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Wer transportiert in Zukunft unsere Velos?
Wer transportiert in Zukunft unsere Velos?bild: shutterstock

«Die SBB bauen den Velotransport schleichend ab» – jetzt macht die Politik Druck 

Velo und E-Bike fahren boomen nicht zuletzt des Umweltgedankens wegen. Allerdings schränken die SBB jetzt das Velotransport-Angebot ein. Nationalrat Bastien Girod befürchtet deshalb eine weitere Verschlechterung des Veloverlades. Er hat eine Interpellation eingereicht. 
09.08.2016, 06:2310.08.2016, 10:58

Eigentlich müssten die SBB, die sich selbst als umweltfreundliches Unternehmen anpreisen, daran interessiert sein, das Velofahren zu fördern. Momentan ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Seit Juni gibt es ein Verbot für den Transport von Tandems und anderen Velos über zwei Meter Länge in den Fernzügen.

Die SBB begründen die Massnahme mit Platzmangel. Schuld daran sind in ihren Augen also die Passagiere, die zunehmend Gepäck, Kinderwagen oder Sportgeräte mit sich schleppen.

Reicht der Platz in den SBB-Zügen für Velos?
«Das Bedürfnis wäre vorhanden», schreibt ein User.
«Das Bedürfnis wäre vorhanden», schreibt ein User.bild: user-input

Das Verbot macht dem Grünen Nationalrat Bastien Girod Bauchweh. «Aufgrund des Tandemverbots sind Pro Velo und ich hellhörig geworden und haben reagiert», sagt er zu watson. Zusammen mit dem Verband hat er die Interpellation «Veloselbstverlad in SBB-Zügen gefährdet?» eingereicht.

Er möchte damit sicherstellen, «dass sich die Situation für den Veloverlad nicht weiter verschlechtert». Das sei bereits geschehen, weil durch das Tandemverbot die Gepäckwagen mit Veloständern auf den längeren Strecken abgeschafft worden seien. Ab sofort gebe es nur noch kleine Abstellplätze, die auf den ganzen Zug verteilt seien. Das führt gemäss Girod zu Chaos. 

Bastien Girod, Nationalrat Grüne.
Bastien Girod, Nationalrat Grüne.Bild: KEYSTONE

Ein Durcheinander auf den Perrons sei vorprogrammiert, wenn Velofahrer bei grossem Andrang auf der Suche nach Abstellplätzen von einem Wagen zum nächsten rennen, um einen freien Platz zu suchen. Das könne zu Verspätungen führen.

«Im Zusammenhang mit dem Umweltgedanken müsste es im Interesse der SBB sein, möglichst viele Velos zu transportieren. Finanziell ist dies jedoch wohl nicht so interessant. Deshalb braucht es politischen Druck.»
Bastien Girod, Nationalrat Grüne

Girod befürchtet einen schleichenden Abbau des Velotransports seitens der SBB. In der Interpellation fragt er Folgendes: 

  • Sieht der Bundesrat die Gefahr, dass durch den «steigenden Nutzungsdruck der Abstellflächen in Fernzügen» das System des (freien) Veloverlades generell gefährdet sein könnte?
  • Ist der Bundesrat bereit, die SBB zu verpflichten, den (freien) Verlad von Velos in Fernzügen durch die Schaffung zusätzlicher, grosser Abstellflächen weiterhin zu ermöglichen?
  • Ist der Bundesrat ebenfalls der Meinung, dass das (freie) Verladen von Velos in Fernzügen ein wesentliches Angebot der Förderung des Langsamverkehrs und des Velonetzes von SchweizMobil sein soll? 

Girod ist der Meinung, der Velotransport dürfte den SBB nicht egal sein. Auch, um den Umweltschutz zu fördern. Allerdings sei das Ganze wohl finanziell nicht so interessant. «Deshalb braucht es politischen Druck», sagt Girod.  

Ist das der erste Schritt um Velofahrer zu verbannen?

Insgesamt sind letztes Jahr bei den SBB 670'000 Velos im Selbstverlad transportiert worden. Tendenz steigend. Für Pro Velo ist es deshalb unverständlich, dass die Bundesbahnen die Kapazitäten nicht ausbauen, sondern gar einschränken.

Bettina Maeschli von Pro Velo befürchtet wie Girod, «der Tandementscheid könnte der erste Schritt einer Strategie sein, Velos längerfristig generell auszuschliessen oder ein allgemeines Reservierungssystem einzuführen». Sie fordert mehr Platz – vor allem zu Spitzenzeiten im Sommer

Veloabstellplätze wie beim Bahnhof Hardbrücke in Zürich sind begehrt.
Veloabstellplätze wie beim Bahnhof Hardbrücke in Zürich sind begehrt.Bild: KEYSTONE
Am Zürcher Stadelhofen zeigt sich das selbe Bild. 
Am Zürcher Stadelhofen zeigt sich das selbe Bild. Bild: KEYSTONE

Bereits jetzt ist in Intercity-Neigezügen eine Reservation für Velos obligatorisch. Sie kostet fünf Franken und ist bis zum 31. Oktober erforderlich. Der Preis für eine Velotageskarte beträgt ohne Vergünstigungen 18 Franken, mit dem GA oder dem Halbtax 12 Franken. 

Die SBB machen darauf aufmerksam, dass es nebst dem Selbstverlad jedem offen steht, das Velo als Handgepäck mitzuführen. Dann ist der Transport gratis. Dafür muss das Vorderrad abmontiert und mit dem Velo in eine spezielle Transporthülle verpackt werden.

Ist Bikesharing die Zukunft?
Ist Bikesharing die Zukunft?bild: shutterstock

SBB-Sprecherin Franziska Frey sagt auf Anfrage, die Kosten der Velotransporte seien im Verhältnis zum Angebot sehr moderat. Weil die Kapazität in den Zügen nun einmal begrenzt seien, entwickelten die SBB auch das Angebot an den Bahnhöfen stetig weiter.

«Pro Jahr kommen an den Bahnhöfen rund 2500 Bike-und-Rail-Veloabstellplätze dazu», sagt Frey. Zudem pflegten die SBB an 50 Bahnhöfen Partnerschaften mit Publibike, um die Entwicklung des Bikesharing zu unterstützen. 

Damals hatten sie noch andere Probleme: Pendeln früher und heute

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Pendeln früher und heute
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68 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mäf
09.08.2016 07:49registriert Dezember 2014
Es geht hier um die Tandems, warum gleich diese panische Reaktion? Die SBB baut seit 2015 die Multifunktionsabteile der IC 2000 Züge um, dabei kommen zwei 4er Sitzabteile weg, anstelle werden Velohalterungen montiert. Also mehr Platz für Velos. Evt. sollte man auch mal die diversen "Schneepflüge" (nennen sich auch Kinderwagen) genauer anschauen, die kommen teilweise nicht mal mehr durch die Einhangstüren, versperren Platz für zwei Velos und zahlen nichts. Das ging früher auch kompakter mit kleineren Modellen...
«Die SBB bauen den Velotransport schleichend ab» – jetzt macht die Politik Druck 
Es geht hier um die Tandems, warum gleich diese panische Reaktion? Die SBB baut seit 2015 die Multifunktionsabteile der IC 2000 Züge um, dabei kommen zwei 4er Sitzabteile weg, anstelle werden Velohalterungen montiert. Also mehr Platz für Velos. Evt. sollte man auch mal die diversen "Schneepflüge" (nennen sich auch Kinderwagen) genauer anschauen, die kommen teilweise nicht mal mehr durch die Einhangstüren, versperren Platz für zwei Velos und zahlen nichts. Das ging früher auch kompakter mit kleineren Modellen...
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Topoisomerase
09.08.2016 07:59registriert Dezember 2014
Gerade gestern wollte ich mit dem Velo per Intercity ins Tessin fahren. Ich be mir ein Velobillet gekauft und bin eingestiegen, wurde dann jedoch wieder aus dem Zug gewiesen, weil es zu weing Platz gehabt hätte. Das Billet konnte ich nicht umtauschen, da man "damit rechnen müsse, einen oder zwei Züge später zu nehmen" !
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Sir Jonathan Ive
09.08.2016 09:10registriert Januar 2015
Diesen Mittwoch nahm ich mein Fahrrad von Wädenswil bis Linthal-Braunwaldbahn in der S25. Das Bikeabteil fehlte komplett. In jedem Eingang (sogar in der 1. Klasse) standen zwei bis drei Biker mit ihren Velos. Das ist nicht nur für uns selber ungemütlich, da wir unser Fahrrad nicht befestigen können und deshalb mehr als eine Stunde stehen und das Rad selber halten müssen, sondern ist auch nervig für jeden anderen Passagier, der beim Aussteigen fast nicht mehr vorbeikommt.
Nach Hause bin ich dann einfach direkt mit dem Bike gefahren.
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