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Velo

Wer transportiert in Zukunft unsere Velos? bild: shutterstock

«Die SBB bauen den Velotransport schleichend ab» – jetzt macht die Politik Druck 

Velo und E-Bike fahren boomen nicht zuletzt des Umweltgedankens wegen. Allerdings schränken die SBB jetzt das Velotransport-Angebot ein. Nationalrat Bastien Girod befürchtet deshalb eine weitere Verschlechterung des Veloverlades. Er hat eine Interpellation eingereicht. 



Eigentlich müssten die SBB, die sich selbst als umweltfreundliches Unternehmen anpreisen, daran interessiert sein, das Velofahren zu fördern. Momentan ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Seit Juni gibt es ein Verbot für den Transport von Tandems und anderen Velos über zwei Meter Länge in den Fernzügen.

Die SBB begründen die Massnahme mit Platzmangel. Schuld daran sind in ihren Augen also die Passagiere, die zunehmend Gepäck, Kinderwagen oder Sportgeräte mit sich schleppen.

Reicht der Platz in den SBB-Zügen für Velos?

Bild

«Das Bedürfnis wäre vorhanden», schreibt ein User. bild: user-input

Das Verbot macht dem Grünen Nationalrat Bastien Girod Bauchweh. «Aufgrund des Tandemverbots sind Pro Velo und ich hellhörig geworden und haben reagiert», sagt er zu watson. Zusammen mit dem Verband hat er die Interpellation «Veloselbstverlad in SBB-Zügen gefährdet?» eingereicht.

Er möchte damit sicherstellen, «dass sich die Situation für den Veloverlad nicht weiter verschlechtert». Das sei bereits geschehen, weil durch das Tandemverbot die Gepäckwagen mit Veloständern auf den längeren Strecken abgeschafft worden seien. Ab sofort gebe es nur noch kleine Abstellplätze, die auf den ganzen Zug verteilt seien. Das führt gemäss Girod zu Chaos. 

Bastien Girod, Nationalrat der Gruenen des Kantons Zuerich, spricht an der Medienkonferenz

Bastien Girod, Nationalrat Grüne. Bild: KEYSTONE

Ein Durcheinander auf den Perrons sei vorprogrammiert, wenn Velofahrer bei grossem Andrang auf der Suche nach Abstellplätzen von einem Wagen zum nächsten rennen, um einen freien Platz zu suchen. Das könne zu Verspätungen führen.

«Im Zusammenhang mit dem Umweltgedanken müsste es im Interesse der SBB sein, möglichst viele Velos zu transportieren. Finanziell ist dies jedoch wohl nicht so interessant. Deshalb braucht es politischen Druck.»

Bastien Girod, Nationalrat Grüne

Girod befürchtet einen schleichenden Abbau des Velotransports seitens der SBB. In der Interpellation fragt er Folgendes: 

Girod ist der Meinung, der Velotransport dürfte den SBB nicht egal sein. Auch, um den Umweltschutz zu fördern. Allerdings sei das Ganze wohl finanziell nicht so interessant. «Deshalb braucht es politischen Druck», sagt Girod.  

Ist das der erste Schritt um Velofahrer zu verbannen?

Insgesamt sind letztes Jahr bei den SBB 670'000 Velos im Selbstverlad transportiert worden. Tendenz steigend. Für Pro Velo ist es deshalb unverständlich, dass die Bundesbahnen die Kapazitäten nicht ausbauen, sondern gar einschränken.

Bettina Maeschli von Pro Velo befürchtet wie Girod, «der Tandementscheid könnte der erste Schritt einer Strategie sein, Velos längerfristig generell auszuschliessen oder ein allgemeines Reservierungssystem einzuführen». Sie fordert mehr Platz – vor allem zu Spitzenzeiten im Sommer

HEUTE, MITTWOCH, 06. JULI 2016, STELLEN WIR IHNEN  FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL VON ZUERICH BEI NACHT ZUR VERFUEGUNG --- Hardbruecke railway station in Zurich, Switzerland, pictured on the night of June 17, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Veloabstellplätze wie beim Bahnhof Hardbrücke in Zürich sind begehrt. Bild: KEYSTONE

Parkierte Velos, aufgenommen am Mittwoch, 24. September 2014, beim Bahnhof Stadelhofen in Zuerich. Auf einem nahegelegenen Areal soll eine Velostation entstehen auf welcher 1000 Velos Platz haben, diebstahlsicher mit direkten Zufahrten und verbunden mit Reparaturservice, Verkauf von Zubehoer und Veloverleih. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Am Zürcher Stadelhofen zeigt sich das selbe Bild.  Bild: KEYSTONE

Bereits jetzt ist in Intercity-Neigezügen eine Reservation für Velos obligatorisch. Sie kostet fünf Franken und ist bis zum 31. Oktober erforderlich. Der Preis für eine Velotageskarte beträgt ohne Vergünstigungen 18 Franken, mit dem GA oder dem Halbtax 12 Franken. 

Die SBB machen darauf aufmerksam, dass es nebst dem Selbstverlad jedem offen steht, das Velo als Handgepäck mitzuführen. Dann ist der Transport gratis. Dafür muss das Vorderrad abmontiert und mit dem Velo in eine spezielle Transporthülle verpackt werden.

Velo

Ist Bikesharing die Zukunft? bild: shutterstock

SBB-Sprecherin Franziska Frey sagt auf Anfrage, die Kosten der Velotransporte seien im Verhältnis zum Angebot sehr moderat. Weil die Kapazität in den Zügen nun einmal begrenzt seien, entwickelten die SBB auch das Angebot an den Bahnhöfen stetig weiter.

«Pro Jahr kommen an den Bahnhöfen rund 2500 Bike-und-Rail-Veloabstellplätze dazu», sagt Frey. Zudem pflegten die SBB an 50 Bahnhöfen Partnerschaften mit Publibike, um die Entwicklung des Bikesharing zu unterstützen. 

Damals hatten sie noch andere Probleme: Pendeln früher und heute

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