Schweiz
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Hugo Portmann

Hugo Portmann zu Gast bei «TalkTäglich» auf «TeleZüri». screenshot: tele zueri

Hugo Portmann: «Ich war ein Narr» – Der bekannteste Schweizer Bankräuber im Interview

35 Jahre lang sass Hugo Portmann hinter Gitter, jetzt ist er im offenen Vollzug. Mitte Juli wird er endgültig in die Freiheit entlassen. Der bekannteste Bankräuber der Schweiz war am Montagabend zu Gast bei Markus Gilli im «TalkTäglich».



Frisch sah er aus, mit wachen Augen und mal ernster mal strahlender Miene. 58 Jahre alt ist Portmann heute und durfte vor kurzem nach langer Zeit seine ersten Schritte in die Freiheit nehmen. Das habe sich phänomenal angefühlt, sagte Portmann. Kaum beschreiben könne er das. «Ich geniesse jede Minute.» 

Nach 35 Jahren im Gefängnis sei ihm draussen als erstes aufgefallen, dass alle Leute mit einem elektronischem Gnom namens Handy verbunden seien. «Die sind ja selbst alle eingesperrt», so Portmann. Das Telefon diktiere ihnen den Tagesablauf, das sei ein bisschen wie eine kleine Zwangstherapie. Er sagte: «Ich will kein Handy haben, ich will frei sein.» 

Kritik am Strafvollzug

Portmann hat sich im Gefängnis stets mit grosser Vehemenz gegen jegliche Therapie gewehrt. Er hat immer betont, er sei nicht krank und müsse darum auch nicht behandelt werden. In der Sendung auf «Tele Züri» kritisierte er denn auch den Strafvollzug, insbesondere den Zürcher Strafvollzug scharf. Dort würden Leute fertig gemacht. Es sei nicht möglich, dass die Menschen so zurück ins Leben fänden. 

«Ich sagte mir damals: Wenn die Gesellschaft mich nicht will, dann führe ich halt ein Leben ausserhalb der Gesellschaft.»

Moderator Gilli wollte von seinem Interviewpartner wissen, wie es dazu kam, dass er auf die schiefe Bahn geriet. War es die Fremdenlegion in Frankreich? Portmann flüchtete ins Nachbarland, nachdem er den Tresor seines damaligen Arbeitgebers aufgebrochen hatte. Er war 24 Jahre alt. 

In Frankreich schloss er sich der Fremdenlegion an, erhielt eine professionelle Ausbildung, blieb aber nicht lange. Zurück in der Schweiz habe er sich auf verschiedene Jobs beworben, aber immer nur Absagen erhalten. «Ich sagte mir damals: Wenn die Gesellschaft mich nicht will, dann führe ich halt ein Leben ausserhalb der Gesellschaft.» Heute sagt er dazu: «Ich war ein Narr.»

Das ganze Interview mit Hugo Portmann zum Nachschauen hier: 

Video: kaltura.com

Portmann betonte, er habe sich das Geld nur dort geholt, wo es versichert gewesen sei. Niemals hätte er in private Häuser einsteigen wollen. Er habe aber gewusst, dass er in den Banken das Geld freipressen musste. Bei der Geiselnahme habe er sich nicht gut gefühlt. «Ich habe mich geschämt, dass ich diese Leute als Mittel zum Zweck benutzt habe», sagte er. Er habe immer versucht, sie anständig zu behandeln. 

Er habe nie Menschenleben gefährdet

Gilli warf ein, er habe aber auch geschossen. Ja, aber nur auf Panzerglas. Und er habe gewusst, dass er keine Menschenleben gefährdet. «Ich wusste, wie man Menschen tötet. Darum habe ich es nicht gemacht.» Gilli wollte wissen, ob Portmann anders gehandelt hätte, wenn ihn jemand aufgehalten hätte. Mit entsetztem Gesicht sagte Portmann: «Ich kann doch nicht einen Mensch töten, nur um meine Freiheit zu erhalten!»

Wie sieht das Leben des Hugo Portmanns ausserhalb der Gefängnismauern aus? «Sie sind jetzt, 58 Jahre alt, ein Alter, in dem es nicht leicht ist, einen Job zu finden: Haben Sie Existenzängste?», fragte Gilli. Er arbeite als Müllmann und Müll werde es immer geben, so Portmann. Angst, dass ihm bei diesem Job langweilig werden könnte, habe er nicht. «Wissen Sie, Freiheit kann man mit keinem Geld kaufen. Und ich würde jeden Job machen, um in Freiheit leben zu können.»

Nach 34 Jahren Knast – Hugo Portmann im Juli auf freiem Fuss

Video: srf

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Charming 24.04.2018 13:45
    Highlight Highlight @Anded. Jemanden mit Waffengewalt um Geld zu bedrohen und seine anderen Taten sind keine Kavaliersdelikte, deshalb sind alle hier gelesenen abschwächenden Kommentare arge Verniedlichungen der Fakten. Dass er nach 35 Jahren die Freiheit neu entdecken wird/muss ist ja logisch. Ob er diese allerdings auf längere Sicht erfolgreich für sich gestalten kann bleibt abzuwarten - zu gönnen wäre es ihm aber auf jeden Fall! Good luck!
  • Snowy 24.04.2018 11:27
    Highlight Highlight P. war/ist sicher kein Unschuldslamm, aber man nimmt es ihm im Interview ab, dass er niemanden ernsthaft schädigen wollte und von unversichertem Geld absah.

    Bei ihm lief wohl in jungen Jahren alles schief, was schief laufen konnte - zusammen mit der herrschenden Moral in den 70-ern eine fatale Kombi.

    Natürlich kann man sich kein abschliessendes Bild machen nach 20 min Interview, aber ich denke, ich mag den Typen: Er trägt sein Herz auf der Zunge und wohl auch am richtigen Fleck.

    P.S: Weiss man wo er mit de Legion gedient hat, bzw was er gemacht hat? Man merkt, dass er Ahnung von Waffen hat.
    • R_Sailler 24.04.2018 15:40
      Highlight Highlight Herr Portmann war nur kurze Zeit in der Legion.
  • Fruchtzwerg 24.04.2018 09:35
    Highlight Highlight Interessantes Interview. Er scheint mir zwar weder überdurchnittlich intelligent noch sehr reflektiert betreffend seiner Taten, doch 35 Jahre hätte man ihn kaum wegsperren brauchen.
    Beim Punkt mit den psychologischen Behandlungen hat er sicher Recht. Es gibt genügend Untherapierbare, welche zwar freiwillig therapiert werden, doch selbst genau wissen, dass es nichts nützt.


  • mrgoku 24.04.2018 09:19
    Highlight Highlight Wie ist es möglich dass einer der Geld klaut für 35 Jahre in den Knast muss und jemand der vergewaltigt und tötet 15 Jahre bekommt?

    • RatioRegat 24.04.2018 12:20
      Highlight Highlight In der Schweiz werden Vermögensdelikte tatsächlich vergleichsweise streng bestraft. Zu beachten ist aber, dass die Strafe für Mord nicht 15 Jahre sondern lebenslängliche Freiheitsstrafe ist. Nach 15 Jahren besteht lediglich erstmals die Möglichkeit für eine bedingte Entlassung.
      Zu beachten ist aber, dass heute bei schweren Gewalttaten oftmals zusätzlich eine Verwahrung ausgesprochen wird, weshalb es im Ergebnis nicht auf die Dauer der Strafe ankommt. Die an die Strafe anknüpfende, freiheitsentziehende Massnahme kann u.U. bis ans Lebensende gehen.
    • rodman 24.04.2018 12:26
      Highlight Highlight 35 Jahre waren inklusive Verwahrung, das Gleiche wie dem Rupperswiler auch droht.
  • Fischra 24.04.2018 08:01
    Highlight Highlight Viel Glück für die Zukunft. Das hat er verdient.
    • dorfne 24.04.2018 08:21
      Highlight Highlight Ein Mann wie er wird sich das Glück wohl verdienen müssen - indem er nichts "Dummes" mehr macht! Zu wünschen ist es ihm.
  • TimK 24.04.2018 07:34
    Highlight Highlight Vierfachmord von Rupperswil gibt 15 Jahre, Bankraub 35 Jahre. Klar ist Herr Portmann Wiederholungstäter, aber trotzdem: wenn es um Geld geht kennt die Schweiz kein erbarmen. Schon gar nicht um Geld von Banken.
    • ujay 24.04.2018 08:34
      Highlight Highlight @Tim. Die Justiz an den Pranger zu stellen, tönt wie der Versucht, den Täter zum Opfer zu machen. Der Geld und Banken Spruch ist eh peinlich. Portmann hatte es in der Hand, aber als notorischer Wiederholungstäter hat er sich das Leben selber versaut. Im Gegensatz zu ihm wird der Rupperswil Täter nach 15 Jahren nicht rauskommen, sondern für den Rest seines kümmerlichen Lebens verwahrt bleiben.
    • john benz 24.04.2018 09:03
      Highlight Highlight Seine erste Strafe war nicht 35 Jahre. Die hat er bekommen wegen Wiederholungstaten, weil er auf Polizisten geschossen hatte und weil er sich nicht therapieren lassen wollte.
      Aber ganz wichtig: ohne Recherche den Rechtsstaat verunglimpfen.
      Der Rupperswiler Mörder wird vermutlich mehr als die 15 Jahre sitzen! Es wird lange dauern bis ein Psychologe die Verantwortung für seine Freilassung übernehmen wird.
    • bibaboo 24.04.2018 09:07
      Highlight Highlight 🍎=🍐
      Ausserdem hat er mehr als 15 Jahre bekommen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dubliner 24.04.2018 06:34
    Highlight Highlight Viel Glück!
  • emptynetter 24.04.2018 06:28
    Highlight Highlight Jaja, nur auf Panzerglas hat er geschossen. Der polizist, den er auf der flucht angeschossen hat, war aber kaum hinter Panzerglas...
    • koalabear 24.04.2018 06:52
      Highlight Highlight Und er sieht sich nur als Opfer. Zu seinen Taten stehen kann er nicht, er sucht Ausreden, weshalb diese nicht so schlimm waren.
    • chr1zz 24.04.2018 07:10
      Highlight Highlight Naja ich glaube er hat für seine Taten genug Strafe bekommen....
    • Anded 24.04.2018 07:30
      Highlight Highlight Er hat auf den Polizisten geschossen. Also in seine Richtung, aber nicht getroffen. Absichtlich daneben, gemäss Portmann.
      Natürlich gilt dies trotzdem als Angriff.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Spooky 24.04.2018 03:39
    Highlight Highlight Respekt!
    • pamayer 24.04.2018 06:41
      Highlight Highlight Sehr!
    • Saraina 24.04.2018 07:03
      Highlight Highlight Wieso?
    • ujay 24.04.2018 08:39
      Highlight Highlight Respekt für was? Für seine Überfälle, seine Wiederholungstaten, seinen Schusswaffengebrauch, seine Ausflüchte, oder dass er jetzt durch den kurzen Moment des öffentlichen Interesses noch etwas nebenbei verdienen kann.....also was jetzt!?
    Weitere Antworten anzeigen

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