurer als «Former President of the Swiss Confederation» präsentiert und sprach sich laut Medienmitteilung für die Akzeptanz verschiedener Standpunkte in den internationalen Beziehungen aus.

«Skandal und potenzieller Schaden»

Der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter verteidigt seinen Parteikollegen. Maurer sei nicht mehr Bundesrat und keine Person des öffentlichen Lebens mehr: «Er ist frei, eine solche Einladung anzunehmen.»

Franz Grueter, SVP-LU, stellt eine Frage zum Elektronischen Patientendossier EPD, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 14. Dezember 2023 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Al ...
Franz Grüter nimmt Ueli Maurer in Schutz.Bild: keystone

Kritik gibt es von SP-Nationalrat Fabian Molina (ZH): «Alt Bundesrat Mauer zeigt nicht zum ersten Mal seine Verehrung für autoritäre Regimes.» Dass Maurer eine solche Reise ohne Absprache mit dem EDA geplant habe und damit den Eindruck erwecke, er sei im Auftrag der offiziellen Schweiz unterwegs, sei «ein Skandal und ein potenzieller Schaden für unser Land».

Fabian Molina, SP-ZH, spricht zur Grossen Kammer, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 4. Juni 2024 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
SP-Nationalrat Fabian Molina übt Kritik an Maurer.Bild: keystone

Ehemalige Bundesratsmitglieder haben lebenslänglich Anspruch auf einen Diplomatenpass. «Dieses Privileg darf nicht missbraucht werden», sagt Molina. Er prüft nun einen Vorstoss, um ähnliche Aktionen in Zukunft zu verhindern. Konkret soll das Aide-Mémoire angepasst werden, der Leitfaden für aktive und ehemalige Bundesratsmitglieder.

Dieses schreibt ehemaligen Bundesräten lediglich vor, bei der Annahme von bezahlten Mandaten und Funktionen die «erforderliche Sorgfalt walten zu lassen», um Interessenskonflikte zu vermeiden.

Die Bundeskanzlei schreibt auf Anfrage, es existierten keine Regelungen für die Teilnahme ehemaliger Bundesratsmitgliedern an Anlässen. Es sei ihrem Ermessen überlassen, zu entscheiden, ob die Teilnahme an einem Anlass angemessen ist.

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Gina3
29.08.2025 15:12registriert September 2023
„Angesprochen auf die fehlenden europäischen Spitzengäste verwies ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums am Donnerstag unter anderem auf die Teilnahme «ehemaliger WÜRDENTRÄGER» – er dürfte damit auch alt Bundesrat Maurer gemeint haben.“

NEIN- definitiv nicht. Da ist bestimmt nicht Maurer gemeint.
➡️ Maurer hat sich nie als würdig oder als respektvoll erwiesen. Er war noch nie respektvoll gegenüber denen, die nicht so denken wie er und die nicht nach seinen Wünschen/ nach seinem Gusto abstimmen.
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Eckhardt
29.08.2025 15:36registriert Juni 2024
An Ueli Maurer als Person selbst hätten sie kein Interesse.
Es geht darum, dass er als Altbundesrat immer noch teilweise die offizielle Schweiz verkörpert. Mit seiner Einladung wollen sie sich und ihrem Anlass das Label „Schweiz“ umhängen. Maurer hats leider nötig, lässt sich verwöhnen und tappt in die Falle. Statt dass er sich unserem Land, von dem er immer noch profitiert, verpflichtet fühlt und es schützt.
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Christofero
29.08.2025 15:34registriert März 2019
In der Zwischenzeit ist es in der Schweiz den meisten bewusst, dass Maurer als Bundesrat nur Flops z.B. beste Armee, CS-Debakel etc. produziert hat, da muss er jetzt halt die Streicheleinheiten in China suchen!
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