Schweiz
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In schwerer See: die Schweizer Hochseeschifffahrt. ho/az

Schweizer Tanker lieferten Öl an Assad – USA drohten mit Vergeltung

Die Flotte von Reeder Grunder versorgte Syrien im Krieg mit Erdöl. Jetzt ist klar, wer Gegenmassnahmen gegen die Schweiz androhte. 

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Alle waren in heller Aufregung. Ein «Drittstaat», hiess es im Bundeshaus, drohte mit Gegenmassnahmen. Der Name dieses «Drittstaats» wurde gemäss gut informierten Quellen offiziell nie genannt. Aber es war klar, dass es sich um die USA handelte. Eine der Drohungen war, die Reederei von Hansjürg Grunder vom Dollargeschäft auszuschliessen. Weil in der Schifffahrt meist in Dollar bezahlt wird, hätte dies das Grounding der ohnehin bereits finanziell angeschlagenen Flotte sein können.

Das hätte auch den Bund finanziell schwer getroffen: Er stand für die Grunder-Schiffe als Bürge gerade (was ihn später mit 215 Millionen dennoch teuer zu stehen kam). In Aufruhr war gemäss Beobachtern auch die Grossbank UBS: Sie war quasi die Hausbank Grunders. Jetzt befürchtete die Grossbank, in den Fall hineingezogen zu werden und einmal mehr Ärger mit den USA zu bekommen.

Der Vorwurf, mit dem sich die Reederei konfrontiert sah: Sie habe mit ihren unter Schweizer Flagge fahrenden Schiffen mitten im syrischen Bürgerkrieg eine Firma beliefert, die auf der Syrien-Sanktionsliste der USA stand.

Tatsächlich hatte Grunders Tankersparte Mega Chemical Schifffahrt in dieser Phase insgesamt drei Reisen zum syrischen Mittelmeerhafen Tartus absolviert. Die Schweizer brachten mit ihren 20 000- Tonnen-Tankern drei Ladungen Erdöl aus Russland in den von Herrscher Baschar al-Assads Truppen kontrollierten Hafen. Dort befindet sich auch eine von Russland mitgenutzte Marinebasis.

Wundersame Beilegung der Krise

Was die Reederei übersah: Die syrische Abnehmergesellschaft der Ware war mit Sanktionen belegt. Ihr Name war offen- bar kurz zuvor auf der US-Sanktionsliste erschienen. Die Reederei soll die einträglichen Transporte nach Syrien für legal gehalten haben. Aber nun drohte der «Drittstaat» mit Vergeltung.

Hektik brach aus. Damals arbeitete der einst für die Schiffsbürgschaften zuständige ehemalige Chefbeamte des Bundes, Michael Eichmann, als «Advisor» für seinen Freund, den Reeder Grunder. Eichmann war es hauptsächlich, der die Affäre in Kontakt mit seinen alten Bekannten beim Bund und in Gesprächen mit dem «Drittstaat» beizulegen versuchte. Irgendwie konnte das Problem aus der Welt geschafft werden. Die USA sahen von Gegenmassnahmen ab. Im Gegenzug musste die Reederei zusichern, nie mehr gegen US-Interessen zu verstossen.

Wie wurde der Streit beigelegt? 

Wie die Krise genau beigelegt wurde, ist unklar. Geht es nach Schweizer Behörden, gab es die Affäre gar nicht. Das Aussendepartement (EDA) gibt an, es habe «keine Kenntnis von Differenzen» mit den USA und keine Kenntnis von allfälligen Sanktionsverletzungen durch Schiffe unter Schweizer Flagge.

Dass es in dieser Zeit Austausch mit der Reederei in Sachen Syrien-Geschäften gab, bestätigt aber auch das Aussendepartement: «Das EDA hat wie üblich nach Konsultation des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco im Januar 2015 die Reederei Mega Chemical Schifffahrt AG informiert, dass es zum Zeitpunkt der Anfrage kein Verbot gab, Erdöl nach Syrien zu liefern.» Die Reederei sei aber auch darauf hingewiesen worden, dass im Anhang 7 der bundesrätlichen Syrien-Verordnung aufgeführte Einheiten nicht in das Geschäft involviert sein durften, auch nicht in die finanziellen Aspekte des Geschäfts.

Fabian Maienfisch, Sprecher beim für Sanktionskontrollen zuständigen Seco, äussert sich nur generell: «Die privaten Akteure sind von Gesetzes wegen verpflichtet, die Schweizer Sanktionsmassnahmen zu respektieren. Darüber hinaus berücksichtigen die privaten Akteure bei ihren geschäftspolitischen Entscheiden oft auch die Risiken, welche sich aus den eventuell weitergehenden Sanktionsmassnahmen anderer Staaten ergeben.»

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • promensch 27.03.2018 18:25
    Highlight Highlight kommt mir vor wie nach nineeleven, die Amis nehmen sich lieber Land für Land einzeln vor, ist einfacher. Damals war Europa zuerst dagegen, sofort zuzuschlagen ohne gesicherte Beweise. Zuerst ist dann Italien, GB, Deutschland u.s.w umgefallen, zuletzt hatte dann auch Frankreich nachgegeben. Vergesse das den Franzosen nie. Und PS: das Erdöl ist aber jetz nicht sehr viel. Die Welt verbraucht gegenwärtig pro Tag 14.250.000.000 Liter Erdöl
  • malu 64 26.03.2018 13:00
    Highlight Highlight Von der Schweiz aus wird überall ein bisschen mitgemischt! Aber wir sind immer neutral und unschuldig!
    • Sir Konterbier 26.03.2018 14:37
      Highlight Highlight Ich finde hier ist eine Differenzierung nötig: Es war eine schweizer Firma und nicht die offizielle Schweiz. Und Firmen streben logischerweise nach Gewinn (und verlieren dabei den Kopf wie man hier sieht)

      Die Schweiz macht lediglich die Gesetze, und über deren Verschärfung kann man diskutieren.

      Aber der Fehler wurde von einer Firma mit Sitz in der Schweiz und nicht von der Schweiz begangen!
    • zialo 27.03.2018 11:21
      Highlight Highlight @Sir. Mit Verlaub, das ist Unsinn. Die Schweiz trat als Bürge auf. Es ging für sie um hunderte von Millionen an Steuergeldern.
  • Julian Roechelt 26.03.2018 10:51
    Highlight Highlight Es ist mir nicht ersichtlich, warum die legitime Regierung eines souveränen Staates nicht mit Rohstoffen beliefert werden darf.
    Die USA sind kriegsführende Partei in etlichen Konflikten weltweit, deshalb müssten sie eigentlich von diversen Exporten ausgeschlossen werden.
    • demokrit 26.03.2018 12:22
      Highlight Highlight Legitim, weil's der Diktator legitim findet, wenn er sich unrechtmässig die Macht krallt?
    • Christian Mueller (1) 26.03.2018 13:46
      Highlight Highlight Man sollte beide boykottieren!
    • pun 26.03.2018 14:28
      Highlight Highlight Mit ist nicht ersichtlich, warum die angeblich so legitime Regierung sein eigenes Volk massakriert und foltert (und zwar lange bevor sich die Massen radikalisiert und sich Islamisten angeschlossen hatte).
    Weitere Antworten anzeigen
  • pascii 26.03.2018 10:07
    Highlight Highlight Immer für einen Batzen zu haben, die Schweizer
  • Die Redaktion 26.03.2018 09:15
    Highlight Highlight Selbst wenn keine Sanktionen bestanden hätten, wer macht so etwas? Wer liefert russisches Öl in ein Kriegsgebiet, an den Hafen eines Tyrannen? Waren es neutrale Bürgschaften für neutrales Öl? An Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.
    • Raphael Stein 26.03.2018 10:45
      Highlight Highlight du meinst während die Rebellen Oel via Türkei aus dem Land schaffen?
  • blaubar 26.03.2018 09:08
    Highlight Highlight Und warum darf die Syrische Bevölkerung kein Öl von uns bekommen? Ist es besser, Waffen nach Saudiarabien zu liefern? Ich verstehe das nicht. Oder ist das Problem vielmehr die USA?
    • Moudi 26.03.2018 10:51
      Highlight Highlight Das ist eben die Westlich/US-Isra-Amerikanische Doppelmoral die kaum auszuhalten ist!
      Verlogener geht's kaum!
      Und wir geben bei jedem puups nach!
      Interessant wäre auch : "Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik" wäre dies überhaupt vertretbar?
    • Hierundjetzt 26.03.2018 12:39
      Highlight Highlight Selbstverständlich haben wir nur Heizöl geliefert. Im Sommer. Als die Grossoffensiven stattfanden.

      Das ein Kampfpanzer bis zu 1‘400l / 100km braucht ist dabei völlig unerheblich. Das 1‘000 Panzer und Panzerfahrzeuge, Kampfhikopter und Bomber im Einsatz sind, ebenso.

      Das die Schweiz Sanktionen mitträgt, ist dir wohl kurz entgangen

      Blaubar, Du hast jetzt auch schon besser argumentiert ☺️
    • blaubar 26.03.2018 14:21
      Highlight Highlight Ok. Darf sich Syrien denn nicht gegen Eindringlinge verteidigen? Was daran ist genau falsch? Syrien ist, wie die Schweiz und jedes andere Land souverän und kein Selbstbedienungsladen. Sie dürfen sich laut UNO Charta verteidigen. Wo liegt Euer Problem genau?
    Weitere Antworten anzeigen
  • pun 26.03.2018 08:42
    Highlight Highlight Un-fucking-glaublich. Diese verdammte Kriegsgewinnlermentalität bei manchen Schweizer Firmen muss aufhören. Neutralität darf niemals heissen, dass sich die Schweiz einfach auf die Seite der besten Kunden schlägt.
    • demokrit 26.03.2018 10:29
      Highlight Highlight http://www.20min.ch/schweiz/basel/story/Aktivisten-blockieren-erneut-Novartis-Eingaenge-31120235
    • PaLve! 26.03.2018 15:21
      Highlight Highlight Neutralität würde heissen, dass die Schweiz das machen würde, was WIR für richtig halten, nicht die Yankees
  • DaBoong 26.03.2018 08:34
    Highlight Highlight Ach wie schön er ist, der schweizer Polit- und Wirtschaftsfilz.... richtig heimelig, und das sogar international! 🤔
  • demokrit 26.03.2018 08:25
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