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Mehr Verkehr, mehr Stau, teurere ÖV-Billette: Wie soll die Schweizer Politik das Mobilitätsproblem lösen?
Mehr Verkehr, mehr Stau, teurere ÖV-Billette: Wie soll die Schweizer Politik das Mobilitätsproblem lösen?bild: screenshot/srf

Zweistöckige Autobahn, Flüster-Asphalt und Tempo 85 – wilde Ideen in der Verkehrs-«Arena»

Verstopfte Züge, Stau auf den Strassen: Die Mobilität nimmt zu. Darüber sind sich Politiker und Experten einig. Doch wie diese Probleme konkret zu lösen sind und wie wir uns in Zukunft fortbewegen, darüber scheiden sich die Geister. 
21.10.2017, 00:4625.05.2018, 10:16

Bis 2040 nimmt der Personenverkehr um 25 Prozent zu. So lautet die Prognose des Bundes. Egal ob mit dem Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: die Schweizer Infrastruktur stösst bald an ihre Grenzen.

Als «Herkules-Aufgabe» beschrieb Evi Allemann, SP-Nationalrätin und Präsidentin des VCS das Mobilitätsproblem. Allemann brachte es auf den Punkt. Nur schien sich keiner der «Arena»-Gäste tatsächlich ins Gewand des Helden zu wagen, um die Aufgabe zu meistern. 

An Visionen mangelte es den Politikern nicht. Von Moderator Mario Grossniklaus beauftragt, blickte Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen, in die Glaskugel. «Das Auto wird in Zukunft nicht mehr etwas sein, was wir besitzen. Es wird automatische Fahrzeuge geben, die einem auf einer Kurzstrecke von A nach B bringen», beschreibt Glättli seine Mobilitäts-Vorstellung im Jahr 2060.

Balthasar GlättliVideo: streamable

Wenig begeistert von Glättlis Idee war Andreas Burgenener, Direktor von Auto-Schweiz. Dennoch musste auch Burgener einräumen, dass es in ferner Zukunft wohl zu vermehrten Car-Sharing kommen wird.

Auch über die nahe Zukunft konnten sich Burgener und Glättli nicht einigen. Während Glättli in der Stadt Zürich am liebsten überall Tempo 30-Zonen einführen würde, setzt Burgener auf flüssigen Tempo 50-Verkehr und Lärm schluckenden «Flüster-Asphalt».

Geschwindigkeit hin oder her, dass damit das Mobilitätsproblem noch lange nicht gelöst ist, stellt Mobilitätsexperte Thomas Sauter-Servaes fest. Thomas Hurter, SVP-Nationalrat setzt dabei auf Optimierung: «Der Erfolg der Zukunft ist der Mobilitätsmix. Wir müssen die Technologien spielen lassen.»

Die pragmatischste Lösung des Abends: Eine zweistöckige Autobahn

Publikumsgast Felix EgolfVideo: streamable

Nicht auf Technologien, sondern auf pragmatische Lösungen setzt Publikumsgast Felix Egolf. Wenn es nach ihm ginge, würde er dem Stau auf den Strassen mit einer zweistöckigen Autobahn den Kampf ansagen. SP-Nationalrätin Allemann sieht das gar nicht. «Das würde in der Landschaft extrem hässlich aussehen», so die VCS Präsidentin. Zudem seien Brücken extrem teuer im Unterhalt.

Dass der Verkehr, egal ob auf Strassen oder Schienen, in Zukunft teurer wird, darüber waren sich alle einig. Eine Finanzierungsmöglichkeit ist das «Mobility Pricing». Wer zu Hauptverkehrszeiten reist, soll auch mehr bezahlen, so die Idee. Mobility Pricing war zwar in aller Munde, ist aber laut allen Politikern «ferne Zukunftsmusik».

Einzig der Mobilitäts-Experte Sauter wandte sich seufzend an die Studiogäste und meinte: «Mobility Pricing wird nicht erst Überübermorgen kommen, sondern viel schneller als wir alle denken.» In der Luftfahrt sei das schon lange so. Wenn die Nachfrage steigt, tun es auch die Preise. «Warum soll so etwas nicht auch im normalen Strassen-  oder Bahnverkehr funktionieren?», warf Sauter fragend in die Runde.

«Mobility Pricing kommt früher als wir alle denken»

Experte Thomas SauterVideo: streamable

Unstimmigkeit mit einem Schuss Ratlosigkeit, so lässt sich die «Arena»-Debatte über das Mobilitätsproblem gut beschreiben. Etwas, was wiederum Experte Sauter spürte und erneut den Politikern die Leviten lies: «Wir müssen uns einfach im Klaren darüber sein, was wir ausgeben möchten und welche Ziele wir damit erreichen wollen. Und solange wir das nicht definieren, läuft die ganze Diskussion am Ziel vorbei.»

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90 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Thinktank
21.10.2017 09:24registriert Oktober 2016
Jedes Unternehmen weiss, wenn es wächst, muss es seine Infrastruktur dem Wachstum anpassen. Nur der Staat glaubt, er könne mir flexiblen, automatisierten oder sonstigen Scheinlösungen die Probleme auf die Bevölkerung umwälzen, die sich in allen Belangen dann einschränken müssen. Wenn Staat und Wirtschaft die Zuwanderung und das Wachstum wollen, sollen sie im selben Umfang die Strassen erweitern.
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b4n4n4j03
21.10.2017 08:31registriert Dezember 2016
Da heute viele interessante Jobs vorallem in den Stätten vorhanden sind, viele aber lieber nicht dort wohnen wollen, oder man bei Doppelverdienern evtl in zwei verschiedene Richtungen zur Arbeit geht wird gependelt.
Mein Vorschlag wäre u.a. Shared Offices ausserhalb der Stätte, wo gute Infrastruktur zur Verfügung steht somit könnte der Arbeitsweg reduziert werden, und die Lebensqualität erhöht werden... Natürlich müssen auch noch andere Lösungen hin, aber mit den richtigen Anreizen von der Politik/Steuern könnte damit die mobilität sicher reduziert werden. Mal ehrlich wer pendelt gerne?!
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zombie woof
21.10.2017 07:57registriert März 2015
Das Problem sind nicht fehlende Lösungen, sondern dass die Umsetzung Jahrzehnte dauert. Man schaut lieber zu, wie das Problem immer grösser wird, anstatt zu handeln.
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