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ARCHIV - ZUR MK POST ZUR POSTAUTO-AFFAERE, AM MONTAG, 11. JUNI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDE ARCHIVBILDER ZUR VERFUEGUNG ---- Postautos auf dem Postautodeck im Bahnhof in Chur, am Freitag, 24. Januar 2014. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Bild: KEYSTONE

Diese Anforderungen musst du erfüllen, um neuer Post-Chef zu werden

Konzernerfahrung, politische Sensibilität und die Fähigkeit, die Kultur zu verändern, wird gefordert. Die Suche nach einem Nachfolger von Susanne Ruoff ist anspruchsvoll.

Doris Kleck / Nordwestschweiz



Sie gehören zur Post wie das Tü-Ta-To zum Postauto: spektakuläre Abgänge. Der Chefposten beim gelben Riesen gilt als Schleudersitz. Jean-Noël Rey musste seinen Posten Räumen, weil ihm Vetternwirtschaft vorgeworfen wurde. Sein Nachfolger Roger Braun verliess das Unternehmen nach 16 Monaten – weil er als schlechter Kommunikator galt.

Michel Kunz blieb nur acht Monate, weil er mit Verwaltungsratspräsident Claude Béglé nicht klarkam, wobei Letzterer bald darauf vom Bundesrat abgesetzt wurde. Und nun eben Susanne Ruoff, die über den Postautoskandel stolperte. Interimistisch übernimmt Ulrich Hurni, Leiter Post Mail, die Aufgabe. Hurni ist bereits 59 Jahre alt und als Nachfolger zu alt. Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller sagte am Montag denn auch, Hurni soll den Job nicht länger als fünf Monate machen.

«Entlassung von Post-Chefin Ruoff ist hart, aber richtig»

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Video: srf

Die Herausforderungen

Der Job ist anspruchsvoll. Die Post mit ihren 60 000 Mitarbeitern steht vor grossen Herausforderungen; wichtige Ertragspfeiler stehen unter Druck. Das Briefvolumen nimmt schnell ab, die Paketpost leidet unter starkem Preisdruck sowie internationaler Konkurrenz und die Postfinance verdient wegen der tiefen Zinsen zu wenig Geld. Der Goldesel der Post kündigte erst letzte Woche an, 500 Stellen zu streichen.

Dazu kommt: Die Post ist ein grosser Mischkonzern mit ganz unterschiedlichen Sparten und Kulturen. So bewegt sich Post Logistic in einem internationalen und extrem kompetitiven Markt. Die Poststellen gehören zum Service public. Der drittgrösste Konzern der Schweiz bewegt sich im freien Markt, gehört aber zu hundert Prozent dem Bund.

Das Profil

Susanne Ruoffs Ernennung zur Konzernchefin 2012 war eine Überraschung. Die IT-Managerin kam von aussen. Ihr Auftrag war es, die Post in die digitale Zukunft zu führen. Daran dürfte auch ihr Nachfolger gemessen werden. Ein Headhunter formuliert das Profil so: Entscheidend sei eine grosse Erfahrung in der Führung eines breit aufgestellten Konzerns: «Der neue Chef muss die ganze Klaviatur des Postkonzerns bespielen können.» Dazu müsse er eine starke Empathie zum Regulator haben – also zum Bund und der Politik. «Der neue Konzernleiter darf den Service public nicht als Klumpfuss betrachten.»

Offen ist, ob die Stelle intern oder extern besetzt wird. Nationalrat Thierry Burkart (FDP/AG) sagt, das sei unwichtig: «Wichtig ist, dass die geeignetste Person gewählt wird.» Aus der aktuellen Konzernleitung kommt jedoch nur Thomas Baur infrage. Der 53-Jährige ist verantwortlich für das Poststellennetz und stieg 2016 in die Konzernleitung auf. Er ist also unbelastet von der Postautoaffäre – und leitet diese Sparte deshalb auch interimistisch.

Baur ist verantwortlich für zwei heisse Dossiers und gilt als Mann für alle Fälle. Bei der Debatte um den Umbau des Poststellennetzes hat Baur politisches Gespür bewiesen. Er gilt als hervorragender Kommunikator, den selbst seine Gegner loben: «Mit Baur kann man gut Streiten», sagen Gewerkschafter. Baur ist ein Macher, offen ist, ob er auch ein guter Stratege ist.

Konzernerfahrung und politisches Sensorium: Die möglichen Kandidaten in der Privatwirtschaft sind nicht dicht gesät. Emmi-Chef Urs Riedener gilt seit längerem als zu Höherem Berufen. Als Chef eines Milchverarbeiters geht ihm das Politische nicht ganz ab. Riedener wäre ein kompletter Quereinsteiger im Postgeschäft.

Urs Schwaller Postauto-Skandal: Postauto-Geschäftsleitung freigestellt: «Erschreckend, dass die Kontrollmechanismen über Jahre versagt haben»

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Video: srf

Und die Wünsche der Politik

Schwaller will sich auch im Ausland umschauen. Das hört Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP/TG) nicht gern: «Wichtig ist, dass der neue Chef, die neue Chefin Stallgeruch hat.» Womit wir bei den Wünschen der Politik wären. Graf-Litscher erhofft sich, dass innerhalb der Post dem Service public wieder mehr Gewicht verliehen wird. Ähnlich äussert sich Martin Candinas (CVP/GR). Der neue Postchef müsse eine hohe politische Affinität haben. Ewas, das er in der Ära-Ruoff teilweise vermisste.

Burkart indes erinnert daran, dass Ruoff nicht an ihren Managementfähigkeiten gescheitert ist. Er fordert, dass der neue Postchef eine neue Firmenkultur etabliert: «Die Post braucht eine Kultur des Hinschauens, nicht des Wegschauens.» Ein Headhunter sieht das ähnlich: «Der neue Chef muss eine Vertrauenskultur schaffen.» Der Postautoskandal sei ein Systemversagen: «Für ein Unternehmen ist das eine Bankrotterklärung.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Makatitom 12.06.2018 11:43
    Highlight Highlight Schleimen, nie für etwas schuld sein, das gefühl haben "verantwortlich" zu sein und dafür überrissen zu kassieren sind doch die Anforderungen, oder nicht? Aha ja, nach oben buckeln und nach unten treten habe ich noch vergessen
  • Der Tom 12.06.2018 09:18
    Highlight Highlight Ich wäre ein guter Kandidat. Unverbraucht und schon mit kleinen Schmiersummen zufrieden.
    • Astrogator 12.06.2018 10:54
      Highlight Highlight @DerTom: "schon mit kleinen Schmiersummen zufrieden" - damit hast du dich selbst komplett disqualifiziert für den Job, niemand mag Preisdrücker 😉
  • Carlitos Fauxpas 12.06.2018 08:28
    Highlight Highlight "Ernsthaft" kommt eigentlich nur einer in Frage, der ist aber so beschäftigt, dass er kaum zusagen wird...

    Donald "Make Schweizerische Post great again!"



  • N. Y. P. D. 12.06.2018 08:00
    Highlight Highlight Laut Tages Anzeiger wurde die Gewinnmanipulation bei der Postauto AG durch 200'000 kriminelle Umbuchungen ermöglicht.

    Wieso,
    wieso frage ich mich, interessiert sich KEIN EINZIGER Journalist in diesem Land für die Rolle der KMPG ?

    Ist die KMPG eine heilige Kuh ?

    Die Journalisten sollten da jetzt genauer hinsehen. Es kann nicht sein, dass die KMPG diese Buchungen nicht bemerkt hat.

    • Ivan Knezevic 12.06.2018 09:11
      Highlight Highlight KPMG
    • N. Y. P. D. 12.06.2018 09:42
      Highlight Highlight Danke 👍
    • TheDoc 12.06.2018 10:29
      Highlight Highlight Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt. Die Revisionsstelle muss davon entweder gewusst haben oder sind sie komplett inkompetent.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Astrogator 12.06.2018 06:24
    Highlight Highlight "Burkart indes erinnert daran, dass Ruoff nicht an ihren Managementfähigkeiten gescheitert ist." - doch, nur daran. Der Vorwurf an sie lautet, dass Sie Hinweisen zum Betrug nicht nachgegangen ist,
    klassisches Managementversagen.
    • HonoLulu 12.06.2018 09:56
      Highlight Highlight @Astrogator. Ist sie von der Revisionsfirma KPMG auf die Umbuchungen hingewiesen worden? Interne Revisioren, externe Revisioren, für mein Empfinden sind diese Beiden die grossen Versager.
    • Astrogator 12.06.2018 10:50
      Highlight Highlight @Honolulu: Die Geschichte um Ruoff kam erst ins Rollen als der Blick Dokumente veröffentlichte die aufzeigten, dass Ruoff Bescheid wusste.

      Für die KPMG habe ich sogar ein gewisses Verständnis, wenn die zu laut aufmucken sind sie ihr Mandat los und womöglich nicht nur das. Ist nicht nur bei Revisionen ein Problem. Habe lange für einen Weltmarktführer in Medizinaltechnik gearbeitet, wir alle haben jeweils gezittert ob wir von der FDA oder dem japanischen Pendant die Zulassung kriegen. In Europa wird man durch Private zertifiziert. Zertifikat weg, Mandat weg. Europa war nie ein Problem.
    • HonoLulu 14.06.2018 08:37
      Highlight Highlight @Astrogator: Jetzt sind sie ihr Mandat auch los und in einen Schlammassel verwickelt.
      -> Haben ihr Kerngeschäft nicht im Griff.

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

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