DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Sein Lieblingsmodus ist Panik – der Political-Correctness-Polizist.
bild: shutterstock

Der Political-Correctness-Polizist oder weshalb auch die linke Form des Wutbürgers dumm ist



Der Wutbürger: Er ist ängstlich, veränderungsscheu, xenophob und nationalkonservativ. Weil er lieber Demagogen als Experten glaubt, gilt er als Gefahr für die Demokratie. Ja, der Wutbürger, der geht so richtig auf den Sack.

Doch es gibt auch den linken Wutbürger. Er ist zwar weniger offensichtlich, weniger plump und deshalb auch weniger angreifbar – doch nicht minder ärgerlich. Die Rede ist vom Political-Correctness-Polizisten, kurz PCP.

Der klassische PCP ist jünger und weniger wohlhabend als der Wutbürger, dafür verfügt er über eine hohe Ausbildung und einen lebendigen Twitter-Kanal. Ja, Twitter – der Güllenwagen unter den Sozialen Medien. Denn Facebook ist für Muttis, Instagram für Narzissten und Snapchat für Perverse.

In seinem Twitter-Profil beschreibt sich der PCP selbst als «Denker», «Weltverbesserer» oder als «Créateur de beauté». Und er meint es ernst – wie auch alles andere im Leben.

Getragen von der warmen Abluft seines eigenen moralischen Rigorismus kreist der PCP am liebsten wie ein Geier hoch über den Köpfen seiner Mitbürger. Theoretisch würde seine Perspektive dort oben das Erkennen von grösseren Zusammenhängen erlauben, doch dazu fehlt ihm, genau wie dem Wutbürger, die «Contenance».

Nein, der Fokus des PCPs richtet sich auf kleinste Details, und nur schon der Verdachtsmoment einer Verletzung der Political Correctness reicht aus, um mit erigiertem Moralfinger loszuprügeln.

Es ist diese Übersensibilität, die ihn letztlich von den vernünftigen kritischen Geistern unterscheidet. Und es ist diese Übersensibilität, die am Ende so viel Schaden anrichtet. Denn der PCP ist wie die Frau, die eine Vergewaltigung erfindet: Er schadet den wahren Opfern, verwässert das eigentliche Problem und schwächt damit die Bewegung. Und er verunsichert Otto Normalbürger, der nicht mehr weiss, ob er jetzt noch «schwul» sagen darf. Und wo die Verunsicherten Halt finden, ist klar.

Als kleine Zwischenmahlzeit: politisch unkorrekte Sprüche von Jeremy Clarkson

1 / 25
Jeremy Clarksons derbste Sprüche
quelle: getty images europe / wpa pool
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Doch dies alles bleibt dem PCP verborgen. In aller Öffentlichkeit stellt er sein Opfer an den Pranger und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Opfer wird diffamiert, während sich der PCP selbst profiliert. Im Zeitalter von Social Media ist der Moralfinger nicht nur Keule, er ist auch Selfiestick.

Gelingt es dem PCP, genügend Staub aufzuwirbeln, zieht das weitere Exemplare seiner Zunft an. Von der Angst getrieben, das Opfer könnte bereits erlegt sein, stürzen auch sie sich ohne weitere Reflektion der Sachlage darauf. Das nennt man dann Shitstorm. Und ein solcher ist quasi die Ehrenmedaille aller PCPs.

Mit zu den beliebtesten Opfern von PCPs gehören lustige Menschen. Stephen Fry zum Beispiel, einer der eloquentesten und inspirierendsten Twitterer ever, wurde von PCPs nach einer liebevoll-hämischen Bemerkung einer Freundin gegenüber derart kaputt gemacht, dass er Twitter verliess. Ist jetzt kein Drama, für die 10 Millionen Follower wurde das Leben an diesem Tag aber ein klein wenig unlustiger. Ein anderes Beispiel ist Chris Rock. Der Comedian tritt wie viele seiner Kollegen nicht mehr an Unis auf – weil diese fest im Griff der PCPs sind und kantige Witze nicht mehr geduldet werden.

Ja, um den Elefanten im Raum auch noch anzusprechen, als liberales Medium mit Linksdrall hat auch watson gelegentlich mit PCPs zu kämpfen: Unter den Usern – aber auch unter den Mitarbeitern. Ich selbst nehme mich davon nicht gänzlich aus.

Doch zum Glück gibt es ein ziemlich probates Mittel, PCPs ruhig zu stellen. Ein simples «Mimimi» tut’s meistens. Oder auch die Erwähnung eines bekannten Schoko-Riegels. In diesem Sinn: Contenance wahren, auch wenn es gerade etwas schwerer fällt. Alles andere ist ein Murks.

Hast du dich auch schon über einen PCP geärgert?

Das könnte dich auch interessieren:

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum die Empörung über die Halal-Toblerone absurd ist – in 4 Punkten

Eigentlich wäre es ja kaum eine Meldung wert. Eine bekannte Marke verkündet, dass ihr Produkt eine neue Zertifizierung erhält. Geändert an der Rezeptur hat sich nichts. Man verpasst dem Produkt einfach ein neues Label und schon hat man eine neue Zielgruppe erschlossen.

So geschehen am Sonntag, als der «Blick» berichtete, dass Toblerone im April dieses Jahres seine Produktionsstätte als halal zertifizieren liess. Halal bedeutet, dass ein Produkt mit dem Islam konform ist und gegen keine Regel …

Artikel lesen
Link zum Artikel