Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06569766 Myanmar's vice senior general Soe Win (L) arrives at the Joint Implementation Coordination Meeting (JICM) on the Nationwide Ceasefire Agreement in Naypyitaw, Myanmar, 28 February 2018.  EPA/HEIN HTET

Mitverantwortlich für die Verbrechen an den Rohingya: General Soe Win aus Myanmar. Bild: EPA/EPA

Erst stürzte er Hunderttausende ins Elend – dann besuchte Soe Win offiziell die Schweiz

Ein Uno-Bericht verdeutlicht das Ausmass der Gräueltaten, welche die Armee Myanmars begangen hat. Genannt werden auch die Hauptverantwortlichen. Einer davon besuchte erst kürzlich die Schweiz. 



Am 25. August 2017 brach für Hunderttausende Rohingya die Hölle los. 

«Dieser Tag fühlte sich an wie der letzte Tag dieser Welt, als ob die ganze Welt zusammenbrechen würde. Ich dachte, der Tag des jüngsten Gerichts sei gekommen.»

Augenzeuge im UNO-Bericht zu Myanmar

Gemäss eines am Montag veröffentlichten UNO-Berichts hat die Militärführung Myanmars beispiellose Vergehen gegen die Rohingya zu verantworten. So wird dem Oberbefehlshaber und fünf weiteren Personen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu Last gelegt. 

Mindestens 10'000 Personen seien getötet worden, schreiben die Menschenrechtsexperten. Es kam zu Massenvergewaltigungen, Folter, Versklavung und Gewalt gegen Kinder. 700'000 Rohingya wurden in die Flucht gezwungen und mussten das Land verlassen. Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing sprach selber von einer «Säuberungs-Aktion».

epa04942550 Senior General Min Aung Hlaing, commander in chief of the Myanmar Army talks during the meeting with journalists at Commander in Chief office in Naypyitaw, Myanmar, 21 September 2015. Myanmar's powerful army chief said on September 21 he would welcome the prospect of a female president, words that will be little comfort to opposition leader Aung San Suu Kyi who is barred from the post. Myanmar holds parliamentary polls in November, and even though Suu Kyi's National League for Democracy is expected to make significant gains she will not become president.  EPA/HLA HLA HTAY POOL

Ihm werden Krirgsverbrechen angelastet: Myanmars Oberster Armeekommandant Min Aung Hlain.  Bild: EPA/POOL

Folgende Ausschnitte aus dem Bericht zeigen, welches Leid die muslimische Minderheit über sich ergehen lassen musste:

«Massenmorde wurden in den Dörfern Min Gyi, Maung Nu, Chut Pyin und Gudar Pyin begangen. In einigen Fällen starben Hunderte von Menschen. Sowohl in Min Gyi als auch in Maung Nu mussten sich die Dorfbewohner versammeln. Dann wurden die Männer und Jungen getrennt und getötet. In Min Gyi wurden Frauen in nahegelegene Häuser gebracht, vergewaltigt, dann getötet oder schwer verletzt. Die Häuser wurden verschlossen und dann in Brand gesetzt.»

«Vergewaltigungen und andere Formen sexueller Gewalt wurden massenhaft begangen. In mindestens zehn Dörfern des Rakhine-Staates fanden grossangelegte Massenvergewaltigungen statt. Manchmal wurden bis zu 40 Frauen und Mädchen vergewaltigt. Eine Überlebende sagte: ‹Ich hatte Glück, ich wurde nur von drei Männern vergewaltigt.›»

«Kinder wurden schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt und wurden Zeuge von Tötung, Verstümmelung und sexueller Gewalt. Kinder wurden vor den Augen ihrer Eltern getötet und junge Mädchen wurden Opfer von sexueller Gewalt. »

Angriffe auf Rohingya lange geplant

Die «Säuberungs-Aktion» endete gemäss der Regierung Myanmars im September 2017. Wahrscheinlich ging sie jedoch weiter bis in den Oktober, schreiben die Ermittler der UNO.

Die Angriffe auf die Rohingya seien von langer Hand geplant gewesen, heisst es im Bericht weiter. Min Aung Hlaing habe die Rohingya öffentlich als «Bengali-Problem» bezeichnet und kündete an, «das Problem» zu lösen. 

Die Ermittler der UNO verlangen nun, dass dem Oberbefehlshaber und fünf weiteren namentlich genannten Kommandanten des Militärs der Prozess gemacht wird.

epa06973610 Rohingya refugees walk on a road along a makeshift camp in Kutubpalang, Cox Bazar district, Bangladesh, 26 August 2018. The day before marked the first anniversary of neighboring Myanmar's launch of military operation in the Rakhine State in response to attacks by the Arakan Rohingya Salvation Army on police posts. Security forces and their proxies are believed to have killed thousands of Rohingyas, burned villages to the ground, committing widespread sexual violence and droving more than 700,000 people to flee the country across the border to Bangladesh.  EPA/MONIRUL ALAM

Über eine halbe Million Rohingya leben heute in Flüchtlingslager in Bangladesch. Bild: EPA/EPA

«Wir sind kein Gericht», betonte am Montag der australische Menschenrechtsanwalt Christopher Sidoti, einer der drei Leiter der Untersuchungskommission. «Wir hebeln die Unschuldsvermutung nicht aus. Aber wir haben aber genügend Beweise für Elemente eines Völkermordes gefunden, dass wir Ermittlungen und Anklagen vor einem internationalen Tribunal empfehlen.»

Nach den Verbrechen zu Besuch in der Schweiz

Einer der namentlich genannten Generäle ist Soe Win. Er ist die Nummer zwei in der Hierarchie, gleich unter Min Aung Hlaing.

Und nun wird es brisant: Denn der Vize-Oberkommandant besuchte zusammen mit fünf weiteren Armeeangehörigen im Oktober 2017 die Schweiz. Also einen Monat nach dem die «Säuberungen» offiziell beendet waren und Soe Win zusammen mit seinen Mitstreitern Hunderttausende Personen ins Elend stürzte. 

Publik wurde die Reise vergangenen Herbst durch die NGO Amnesty International. Sie kritisierte den Besuch der sechsköpfigen Delegation damals scharf. «Die Schweiz hätte diesen Besuch annullieren müssen», sagte Amnesty-Sprecher Beat Gerber. Die EU hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle offiziellen Besuche aus Myanmar abgesagt.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass die Gruppe für eine «Studienreise zum Föderalismus» vom 16. bis 21.Oktober in die Schweiz gekommen sei. Auf dem Programm stand ein Treffen mit der Bundesverwaltung und Vertretern des IKRK.

Zu einer Absage führten die Gräueltaten in Myanmar nicht. Allerdings habe man das Reiseprogramm angepasst, teilte das EDA damals mit. Den Gesprächspartnern sei mitgeteilt worden, dass die Schweiz die bewaffnete Gewalt in Rakhine verurteilt, hiess es aus Bern.

Zudem seien die Besucher darauf hingewiesen worden, dass es die Pflicht eines jeden Staates sei, die völkerrechtlichen Verpflichtungen zu respektieren und insbesondere Verstösse gegen die Menschenrechte zu verhindern.

Der Hinweis des EDA kam jedoch für Hunderttausende Rohingya zu spät. Zum Zeitpunkt der «Studienreise» hatte der Gast aus Myanmar zusammen mit weiteren Armeekader bereits die totale oder partielle Zerstörung von 392 Dörfern veranlasst.

Durch den am Montag veröffentlichten Bericht der UNO wird klarer denn je: Die offizielle Schweiz hat einen mutmasslichen Kriegsverbrecher beherbergt. Nicht nur für einige Stunden, sondern für fast eine Woche. 

340'000 Rohingya-Minderjährige in Chaos und Elend

Verbrechen gegen Menschlichkeit in Myanmar

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Wetter: Nächste Woche wird's heiss

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Facebook will eine digitale Weltwährung etablieren

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

18
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Livia Peperoncini 30.08.2018 00:40
    Highlight Highlight Solange Katar, Pakistan, Afghanistan, Pakistan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Senegal, Angola, Saudi-Arabien, Chile, Mexiko, Peru und Venezuela Mitglieder im 15 Länder umfassenden UN-Menschen-rechtsrat sind ist mir die UN so ziemlich egal.
  • Alex_Steiner 29.08.2018 10:47
    Highlight Highlight Was? Die Schweiz hätte den Besuch sicher nicht absagen sollen - sondern die Leute festnehmen.
  • Gsnosn. 29.08.2018 07:22
    Highlight Highlight Unsere Politiker sind geübt mit sollchen falschen Leuten/Gesellschaft. Apartheid, gäGaddafi um nur zwei aufzuzählen.
  • Gender Bender 29.08.2018 06:42
    Highlight Highlight Wenn Länder Menschen währen, würde die Schweiz keine Freunde haben.
  • Weissbrot 29.08.2018 06:08
    Highlight Highlight Würde Gerechtigkeit was bedeuten, hätte man den Typen sofort einsperren und dann vor internationalen Gerichtshof bringen sollen.Lieber Waffen verkaufen!
  • Ueli der Knecht 28.08.2018 23:23
    Highlight Highlight "Durch den am Montag veröffentlichten Bericht der UNO wird klarer denn je: Die offizielle Schweiz hat einen mutmasslichen Kriegsverbrecher beherbergt. Nicht nur für einige Stunden, sondern für fast eine Woche. "

    Die Schweiz hat diese Kriegsverbrecher nicht nur beherrbergt, sondern es auch versäumt, sie allesamt zu verhaften. Warum?

    Die haben auch nicht die Schweiz besucht, und es war auch keine «Studienreise zum Föderalismus», wie das schöngeredet wurde. Die haben nur ihr (Potentaten-)Geld hier besucht, und sich vergewissert, dass es weiterhin sicher aufbewahrt wird.
  • artyfrosh 28.08.2018 22:20
    Highlight Highlight Die Schweiz ist schon ein verdammt feiges Schwein, wenn es darum geht Stellung zu beziehen und sich für die Umstände im Ausland einzusetzen. Ich bin so froh Schweizer zu sein und schäme mich doch so oft, wenn man Idioten aus aller Welt "neutral" gegenübersteht.
    • Hierundjetzt 28.08.2018 23:29
      Highlight Highlight Ein sehr kleines Hochgebiergsland ohne Rohstoffe und ohne Meerzugang mit extremer Abhängikeit von seinen Nachbarn und einem Selbsversorgungsgraf von nur 40% sollte ehrlicherweise keine Stellung zu irgendwas beziehen. Die Ausgangslage lässt es nicht zu.


      Erst wenn die Grossen einen Entscheid getroffen haben. Vorher nicht. Das geht immer schief Br MCR im Iran oder der Praktikant im EDA (Cassis) zu Israel / Palästina
    • Ökonometriker 29.08.2018 07:33
      Highlight Highlight Und mal wie die USA und die Nato-Staaten ein 'böses' Land in Grund und Boden bomben sodass dort nachher reine Anarchie herrscht ist besser?
      Demokratie muss von innen kommen. Und die kommt nicht wenn die Leute noch am verhungern sind.
    • Silent_Revolution 29.08.2018 14:57
      Highlight Highlight Die Schweiz ist nicht neutral, sie ist opportunistisch.
  • Ehringer 28.08.2018 22:01
    Highlight Highlight Ich verurteile die Aktion in Myanmar auch. Ich verurteile jede einzelne Person, die an dieser Aktion mitgewirkt hat. Im Gegensatz zur EU sehe ich aber einen "Besuchs-Boykott" nicht als die richtige Lösung an.

    Grundlegend mag ich den Weg, den die Schweiz eingeschlagen hat. Wenn schon ein Staatsbesuch vorgesehen ist, kann man den Nutzen, um denen gehörig die Meinung zu sagen. Nur gehe ich davon aus, dass die Schweiz wieder einmal nicht wirklich Stellung bezogen hat. Wahrscheinlich haben sie eher noch angeboten, Waffen dafür zu liefern (gehört ja offenbar zur humanitären Tradition der Schweiz).
  • Joe Smith 28.08.2018 21:18
    Highlight Highlight Wie immer wäre bei Berichten über einen Bericht ein Link zum Originalbericht äusserst hilfreich.

    Der Bericht (20 Seiten, englisch): https://www.ohchr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/FFM-Myanmar/A_HRC_39_64.pdf

    Ein paar Satellitenfotos dazu: https://www.ohchr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/FFM-Myanmar/ImageryofRakhineState.pdf

    Ich benutze das Wort «erschütternd» selten. Hier trifft es für einmal zu.
    • corsin.manser 28.08.2018 21:31
      Highlight Highlight Ich hatte den Bericht auch schon verlinkt. Aber danke trotzdem fürs Mitdenken!
    • Joe Smith 28.08.2018 21:39
      Highlight Highlight Oh, den Link hab ich überlesen. Vielleicht wäre es nützlich, solche wichtigen Links etwas auffälliger zu markieren?
    • corsin.manser 28.08.2018 21:40
      Highlight Highlight Einverstanden :)
    Weitere Antworten anzeigen
  • banda69 28.08.2018 21:05
    Highlight Highlight Das Reiseprogramm angepasst..wow..das hat bestimmt grossen Eindruck gemacht.

    Und was hat man sonst geplaudert und gemacht? Gute Geschäfte? Waffenverkäufe ins Bürgerkriegsgebiet?



    • _kokolorix 28.08.2018 21:51
      Highlight Highlight Da die Vertreibungen da schon abgeschlossen waren, bestand keine Gefahr mehr, dass die schweizerischen Waffen gegen die Rohingya eingesetzt werden... Hat schon alles seine Richtigkeit
      *** Ironie off ***

Von Zimbabwe bis Taiwan: Der Schweizer Frauenstreik sorgt international für Reaktionen

In der ganzen Schweiz streiken zehntausende Frauen, um auf Frauenrechte und Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. Die nationale Aktion findet auch im Ausland viel Beachtung und Unterstützung. So tweeten, posten und schreiben Menschen von Thailand bis Zimbabwe über den Schweizer Frauenstreik.

Wie international das Anliegen der Frauen in der Schweiz ist, zeigt diese Übersicht:

(leo)

Artikel lesen
Link zum Artikel