Schweiz
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Schwyzer Kapo-Mitarbeiter soll im Darknet mit Waffen gehandelt haben

14.06.18, 09:10


Ein Beamter soll im Internet Waffen verkauft haben – und das im grossen Stile. Der Logistikchef der Schwyzer Kantonspolizei wurde am 22. Februar 2018 bei einer Hausdurchsuchung in Einsiedeln verhaftet, wie der Tagesanzeiger schreibt. Bei dem Verhafteten soll es sich um einen Waffenhändler handeln, der im Darknet unter dem Pseudonym «Clultimate» über Jahre Waffen verkauft habe. Ein Sprecher der Kantonspolizei Schwyz bestätigte eine eine entsprechende Meldung gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Unter dem Pseudonym «Clultimate» soll der Verdächtige im Internet eine riesige Auswahl an Waffen angeboten haben (Symbolbild). Bild: shutterstock

Der verhaftete Schweizer soll im «Spackentreff» aktiv gewesen sein, einem illegalen Schwarzmarkt für Waffen, der zum berüchtigten Darknet-Forum «Deutschland im Deep Web» gehörte und Mitte 2017 von der deutschen Polizei geschlossen wurde.

Der Mann genoss anscheinend grosses Ansehen als Waffenspezialist. «So einen wie ihn soll es kein zweites Mal geben», zitiert der «Tages-Anzeiger» einen anderen Händler.

Besonders brisant: Der Amokläufer von München besorgte sich die Waffen ebenfalls über den «Spackentreff». Am 22. Juli 2016 erschoss dieser neun Personen.

Der Schweizer soll eine riesige Auswahl angeboten haben: Handfeuerwaffen, Schrotflinten, Sturm- und Scharfschützengewehre und vieles mehr. Die bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Waffen passten nicht in die Fahrzeuge der Bundesanwaltschaft, sodass grössere Transporter angefordert werden mussten.

Die BA bestätigte auf Anfrage, dass der Beschuldigte mittlerweile wieder auf freiem Fuss sei. Es bestehe keine Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr. Gegen ihn sei ein Strafverfahren hängig wegen Waffenverkäufen, die er zusammen mit einem in Deutschland Beschuldigten begangen haben soll, und der Weitergabe von polizeiinternen Informationen.

Die Vorwürfe lauten: Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Begünstigung und Verletzung des Amtsgeheimnisses. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Bundesanwaltschaft stehe in Kontakt mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden, die in diesem Zusammenhang ein Rechtshilfebegehren an die Schweiz gerichtet hatten. Laut dem Zeitungsbericht war der Beschuldigte in jenem Internet-Waffenforum aktiv, aus dem die Tatwaffe für den Amoklauf beim Münchner Olympia-Einkaufszentrum im Jahr 2016 stammt. Ein 18-jähriger Attentäter erschoss damals neun Menschen und sich selbst.

Die BA hält dazu fest, dass gemäss Ermittlungsergebnissen die Waffe nicht aus der Schweiz stammte, und nicht vom in der Schweiz Beschuldigten geliefert worden war.

Razzia am Arbeitsplatz

Nach der Durchsuchung am Wohnort nahmen die Ermittler auch das Büro des Beschuldigten unter die Lupe. Bei der Kantonspolizei Schwyz sei man «aus allen Wolken gefallen». Der Beschuldigte sei nie negativ aufgefallen. Jedoch wurde er noch am selben Tag freigestellt.

Hinweis aus Deutschland

In Süddeutschland wurde bereits 2013 ein junger Waffennarr verhaftet und 2014 unter anderem wegen Verstössen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Sprengstoffgesetz verurteilt. Zudem wurde bei diesen Ermittlungen klar: Viele der beschlagnahmten Waffen stammen vom beschuldigten Schweizer.

Dem verurteilten Deutschen konnte nachgewiesen werden, dass er den Kapo-Mitarbeiter regelmässig in Einsiedeln besuchte. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, dass sowohl der verurteilte Deutsche wie auch der beschuldigte Schweizer sich hinter dem Pseudonym «Clultimate» verbargen. Dabei sollen sie als Duo agiert haben: Der Deutsche soll sich um die Übergabe, der Schweizer um den Nachschub der Waffen gekümmert haben – ganz der Logistiker eben.

Nachforschungen bei der Kantonspolizei Schwyz

Der Beschuldigte war bei der Kantonspolizei Schwyz für die Beschaffung von Waffen und Munition zuständig. Nachforschungen haben ergeben, dass keine Dienstwaffen abhanden gekommen seien. Jedoch stiess man bei der Überprüfung der Munitionseinkäufen auf «Unregelmässigkeiten». Gemäss den Recherchen des «Tagesanzeiger» fehlt Munition im Wert von mehreren Zehntausend Franken.

Der Schwyzer ist mittlerweile wieder auf freiem Fuss, da gemäss der Bundesanwaltschaft keine Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr mehr bestehe. Die Ermittlungen laufen indes weiter. Dem Logistiker wird Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz und/oder das Waffengesetz, Begünstigung und Amtsgeheimnisverletzung vorgeworfen. Bis zu einer allfälligen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Schweizer Behörden liessen sich Zeit

Bereits Ende August kontaktierten deutsche Ermittler die Schwyzer Behörden. Die Oberstaatsanwaltschaft reagierte aber nicht. Erst als Mitte November das Rechtshilfegesuch von den deutschen Ermittlern persönlich überbracht wurde, kam der Stein ins Rollen. Es dauerte nochmals mehrere Wochen, bis sich die Bundesanwaltschaft dem Fall annahm. (vom)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • lingfeng 14.06.2018 15:23
    Highlight Wenn keine Fluchtgefahr besteht, nach weniger als 4 Monate sitzen...
    Vermute ich, dass die Strafe milde sein wird. Nicht gerade abschreckend für Nachahmer.
    3 1 Melden
  • Der Tom 14.06.2018 11:36
    Highlight Kann man ja nur dort verkaufen oder? Ricardo usw wollen das nicht.
    4 3 Melden
    • Mugendai 14.06.2018 13:07
      Highlight gebrauchtwaffen, egun, diverse foren, tutti, anibis, tierwelt, aushang im schiessstand, etc...
      5 1 Melden
  • el heinzo 14.06.2018 09:05
    Highlight "Spackentreff". Immerhin haben diese Gestalten eine gewisse Selbstironie, ja sogar Selbsterkenntnis. Das ist ja schon mehr, als von dieser Sorte zu erwarten ist. Gratuliere!

    Ansonsten lässt mich das Ganze ziemlich sprachlos zurück, und das will etwas heissen, das kommt tatsächlich äusserst selten vor. Es ist z hoffen, dass bei der Schwyzer Oberstaatsanwaltschaft nun auch noch der Schlammdeckel angehoben wird. Scheint ja mächtig zu gären und zu stinken darunter.

    Ein Bärendienst gegenüber allen Polizisten, die ihren Dienst korrekt und gewissenhaft leisten. Ganz schlecht fürs Image.
    29 1 Melden
  • zipfelgrind 14.06.2018 08:45
    Highlight Als Polizist widern mich derartige Nachrichten sehr an. Unser Berufsstand lebt von der Integrität, diese faulen Äpfel sabotieren die Arbeit von der ganzen Polizei. Sollte sich daher der Sachverhalt wie im Artikel geschrieben zugetragen haben, kommt für mich nur eine harte Strafe in Frage.

    Ein ebenso grosses Fragezeichen entsteht durch das Vorgehen oder eben nichts-machen der Staatsanwaltschaft. Ich hoffe, dass da ein allfälliger Filz aufgedeckt wird, mit allen Konsequenzen! @watson bitte an der Geschichte dranbleiben.
    54 1 Melden
    • Matthias Ott (1) 14.06.2018 10:23
      Highlight Und was zusätzlich kommt: Er musste damit rechnen, dass eigene Kameraden durch die durch ihn verkauften Waffen zu Tode kommen.

      Ich habe keine Ahnung, was auf illegallen Waffenhandel in diesem Stil steht. Aber ich hoffe, er darf (sofern er dann schuldig ist) ein paar Jahre über seine "Dienstauffassung" als Polizist nachdenken.
      15 3 Melden
    • Snowy 14.06.2018 11:00
      Highlight Hallo Zipfelgrind!

      Falls Du in Züri Polizist bist:

      In Wiedikon ist mir schon zweimal eine unglaublich schöne Polizistin aufgefallen...

      Heute morgen hat sie wegen einem defekten Lichtsignal an der Kreuzung Zurlindenstrasse/Kalkbreitestrasse den Verkehr geregelt.

      Sie hat mir das schönste Lachen geschenkt, dass ich seit langem erhalten habe... ! Hab ihr so lange nachgeschaut, dass ich beinahe in das vor mir fahrende Velo gekracht wäre... worauf sie noch viel schöner gelacht hat.

      Kennst Du sie (Brunette, 10/10)?
      Ich muss Sie irgendwie wiedersehen! Ist sie Single? :-)
      12 12 Melden
    • zipfelgrind 15.06.2018 00:16
      Highlight Ich arbeite direkt neben Zürich, kann Dir daher leider nicht helfen ;-) und auch wenn ich sie kennen würde, würde ich ihren Namen kaum im Netz einem Fremden geben, sorry. Viel Glück bei der Suche...
      3 0 Melden
    • Snowy 15.06.2018 09:36
      Highlight Schon klar..

      Danke einewäg! :-)
      1 0 Melden
  • Swissbex 14.06.2018 07:53
    Highlight Die Staatsanwaltschaft hatte wohl schlicht zuwenig Arbeitskapazität um dies früher zu erledigen. Das ist inakzeptabel! Aber auch wieder mal so typisch für meinen Heimatskanton, hauptsach man kann sparren und die Steuern tief halten. Solange das Regime von SVP und FDP aber wieder gewählt wird (und die bestimmen momentan im Alleingang), wird sich daran leider auch nichts ändern. P.s. Für die Probleme sind dann übrigens die linken Schuld... Fuck Logik, ich würde mich nur schon über ein bisschen ausgeglichenheit freuen
    72 16 Melden
    • el heinzo 14.06.2018 09:08
      Highlight Ganz genau: Fuck Logik. Das liegt derzeit voll im Trend. Demnächst auf ihrem Breitbildschirm: "Fox News Schwyz".
      27 4 Melden
  • Denk nach 14.06.2018 07:37
    Highlight Hmmm, liebe Bundesanwaltschaft

    Wäre es nicht äusserst sinnvoll bei Waffenhändlern ein bisschen schneller zu reagieren? Oder musste gewartet werden, bis die neuen Transporter gekauft waren, damit ihr das Zeug überhaupt abtransportieren konntet??
    37 3 Melden
    • Astrogator 14.06.2018 08:32
      Highlight Habe mal gelesen, dass die BA mit Drogenfahndern aufgebaut wurde, die legen den Fokus natürlich auf das was sie kennen.
      Im Artikel - weiss die Quelle nicht mehr - stand aber auch, dass man das ändern will.
      13 2 Melden
  • chraebu 14.06.2018 06:55
    Highlight Wohl ein weiteres Beispiel für die unschöne Polizei/Staatsanwaltschaft verflechtung.

    Es wird endlich Zeit da was zu machen!

    https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-schweiz/inneres/strafen/polizei/polizei-beschwerdestellen-unabhaenige-untersuchung
    69 9 Melden
    • derEchteElch 14.06.2018 08:32
      Highlight Falsch! Für diesen Fall gibt es das Zwangsmassnahmengericht. Wenn die STA auf die Untersuchung nicht eintritt, kann diese an das obengenannte Gericht weitergezogen werden. Du siehst, die Gewaltenteilung und Unsbhängigkeit funktioniert sehr gut..
      11 23 Melden
    • Kii 14.06.2018 12:13
      Highlight Endlich zeit was zu machen? Absolut. Nur baut man in zürich genau das aus mit dem pjz!
      4 0 Melden
    • Denk nach 14.06.2018 12:46
      Highlight Sorry chraebu, aber den Zusammenhang zwischen Artikel und "Unabhängige Beschwerdestellen und Untersuchungsinstanzen zu polizeilichem Fehlverhalten" erschliesst sich mir nicht...
      2 3 Melden
    • chraebu 14.06.2018 14:32
      Highlight Dank nach.

      Es geht allgemein um das Problem, dass in der SChweiz die Staatsanwaltschaft bei Beschwerden - oder in diesem Fall - Anfragen aus dem Ausland gegen Polizeimitarbeiter oft sehr restriktiv ermittelt und Anklagen nicht erhoben werden.

      Vermutung liegt dann nahe, dass dies so der Fall ist, weil sich die Leute entweder persönlich kennen oder aber allgemein die Staatsanwaltschaft die Polizei nicht angreifen will, weil sie in der täglichen Arbeit auf Sie angewiesen ist.

      Ursache des Problems ist hier in beiden Fällen identisch
      5 0 Melden
  • redeye70 14.06.2018 06:30
    Highlight Gerne würde ich erfahren weshalb die Oberstaatsanwaltschaft nicht gleich reagierte. Kannte man sich?
    136 3 Melden
    • pamayer 14.06.2018 06:43
      Highlight Das fragt me nid! Ich doch piinlich für de Schtaatsawalt...
      55 4 Melden
    • Olmabrotwurst 14.06.2018 06:51
      Highlight Natürkich kennt man sich Schywz isch ja nicht gross ^^
      61 2 Melden
    • Dreiländereck 14.06.2018 06:53
      Highlight Vielleicht weil die erste Information noch nicht rechtlich verwertbar war. Schauen Sie sich mal die Strafprozessordnung an. Alles was auf einem illegal erlangten Beweis fruchtetet kann später nicht verwendet werden. Leider ist unser Rechtssystem sehr kompliziert und bei internationalen Verfahren gleich nochmals komplizierter.
      28 7 Melden
    • büezer83 14.06.2018 08:15
      Highlight hätte er eine gottlose, grässliche und frevelhafte indooranlage betrieben, hätte man den typen längst "standrächtlech verschosse!"
      42 8 Melden

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