Schweiz
Wirtschaft

Zolldeal Schweiz USA: Alfred Gantner sieht keine Bestechung

Alfred Gantner, Unternehmer, Mitglied des Initiativkomitees, rechts, spricht neben Marco Sieber, Industrieller Gebaeudeenergie und -technik, Mitglied des Initiativkomitees, links, waehrend einer Medie ...
Alfred Gantner hat im November US-Präsident Donald Trump getroffen.Bild: keystone

«Geschenke kamen sehr gut an»: Milliardär Gantner spricht über Trump-Treffen

Einen Goldbarren und eine Rolex: Das brachte das Team Switzerland dem US-Präsidenten als milde Gaben mit. Viele sehen darin eine Form von Bestechung und Unterwürfigkeit. Jetzt wehrt sich einer der Wirtschaftsführer.
28.11.2025, 12:0828.11.2025, 16:34

Sind sie Helden, die die Schweizer Wirtschaft vor Trumps Monsterzöllen bewahrt haben? Oder sind sie eine Gruppe von Milliardären, die für wirtschaftlichen Erfolg auch nicht vor Korruption und Bestechung zurückschrecken?

Das ist die Frage, über die die politische Schweiz seit mehreren Wochen streitet. Besonders seit dieses Bild publik geworden ist:

Schweizer Wirtschaftsführer bei Donald Trump Oval Office Partners Group Swiss business Diego Aponte MSC Jean-Frédéric Dufour Rolex Alfred Gantner Daniel Jaeggi Mercuria Johann Rupert Richemont Marwan  ...
Bild: zvg

Es zeigt führende Schweizer Wirtschaftskapitäne, die sich im Oval Office im Halbkreis vor US-Präsident Donald Trump versammeln. Das Bild entstand Anfang November und zeigt unter anderem die Wirtschaftsführer des Uhrenherstellers Rolex, der Reederei MSC und des Luxusgüterkonzerns MSC.

Milliardär Gantner nimmt Stellung

Mit dabei hatten die Schweizer Wirtschaftsbosse wertvolle Geschenke: Eine Rolex im Wert von über 10'000 Franken. Und einen echten Goldbarren. Preisschild: Etwa 100'000 Franken.

Das sorgte für viel Kritik in Politik und Wirtschaft. Juso und Grüne zeigten das sogenannte Team Switzerland an. Die Geschenke hätten den Eindruck von Bestechung vermittelt, argumentiert Juso-Präsidentin Mirjam Hostetmann. watson berichtete exklusiv:

Nun hat sich ein Vertreter des Team Switzerland erstmals öffentlich geäussert. Alfred Gantner, milliardenschwerer Mitgründer des Vermögensverwalters Partners Group, war am Mittwochabend bei Gredig direkt im SRF eingeladen.

Die wichtigsten Aussagen aus dem dreiviertelstündigen Gespräch:

«Ich bin negativ überrascht, wie heftig die Reaktionen waren, die das Foto ausgelöst hat.»
Alfred Gantner

Gantner versteht nicht, wie die Rolex und der Goldbarren so negativ ausgelegt werden können.

«Es entspricht den Gepflogenheiten unter Regierungen, dass man ein Geschenk mitbringt. Und natürlich bringt man welche mit, die dem anderen eine gewisse Freude bereiten.»
Alfred Gantner

Die Geschenke seien symbolischer Natur gewesen. Der Goldbarren dafür, dass das sogenannte Gold Manufacturing künftig in den USA stattfinden werde.

Die Rolex sollte symbolisieren: Die Schweiz werde das Handelsdefizit mit den USA abbauen – zuverlässig wie eine Schweizer Uhr. «Das kam bei Trump sehr gut an», sagte Gantner.

«Es war ein gutes Gespräch. Trump hat sich sehr interessiert gezeigt. Irgendwann hat er sich zu seinem Handelsbeauftragten umgedreht und gefragt: ‹Ist der Deal gut genug?›»
Alfred Gantner

Gantner sagt im Gespräch mit Gredig, der Bundesrat sei auf ihn zugekommen. Konkret habe ihn Seco-Staatssekretärin Helene Budliger am 2. August angerufen – also nur einen Tag nachdem die für die Schweiz so überraschenden wie verheerenden Zölle von 39 Prozent kommuniziert worden waren.

Budliger habe ihn gebeten, seine «über drei Jahrzehnte gewachsenen Kontakte in den USA zu aktivieren», erinnert sich Gantner. Nach eigener Aussage beschäftigt die Partners Group an die 100’000 Mitarbeitende in den USA und investiert dort jedes Jahr 5 bis 10 Milliarden.

War es Gantner, der angeregt hat, dass sich Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter zurückzieht und Wirtschaftsminister Guy Parmelin Platz macht?

«Ich habe mit Frau Keller- Sutter telefoniert, das war aus meiner Sicht ein sehr gutes Gespräch. Ich konnte ihr darlegen, dass Guy Parmelin hervorragende Meetings hatte. Ich fand es super, dass der Bundesrat danach entschied, dass Parmelin als Wirtschaftsminister die Verhandlungen fortführt.»

Von einer Diskreditierung Keller-Sutters will Gantner nichts wissen. Die FDP-Bundesrätin habe einen hervorragenden Job gemacht und ökonomisch gut argumentiert, aber:

«Keller-Sutters Argumente kamen in den USA nicht so gut an. Im Oval Office wollte man andere Dinge hören.»
Alfred Gantner

Alfred Gantner ist nicht nur Unternehmer, sondern auch engagiertes Mitglied bei den Mormonen. Die Kirche ist gerade in den USA einflussreich. Der Handelsbeauftragte für die Schweiz, Jamieson Greer, ist auch Mormone. Gantner dazu:

«Das war ein glücklicher Umstand und hat sicher nicht geschadet.»
Alfred Gantner

Alfred Ganter bringt sich politisch immer wieder ein. Er ist treibende Kraft hinter der sogenannten Kompass-Initiative, mit welcher das Vertragswerk mit der EU bekämpft werden soll.

(her)

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200 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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AdiB
28.11.2025 12:00registriert August 2014
Geschenke im Wert von über 150k würde bei mir auch sehr gut ankommen. Bei wem nicht?
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Steibocktschingg
28.11.2025 12:10registriert Januar 2018
Ach, Bestechung bei einem korrupten Regime kommt gut an? Wer hätte das gedacht?

Wie tief sind wir eigentlich gesunken dass das mehr oder weniger achselzuckend hingenommen wird?
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John H.
28.11.2025 12:14registriert April 2019
Ein Einblick in die Sphäre von Milliardären. Ein Geschenk im sechsstelligen Bereich ist also ein symbolisches Geschenk. Was verschenken die, wenn sie ein "richtiges" Geschenk machen?
Ansonsten scheint er schon mächtig Stolz zu sein auf seine Macht und seinen Einfluss ohne Mandat.
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