Schweiz
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Mit neuer App: Migros greift Viehhändler an und will Bauern zu Direktlieferanten machen

Eine simple App, doch sie hat das Potenzial, den Schweizer Fleischmarkt nachhaltig zu verändern: Ab Februar ist es Landwirten möglich, ihr Schlachtvieh direkt über eine App bei Micarna, der Fleischverarbeiterin der Migros, anzumelden.

Philipp Felber / Schweiz am Wochenende



Bis jetzt übernahm dies jeweils ein Zwischenhändler. Die Bauern sollen dadurch mehr verdienen.

Für die Viehproduzenten wird die neue App einiges einfacher machen, verspricht Micarna. «Dank Micarna E-Direct werden alle Schweine- und Rindvieh-Lieferanten der Micarna zu Direktlieferanten», heisst es in einer Medienmitteilung, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt, aber noch nicht veröffentlicht wurde. Der Vorteil für die Bauern, laut Micarna: Sie seien damit nicht mehr zeitlich und finanziell von einer Zwischenstation abhängig.

Bauern verdienen mehrPeter Bosshard, Geschäftsleiter des Schweizerischen Viehhändlerverbands, sieht in der App eine ernst zu nehmende Gefahr. «Micarna will dadurch den Viehhandel und somit auch den Wettbewerb ausschalten», sagt Bosshard. Man dürfe daher als Verband die App nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Wenn der Zwischenhandel faktisch ausgeschaltet ist, stellt sich eine Frage: Verdienen die Landwirte in Zukunft mehr? Ja, sagt Deborah Rutz, Mediensprecherin bei Micarna. Die Landwirte bekommen den Preis, den vorher die Viehhändler erhielten. Nur dass sie diesen nicht teilen müssen. Dass Micarna versucht, den Wettbewerb auszuschalten, sieht Rutz nicht: «Die Landwirte können ja auch andere Apps runterladen und beim Konkurrenten verkaufen.» Zudem gehe man nicht davon aus, dass ab 2018 gleich alle Landwirte die App nutzen werden. «Wir schauen mal, wie die Bauern reagieren», so Rutz.

Zudem arbeite man bei der Pouletmast seit Jahrzehnten direkt mit den Bauern zusammen und dort gäbe es weiterhin Wettbewerb. Denn: «Es greift zu kurz, bei engen Partnerschaften auf fehlenden Wettbewerb zu schliessen», heisst es von Micarna. Wenn die Zusammenarbeit mit einem anderen Partner für einen Bauern lukrativer sei – egal ob aus finanziellen Gründen oder wegen der Betreuung – dann könnten sie mit diesem zusammenarbeiten. Die Erfahrungen aus der Geflügelmast würden sich sicher nicht 1:1 auf andere Gattungen übertragen lassen, sagt Rutz. Das sei auch nicht das Ziel der App.

Neben Micarna hat auch der direkte Konkurrent Bell ebenfalls eine App zur Schlachtviehanmeldung lanciert. Ein Blick in die App-Stores zeigt: Die Downloadzahlen sind bis jetzt noch sehr bescheiden. Peter Bosshard vom Viehhändlerverband sagt, er habe erste Erfahrungen mit Apps gemacht und dabei festgestellt, dass die Landwirte durch eine App nicht in die Abhängigkeit einzelner Abnehmer gelangen möchten.

Ein gewichtiger Unterschied zur Micarna-App: Bell hat ihre App zusammen mit dem Viehhändlerverband ausgearbeitet. Etwas, worauf Micarna bewusst verzichtet hat. «Wir haben die App für die Landwirte und uns entwickelt. Wir wollen näher mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten.» Weil Micarna verspricht, dass die Bauern mehr verdienen werden, könnte der Micarna-App mehr Erfolg beschieden sein.

Geschäftsfeld wird sich ändern

Das Betätigungsfeld der Viehhändler werde sich etwas ändern, das sei richtig, sagt Deborah Rutz. Aber wohl nicht im nächsten Jahr. «Wir schaffen die Viehhändler ja nicht ab», sagt Rutz. Gerade bei den Transporten werden die Viehhändler eine wichtige Rolle spielen, so Rutz. Trotz ernstzunehmender Ausgangslage sieht Bosshard seinen Berufsstand dennoch als gut aufgestellt: «Wenn Viehhändler ihre Arbeit gut machen, dann sind sie auch in Zukunft unersetzbar.» (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Haiderfroh 08.01.2018 09:39
    Highlight Highlight Die Vieh- und Fleischgrosshändler könnten mit einer App kontern und über diese App ihr Fleisch direkt dem Kunden verkaufen.
    Bekanntermassen ist der Kilo-Preis für Schlachtvieh um ein Vielfaches kleiner als der Verkaufspreis von Fleisch.
    Die Vieh- und Fleischgrosshändler haben also viel Spielraum, um dem Kunden ein unschlagbar attraktives Angebot zu machen und um die Detailhändler aus der Lieferkette zu eliminieren.
  • Chäslade 07.01.2018 18:22
    Highlight Highlight Die Migros hat genau ein Ziel, die Zulieferer in eine Abhängigkeit bringen und dann das Diktat (Preise, Infrastruktur usw.) übernehmen.
    Da gibt es bis heute unzählige Beispiele.
    Der einzige Profiteur wird Migros sein, da es für den Endverbraucher sicherlich keinen besseren Preis gibt.
    Wie blöd sind wir denn eigentlich?
    • Haiderfroh 08.01.2018 09:27
      Highlight Highlight Wie genau soll denn die Abhängigkeit entstehen?
      Weshalb besteht nicht bereits eine Abhängigkeit zu den Viehhändlern?
      Wenn das Beispiel der Migros Schule macht, dann verkauft der Bauer in Zukunft nicht mehr dem Viehhändler, sondern er verkauft an die Migros, die Coop, den Aldi oder den Lidl.
      Nichts kann den Bauern zwingen, nur an die Migros zu liefern.
  • Gustav.s 06.01.2018 17:48
    Highlight Highlight Ich hatte durch meine Familie sehr viel Einblick in dieses Geschäft.
    Bauern werden dadurch nicht mehr bekommen. Gerade die Einmann/Familenunternehmen machen beim Viehhandel viele Stunden gratis.
    Bei der Migros wird jede Sekunde abgerechent, da gibts niemanden der Abends noch das Büro macht und den Wagen nebenbei wäscht. Teilweise 14 Stunden auf den Beinen ist und nur für 9 bezahlt wird.
    Aber viele Bauern glauben ja beim Viehandel sei alles aus Gold. Die Migros Strategie wird aufgehen und die Bauern noch abhängiger machen.
  • atomschlaf 06.01.2018 14:27
    Highlight Highlight Die Bauern werden wohl mit höheren Preisen gelockt werden und dadurch vorübergehend profitieren.
    Wenn die Viehhändler erst mal ausgeschaltet sind, dann wird die Migros in gewohnter Art mit ihrer ganzen Marktmacht auf die Ankaufspreise drücken.
    Dass die Konsumenten profitieren werden, halte ich für sehr unwahrscheinlich.
    • reaper54 06.01.2018 15:21
      Highlight Highlight Und dann verkauft der Bauer einfach an Coop, Bell oder sonst jemanden. Es gibt ja nicht nur die Migros auf dem Markt.
    • Skip Bo 06.01.2018 16:02
      Highlight Highlight reaper, das stimmt nicht.
      Bell gehört zu Coop. Fakt ist, dass die grossen zwei mit einem Telefongespräch die Preise in der ganzen Branche steuern könnten. Manchmal hat man als Lieferant das Gefühl, dass sie das auch tun.
      Die kleineren Schlachthöfe sind ebenfalls Zulieferer von Migros und Coop und von ihnen abhängig.
      Die Nischenproduktion z.B. Weidefleisch bietet im Moment eine labile Alternative.

      Grundsätzlich werden Richtpreise durch Proviande festgelegt. Dort sitzen neben Detaillisten, Händlern, Importeuren, Konsumentenvertretern auch Produzentenvertreter (werden grundsätzlich überstimmt).
    • reaper54 06.01.2018 17:12
      Highlight Highlight und ihr glaubt echt, dass Zwischenhändler da was nützen?
      Naja egal wenn die Agrarmarktöffnung durchkommt sind die Bauern eh nicht mehr selbständig überlebensfähig dann hat sich auch diese Diskussion erledigt.
  • Caturix 06.01.2018 13:30
    Highlight Highlight Der einzige der hoffentlich profitiert ist der Bauer. Der Kund muss nicht profitieren, der soll weniger Fleisch essen.
    • Tilman Fliegel 06.01.2018 16:43
      Highlight Highlight Der Kunde darf hoffentlich selbst entscheiden, wie viel Fleisch er essen will.
  • Skip Bo 06.01.2018 13:27
    Highlight Highlight Finde es gut, dass es möglich wird direkt zu liefern.

    Ein Viehhändler verlangt pro Rindvieh 50 bis 100 Franken Vermittlungsgebühr, die Transportkosten kommen nach dazu. Der Koordinationsaufwand pro Tier dürfte unter 5 Minuten liegen.

    Habe mal versucht herauszufinden wie viel die Micarna dem Viehhändler für meine Tiere bezahlt hat. Das dürfe man mir nicht sagen. Ich gehe davon aus, das der Schlachthof ebenfalls eine Koordinationspauschale bezahlt hat.
    Habe dann einen transparenteren Viehhändler gefunden.

    Bei Labelproduktion ist man aber nach wie vor auf einen Händler angewiesen.
    • Ahed 06.01.2018 23:49
      Highlight Highlight Ich glaube nicht dass die Migros die Transportkosten gratis macht.Wird eher teurer.
      Am Anfang wird man mehr verdienen als vorher, bis alle die App benutzen.Dann ist man Abhängig und mit fadenscheinigen Ausreden bekommt man plötzlich weniger Geld für das Fleisch.Dann kann der Bauer alleine um einen besseren Preis Kämpen.
      Die Viehändler gibt es ja nicht mehr.Den Anbieter wechseln kann man auch nicht , weil alle nach dem gleichen System arbeiten.

    • Skip Bo 07.01.2018 11:29
      Highlight Highlight Die Transportkosten werden nach wie vor vom Lieferanten bezahlt. Die Preise verstehen sich franko Stall. Gemäss Migros wird keine Koordinationsgebühr erhoben. Aber du hast recht, wenn die Zwischenstufe ausgeschaltet ist, besteht die Möglichkeit diese Gebühr dann einzuführen.
    • Haiderfroh 08.01.2018 09:47
      Highlight Highlight Und ihr meint, dass dann die Migros, die einzige Käuferin für Vieh ist und bleibt?
      Warum sollten Coop, Lidl, Aldi und Co. Euer Vieh nicht auch haben wollen?
      Und wenn nicht, warum verkauft ihr das Fleisch Eures Viehs nicht direkt dem Konsumenten, z. B. über eine App?
  • Str ant (Darkling) 06.01.2018 12:41
    Highlight Highlight Die Entwicklung weg vom Zwischenhändler ist gut.
    Bleibt zu hoffen das Bauern, Detailhändler und Endkunde von dieser Entwicklung profitieren.
  • Barracuda 06.01.2018 12:40
    Highlight Highlight Sicher ein interessanter und prüfenswerter Ansatz. Allzu viel verlieren kann man dabei nicht. Wenn die Bauern nicht mehr bekommen sollten, dann wäre die Idee mit der App schnell wieder vom Tisch. Ich glaube jedoch nicht, dass alle drei Parteien (Bauern, Migros, Kunden) davon profitieren werden. Wenn die Migros sagt, dass die Bauern den gleichen Preis bekommen wie der Zwischenhändler, dann würde die ganze Differenz beim Bauer bleiben. Bei der Marge für die Migros oder dem Endpreis für den Kunden gäbe es ja dann gar keinen Handlungsspielraum mehr. Aber immerhin würden die Bauern profitieren.
  • Hugo Wottaupott 06.01.2018 12:24
    Highlight Highlight Super! Jetzt noch den MUHMUHS den Handygebrauch erklären und sie "melden sich selber an".
  • Hugo Wottaupott 06.01.2018 12:19
    Highlight Highlight Migrosmigrosmigrosmigrosmuetterchouftallesimcoop!
  • lucasm 06.01.2018 12:12
    Highlight Highlight Ist eigentlich ganz einfach, die bauern sollen dort verkaufen, wo sie am meisten geld erhalten. Wieso sollten die zwischehändler geschützt werden? Wenn sie einen spürbaren mehrwert bieten, werden die bauern auch weiterhin an zwischenhändler verkaufen, falls nicht, haben sie nicht wirklich eine existenzberechtigung und der markt wird es regeln.
  • w'ever 06.01.2018 11:55
    Highlight Highlight die bauern werden wohl mehr verdienen, gut so.
    die migros wohl auch weil mehr marge.
    und der endkonsument bezahlt weiterhin gleich viel, wenn nicht sogar noch mehr, weil aus gründen.
    • Bav 06.01.2018 17:16
      Highlight Highlight Fleisch ist und bleibt ein Luxusgut, das ist auch gut so!
    • Haiderfroh 08.01.2018 09:52
      Highlight Highlight @Bav
      Fleisch ist kein Luxusgut. War es eigentlich auch nie, ausser in Kriegszeiten und für die ausgebeuteten Armen. Die artgerechte Ernährung des Menschen besteht aus ein bis zwei Kilogramm Fleisch oder Fisch täglich. Wir ernähren uns traditionell artfremd.

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