Schweiz
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Die geheime Gotthard-Botschaft unserer Bundesräte an Europa

Die Gotthard-Feier war ein Freudentag für die Schweiz: Der längste Bahntunnel der Welt wurde mit einer pompösen Show und vielen pathetischen Worten eingeweiht. Doch unsere Bundesräte folgten auch einer Geheimagenda – wegen der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative.

01.06.16, 17:20 02.06.16, 08:20

Jürg Krebs / Nordwestschweiz



Bundespräsident Schneider-Ammann (r.) an der Gotthard-Feier im Tessin mit François Hollande und Angela Merkel.
Bild: EPA/KEYSTONE POOL

Licht, Farben, Musik – und immer wieder der Gotthard-Basistunnel. Die Schweiz ist stolz auf den längsten Bahntunnel der Welt, der am Mittwoch eingeweiht wurde. Der 1. Juni 2016 ist zum historischen Tag geworden.

Doch während die Schweiz und Europa feierten, folgten die Schweizer Bundesräte einer Agenda mit zwei Botschaften:

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und Verkehrsministerin Doris Leuthard waren das offizielle Gesicht der Schweiz an diesem Freudentag. Sie waren es auch, die diese Botschaft verschickten. Immer öffentlich. Immer mit einer Botschaft zwischen den Zeilen.

Ein Begriff wurde gemieden

Warum? Es geht um die Masseneinwanderungs-Initiative, deren Umsetzung zum Streit zwischen der Schweiz und der Europäischen Union geführt hat. In diesem Jahr stehen entscheidende Gespräche an, denn das Stichdatum zur Umsetzung ist der 9. Februar 2017. Doch das Wort fällt in keinem Moment. Zumindest nicht öffentlich. 

So erlebte ich die Gotthard-Eröffnung als Bildredaktor

Doch da war noch der geschlossene Bereich für «Very VIPs» auf dem Festgelände. Leuthard gab im Interview mit SRF zu verstehen, dass sie dort hinter verschlossenen Türen die Gelegenheit nutzen wolle, wenn schon mit Merkel, Hollande und Renzi wichtige europäische Partner in der Schweiz weilen. Die Gelegenheit wofür? 

Der Tunnel für Europa

Leuthard lässt durchblicken: Sie will den Staatsgästen im privaten Rahmen erklären, dass die Schweiz den Tunnel für Europa gebaut hat. Dafür wolle die Schweiz etwas zurück, sagt sie gegenüber SRF. Sie spricht die Masseneinwanderungs-Initiative nicht an. Doch das ist aktuell der wichtigste Streitpunkt.

Und Bundespräsident Schneider-Ammann? Bei ihm klingt das dann so: «Die Schweiz gehört zur europäischen Familie. Die Schweiz ist ein Mitglied, auf das man sich verlassen kann.» Das habe sie mit dem Bau des Gotthardtunnels gezeigt. Auch wenn die Schweiz nicht Mitglied der EU sei, so gelte es doch die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Der Tunnel komme zum Richtigen Zeitpunkt, so Schneider-Ammann. Zu einem Zeitpunkt, wo die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU schwierig seien. Auch er spricht damit die Verhandlungen zur Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative an, ohne diese beim Wort zu nennen.

Schneider-Ammann ruft auf dem Festplatz in Pallegio (TI) den europäischen Gästen zu: «Für die Schweiz bleiben Sie die wichtigsten Partner.»

Ist die Botschaft in Europa angekommen?

Immerhin. Die Europäer lobten die Schweiz. Frankreichs Präsident François Hollande anerkannte, dass der Gotthard-Tunnel ganz Europa nutze. «Die Schweiz hat eine Zukunft für Europa gebaut.» Er sagte aber auch: Der Gotthard-Tunnel stehe nicht nur für den freien Warenverkehr in Europa, sondern auch für den Personenverkehr. Ein Seitenhieb an die Schweiz? Hollande liess sich öffentlich nicht in die Karten blicken.

Merkels Wunsch

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im Tessin: «Der Gotthard-Tunnel ist ein Wunderwerk der Technik.»

Dann wurde auch sie politisch: Die Bundeskanzlerin wünscht sich in Zeiten, wo immer mehr Binnengrenzen in Europa hochgezogen werden, «mehr Verbindendes» – «dafür steht der Gotthard-Tunnel.» Ist auch dies ein Zeichen an die Schweiz?

(aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Wie funktioniert das...? 02.06.2016 09:47
    Highlight FrancoL, du bist auch einer der Schreiberlinge. Wenn du schon eine Botschaft hast, dann her damit, mit der Lösung. Bin bald siebzig und hätte nie gedacht, dass die Sowjetunion, Lybien und sowieso die knallharte DDR und andere verschwinden würden. Die EU verhinderte immerhin ein erneutes aufkeimen des Wettrüstens zw. Deutschland, Frankreich und England. Also: Und jetzt?
    0 0 Melden
  • FrancoL 01.06.2016 19:41
    Highlight Der Bundespräsident äussert sich wie folgt:

    "Auch wenn die Schweiz nicht Mitglied der EU sei, so gelte es doch die Zukunft gemeinsam zu gestalten."

    Ich bin mit ihm einverstanden, doch denke ich dass 80% der 20min-Leser und gute 50% der Watson-Leser dass so nicht unterschreiben würden.

    Leider!
    26 9 Melden
    • äti 01.06.2016 20:31
      Highlight irgendwann begreift es jeder… .
      15 5 Melden
    • Dä Brändon 01.06.2016 21:13
      Highlight Doch ich denke schon das die Mehrheit das so sieht, gemeinsam ja, aber nicht als EU Mitglied.
      43 1 Melden
    • andersen 02.06.2016 11:46
      Highlight Francol

      Auch das werde die Schweiz schaffen!
      Nur, sie müssen der Brüssel klar machen, was sie wirklich wollen.
      Nur die Akte wird im Betracht gezogen.
      1 0 Melden
  • Spooky 01.06.2016 19:11
    Highlight Es heisst Pollegio, nicht Pallegio.
    9 0 Melden
  • Dä Brändon 01.06.2016 17:53
    Highlight Das bei soviel Schleim niemand auf die Fresse gefallen ist??!?
    60 12 Melden
    • äti 01.06.2016 20:32
      Highlight Macht der Gewohnheit…
      13 1 Melden

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Der Nationalrat hat am Mittwoch die Debatte zur Selbstbestimmungsinitiative der SVP fortgesetzt. Erneut ging es um grosse Themen - um Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit und die Frage, in welchem Verhältnis diese zueinander stehen. Auch Showeinlagen fehlten nicht.

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Sie zeigten sich dafür kreativ. Thomas Aeschi (SVP/ZG) hantierte mit einer Marionette, um zu verdeutlichen, dass «fremde Richter» über die Schweiz bestimmten. Andreas Glarner (SVP/AG) klebte sich mit EU-blauem Pflaster den Mund …

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