DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

V. l. n. r.: Monika Bütler, Gerold Bührer, Moderator Jonas Projer, alt Bundesrätin Ruth Dreifuss, Rudolf Strahm. bild: screenshot/srf

Rentenreform-«Arena»: Dreifuss steigt wieder in den Ring – und bodigt zwei Schwergewichte

Die SRF-«Arena» zur Rentenreform war ein Ausflug in die Vergangenheit. Ruth Dreifuss, Rudolf Strahm und Gerold Bührer hatten rund um die Jahrtausendwende die Politik in Bundesbern mitgeprägt. Jetzt standen sich die drei Polit-Dinosaurier in der «Arena» gegenüber.



Klassentreffen im Leutschenbach. 15 Jahre nachdem Ruth Dreifuss, Rudolf Strahm und Gerold Bührer zuletzt gemeinsam unter der Bundeshauskuppel gewirkt hatten (erstere als Bundesrätin, Strahm und Bührer als Nationalräte), standen sich die drei Ex-Politiker im SRF-Studio gegenüber. Dreifuss und Strahm auf der Seite der Befürworter der AHV-Reform, Bührer auf Seiten der Gegner. Sekundiert wurde Bührer von der Wirtschaftsprofessorin Monika Bütler.

Die Rentenreform von Redaktions-Hund Elli einfach erklärt

Video: Angelina Graf

Auch wenn mit Ex-Preisüberwacher Strahm und Ex-Economiesuisse-Präsident Bührer zwei politische Schwergewichte zugegen waren, so war das Scheinwerferlicht klar auf Dreifuss gerichtet. Die alt Bundesrätin mischte seit dem Rücktritt aus dem Bundesrat 2002 nur noch sporadisch im nationalen Politikbetrieb mit. Für die Altersvorsorge 2020 stieg die 77-Jährige aber noch einmal in den Ring.

An Erfahrung und Dossierkenntnis mangelt es Dreifuss nicht: Sie war es, die vor 20 Jahren die letzte grosse Rentenreform erfolgreich über die Bühne gebracht hatte. 

Dreifuss gelang es schnell, dieser «Arena» ihren Stempel aufzudrücken. Die alt Bundesrätin pries die umstrittene Rentenreform 2020 als gutschweizerischen Kompromiss, bei dem für jeden etwas dabei sei.

Weibeln für den Kompromiss

abspielen

Video: streamable

Vor allem aber sei es höchste Zeit, dass die Altersvorsorge überarbeitet werde: «Früher wurde die AHV alle fünf Jahre überarbeitet», so Dreifuss, jetzt aber habe man seit 20 Jahren eine Blockade. Diese Stagnation müsse endlich überwunden werden. 

Ein Nein zur Vorlage sei «antischweizerisch»

abspielen

Video: streamable

Die Notwendigkeit einer AHV-Reform bestreitet niemand, die demografische Entwicklung in der Schweiz sorgt dafür, dass die AHV früher oder später rote Zahlen schreiben wird. Dass die Altersvorsorge 2020, deren Grundkonstrukt von Alain Bersets EDI ausgearbeitet wurde, das Heilmittel ist, bezweifeln die Gegner allerdings.

Insbesondere der Zuschlag von 70 Franken für Neurentner ist den bürgerlichen Gegnern ein Dorn im Auge. Für alt Nationalrat und Ex-FDP-Präsident Bührer sind die 70 Franken ein «Zückerchen», mit dem der Linken im Parlament die Reform schmackhaft gemacht worden sei. Allerdings ein Zückerchen mit «massiven Nachwirkungen», da die Rentenerhöhung langfristig mit über drei Milliarden Franken pro Jahr zu Buche schlägt. 

Die Zuckerfrage: 70 Franken AHV mehr pro Monat

abspielen

Video: streamable

Strahm und Dreifuss verteidigten die AHV-Erhöhung als Ausgleich zum gesenkten Umwandlungssatz in der zweiten Säule. «Wir verschieben ein bisschen von der zweiten in die erste Säule», erklärte Dreifuss. Dass auch Personen in den Genuss der AHV-Erhöhung kommen, die finanziell nicht darauf angewiesen sind, ist in den Augen der Befürworter ein notwendiges Übel.

Die Altersvorsorge 2020 wurde im Vorfeld von verschiedenen Seiten zum Generationenkampf hochstilisiert. Die Jungen hätten dereinst die Zeche zu zahlen für diese Reform, mahnten die Gegner. Auch die SRF-«Arena» wollte die Generationenfrage thematisieren. So richtig gelang das aber nicht, und das lag nicht einmal am Durchschnittsalter der Kontrahenten. Immerhin, drückte man beide Augen zu, so ging HSG-Wirtschaftsprofessorin Monika Bütler mit ihren 56 Jahren als Vertreterin der Jugend gerade noch so durch. Bütler jedenfalls bezog eindeutig Position: «Wir schieben die ganze Finanzierungslast vor uns her». Die heutigen Jungen müssten über höhere Steuern und tiefere Reallöhne künftig für diese Reform bezahlen. Dies widerspreche der Idee der Generationengerechtigkeit.

Gegen die Generationengerechtigkeit

abspielen

Video: streamable

Ganz anders sah das Strahm. Für den Berner Ökonomen war klar: «Je länger wir warten, desto schlimmer wird es für die Jungen.»

Wer hat recht? Die Chefs der Jungparteien kreuzen die Klingen

Dass die Fronten bei der Altersvorsorge 2020 nicht klar gezogen sind, zeigt sich nirgends deutlicher als bei einem wesentlichen Bestandteil der Reform: der Erhöhung des Frauenrentenalters. So richtig glücklich darüber scheint niemand zu sein. Gerade bei den Linken aber hatte die Rentenaltererhöhung die Wirkung eines Spaltpilzes. Zur Erinnerung: Es war ein Komitee aus linken Frauen, Westschweizer Gewerkschaften und Konsumentenorganisationen, das das Referendum ergriff.   

Dass das Rentenalter 65 für die Frauen eine bittere Pille ist, geben die Befürworter unumwunden zu. «Die Vorlage ist schwierig für die Frauen», räumte auch Dreifuss ein. Das Argument, dass die Frauen damit eines der wichtigsten Pfande im Kampf um die Gleichberechtigung aus der Hand geben, wies die alt Bundesrätin aber von sich. «Es wäre schön, wenn man die Rentenalter-Erhöhung gegen die Lohngleichheit tauschen könnte.» Aber das sei eine Illusion, ein Nein zum Rentenalter 65 bringe die Frauen keinen Schritt näher zur Lohngleichheit.

Und was passiert, wenn die Vorlage am 24. September vom Stimmvolk abgelehnt wird? Darüber gingen, wie so oft an diesem Abend, die Meinungen auseinander. Bührer zeigte sich überzeugt, dass eine neue, bessere Finanzierung aufgegleist werden könnte. Die Schweizer Bevölkerung habe ein derart «grosses Herz für die AHV», dass man nicht einfach tatenlos zuschauen werde, wie sie in die roten Zahlen abrutscht.

CVP-Nationalrat Martin Candinas, der aus der zweiten Reihe für das Ja-Lager focht, konterte: Es sei «naiv, illusorisch und verantwortungslos», zu glauben, dass bei einem Nein eine bessere Lösung kommen werde. 

Viel eher befürchten die Befürworter, dass FDP & Co. bei einem Scheitern der Reform die Gelegenheit nutzen, um einen Rentenabbau durchzuführen und, so Strahm, das Rentenalter 67 voranzutreiben. Ein Vorwurf, den Bührer & Co. nur halbherzig zu entkräften wussten.

Strahm und die «versteckte Agenda»

abspielen

Video: streamable

Unsere «Arena»-Berichterstattung:

AHV-«Arena»: Erst die letzte Frage des Moderators gibt etwas Hoffnung

Link zum Artikel

Pfister schimpft mit SVP-Chef in der «Arena»: «Das träufelt Gift in die Gesellschaft!»

Link zum Artikel

«Güselsack!»: In der Burka-«Arena» lockt SVP-Rüegger Moderator Brotz aus der Reserve

Link zum Artikel

Karin Keller-Sutter faxt in der E-ID-«Arena» Programmier-Nerd Mäder die Leviten

Link zum Artikel

Palmöl-«Arena» ist, wenn SP-Molina in die Mitte rückt und damit Juso-Jansen ärgert

Link zum Artikel

Feminismus-«Arena»: Steffi Buchli wird sauer und SVP-Steinemann gibt die Anti-Feministin

Link zum Artikel

Jugend-«Arena» – oder wie eine 16-Jährige gestandene Nationalräte in die Mangel nimmt

Link zum Artikel

In der Iran-«Arena» tanzt Markus Somm aus der Reihe – bis dieser Rentner ihn stoppt

Link zum Artikel

Atom-Zoff: In der Mühleberg-«Arena» vermag ein Teilnehmer alle anderen zu überstrahlen

Link zum Artikel

Der Islam und das SVP-Sünneli: So verlief die neuste Burka-«Arena»

Link zum Artikel

In der Bundesrats-«Arena» gibt Moderator Brotz den Schmutzli – und drischt auf alle ein

Link zum Artikel

12 Sätze, wie gemacht für die SRF-«Arena» – oder das Weihnachtsessen von watson

Link zum Artikel

In der SRF-«Arena» lügen sie wohl alle – nur einer bleibt dem Geschehen ganz fern

Link zum Artikel

Drogen-«Arena»: Kokser Anton Kohler verzweifelt an SVP-Abstinenzlerin Geissbühler

Link zum Artikel

Freysingeroskar und die Biolügie – die Gegner der Homo-Ehe im «Arena»-Dickicht

Link zum Artikel

Die «Arena» war ein Schlachtfeld – und alle stürzen sich auf Veganerin Meret Schneider

Link zum Artikel

Er poliert, sie politisiert: Wie Toni Brunner die Frauen-«Arena» crasht

Link zum Artikel

Jetzt weht ein anderer Wind in Bern: Rytz steckt in der Spezial-«Arena» ihr Revier ab

Link zum Artikel

«Ueli, es wird nicht wahrer, wenn du schreist» – alle gegen den SVP-Polteri in der «Arena»

Link zum Artikel

Sündenbock Rösti, dann die EU: So buhlten die Parteichefs in der «Arena» um letzte Stimmen

Link zum Artikel

Ronja Räubertochter und die jungen Milden – das war die Jungparteien-«Arena»

Link zum Artikel

Roger Köppel sprengt die Zürcher Ständerats-«Arena» – zumindest fast

Link zum Artikel

Gesundheits-«Arena»: Im Lobbyismus-Streit verzichtet SP-Frau Gysi glatt auf das Kamera-Sie

Link zum Artikel

Klima-«Arena»: SP-Frau verblüfft mit Flugscham-Aussage, SVP-Mann leugnet den Klimawandel

Link zum Artikel

Symbolik mit dem Vorschlaghammer und ein denkwürdiger Satz – das war die EU-«Arena»

Link zum Artikel

Bei der SVP ist der Wurm drin: In der Wahlkampf-«Arena» schiessen alle gegen Rösti

Link zum Artikel

«Das ist eine Frechheit»: Juso-Jansen liest in der AHV-«Arena» den Männern die Leviten

Link zum Artikel

«Das ist eine Katastrophe» – Fisch-Forscher eröffnet Pestizid-Arena mit einem Hammer

Link zum Artikel

Vier Frauen für ein Halleluja? Das war die Frauenstreik-«Arena»

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Verkehrs-«Arena»: SVP-Imark attackiert Klimajugend und Rytz windet sich beim Benzinpreis

Link zum Artikel

SVP-Rutz schiesst in der «Arena» ein Eigentor – dann eilt diese junge CVPlerin zur Hilfe

Link zum Artikel

Ein kleiner Patzer und ein Maurer-Witz – der Einstand von Sandro Brotz in der EU-«Arena»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Polizeiauto kracht mit Blaulicht in eine Hausmauer – keine Verletzten

Ein Auto der Kantonspolizei Aargau ist auf einer Dienstfahrt in Leimbach AG am Donnerstagmittag in eine Hausmauer geprallt. Verletzt wurde dabei niemand.

Das Polizeiauto war mit eingeschaltetem Blaulicht und Horn auf der Hauptstrasse von Zetzwil AG in Richtung Reinach AG unterwegs, wie die Kantonspolizei mitteilte. Kurz vor 12.30 Uhr habe das Fahrzeug beim Überholen ein anderes Auto gestreift. Darauf kollidierte der Polizeiwagen mit der Mauer.

An den beiden Autos und an der Hausmauer wurde laut …

Artikel lesen
Link zum Artikel