DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Reisen werden nur noch im Internet gebucht? Von wegen! Warum clevere Reisebüros gar zulegen

Die Schweizer reisen nach wie vor. Und sie buchen nicht nur online, wie die Zahlen der viertgrössten Anbieters belegen. Knecht Reisen meldet für das vergangene Jahr gegen den Trend der Branche einen Kundenzuwachs.

Andreas Schaffner / Nordwestschweiz



Das letzte Jahr war geprägt von der Frankenstärke. Immer mehr Schweizer kaufen im Ausland ein. Besonders zu spüren bekommen den Einkaufstourismus die Detailhändler, aber auch die Reisebüros. Diese spüren auch die Konkurrenz aus dem Internet. In der Schweizer Reisebranche kam es deshalb in den vergangenen Jahren zu einer eigentlichen Flurbereinigung, verbunden mit Übernahmen und Filialschliessungen. Sogar die Nummer eins der Branche, Kuoni, verabschiedete sich vom angestammten Kerngeschäft: Das europäische Reiseveranstaltergeschäft, darunter auch jenes der Schweizer Reisebüros, ging an die Reisesparte «DER Touristik» des deutschen Einzelhandelsriesen Rewe.

Rekordergebnisse in Zeiten des Internt

Die Knecht Reisegruppe, die vor 15 Jahren angefangen hat, Spezialreiseveranstalter aufzukaufen, konnte im vergangenen Jahr diesem Trend widerstehen: «Rund 80 Prozent der Buchungen finden bei uns in den Reisebüros statt», sagt Roger Geissberger, CEO der Knecht Gruppe. Dies gelte besonders bei Fernreisen nach Südamerika, Asien oder Afrika. Aber auch bei Aktiv-Ferien. «Es ist schwierig, von der Schweiz aus zu beurteilen, wie ein Angebot in Botswana aussieht. Hier sind unsere Kunden auf unser Fachwissen angewiesen», ergänzt Marcel Gehring, CEO des Bereichs Knecht Reisen. «Wir bieten im VIP-Bereich Concierge-Dienstleistungen an. Da kommt unser Berater zu den Kunden nach Hause. Wenn es sein muss, auch nachts um zwei.»

In this picture provided Wednesday May 25, 2016, a female lion stands outside a camping tent at the Kgalagadi Transfrontier Park in Botswana. Danie and Fransie Lubbe said Wednesday that they were in their tent at the Kgalagadi Transfrontier Park earlier this month when they heard a sound and looked outside to see two female lions licking the moisture off the tent's canvas. (Danie Lubbe via AP)

In Botswana noch möglich: Löwen ganz nah.
Bild: Danie Lubbe/AP/KEYSTONE

Auch wenn die Kunden nach wie vor mehrheitlich ihre Buchungen im Reisebüro tätigen, wird die Information übers Internet zentral. Deshalb baue man das Angebot laufend aus, um die Kunden auf allen sozialen Medien anzusprechen. Im nächsten Jahr wird der Internet-Auftritt komplett überarbeitet.

Seine Position konnte der viertgrösste Reiseveranstalter der Schweiz also trotz der Frankenstärke verteidigen. Der Umsatz brach, bedingt durch den Währungszerfall, um 6 Prozent auf 160.3 Millionen ein, wie Geissberger sagt. Auch der Nettokonzerngewinn nach Steuern von 3,31 Prozent des Umsatzes sank leicht gegenüber dem Vorjahr, die Ebit-Marge liegt sogar bei über 4 Prozent. «Wir können uns im Vergleich zur Konkurrenz mehr als sehen lassen. Es ist sogar ein Spitzenwert.»

Buchst du im Reisebüro?

Der Gesamtumsatz wurde von den insgesamt 14 Marken der Gruppe erwirtschaftet, die Stamm-Marke Knecht Reisen hatte daran einen Anteil von 74 Prozent. Um 30 Prozent verloren der Russland-Spezialist Kira Reisen, während Baumeler Reisen als Aktivferienveranstalter ein Rekordergebnis schrieb. Ebenfalls zu den Gewinnern zählte im vergangenen Jahr Glur Reisen. Separat ausgewiesen wird der Eurobus-Umsatz, der im vergangenen Jahr 118 Millionen Franken erwirtschaftete. Gesamthaft erzielte die Gruppe demnach einen Reiseumsatz von 278 Millionen Franken.

Schweizer reisen nach wie vor

Die Reiselust der Schweizer ist auch in diesem Jahr ungebrochen: «Während Badeferien leiden, verzeichnen wir per Ende Mai gruppenweit dennoch einen Umsatzzuwachs von 2 Prozent. Zählt man die fünf neu hinzugekauften Swiss Express-Firmen in Basel und die Lattitude in Vevey hinzu, sind wir schon um 17 Prozent gewachsen», sagt Geissberger. Beliebt sind in diesem Jahr Spezialreisen abseits der grossen Touristenströme, aber auch Kreuzfahrten und Aktivferien. «Wir bieten erstmals die Kombination von Veloreisen und Flusskreuzfahrten an. Anstelle des Landgangs unternehmen diese Gäste eine Velotour.»

Helvetia guckt sehnsüchtig auf den Fluss. Viele Flussreisen werden im Reisebüro gebucht. 
Bild: KEYSTONE

Nach wie vor befindet sich die Reisebranche im Clinch mit dem Lufthansa-Konzern und damit auch mit der Schweizer Fluglinie Swiss. Dies, weil sie seit September 2015 eine Extragebühr von 16 Franken für Buchungen über ein etabliertes Buchungssystem bezahlen müssen. Nur Buchungen über die Websites der Lufthansa-Fluglinien sind davon nicht betroffen.

Viele Reiseanbieter haben schon Massnahmen gegen Lufthansa-Fluglinien angekündigt. Der Schweizer Reise-Verband hat bei der Wettbewerbskommission Weko eine Beschwerde eingereicht. Auch für Roger Geissberger ist die Gebühr ein Ärger: «Die Branche erwirtschaftet nach wie vor 70 Prozent der Buchungen für die Fluglinie.» Eine Alternative zur Swiss, wie dies andere Reiseveranstalter prüfen, sieht Geissberger jedoch nicht. 

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Erste «Herr der Ringe»-Verfilmung aufgetaucht

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ehe für alle: Der Schweiz blüht im Herbst ein Regenbogen-Meer 🏳️‍🌈

Im Herbst dürfte es zur Abstimmung über die «Ehe für alle» kommen. Das Ja-Lager plant bereits eine bunte Kampagne.

Es ist nicht lange her, dass man an Balkonen, Fassaden und Zäunen landauf, landab die Flaggen für die Konzern-Initiative sehen konnte. Sie prägten das Schweizer Strassenbild während des Abstimmungskampfs im vergangenen November. Und werden zum Inbegriff einer Basiskampagne.

Seit watson am Mittwochabend berichtet hatte, dass das «Ehe für alle»-Referendum kurz vor der Unterschriften-Einreihung steht, drehen die Kampagnenräder in links-liberalen, queeren Milieus. Es wird gedacht, geplant und …

Artikel lesen
Link zum Artikel