Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Beat Schlatter, rechts, gibt dem Flitzer Michael Jossen Anweisungen um die Beine zu rasieren, waehrend den Dreharbeiten zum Film

Die Stellenmeldepflicht gilt auch für Schauspieler. Bild: Beat Schlatter (r.) gibt Michael JOssen Anweisungen während der Dreharbeiten zum Film «Flitzer». Bild: KEYSTONE

Inländervorrang: Film-Crews müssen Schauspieler jetzt auf dem RAV suchen

Das Parlament hatte die Masseneinwanderungsinitiative zu einem «Inländervorrang light» geschrumpft. Dieser tritt nun in Kraft – mit Folgen für die Gastronomie, das Baugewerbe und Theaterregisseure.



Es kam einem politischen Erdbeben gleich, als das Schweizer Stimmvolk im Februar 2014 die Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) der SVP angenommen hat. Über vier Jahre später tritt nun in Kraft, was von der Vorlage übrig geblieben ist: Der sogenannte «Inländervorrang light».

Und so funktioniert das System:

Sperre für Stelleninserate

Für Berufe, in denen die Arbeitslosenquote über 8 Prozent liegt, gilt seit dem 1. Juli eine Stellenmeldepflicht. In den betroffenen Betrieben dürfen Chefs ihre offenen Stellen nicht mehr direkt ausschreiben, sondern müssen sie den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) melden.

Die Idee: Während fünf Arbeitstagen können sich ausschliesslich Personen für die Jobs bewerben, die bereits beim RAV als Arbeitslose registriert sind. Sie bekommen so einen zeitlichen Vorsprung auf andere Kandidaten auf dem Stellenmarkt.

Konkret heisst das: Das RAV stellt Dossiers zusammen, die zur ausgeschriebenen Stelle passen. Die Firmen müssen die Kandidaten anschliessend zu einem Bewerbungsgespräch oder einer Eignungsabklärung einladen. Allerdings bleibt es am Ende den Chefs überlassen, ob sie eine Person anstellen wollen oder nicht. Entscheiden sie sich dagegen, kann die Stelle nach Ablauf der 5-tägigen Frist normal ausgeschrieben werden.

In diesem Video erklärt der Bund die Stellenmeldepflicht:

abspielen

Video: YouTube/Staatssekretariat für Wirtschaft SECO Bern

Schauspieler und Service-Angestellte betroffen

Aktuell sind 19 Berufe von der Stellenmeldepflicht betroffen. Dazu zählen Jobs auf dem Bau, in der Logistik und in der Gastronomie. Aber auch für PR- und Marketing-Fachleute sowie Schauspieler gilt der Arbeitslosen-Vorrang.

Bild

Bild: awa.zh.ch

Künftig werden noch weitere Berufe dazukommen. Denn der Bund hat bereits angekündigt, den Schwellenwert nach einer Übergangsfrist zu senken: Ab 2020 gilt die Meldepflicht ab einer Arbeitslosenquote von 5 Prozent.

In gewissen Situationen können sich die Chefs den Umweg über das RAV sparen – so etwa, wenn sie die Stellen innerhalb ihrer Firma neu besetzen oder Verwandte anstellen. Diese Ausnahmen sind in der Verordnung des Bundes genau definiert. Verletzen Arbeitgeber die Stellenmeldepflicht jedoch fahrlässig oder vorsätzlich, wird es teuer: Es drohen Bussen von bis zu 40’000 Franken.

Die Kantone sind dafür zuständig, die Einhaltung der Meldepflicht zu kontrollieren. In Zürich wird die Arbeitsmarktaufsicht zu diesem Zweck unter anderem «Betriebskontrollen durch Stichproben durchführen», wie es bei der zuständigen Volkswirtschaftsdirektion heisst. Zunächst werde es aber darum gehen, die Arbeitgeber «gut zu beraten». Bevor eine Verzeigung in Betracht gezogen werde, suche man den Dialog. 

Was hat das alles mit der Zuwanderung zu tun?

Die Masseneinwanderungsinitiative verlangte, dass die Schweiz ihre Zuwanderung eigenständig mittels Höchstzahlen und Kontingenten steuert.

Weil eine solche Begrenzung der Zuwanderung nicht mit dem Freizügigkeitsabkommen vereinbar gewesen wäre, suchte das Parlament fieberhaft nach einer anderen Möglichkeit, die Migration zu steuern. Schliesslich zauberte es die Idee eines «Inländervorrang light» aus dem Hut. Als Vater des Modells gilt der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri.

Kurt Fluri, FDP-SO, spricht an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 19. September 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Kurt Fluri (FDP) gilt als Architekt des Vorschlags. Bild: KEYSTONE

Der Grundgedanke: Wird das Arbeitskräftepotenzial im Inland besser genutzt, müssen weniger Personen aus dem Ausland rekrutiert werden. Allerdings trifft die Bezeichnung «Inländervorrang» nur bedingt zu  – denn auf dem RAV können sich unter bestimmten Bedingungen auch Ausländer registrieren lassen.

Entsprechend lautstark beklagte die SVP den «Verfassungsbruch» durch das Parlament. Die Befürworter rechtfertigten die Lösung damit, dass eine wortgetreue Umsetzung der Schweizer Wirtschaft «massive Schäden» zugefügt hätte.

Nationalraete der SVP halten Plakate mit der Aufschrift

Die SVP-Nationalräte protestierten während der Schlussabstimmung gegen die milde Umsetzung ihrer Masseneinwanderungsinitiative. Bild: KEYSTONE

Umfrage

Was hältst du von der Stellenmeldepflicht?

  • Abstimmen

572 Votes zu: Was hältst du von der Stellenmeldepflicht?

  • 38%Hauptsache, grössere Schäden durch die MEI konnten verhindert werden.
  • 31%Die Regelung ist ein bürokratisches Monster.
  • 20%Ich finde diese Umsetzung der MEI demokratiepolitisch bedenklich.
  • 11%Ich finde die Lösung super.

Kritik an «bürokratischem Ungetüm»

Nicht nur die SVP ist unglücklich mit der Umsetzung ihrer Initiative. Auch aus den betroffenen Branchen wurden wiederholt kritische Stimmen laut.

Von einem «bürokratischen Ungetüm» spricht der Präsident des Basler Wirteverbands in der «Basler Zeitung». Stephanie Hug vom Casinotheater Winterthur bezeichnet die Regelung im «Landboten» als «Humbug»: Regisseure wüssten in der Regel ganz genau, welche Schauspieler sich für ihre Produktionen eigneten. 

Auch die Leiterin einer Bieler Kommunikationsagentur zweifelt im Gespräch mit SRF daran, dass sie via RAV qualifiziertes Personal finden wird. Schliesslich sei dies selbst dann schwierig, wenn sie Stellen öffentlich ausschreibe.

Das Casinotheater der Stadt Winterthur, aufgenommen am Mittwoch, 20. November 2013. Winterthur hat mit finanziellen Problemen zu kaempfen. Die Stadt budgetierte urspruenglich schwarze Zahlen. Das Blatt hat sich aber ueberraschend gewendet, weil der Kanton die Stadt finanziell nicht unterstuetzen will. Das Budget der Stadt Winterthur fuer 2014 verschlechtert sich mit dem negativen Entscheid aus Zuerich schlagartig: Statt einem Ueberschuss in der Hoehe von 1,1 Millionen Franken geht Winterthur nun von einem Defizit von 1,2 Millionen Franken aus. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

«Humbug», meint die Sprecherin des Casinotheaters zur Stellenmeldepflicht. Bild: KEYSTONE

Nicht nur auf die Arbeitgeber, sondern auch auf die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren kommt mit der neuen Regelung Mehrarbeit zu. So haben zahlreiche Kantone ihr RAV-Personal aufgestockt, Zürich hat als grösster Kanton 19 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen. Die Kosten dafür werden vom Bund getragen, wie die Volkswirtschaftsdirektion auf Anfrage schreibt.

Ist der Start geglückt?

Im Kanton Zürich sind am ersten Tag bis 15 Uhr insgesamt 75 Stellenmeldungen eingegangen. «Das System funktioniert insgesamt gut», sagt Lucie Hribal, Sprecherin der Volkswirtschaftsdirektion. Der Regierungsrat rechnet damit, dass im ersten Jahr rund 10'000 Meldungen bearbeitet werden, ab 2020 dann rund 40'000 jährlich. 

Auch beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) heisst es, der Start der Stellenmeldepflicht sei erfolgreich verlaufen. «Kleinere Fehlerkorrekturen und Optimierungen können nun im laufenden Betrieb erfolgen.» Besonders erfreulich sei, dass die Arbeitgeber rege von den Online-Services Gebrauch machten.

(jbu)

Der MEI-Streit im Zeitraffer

Immer weniger Ausländer kommen in die Schweiz

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Google reserviert jetzt für dich in Schweizer Restaurants (aber nicht per Telefon)

Link zum Artikel

Diese 7 Fälle zeigen, was bei der Rüstungsbeschaffung in der Schweiz alles schief läuft

Link zum Artikel

Frauen schreiben ihren Freunden: «Ich will ein Baby» – die Antworten sind 😱😱😱

Link zum Artikel

Dieser NBA-Star erfuhr gerade mitten im Spiel, dass er getradet wurde

Link zum Artikel

Auf einer Party aufs Klo, das gar keins war...Diese Jodel-Geschichte hat kein Happy-End 😱

Link zum Artikel

Hey Emma, Suff-SMS-Sandro hat auch ein paar Sex-Fragen an euch Frauen!

Link zum Artikel

Ohne Solarium und Haarpracht – wie Donald Trump wirklich aussieht 😱

Link zum Artikel

Stimmen diese 9 Koch-Mythen wirklich?

Link zum Artikel

«Eine Hure zu sein, war oft top», sagt Virginie Despentes aus Erfahrung

Link zum Artikel

Kantonale Vorlagen: Basel versenkt Spitalfusion, Berner Energiegesetz scheitert hauchdünn

Link zum Artikel

«Ich war überrascht, dass es reicht» – Corinne Suter holt in der WM-Abfahrt Silber

Link zum Artikel

Hacker verkauft 617 Millionen Nutzerdaten im Darknet – diese 16 Seiten sind betroffen

Link zum Artikel

Wenn du in der (Fake-)Sexfalle sitzt – so kommst du wieder raus

Link zum Artikel

Mirco Müller – ein vergessener Titan auf dem Weg zum Millionär

Link zum Artikel

Leute, PICDUMP! 🙏

Link zum Artikel

WLAN auf dem Mars? Bibis Beauty Palace liefert TV-Blamage für die Ewigkeit

Link zum Artikel

So klicken, blocken und spulen wir die Werbung weg – die Fakten in 15 Punkten

Link zum Artikel

Beto gegen Donald: Showdown an der «Grenzmauer» in Texas

Link zum Artikel

Zersiedelungs-Initiative abgeschmettert: So lief der Abstimmungssonntag

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • olmabrotwurschtmitbürli 03.07.2018 13:25
    Highlight Highlight Ist schon geklärt, wie das mit Spontanbewerbungen aussieht?
  • rodolofo 03.07.2018 09:29
    Highlight Highlight Die Re-Provinzialisierung ist also voll im Gange!
    Voll nach dem -von der Migros eigentlich gar nicht ernst gemeinten- Werbe-Slogan "Von der Region - Für die Region!".
    Ich nehme einen Teil der Misère auf meine eigene Kappe, habe ich doch als Öko-Pionier der Zweiten Stunde massgeblichen Anteil daran, diese "Denn das Gute liegt so nah!"-Illusion in die Köpfe meiner Mit-Leidgenossen eingepflanzt zu haben.
    Und jetzt nötigen sie mir die wässrigen Schweizer Tomaten auf, ausgerechnet jetzt, wo die hoch-aromatischen Italo-Tomaten Hoch-Saison haben...
  • BigDaddy 03.07.2018 09:01
    Highlight Highlight Schaut euch doch die betroffenen Berufe an. 8% Quote. Muss man evtl schauen, warum die Quote so hoch ist? Evtl deswegen, weil die Löhne und Arbeitsbedingungen teils sehr schlecht sind? Wenn man an diesen Faktoren Änderungen vornehmen würde, würden Frau und Herr Schweizer die Arbeit annehmen.
    Inländervorrang! Denkt ihr ich stelle MA aus Fantasieland ein, auf die ich 3 Mo warten muss, bis sie gezügelt, etc. sind? Wer sich das erlauben kann? Schaut euch doch mal international agierende Firmen an. Kaderfunktion UBS, Credit Suisse, Roche, Novartis, etc. Dort Inländervorrang? No
  • BigDaddy 03.07.2018 08:10
    Highlight Highlight Absoluter Schwachsinn. Sorry, aber meine Meinung bildet sich nach meinen langjährigen Erfahrungen.
    Ich baute zum RAV eine angenehme und produktive Zusammenarbeit auf. Man läd den Ansprechpartner ein, er sieht die Anforderungen und sendet dementsprechend Kandidaten. Jetzt wurde alles zunichte gemacht. Einen Logistiker voll beim RAV ausschreiben? Na danke, bekomme ich halt wieder über 300 Bewerbungen und das HR und ich kollabieren. Geschweige davon, wie lange das RAV benötigt, bis sie Unterlagen von Kandidaten senden.
    Denkt da jemand überhaupt mal nach?
  • Hierundjetzt 03.07.2018 00:39
    Highlight Highlight Wow. Also der Titel ist ja jetzt komplett irreführend. Es gibt über 10‘000 arbeitslose Personen im Gastgewerbe aber gefühlt 2 arbeitslose „Schauspieler“.

    Also ob das ein Weltuntergang ist, wenn der Reschissör mit 0,0000% Unternehmensverantwortun jetzt einen Schweizer vorsprechen lassen muss. Alte 🙄

  • chicadeltren 02.07.2018 23:36
    Highlight Highlight Das ist kein Inländervorrang, sondern einfach ein Arbeitslosenvorrang mit inkludiertem Beschäftigungsprogramm für Beamte.
  • walsi 02.07.2018 21:42
    Highlight Highlight Man hätte das ganz einfach lösen können, so, dass selbst die Arbeitgeber "spitz" darauf währen mit den RAVs zusammenzuarbeite. Einfach einenen Steuernachlass von CHF 2'000.-- für jeden der eingestellt wird und sich deswegen beim RAV abmeldet. Sofern er nach einem Jahr noch immer im Unternehmen ist.
  • Senji 02.07.2018 21:13
    Highlight Highlight Inhaltlich hat der Artikel einen kleinen Fehler: Arbeitgeber müssen Kandidaten vom RAV nicht zum Gespräch einladen. Sie müssen lediglich ein Feedback zu Ihnen geben.

    Und noch wichtiger: Arbeitslose dürfen immer angestellt und das ganze Prozedere damit umgangen werden. Klar dürfte das einem Theaterregisseur nicht viel helfen, in den meisten Bereichen ist dagegen aber wohl wenig einzuwenden.

    Spannend auch, dass dank der SVP die Bürokratie aufgeblasen wurde (eben, allenfalls wird sogar noch was gutes daraus) und wie sie es schaffte das allen anderen in die Schuhe zu schieben.
  • ströfzgi 02.07.2018 20:52
    Highlight Highlight Und was bringts? Wartet der Betrieb halt 5 Tage bis er aus allen Bewerbern wählen kann. Glaubt denn ernsthaft jemand dass ein Betrieb einen Schweizer einstellt, bloss weil er "soll"?

    Super Idee 💡 moll moll
  • James McNew 02.07.2018 19:57
    Highlight Highlight Ich bin mehrfach gespalten. Gut, dass Unternehmen gezwungen werden, einheimisches Personal einzustellen. Das haben diese – obwohl wahrscheinlich viele die SVP-Parolen unterstützen – freiwillig ja nicht geschafft.

    Andererseits: Bürokratisches Monster, Service wird schlechter und alles wird teurer (Schweizerische statt unterbezahlte polnische Erntehelfer z. B...).

    Wiederum andererseits ist es auch nicht okay, dass wir auf Kosten von ausgenutzten, unterbezahlten ausländischen Hilfsarbeitern leben, während schon Anwesende arbeitslos sind, weil sie etwas mehr Lohn verlangen würden.

    Schwierig...!
  • Bär73 02.07.2018 19:45
    Highlight Highlight Na da hat Nancy H. ja direkt gute Chancen auf eine Rolle 😮😂😂

Schweizer Arbeitnehmer sind die Topverdiener Europas

Die Schweizer Arbeitnehmenden sind die Topverdiener in Europa. Zu diesem Schluss kommt eine vom Beratungsunternehmen Willis Towers Watson veröffentlichten Studie.

Da belegt die Schweiz sowohl bei den Berufseinsteigern mit Hochschulabschluss als auch bei Spitzenverdienern den ersten Platz im Lohnranking.

Wie die am Montag veröffentlichte Studie zeigt, verdient ein Mitarbeitender aus dem mittleren Management in der Schweiz gemessen am Bruttogrundlohn ein durchschnittliches Jahressalär von 163'443 …

Artikel lesen
Link zum Artikel