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Wie No-Billag-Kessler der BaZ ein Interview gab – und weshalb es nicht gedruckt wird



Er ist einer der Köpfe der No-Billag-Initiative: Olivier Kessler. Doch in den Medien macht sich der 31-Jährige relativ rar. Sein letzter grosser Auftritt hatte er Anfangs Februar in der Arena – wo er für einen kleinen Eklat sorgte, als er kurz vor der Aufzeichnung die Struktur der Sendung umstellen wollte. 

Jetzt hat Kessler der «Basler Zeitung» ein Interview gegeben. Gedruckt wird es allerdings nicht. Die Geschichte in vier Schritten:

Die Kontaktaufnahme

Olivier Kessler, No-Billag-Initiant, und Lukas Reimann, Nationalrat SVP-SG, von links, waehrend der Podiumsdiskussion zur No-Billag-Initiative am Mittwoch, 17. Januar 2018, im Hotel Schweizerhof in Luzern. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

No-Billag-Initiant Olivier Kessler im Januar 2018 an einer Podiumsdiskussion in Luzern.  Bild: KEYSTONE

Olivier Kessler gibt kaum Interviews. Er habe neben seinem Vollzeitjob auch nicht die Zeit, alle Anfragen zu beantworten. Der «BaZ» aber antwortete er und willigte in ein Gespräch ein. Es sollte ein gedanklicher Spaziergang durch seine Schweiz werden.

Das Interview

Kessler und zwei «BaZ»-Redaktoren trafen sich am 12. Februar im Hotel Hyatt in Zürich. Das Gespräch sei launig und nie langweilig gewesen, schreibt die «BaZ». Ihnen erschien Kessler «hellwach» und um Differenzierung bemüht. Er sprach von der Bevormundung der Bürger, von der Selbstbestimmung des Einzelnen, aber auch von dem in seinen Augen antiaufklärerischen Menschenbild der No-Billag-Gegner.

Als die Redaktoren Kessler auf sein Weltbild abklopfen, präzisieren sich seine Aussagen. «Kesslers Schweiz ist ein Minimalstaat, der mit dem heutigen Sozialstaat wenig bis gar nichts gemein hat», schreibt die BaZ. Und klar wird auch: Kompromisse sind für den 31-Jährigen keine Option.

Nach gut einer Stunde sei das Gespräch beendet gewesen. Man habe sich mit einem freundlichen Handschlag getrennt.

Die Überarbeitung

Die Redaktoren der BaZ transkribieren das Interview, bringen es in Form und schicken es Kessler, damit er seine Zitate autorisieren kann. Kessler nimmt nach Darstellung der BaZ die Selbstbestimmung des Einzelnen ziemlich wörtlich und schreibt das Interview komplett um: pikante Passagen seien neu formuliert, klare Ansagen durch weichgespülten PR-Sprech ersetzt worden. Und Fragen zu seiner politischen Sozialisation habe Kessler komplett gestrichen.

Die Konsequenz

Die «BaZ»-Redaktoren akzeptieren die Änderung Kesslers nicht und schicken ihm eine überarbeitete Version, die Teile seiner Nachbesserungen übernahm. Auch diese Version wollte Kessler laut Angaben der «BaZ» nicht publiziert wissen. Die Redaktoren entschliessen sich, die Vorgänge in einem Text mit dem Titel «No Interview» transparent zu machen. Im zweitletzten Absatz schreiben sie:

«Olivier Kessler hat wohl gespürt, wie sein gezeichnetes, libertäres Menschenbild in der breiten Öffentlichkeit aufgenommen werden könnte. Eine ungefilterte Fassung davon wollte er der Leserschaft der BaZ so kurz vor der No-Billag-Abstimmung offenbar nicht zumuten.»

Olivier Kessler Baz 20.02.2018 Nobillag

(mlu)

Helene erklärt dir die No-Billag-Debatte

Video: Angelina Graf

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