Schweiz
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An Schweizer Bahnhöfen wird bald ein Computer zu dir sprechen

Die SBB setzen auf eine deutsche Software-Firma, welche Durchsagen künstlich generiert.

Philipp Felber / Nordwestschweiz



In einem Büro tippt ein SBB-Mitarbeiter eine Störungsmeldung in den Computer. Kurze Zeit später erschallt die Meldung über die Lautsprecher: «Gleis 1: Einfahrt des Interregio 36 nach Zürich». Und nicht mehr in zusammengesetzten Sprachfetzen, wie dies heute der Fall ist, sondern in einer natürlichen Sprechmelodie. So sieht die Zukunft der Durchsagen in Zügen und an Bahnhöfen aus. Ende März schrieben die SBB das Projekt aus.

Personen benuetzen den neuen Bahnhof Loewenstrasse der Durchmesserlinie beim Zuercher Hauptbahnhof, am Montag, 23. Juni 2014, in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Hier spricht bald ein PC: Durchsagen zum Einsteigen an den Bahnhöfen von SBB und BLS. Bild: KEYSTONE

Nun ist klar, wer die technische Grundlage dazu liefern soll. Es ist die deutsche Firma Aristech mit Sitz in Heidelberg. Die Firma hat ein sogenanntes Text-to-Speech-System entwickelt, das auch schon bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) im Einsatz ist. Der Vorteil der neuen Software: Jeder nur erdenkliche Satz kann generiert werden.

In Österreich bereits im Einsatz

Das heutige Durchsage-System der SBB greift auf 10'000 einzelne Satz- und Wortfragmente zurück. Diese wurden von professionellen Sprecherinnen während Monaten eingesprochen.

Das Problem dabei neben dem enormen Anfangsaufwand: Braucht es für Durchsagen ein neues Wort, musste dies wiederum aufgenommen werden. So etwa, wenn die SBB eine neue Haltestelle bauen.

Das wird mit der neuen Text-to-Speech-Software nicht mehr nötig sein. Denn sie ist in der Lage, selber Wörter und Sätze zu bilden. Das funktioniert, indem einzelne Lautkombinationen aneinandergereiht werden. Die Schwierigkeit liegt darin, dass eine natürliche Sprachmelodie erzeugt wird.

Auch wenn die Sprache in Zukunft digital hergestellt wird, am Anfang steht noch immer die Stimme eines Menschen. Denn auch bei der neuen Software ist die Grundlage das Einsprechen von einzelnen Sätzen. Die werden dann von der Software ausgewertet und im Anschluss dazu verwendet, künstliche Ansagen zu generieren.

Noch ist nicht klar, ob die SBB auf die bestehenden Sprecherinnen zurückgreifen. «Welche Stimmen künftig zu hören sein werden, war nicht Gegenstand dieser Evaluation», schreibt SBB-Sprecher Oliver Dischoe auf Anfrage. Dies soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Selbstverständlich seien die SBB aber mit den aktuellen Sprecherinnen in Kontakt.

Bei der ÖBB wurde auf eine bekannte Stimme gesetzt. Die Schauspielerin Chris Lohner erklingt dort seit fast vierzig Jahren aus den Lautsprechern. Dies wird sie weiterhin tun, auch weil ihre Stimme nun synthetisch erzeugt werden kann.

Es ist realistisch, dass bei den SBB wie bisher mehrheitlich Frauenstimmen in den Zügen und an den Bahnhöfen erklingen. Laut einem Blogeintrag der SBB zeigten Studien, dass weibliche Tonlagen bei den Passagieren sympathischer wirken. Und das bei beiden Geschlechtern.

30'000 Ansagen pro Tag

Bereits im Frühling 2019 soll ein erstes Pilotprojekt gestartet werden, um das System zu testen, wie die SBB in Unterlagen zum Projekt im März schrieben. Pro Tag laufen in der Schweiz zwischen 20'000 und 30'000 Ansagen über die Lautsprecher. Dies an rund 800 Bahnhöfen der SBB, an 130 der BLS und in Tausenden Zügen von SBB und BLS.

Das Ziel der SBB laut Sprecher Oliver Dischoe: «Wir erhoffen uns durch das neue System eine noch höhere Qualität der Durchsagen.» Ausserdem ermögliche der Einsatz eines Text-to-speech- Systems einen flexibleren Einsatz von Durchsagen.

In einem weiteren Schritt wollen die SBB, dass das neue System weit- gehend automatisch situations-, zeit- und bedürfnisgerecht die Passagiere informiert, wie es in den Unterlagen heisst. Allerhand von Daten werden dann automatisch in Sprachnachrichten umgewandelt. (aargauerzeitung.ch)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Albi Gabriel 09.07.2018 10:50
    Highlight Highlight Vielleicht ist dann dieses neue System endlich fähig, die Ortsnamen korrekt auszusprechen. Aber bei deutschen Programmierern wird vor dem Halt in Landquart Davos vermutlich weiterhin als Dawos ausgesprochen werden...
  • swizz 09.07.2018 08:54
    Highlight Highlight "[...]Und nicht mehr in zusammengesetzten Sprachfetzen, wie dies heute der Fall ist, sondern in einer natürlichen Sprechmelodie.[...]"
    Ich glaube nicht, dass es viel natürlicher als jetzt klingen wird, ich finde es jetzt schon sehr gut. Wie vollsynthetische Stimmen klingen und wie schlecht man diese versteht, kann man an den SOB-Bahnhöfen erleben... Bin gespannt wie's rauskommt.
  • Kaspar Floigen 09.07.2018 08:40
    Highlight Highlight Ich würde dieses neue System der ÖBB gerne mal hören, konnte aber kein Video auf Youtube finden, dass definitiv das neue System verwendet. Kennt da jemand ein Video?
    • MyAnusIsBleeding 09.07.2018 12:42
      Highlight Highlight Laut Video sollte dies eine Durchsage mit der neuen Stimme sein. Sonst einfach bei YT Stichworte wie "ÖBB" und "Durchsage" oder "Ansage" eingeben. Dazu noch kurz auf's Aufnahmedatum achten (Ab Januar 2016).
      Die grossen Bahnhöfe sollten mittlerweile alle umgerüstet sein z.B. Wien oder Salzburg.

      Hier auch noch eines:
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    • Kaspar Floigen 09.07.2018 15:30
      Highlight Highlight Hört sich gut an. Könnte wirklich natürlicher werden, als das bisherige System.
  • Haihappen 09.07.2018 08:37
    Highlight Highlight Als Stimmenvorschlag für die neuen Ansagen schicke ich die/den jeweiligeN SBB-ChefIn ins Rennen.

    Das würde der ganzen Chose doch eine ungemein persönliche Note verleihen wenn ab jetzt Herr Meyer aus den Lautsprechern klingte 🤓
  • Roman Stanger 09.07.2018 07:07
    Highlight Highlight Ich hätte aber lieber die Stimme "Deutschschweizer Lokführer verabschiedet seine Fahrgäste am Endbahnhof auf Englisch und weist sie auf die nächsten Anschlüsse hin". Wäre das möglich?

Zu wenig Lokführer: SBB legen Linie still

Die SBB haben wegen Lokführermangels auf einer Nebenlinie zwischen Olten und dem Baselbiet einen Tag lang den Zugverkehr eingestellt. Zudem schützt am Gotthard auch eine Platzreservation nicht vor einem Rausschmiss.

Dass ein Zug ausfällt, weil der Lokführer oder die Zugchefin kurzfristig entfällt, kommt immer mal wieder vor. Dass die SBB eine ganze Linie einen Tag lang stilllegen muss, weil das Personal fehlt, ist wohl einzigartig in der jüngeren Bahngeschichte.

So geschehen am Samstag auf der Linie Olten – Läufelfingen – Sissach. Von früh bis spät bot die Bahn Ersatzbusse auf. Grund: «kurzfristige Änderung im Personaleinsatz». Informiert darüber hat die SBB am Freitagabend um 23.51 Uhr.

Am Samstag erklärte …

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