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Die Economiesuisse steckt hinter dem Pro-USR-III-Inserat

watson
«Kantone sagen JA zur Steuerreform», steht heute im grossformatigen Inserat im «Tages-Anzeiger». Zuunterst: Konferenz der Kantonsregierungen – nur weiss die nichts davon. Bild: watson

Kantone werben mit diesem Inserat für die USR III – wissen aber nichts davon 

Im «Tages-Anzeiger» erscheint ein Inserat, das im Namen der Kantone für die Unternehmenssteuerreform wirbt. Als vermeintlicher Absender ist die Webadresse der Konferenz der Kantonsregierungen angegeben. Allein: Diese weiss von nichts.  
30.01.2017, 16:0431.01.2017, 04:45
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«Kantone sagen Ja zur Steuerreform». Diese Überschrift ziert eine halbseitige Anzeige im Tagesanzeiger von heute, 30. Januar. Davor war das Inserat schon mindestens einmal, nämlich am vergangenen Samstag publiziert worden. In einem gelben Infokasten werden sodann Argumente aufgelistet, die den Stimmbürger zur Annahme der Unternehmenssteuerreform III bewegen sollen. Neben dem Infokasten lächeln 36 Finanz- und Volkswirtschaftsdirektoren dem Leser zu: «Aus diesen Gründen empfehlen die Kantone am 12. Februar ein Ja zur Steuerreform.»

1. Der Titel suggeriert, dass diese Wahlempfehlung von den Kantonen abgegeben wird. 2. Die Internetadresse gehört zu Konferenz der Kantonsregierungen. 3. Erst hier wird klar, dass hinter der Anzeige e ...
1. Der Titel suggeriert, dass diese Wahlempfehlung von den Kantonen abgegeben wird. 2. Die Internetadresse gehört zu Konferenz der Kantonsregierungen. 3. Erst hier wird klar, dass hinter der Anzeige ein Komitee mit politischen Interessen steckt. Kontaktadresse des Komitees: Die Economiesuisse.Bild: watson

Die Anzeige erweckt den Eindruck, dass es sich um eine offizielle Wahlempfehlung der Kantone handelt. Haben also wir Steuerzahler für das Inserat bezahlt? Die Nachfrage bei der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) schafft Klarheit: Im Haus der Kantone ist man auch überrascht über das Inserat. «Das Inserat ist nicht von der KdK und diese wusste auch im Vorfeld nichts davon. Allerdings verweist das Komitee im Inserat lediglich auf die Stellungnahme der Kantonsregierungen», sagt Sandra Maissen, Generalsekretärin der KdK.

Die Werbeanzeige beinhaltet einen weiteren Hinweis darauf, wer der Absender sein könnte. «Überparteiliches Komitee Steuerreform JA. Postfach, 3001 Bern» heisst es da kleingedruckt und horizontal angeordnet. Erst in der Kontakt-Rubrik der Wahlkampf-Seite gibt sich der eigentliche Absender der Werbeanzeige zu erkennen: Der Wirtschaftsverband Economiesuisse. 

Der Kampagnenleiter und Projektleiter Kommunikation der Economiesuisse, Adrian Michel, sieht in dem Inserat keine Irreführung der Leser: «Es ist klar ersichtlich, dass der Absender des Inserats das «Komitee Steuerreform JA» ist. Alle abgebildeten Regierungsräte haben das Inserat vorgängig erhalten und freigegeben», sagt er gegenüber watson. Dies bestätigt einer der abgebildeten Volkswirtschaftsdirektoren, Daniel Fässler, gegenüber watson.

Die Anzeige kostete 62'106 Franken

Auf Nachfrage von watson bestätigt Tamedia-Mediensprecher Christoph Zimmer, dass nicht etwa die Kantone hinter der Anzeige stehen: «Die Buchung erfolgte durch Economiesuisse, das Inserat erschien in der Anzeigenkombination Metropool. Diese Anzeigenkombination, die es in ähnlicher Form seit den 1980er-Jahren gibt, umfasst die BZ Berner Zeitung, den Bund, den Tages-Anzeiger und die Basler Zeitung, die nicht zu Tamedia gehört. Der Bruttopreis für ein Textanschlussinserat in dieser Form liegt bei 62'106 Franken.», sagt er gegenüber watson.

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lowend
30.01.2017 16:50registriert Februar 2014
Man sollte langsam eine Initiative machen, die alle Resultate von Abstimmungen, bei denen derart massiv gelogen und betrogen wird, automatisch für ungültig erklärt, dann würden diese massiven Lügenkampagnen endlich aufhören!
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Majoras Maske
30.01.2017 16:36registriert Dezember 2016
Es ist ja bezeichnend, dass mittlerweile gewisse politische Akteure dermassen ein schlechtes Image haben, dass sie sich hinter "Komitees" oder "IGs" verstecken müssen.

Es ist ebenfalls bezeichnend, das die Befürworter auf solche unlautere und massiv teure Kamapgne zurückgreifen müssen und mittlerweile sogar Onlinewerbung schalten (um Arbeitsplätze zu retten natürlich nur!).

Noch bezeichnender ist es, dass die Befürworter die USR3 es nicht mal mehr wagen in ihren Kampagnen zur "Steuervorlage" das "U" zu erwähnen.

Oh, Helvetia, bitte lass es ein "Nein" sein.
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Linus Luchs
30.01.2017 16:58registriert Juli 2014
Dieses Inserat ist exemplarisch. Arglistig, wie es gemacht ist, versucht die ökonomische Elite die Bevölkerung zu vera****en. Tricksen, täuschen, lügen – Vorbild Trump hat seine Wirkung.
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