DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Unter anderen Umständen hätte er die Berufsmatur bestanden, ist der Beschwerdeführer überzeugt. bild: shutterstock.com

Zu heiss, fiese Fragen: Berufsmaturand klagt (teilweise) erfolgreich gegen schlechte Noten

Weil im Prüfungsraum Temperaturen um die 30 Grad herrschten und er sich von den Experten ungerecht behandelt fühlte, schaltete ein Schüler die Justiz ein. Nun gab ihm das Bundesverwaltungsgericht teilweise recht.



Bei der mündlichen Mathe-Prüfung seien die Experten «unwirsch» und «auffällig unfreundlich» gewesen. Im Fach «Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Recht» (VBR) hätten sie den aktuellen Euro-Franken-Kurs auf zwei Dezimalstellen genau wissen wollen und Fragen zur Ehefrau eines CEO gestellt. Weiter sei es am Prüfungstag rund 30 Grad heiss gewesen, was einen Einfluss auf die Experten und deren Bewertung gehabt haben könnte.

Mit diesen und weiteren Argumenten ist ein Berufsmaturand ans Bundesverwaltungsgericht gelangt. Nachdem er im Sommer 2015 durch die eidgenössische Prüfung gerasselt war, legte er Beschwerde gegen das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation ein. Er verlangte, dass seine Bewertung in Mathematik um mindestens eine halbe Note aufgebessert wird. Die ungenügende VBR-Note sei zudem in eine genügende zu ändern. Damit hätte er die Prüfung bestanden.

Einfluss der Hitze nicht bewiesen

In seinem Urteil von Mitte Juli gibt ihm das Bundesverwaltungsgericht nun teilweise recht. Zwar hält es diverse Rügen für unbegründet. So gebe es keine Anhaltspunkte, wonach die hochsommerlichen Temperaturen einen Einfluss auf die Bewertung der Prüfung gehabt hätten. Auch könne der Beschwerdeführer nicht beweisen, dass die Experten unfreundlich gewesen sind oder ihn sogar angeschrien haben, wie er es behauptet. 

Auch in weiteren Punkten nehmen die Richter die Experten in Schutz: So hätten diese überzeugend dargelegt, dass eine Aufgabe, die der Prüfling als zu schwer empfand, Teil des Lernstoffs war.

Trotzdem trägt der Schüler vor Gericht einen Teilsieg davon: In der VBR-Prüfung seien Fragen aus dem falschen Themenbereich gestellt worden, befanden die Richter. Der Berufsmaturand hatte sich vorab aus einer Auswahl für das Prüfungsgebiet «Gesamtrechnung» entschieden. Die Experten hätten den Fokus jedoch «schwergewichtig» auf den Bereich «Aussenbeziehungen» gelegt, heisst es im Urteil. 

Kostenlose Wiederholung der Prüfung

Die Fragen zum Euro-Franken-Kurs und ähnlichen Währungsthemen lagen damit ausserhalb des relevanten Prüfungsstoffs. Dies stelle einen «offensichtlichen Verfahrensmangel» dar, so die Richter. Mit einer höheren Teilnote im Bereich Volkswirtschaft wäre es dem Berufsmaturanden möglich gewesen, die eidgenössische Prüfung zu bestehen. 

Das Gericht hiess die Beschwerde darum teilweise gut. Das Diplom erhält der Schüler zwar nicht automatisch. Er darf den entsprechenden Prüfungsteil aber kostenlos und unter korrekten Bedingungen wiederholen. Zudem muss er nur reduzierte Verfahrenskosten von 200 Franken tragen. Der Entscheid kann nicht an das Bundesgericht weitergezogen werden und ist somit endgültig. 

Dass eine solche Beschwerde erfolgreich ist, hat Seltenheitswert. In den letzten zwei Jahren rekurrierten 13 Personen beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, weil sie mit ihrer Bewertung an der eidgenössischen Berufsmatur nicht einverstanden waren. Vier der Beschwerden sind noch hängig, die anderen wurden abgelehnt. 

Häufige Rekurse nach Gymi-Prüfung

Auch die Kantone haben es regelmässig mit Schülern respektive Eltern zu tun, die mit ihrer Bewertung nicht zufrieden sind. Bei der Zürcher Bildungsdirektion gingen in den letzten Jahren jeweils über 100 Rekurse ein, die Mittelschulen oder Berufsbildungsschulen betrafen. Anlass dafür war allerdings in den seltensten Fällen ein Scheitern an der Matur. Nur gerade zwei bis drei solche Fälle verzeichnet Zürich jährlich.

Weitaus häufiger sind Rekurse zu Beginn oder während der Gymi-Zeit: Wegen nicht bestandener Aufnahmeprüfungen gelangten dieses Jahr 55 Familien an die Zürcher Bildungsdirektion, letztes Jahr waren es 41. Auch solche Rekurse sind nur in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt: Gerade einmal eine bis zwei Beschwerden pro Jahr werden gutgeheissen.  

Wer den Entscheid der Bildungsdirektion nicht akzeptieren will, hat die Möglichkeit, diesen ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen. Dies machten seit 2012 insgesamt drei Familien. Die Richter lehnten zwei der Beschwerden ab. Im dritten Fall bekamen ein Sechstklässler und seine Eltern teilweise recht. Sie wehrten sich, weil die Experten einen Aufsatz des Schülers über einen alten Hut mit der Note 2 bewertet hatten. 

World of Watson: Lehrer-Typen

Video: watson

So geht die Welt zur Schule: 47 Klassenzimmer

Das könnte dich auch interessieren:

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Nationalrat fordert schnellere Lockerungen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Scheiss Jude!» – So erleben junge jüdische Schweizer Antisemitismus

Antisemitismus ist in der Schweiz aktueller denn je – verschuldet durch Verschwörungstheorien rund um Corona. Drei jüdische Schweizer erzählen im Video von antisemitischen Beschimpfungen.

Wie der Antisemitismus Bericht 2020 aufzeigt, drückt sich Antisemitismus in der Schweiz vor allem durch Beschimpfungen und Aussagen aus. Besonders im von der Corona-Pandemie geprägten Jahr zeigt sich, wie präsent Antisemitismus noch immer ist. Dies äussert sich vor allem in den antisemitischen Verschwörungstheorien, die im letzten Jahr zahlreich verbreitet wurden.

Womit jüdische Schweizerinnen und Schweizer regelmässig konfrontiert werden, zeigen diese Geschichten: Susan (26) erzählt von einer …

Artikel lesen
Link zum Artikel