DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
GERICHTSZEICHNUNG - Un dessin montre Fabrice A., meurtrier presume d'Adeline, entoure d'un policier debout sur le banc des accuses dans la salle d'audience du palais de justice lors de l'ouverture de son proces devant le Tribunal criminel, ce lundi 3 octobre 2016 a Geneve. Le proces de Fabrice A., le meurtrier presume d'Adeline, s'ouvre ce jour. L'ancien detenu de la Paquerette, 42 ans, devra repondre de l'assassinat de sa sociotherapeute. Il risque l'internement a vie. (KEYSTONE/Frederic Bott)

Regungslos und ohne ein Wort zu verlieren verfolgt Fabrice A. den erneuten Prozess.  Bild: KEYSTONE (archiv)

Adeline-Prozess: Der Killer spricht von «animalischem Zustand»

Zum Auftakt des zweiten Prozesses im Tötungsdelikt Adeline hat der Angeklagte am Montag angegeben, die Bluttat in einem «animalischen Zustand» verübt zu haben. Die Tötung der Sozialtherapeutin während des Freigangs sei nicht geplant gewesen, einzig die Flucht nach Polen.



Der 42-Jährige bestritt das Tötungsdelikt nicht. «Ich wollte flüchten und meine Ex-Freundin in Polen wieder ausfindig machen», sagte er am Nachmittag vor dem Genfer Strafgericht. Die Tat sei «ein Trieb gewesen», der stärker gewesen sei als er.

Er habe die Sozialtherapeutin am 12. September 2013 auf dem Weg zu einer Reittherapie mit einem Messer bedroht, als sie mit ihrem Handy beschäftigt gewesen sei. Das Messer durfte er sich zuvor zur Pflege von Pferdehufen kaufen - er wählte allerdings ein anderes Modell, als ihm bewilligt worden war.

Den Moment der Übernahme der Kontrolle bis nach dem Tötungsdelikt beschrieb der französisch-schweizerische Doppelbürger als «animalischen Zustand». Er zwang Adeline, zu einem verlassenen Haus in einem Wald nahe des Reitzentrums zu fahren.

Danach fesselte er sie an einen Baum und schnitt ihr die Kehle durch, wobei er nach eigener Aussage «Freude» empfand. Vor der Bluttat zwang er die Therapeutin zu einem Kuss.

«Sexuelle Komponente»

Er räumte vor Gericht ein, dass die Tat für ihn eine «sexuelle Komponente» hatte. Adeline habe auf ihn anziehend gewirkt, sagte der Angeklagte, der wegen zweier Vergewaltigungen in den Jahren 1999 und 2001 bereits zu insgesamt 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

Der Angeklagte antwortete selbstbewusst und zuweilen ausschweifend auf die Fragen des Gerichtspräsidenten Fabrice Roch, der ihm deswegen mehrmals das Wort abschnitt. In einem türkisfarbenen T-Shirt, grauen Hosen und Turnschuhen sass er auf der Anklagebank des Genfer Gerichts, die Beine schlug er häufig übereinander.

Der Richter konfrontierte den Angeklagten mit Abweichungen seiner Aussagen gegenüber dem Staatsanwalt und den Gerichtspsychiatern, welche die Gutachten über ihn erstellt hatten. Die unterschiedlichen Aussagen konnte der 42-Jährige zumeist nicht begründen.

Angeklagter weist Vorsatz zurück

So wies er den Vorwurf des Vorsatzes zurück und gab an, die Tötung der Sozialtherapeutin nicht geplant zu haben. Zwei französischen Gerichtspsychiatern hatte er jedoch das Gegenteil gesagt. Allerdings räumte er ein, dass die Flucht nach Polen geplant gewesen sei.

Laut Anklage wollte er dort seine Ex-Freundin töten. Diese bleib jedoch verschont, weil sie der Angeklagte nicht auffinden konnte. Er wurde drei Tage nach der Bluttat an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet und später an die Schweiz ausgeliefert.

Ob er erneut töten könnte, wollte der Gerichtspräsident vom Angeklagten wissen. «Sicherlich nicht», antwortete dieser am Montag. Am Morgen waren zunächst prozessuale Fragen verhandelt worden.

Die Verteidigung und die Anwälte Vertreter der Angehörigen des Opfers verlangten, dass die Direktorin des unterdessen geschlossenen, auf Resozialisierung spezialisierten Zentrums «La Pâquerette», vor Gericht aussagt.

Keine neuen Zeugen

Wie beim ersten Prozess im Oktober hatte sie aber ein medizinisches Zeugnis vorgelegt, um nicht vor Gericht erscheinen müssen. Nach Angaben ihres Arbeitgebers, den Genfer Universitätsspitälern (HUG), ist sie seit September 2016 krankgeschrieben.

Das Gericht lehnte den Antrag ab und ebenso zwei weitere Anträge auf zusätzlichen Zeugen. Bei der ehemaligen Direktorin der «La Pâquerette» stelle sich nicht die Frage, ob eine Vorladung angebracht sei, sondern ob sei dazu im Stande sei, sagte Gerichtspräsident Fabrice Roch.

Die Verhandlung um das Tötungsdelikt musste neu aufgerollt werden, weil bisherigen Richter wegen Zweifeln an ihrer Unbefangenheit in den Ausstand treten mussten. Die neu bestellten Richter müssen wieder bei Null anfangen. Von diesen ausserordentlichen Umständen merkte man am Montag nichts, die Gerichtsverhandlung begann ruhig und geordnet.

Der 42-jährige Angeklagte ist wegen Mordes, Freiheitsberaubung, sexueller Nötigung und Diebstahls angeklagt. Dem französisch-schweizerischen Doppelbürger droht eine lebenslängliche Verwahrung. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Wann das Urteil gesprochen wird, ist noch offen. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Ermittler verlangen Kundenkarten-Daten – und Coop und Migros können sich kaum wehren

Staatsanwälte nutzen Daten der Kundenkarten von Coop, Migros und der SBB gerne. Weniger gerne reden sie darüber, wie oft dies geschieht. «Eine Staatsanwaltschaft erhält Einblicke, die über das hinaus gehen, was mit dem Strafverfahren zusammenhängt», sagt ein Rechtsanwalt.

Sie sind in fast allen Portemonnaies. Manche nehmen sie täglich in die Hand. Und denken wohl selten daran, welche Datenspuren sie damit hinterlassen. Die Kundenkarten von Coop oder Migros. Aus ihren Daten lässt sich viel herauslesen: Was jemand einkauft, wo er einkauft. Und vielleicht auch ganz persönliche Vorlieben.

Es sind Daten, die auch die Behörden interessieren. In Strafverfahren verlangen Staatsanwaltschaften immer wieder Kundendaten von den Detaillisten. Doch gross darüber reden möchte …

Artikel lesen
Link zum Artikel