Schweiz
Künstliche Intelligenz

Fake-Profil auf Onlyfans: Betroffene erzählt

Cette Romande s'est fait voler ses photos pour OnlyFans
Daniellas Fotos wurden gestohlen, um ein gefälschtes Onlyfans-Profil zu erstellen.
bild: watson

Fake-Profil auf Onlyfans mit Insta-Fotos – Westschweizerin erzählt

Kürzlich entdeckte Daniella ein gefälschtes Onlyfans-Profil mit ihrem Namen, das mit gestohlenen Instagram-Fotos erstellt worden war. Dieser Fall in der Romandie verdeutlicht das wachsende Problem der Online-Gewalt gegen Frauen.
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03.02.2026, 04:3503.02.2026, 06:27
Alyssa Garcia
Alyssa Garcia

«Ich wachte eines Morgens auf und sah sofort, dass mir viele Männer, die ich kannte, geschrieben hatten», erinnert sich die 28-jährige Westschweizerin Daniella. Der Auslöser dieser Nachrichten: ein gefälschtes Instagram-Profil mit ihrem Namen, das Nutzer auf eine Onlyfans-Seite weiterleiten sollte – eine Plattform für den Verkauf pornografischer Inhalte. Daniellas Fotos wurden gestohlen, um diese beiden betrügerischen Profile zu erstellen, und ihre männlichen Kontakte wurden massenhaft hinzugefügt.

«Zum Glück hat niemand auf den Onlyfans-Link geklickt. Meine Freunde und Bekannten haben das gefälschte Profil sofort bei Instagram gemeldet. Ein paar Stunden später war das Konto verschwunden.»
Daniella
La story de Daniella qui redirigeait vers une page OnlyFans.
Das gefälschte Instagram-Profil postete eine Story, die auf eine Onlyfans-Seite weiterleitete.
bild: screenshot Instagram
Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Diese Erfahrung, die Daniella als «Schock» beschreibt, ist Teil der zunehmenden Online-Gewalt gegen Frauen. Untersuchungen der New York Times und des Center for Countering Digital Hate haben gezeigt, dass das KI-Tool Grok der Plattform X seit Dezember 2025 den Usern ermöglicht hat, mindestens 1,8 Millionen sexualisierte Bilder von Frauen zu erstellen. Es folgte weltweite Empörung. Als Reaktion darauf leiteten die Europäische Union und Frankreich Untersuchungen gegen Elon Musks Plattform ein.

«Ich war schockiert, gedemütigt und fürchtete um meine Sicherheit», sagt Daisy Dixon, Philosophieprofessorin an der Cardiff University in Wales, gegenüber BBC. User hatten Grok benutzt, um sie bis auf einen Stringtanga auszuziehen, ihre Hüften zu verbreitern und sie in vulgären Posen darzustellen. Diese Bilder wurden dann auf X veröffentlicht.

«Es ist eine Entführung deines digitalen Körpers, ein Angriff extremer Frauenfeindlichkeit.»
Daisy Dixon gegenüber BBC
Daisy Dixon, professeure à l'Université Cardiff.
Seitdem Daisy Dixon von Grok entkleidet wurde, hat sie sich auf Social Media und in den öffentlichen Medien geäussert, um dieses Phänomen anzuprangern. bild: Instagram/@daisylouisedixon

Beschwerde eingereicht

Daniella hat ihrerseits Anzeige wegen Identitätsdiebstahls erstattet. Die Kantonspolizei riet ihr dringend zu einer Anzeige, denn «selbst wenn die Chancen gering sind, den Täter, der sich mit Sicherheit im Ausland aufhält, zu bestrafen, leiten die Behörden diese Anzeigen an den Bund weiter, der Statistiken führt», erklärt sie.

Eva Cellina, Dozentin für Digitalrecht an der Universität Genf, befürwortet diesen Ansatz ebenfalls. Sie räumt die Grenzen dieser Verfahren in der Schweiz ein, «da die Plattformen ausserhalb des Landes ansässig sind und sich die Nutzer potenziell ebenfalls ausserhalb befinden». Sie ist jedoch überzeugt: «Je mehr Opfer sich an die Behörden wenden, desto besser können Gesetze an neue Technologien angepasst werden und desto effektiver können Regulierung und Strafverfolgung sein.»

Die Dozentin weist ausserdem darauf hin, dass bei Deepfakes – wie im Fall von Daisy Dixon – mehrere Täter ins Visier einer Anzeige geraten können: der Urheber des Inhalts, die Person, die ihn teilt, die Person, die ihn kommentiert, sowie die Verbreitungsplattform. Generell empfiehlt es sich, Screenshots als Beweismittel zu sammeln und den problematischen Inhalt der Plattform zu melden. Reagiert die Plattform nicht, sollte das Opfer den gesamten Schriftverkehr dokumentieren.

«Es liegt nicht an mir, mich zu verstecken»

Zu den Folgen von Identitätsdiebstahl zählt Daniella den Rufschaden. Die Westchweizerin nutzte ihr Instagram-Profil beruflich und erhielt daraufhin unverschämte Nachrichten von einigen Männern, wie zum Beispiel: «Hast du dich entschieden, den Beruf zu wechseln?»

Auch wenn ihr der Gedanke kam, ihr Konto auf privat zu stellen, weigert sie sich, aufgrund böswilliger Menschen nachzugeben.

«Es liegt nicht an mir, mich zu verstecken. Dieses Problem muss vor der Justiz und in der Politik angesprochen werden.»
Daniella

Solange Ghernaouti, Cybersicherheitsexpertin an der Universität Lausanne, teilt diese Ansicht. «Es ist bereits zu spät», findet sie.

«Man kann nicht kontrollieren, was andere mit digitalen Werkzeugen tun. Jeder hat sein Foto im Internet, und heutzutage kann jedes Bild manipuliert werden.»​
Solange Ghernaouti, Cybersicherheitsexpertin an der Universität Lausanne

Darüber hinaus besteht die Strategie dieser Internetnutzer ihrer Ansicht nach nicht in der Auslöschung von Frauen aus dem digitalen Raum, sondern im Bedürfnis nach Herrschaft und Besitz.

«Insbesondere mithilfe künstlicher Intelligenz schädigen einige Männer den Ruf und die Integrität von Frauen, die sie als Objekte betrachten. Digitale Werkzeuge geben ihnen diese Macht und ermöglichen es ihnen, Gewalt zu reproduzieren, die bereits im realen Leben existiert.»

Wenn es jedoch darum geht, die Schuldigen zu benennen, schiebt Solange Ghernaouti die Schuld nicht allein den Nutzern der Plattformen oder künstlicher Intelligenz zu.

«Warum gibt es Software, die es ermöglicht, Frauen zu entkleiden? Wer trägt die Verantwortung? Derjenige, der das Tool zur Verfügung gestellt hat und die Nutzung erleichtert? Oder derjenige, der es für böswillige Zwecke einsetzt?»
Solange Ghernaouti, Cybersicherheitsexpertin an der Universität Lausanne

Um diesen Trend umzukehren, fordert die Expertin die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, durch Sanktionen ein starkes Signal zu senden und nicht weiter die von den Schöpfern dieser digitalen Dienste auferlegten Spielregeln zu akzeptieren.

In der Schweiz wird derzeit ein Bundesgesetzentwurf diskutiert. Ziel ist es, die im Land tätigen Plattformen und Suchmaschinen zu regulieren und einen Rechtsrahmen für die Meldung von Inhalten zu schaffen. Der Bundesrat erhofft sich dadurch eine Stärkung der Nutzerrechte und will Unternehmen wie Facebook, X, Tiktok und Google zu mehr Transparenz und Fairness verpflichten.

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Die beliebtesten Kommentare
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Geryatriu
03.02.2026 08:39registriert September 2025
"Jeder hat sein Foto im Internet"
Nope! Ich gehör zur ersten Generation mit Internet und diese tut einen Teufel daran, ihre (visuelle) Anonymität aufzugeben.
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