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Wanderung von Klosters nach Partnun
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Auf alten Schmugglerpfaden der Schweizer Grenze entlang tanzen (gibt's auch ohne Schnee)

Keine Angst: Normalerweise ist diese Wanderung praktisch ohne Schnee zu bewältigen. Wir hatten nur gerade Pech. Was aber immer gilt: Der Weg führt eindrücklich der Grenze entlang, dort wo früher Schmuggler die Ware über die Berge trugen. Zum Abschluss lockt ein erfrischendes Bad in einem der schönsten Schweizer Bergseen.
31.07.2016, 09:4913.02.2020, 10:38
Reto Fehr
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Wir haben ein bisschen Pech. Zwei Tage vor unserer geplanten Wanderung schneit es in den Bergen mitten im Juli nochmals. Unsere Bergtour wird zur Schneewanderung. Trotzdem können wir es nicht erwarten, in die Höhe zu kommen. Von Klosters Dorf aus steigen wir daher in die Gondelbahn und bewältigen die ersten 700 Höhenmeter schaukelnd.

Bald erreichen wir den Schnee. In der Mitte hinten ist bereits das Rätschenjoch erkennbar.
Bald erreichen wir den Schnee. In der Mitte hinten ist bereits das Rätschenjoch erkennbar. bild: watson

Doch auch so werden noch genügend Höhenmeter zusammenkommen. Bald erreichen wir hinten im Chüecalanda auf rund 2300 Metern den Punkt, wo der steile Aufstieg zum Rätschenjoch (2600m) beginnt.

Weiss gepudert liegt das Chüecalanda da. Der Weg aber noch gut sichtbar.
Weiss gepudert liegt das Chüecalanda da. Der Weg aber noch gut sichtbar.bild: watson

Oben angekommen geht ein kühler Wind. Hier würde das Rätschenhorn nur noch 25 Minuten und 100 Höhenmeter entfernt liegen. Da die (Fern-)Sicht aber schlecht ist, lassen wir die Gipfelbesteigung aus. Das Highlight der Wanderung steht ja sowieso noch bevor.

Das Rätschenjoch auf 2605 Metern über Meer ist erreicht.
Das Rätschenjoch auf 2605 Metern über Meer ist erreicht.bild: watson

Nach dem höchsten Punkt der Wanderung liegt auf den Gafier Platten Schnee, wo zu dieser Jahreszeit eigentlich keiner mehr liegen sollte – oder zumindest nicht in diesen Massen. Nach dem Abstieg biegen wir rechts ab und steigen zum Gafier Joch hoch. Ab jetzt führt der Weg auf dem breiten und ungefährlichen Grat der Grenze zwischen der Schweiz und Österreich entlang.

Das Gafier Joch auf 2415 Metern. Der folgende Wanderweg dem Grat entlang ist auch für nicht schwindelfreie problemlos zu meistern.
Das Gafier Joch auf 2415 Metern. Der folgende Wanderweg dem Grat entlang ist auch für nicht schwindelfreie problemlos zu meistern.bild: watson

Wir folgen der Grenze ein Stück und geniessen die herrliche Aussicht runter nach Gargellen (Österreich) oder links Richtung St.Antönien. Statt über den Gargeller Chöpf verlassen wir dann die Grenze kurz und steigen für das Mittagessen zum Gafier See ab. Die gut 200 Höhenmeter beginnen steil, sind aber bei trockenem Wetter kein Problem.

Der Gafier See. An warmen Tagen kann man sich hier durchaus kurz erfrischen.
Der Gafier See. An warmen Tagen kann man sich hier durchaus kurz erfrischen.

Gestärkt geht die Wellenwanderung weiter. Zurück zum Grat und zur Grenze bis zum St.Antönier Joch. Hier steht auf 2376 Metern tatsächlich noch ein altes Zollhäuschen und eine Grenztafel. Früher versuchten Schmuggler, hier oben den Zöllnern zu entkommen. Das Schmuggeln war insbesondere für das österreichische Montafon eine wichtige Erwerbsquelle bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die Grenztafel auf dem St.Antönier Joch mit dem alten Zollhäuschen im Hintergrund.
Die Grenztafel auf dem St.Antönier Joch mit dem alten Zollhäuschen im Hintergrund.bild: watson

Neben dem «grünen Gold» (ungeröstete Kaffeebohnen, da diese ziemlich geruchsneutral waren) wurde im Schutz der dunklen Nacht Ware bis zu 40 Kilogramm über die Landesgrenze getragen. Nach Österreich brachten die Schmuggler auch Salz, Zucker, Kaugummi oder Waschpulver – in die Schweiz Fleisch, Felle, Kleider oder Tiere.

Hinter diesem Fels liegt das Zollhäuschen und das St.Antönier Joch.
Hinter diesem Fels liegt das Zollhäuschen und das St.Antönier Joch.bild: watson

Natürlich versuchten die Schmuggler ihre Jäger auch zu täuschen. Beispielsweise mit dem alten Schuhsohlen-Trick. Sie montierten diese verkehrt rum auf die Schuhe, damit im Schnee der Eindruck entstand, dass sie sich in die andere Richtung bewegten.

Auch noch witzig: Am Wegweiser hat's ein kleines Fach mit – nein, nicht mit einem Gipfelbuch – Stempelkissen drin. Für eine Art legalen Grenzübertritt.

Wir wandern der Grenze entlang noch ein letztes Mal etwas nach oben. Der Riedchopf – ein oft zu Unrecht ignorierter Berg – lockt. Die Aussicht von hier oben zu unserem Tagesziel Partnun und die dahinter thronende Sulzfluh ist fantastisch, genauso wie in die andere Richtung in die Alpen.

Der Abstieg vom Riedchopf nach Partnun. Steil ist's.
Der Abstieg vom Riedchopf nach Partnun. Steil ist's.bild: Watson

Jetzt verlassen wir den Grenzgrat und machen uns durch einen steilen Abstieg nach Partnun auf. 700 Höhenmeter sind so schnell vernichtet.

Unten in Partnun, der Blick zurück zum Riedchopf (Mitte).
Unten in Partnun, der Blick zurück zum Riedchopf (Mitte).Bild: Watson

In Partnun laden zwei Berggasthäuser zur verdienten Erfrischung ein. Hier kann man übernachten, in einer Stunde nach St.Antönien laufen oder mit Riesentrottinetts in 15 Minuten auf der geteerten Strasse runter fahren. Was man aber auf jeden Fall noch tun sollte: Die 20 Minuten zum wunderschönen Partnunsee zurücklegen und eine Runde auf dem Ruderboot drehen oder schnell reinspringen.

Lust auf noch eine Wanderung? Hier geht es zu den spektakulärsten Wasserfällen, die ich in der Schweiz je sah!

Madrisa – Rätschenjoch – Riedchopf – Partnun
Wanderzeit: ca. 6-7 Stunden
Distanz: 13 Kilometer
Höhenmeter: ca. 1160m rauf / 1270m runter
Schweiss-pro-Panorama-Index: 7/10 – Bis aufs Rätschenjoch geht es praktisch nur rauf, danach weniger Höhenmeter dem Grat entlang, die Aussicht geht weit über die Schweizer und österreichischen Alpen.
Blufffaktor: 6/10 – Der Grenze entlang auf alten Schmugglerpfaden, schon noch cool.
Anreise: Nach Klosters Dorf vom Zürich HB aus via Landquart (1:44 Stunden).
Rückreise: Postauto ab St.Antöninen, dann Zug von Küblis via Landquart nach Zürich HB (2:18 Stunden).

Null Sterne, aber ganz viel frische Luft: Willkommen im ersten Open-Air-Hotel der Schweiz

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Null Sterne, aber ganz viel frische Luft: Willkommen im ersten Open-Air-Hotel der Schweiz
quelle: keystone / ennio leanza
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