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Schweiz
Interview

Herr Candinas, warum sind Sie gegen die Ehe für alle?

Der Buendner Nationalrat Martin Candinas, aufgenommen im Rahmen einer Aufforstungsaktion der CVP Graubuenden mit anschliessendem Familienfest zum Auftakt des Wahlkampfes, am Freitag, 7. August 2015, i ...
Martin Candinas ist Nationalrat der CVP Graubünden. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.Bild: KEYSTONE
Interview

«Es gibt auch Männer, die mehrere Frauen haben – trotzdem ist die Mehrfachehe verboten»

Die Gegner der «Ehe für alle» sind im Schweizer Parlament immer weniger zahlreich. Einer von ihnen ist der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas. Im Interview erklärt er, warum er am traditionellen Ehebegriff festhalten will und wie er reagieren würde, wenn sein Sohn schwul wäre.
05.07.2017, 09:0106.07.2017, 04:51

Herr Candinas, als Gegner der «Ehe für alle» sind Sie selbst innerhalb der CVP bald ein Exot. Was ist passiert?
Martin Candinas:
Es gibt in diesen Fragen die Tendenz hin zu einer Öffnung – auch in meiner Partei. Im Moment befindet sich die Diskussion in der Schweiz noch in einem frühen Stadium. Es werden erst Abklärungen getätigt, wie die «Ehe für alle» auf Gesetzesstufe umgesetzt werden könnte. Ich bin mir nicht so sicher, ob dann am Ende eine Mehrheit der CVP Ja stimmen wird.

Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel – Vorsitzende ihrer christlich-demokratischen Schwesterpartei in Deutschland – musste ihren Widerstand aufgeben, weil sich die Bevölkerung so deutlich für die gleichgeschlechtliche Ehe aussprach.
Die Situation in Deutschland ist durchaus vergleichbar mit jener in der Schweiz. Aber Angela Merkel ist ja nicht plötzlich Befürworterin der «Ehe für alle», sie hat ihren Abgeordneten nur gesagt: «Stimmt so, wie ihr es mit eurem Gewissen vereinbaren könnt.» Das machen wir in der CVP ohnehin.

Nur noch ein müdes Schulterzucken – wie die «Ehe für alle» salonfähig wurde

Warum wehren Sie sich persönlich so standhaft dagegen, dass Männer Männer heiraten dürfen und Frauen Frauen?
Nur dank der CVP sind heute eingetragene Partnerschaften überhaupt möglich – das Gesetz stammt aus der Feder der ehemaligen CVP-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold. Was mich stört, ist, dass homosexuelle Paare mit der «Ehe für alle» auch Kinder adoptieren dürften. Denn es wäre unehrlich, ihnen vorzugaukeln, dass sie bei der Heirat die gleichen Rechte wie heterosexuelle Ehepaare bekommen – und dann gleichzeitig in der Adoptionsfrage eine weitere Diskriminierung zu schaffen.

Glauben Sie, dass Homosexuelle die schlechteren Eltern sind?
Nein, so etwas würde ich nie behaupten. Aber es gibt kein Recht auf ein Kind. Ich finde es falsch, nur über die Rechte der Schwulen und Lesben zu reden und nicht danach zu fragen, wie es den Kindern in dieser Situation geht. Biologisch ist klar: Es braucht eine Frau und einen Mann, um ein Kind zu zeugen.

Realität ist aber auch, dass es bereits viele Kinder gibt, die in sogenannten Regenbogenfamilien aufwachsen.
Es ist nicht die Aufgabe der Politik, alles zu legitimieren, was in der Realität vorkommt. Es gibt schliesslich auch Männer, die mehrere Frauen haben – trotzdem ist die Mehrfachehe in der Schweiz verboten. Die Politik definiert, wie wir in diesem Land das gesellschaftliche Zusammenleben verstehen und orientiert sich dabei an gesellschaftlichen Traditionen.

Was hältst du von der «Ehe für alle»?

Pink-Cross-Chef Bastian Baumann argumentiert, dass es gerade im Interesse konservativer Politiker sein müsste, die Institution Ehe zu stärken: Wäre er Marketing-Chef der Ehe, würde er in Zeiten alternativer Familien wollen, dass möglichst viele Leute heiraten.
Das finde ich jetzt ein schwaches Argument. Es kann doch nicht einfach darum gehen, die Heiratsquote raufzutreiben!

Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass sich die Entwicklung angesichts der Signale aus dem Ausland noch aufhalten lässt?
Das weiss ich nicht. Aber diese Frage hat für mich auch nicht Priorität. Es gibt in der Familienpolitik Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die finanzielle Entlastung der Familien oder der Umgang der Kindern mit der Digitalisierung, die unsere CVP-Basis viel stärker beschäftigen. Die CVP muss sich auf diese Themen konzentrieren und Lösungen präsentieren.

Wie würden Sie reagieren, wenn eines Ihrer Kinder sich als schwul oder lesbisch outen würde?
Wenn es so ist, dann ist es so. Damit hätte ich kein Problem.

Regenbögen überall: Deutscher Bundestag sagt Ja zur «Ehe für alle»

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Deutsches Parlament sagt Ja zur Homo-Ehe
quelle: dpa dpa / a9999/_winfried rothermel
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Video: srf/SDA SRF
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102 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Colourreader
05.07.2017 10:44registriert Februar 2016
Etwas verstehe ich bei der ganzen Adoptionsdiskussion nicht. Es gibt in der Schweiz 200'000 alleinerziehende Väter und Mütter. Wie kann man da dagegen sein, dass zwei fürsorgliche Väter oder Mütter Kinder adoptieren dürfen?
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Randy Orton
05.07.2017 12:01registriert April 2016
Herr Candinas hat Recht, wenn er sagt es brauche einen Mann und eine Frau um ein Kind zu zeugen. Homosexuelle wollen ja aber nicht plötzlich Kinder zeugen, sondern Kinder adoptieren. Und das können auch zwei Männer oder zwei Frauen genau so gut wie ein heterosexuelles Paar.
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so wie so
05.07.2017 11:24registriert Juli 2015
Wenn Heterosexuelle Zugang zur Adoption und zu künstlicher Befruchtung haben, dann sollte man dies auch Homosexuellen nicht verwehren. Entweder man akzeptiert die Natur oder eben nicht. Wenn man auf die Natur pocht, dann müsste man unfruchtbare heterosexuelle Paare ebenfalls sagen, sie hätten halt Pech gehabt, die Natur wills so. Das macht man zum Glück nicht. Die Leute fliegen mit Flugzeugen, sprechen via Telefon mit weitentfernten Menschen, schauen TV, nehmen Medikamente gegen jeden Furz, aber bei dem Thema soll man die Natur auf einmal wieder akzeptieren.
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