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Fake-Profil auf Onlyfans mit Insta-Fotos – Westschweizerin erzählt
«Ich wachte eines Morgens auf und sah sofort, dass mir viele Männer, die ich kannte, geschrieben hatten», erinnert sich die 28-jährige Westschweizerin Daniella. Der Auslöser dieser Nachrichten: ein gefälschtes Instagram-Profil mit ihrem Namen, das Nutzer auf eine Onlyfans-Seite weiterleiten sollte – eine Plattform für den Verkauf pornografischer Inhalte. Daniellas Fotos wurden gestohlen, um diese beiden betrügerischen Profile zu erstellen, und ihre männlichen Kontakte wurden massenhaft hinzugefügt.
bild: screenshot Instagram
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Diese Erfahrung, die Daniella als «Schock» beschreibt, ist Teil der zunehmenden Online-Gewalt gegen Frauen. Untersuchungen der New York Times und des Center for Countering Digital Hate haben gezeigt, dass das KI-Tool Grok der Plattform X seit Dezember 2025 den Usern ermöglicht hat, mindestens 1,8 Millionen sexualisierte Bilder von Frauen zu erstellen. Es folgte weltweite Empörung. Als Reaktion darauf leiteten die Europäische Union und Frankreich Untersuchungen gegen Elon Musks Plattform ein.
«Ich war schockiert, gedemütigt und fürchtete um meine Sicherheit», sagt Daisy Dixon, Philosophieprofessorin an der Cardiff University in Wales, gegenüber BBC. User hatten Grok benutzt, um sie bis auf einen Stringtanga auszuziehen, ihre Hüften zu verbreitern und sie in vulgären Posen darzustellen. Diese Bilder wurden dann auf X veröffentlicht.
Beschwerde eingereicht
Daniella hat ihrerseits Anzeige wegen Identitätsdiebstahls erstattet. Die Kantonspolizei riet ihr dringend zu einer Anzeige, denn «selbst wenn die Chancen gering sind, den Täter, der sich mit Sicherheit im Ausland aufhält, zu bestrafen, leiten die Behörden diese Anzeigen an den Bund weiter, der Statistiken führt», erklärt sie.
Eva Cellina, Dozentin für Digitalrecht an der Universität Genf, befürwortet diesen Ansatz ebenfalls. Sie räumt die Grenzen dieser Verfahren in der Schweiz ein, «da die Plattformen ausserhalb des Landes ansässig sind und sich die Nutzer potenziell ebenfalls ausserhalb befinden». Sie ist jedoch überzeugt: «Je mehr Opfer sich an die Behörden wenden, desto besser können Gesetze an neue Technologien angepasst werden und desto effektiver können Regulierung und Strafverfolgung sein.»
Die Dozentin weist ausserdem darauf hin, dass bei Deepfakes – wie im Fall von Daisy Dixon – mehrere Täter ins Visier einer Anzeige geraten können: der Urheber des Inhalts, die Person, die ihn teilt, die Person, die ihn kommentiert, sowie die Verbreitungsplattform. Generell empfiehlt es sich, Screenshots als Beweismittel zu sammeln und den problematischen Inhalt der Plattform zu melden. Reagiert die Plattform nicht, sollte das Opfer den gesamten Schriftverkehr dokumentieren.
«Es liegt nicht an mir, mich zu verstecken»
Zu den Folgen von Identitätsdiebstahl zählt Daniella den Rufschaden. Die Westchweizerin nutzte ihr Instagram-Profil beruflich und erhielt daraufhin unverschämte Nachrichten von einigen Männern, wie zum Beispiel: «Hast du dich entschieden, den Beruf zu wechseln?»
Auch wenn ihr der Gedanke kam, ihr Konto auf privat zu stellen, weigert sie sich, aufgrund böswilliger Menschen nachzugeben.
Solange Ghernaouti, Cybersicherheitsexpertin an der Universität Lausanne, teilt diese Ansicht. «Es ist bereits zu spät», findet sie.
Darüber hinaus besteht die Strategie dieser Internetnutzer ihrer Ansicht nach nicht in der Auslöschung von Frauen aus dem digitalen Raum, sondern im Bedürfnis nach Herrschaft und Besitz.
Wenn es jedoch darum geht, die Schuldigen zu benennen, schiebt Solange Ghernaouti die Schuld nicht allein den Nutzern der Plattformen oder künstlicher Intelligenz zu.
Um diesen Trend umzukehren, fordert die Expertin die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, durch Sanktionen ein starkes Signal zu senden und nicht weiter die von den Schöpfern dieser digitalen Dienste auferlegten Spielregeln zu akzeptieren.
In der Schweiz wird derzeit ein Bundesgesetzentwurf diskutiert. Ziel ist es, die im Land tätigen Plattformen und Suchmaschinen zu regulieren und einen Rechtsrahmen für die Meldung von Inhalten zu schaffen. Der Bundesrat erhofft sich dadurch eine Stärkung der Nutzerrechte und will Unternehmen wie Facebook, X, Tiktok und Google zu mehr Transparenz und Fairness verpflichten.
