DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Luzerner Polizei riegelt ein Wohngebiet in Malters ab, am Mittwoch, 9. Maerz 2016. Eine 65-jaehrige Frau hat sich seit Dienstag in einem Haus in Malters verschanzt. Die Polizei hat das Haus umstellen muessen. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Bei diesem Haus in Malters (LU) fand der Polizeieinsatz statt. Bild: KEYSTONE

Vorwürfe im Suizid-Drama von Malters LU: Einsatzleitung soll gelogen haben

Nach dem Drama von Malters LU, bei dem sich eine Frau im Zuge eines Polizeieinsatzes das Leben nahm, kommt die Einsatzleitung zunehmend unter Druck: Medien berichten von Ungereimtheiten.



Anfang März klopfte die Luzerner Polizei bei der Alten Mühle in in Malters LU an die Tür, weil sie dahinter eine Indoor-Hanfanlage vermutete. Im Gebäude befand sich eine 65-jährige Frau, die sich weigerte den Beamten zu öffnen. Sie verschanzte sich während 19 Stunden in der Wohnung – mit einer Waffe. Jegliche Überzeugungsversuche schlugen fehl. Der Nervenkrieg endete, als die Sondereinheit «Luchs» auf Befehl der Luzerner Polizeiführung die Wohnung stürmte. Dabei beging die Frau Suizid.

Im Juni kündigte der ausserkantonale Staatsanwalt an, er habe in der Sache gegen den Polizeikommandanten und den Kripochef eine Strafuntersuchung eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der fahrlässigen Tötung.

Details macht nun der «Blick» publik. Die Zeitung beruft sich auf die SRF-Sendung Rundschau von heute. Diskutiert werden die Aussagen des Polizeikommandanten in zwei Punkten: 

Polizeikommandant sagt ...

Polizeikommandant Adi Achermann betonte nach dem Einsatz an einer Pressekonferenz, dass der Entscheid für eine Stürmung im Team gefällt worden sei. Zu diesem gehörte laut seinen Aussagen auch ein Polizeipsychologe, den er explizit erwähnte.

... Psychologe widerspricht

Laut «Blick» soll der gleiche Polizeipsychologe der Einsatzleitung geraten haben, die Selbstmorddrohungen der Frau ernst zu nehmen und weiter zu verhandeln. So soll er gewarnt haben: «Aufgrund von Reizüberflutung und der Intervention könnte sich die Frau das Leben nehmen.»

Polizeikommandant sagt ...

An der gleichen Pressekonferenz berief sich Achermann auf zwei Schüsse, die im Treppenhaus zu hören gewesen seien. Nach dem Aufbrechen der Wohnungstür habe man die Frau und ihre Katze tot im Bad gefunden. 

... Akten wiederlegen

Laut «Blick» besagen die Akten etwas anderes. Gemäss diesen soll schon vor den Schüssen die Tür aufgebrochen worden sein und ein Interventionshund zweimal vergeblich in der Wohnung nach der Frau gesucht haben.

Was nun der Wahrheit entspricht, bleibt vorerst offen. Der Polizeikommandant und sein Kripo-Chef nahmen mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellung zu den «Rundschau»-Recherchen.

Frau war schizophren

Fest steht: Bereits Ende März wurde bekannt, dass die Einsatzleitung bis spätestens zwei Stunden vor der Stürmung von einer psychischen Erkrankung der Frau gewusst hatte. Ihr Anwalt hatte darüber informiert, dass sie unter paranoider Schizophrenie litt. Er versuchte denn auch während Stunden per Telefon auf sie einzuwirken. 

Die Rundschau berichtete bereits Ende März über die Audiomitschnitte dieses Gesprächs: Darauf sei zu hören, wie die Frau auch gegenüber ihrem Anwalt eindringlich mit Suizid droht. Sie fühle sich vom grossen Polizeiaufgebot in die Enge getrieben und habe Angst vor einer Internierung. Sie bitte auch um mehr Zeit, wolle mit ihrem inhaftierten Sohn sprechen (der gleichzeitig auch ihr Vormund war).

Strafverfahren eingeleitet

Der Sohn zeigte nach dem Einsatz den Polizeikommandanten Achermann wegen fahrlässiger Tötung und Amtsmissbrauchs an. Er warf der Polizei vor, durch ihr Handeln den Suizid indirekt verursacht zu haben. (rwy)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

UNO-Folterexperte Nils Melzer: «Der Fall Assange ist wie ein dunkles Familiengeheimnis»

Der Schweizer Jurist Nils Melzer überwacht für die UNO das Folterverbot und hat ein Buch über seine Untersuchung zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange geschrieben. Dessen Rechte seien massiv verletzt worden, sagt Melzer. Und warnt vor der «gefährlichen» PMT-Vorlage, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Sie erheben in Ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen westliche Staaten im Umgang mit Julian Assange. Was hat Sie bei Ihrer Untersuchung am meisten schockiert?Nils Melzer: Die Erkenntnis, dass der Rechtsstaat offenbar auch in westlichen Demokratien vollkommen ausgehebelt werden kann. Ich habe in den letzten 20 Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet und viele schwere Rechtsverletzungen gesehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass in den westlichen Demokratien wenigstens noch der …

Artikel lesen
Link zum Artikel