Postauto wolle sich als Folge der nicht gesetzeskonformen Buchungspraxis und anderer Handlungsfelder strategisch wieder stärker am Kerngeschäft orientieren, heisst es in einer Mitteilung vom Montag.
Der Fokus soll auf den Service Public gelegt werden. Organisatorisch wolle sich Postauto funktional aufstellen und die Präsenz in den Regionen verstärken. Die geplante Neuorganisation werde für einen Teil des Personals Veränderungen zur Folge haben.
Für das Fahr- und Kontrollpersonal, das rund zwei Drittel der Mitarbeitenden ausmacht, würden Anstellungs- und Arbeitsbedingungen unverändert bleiben. Lediglich der juristische Arbeitgeber würde sich aufgrund der geplanten Aufhebung der Holdingstruktur und der Zusammenfassung der fünf Postauto-Gesellschaften in einer einzigen Einheit, der Postauto AG, ändern.
In den administrativen Bereichen könnten sich aufgrund der funktionalen Neuorganisation mit der beabsichtigten Stärkung der Präsenz von Postauto in den Regionen Änderungen bei den Aufgaben- und Kompetenzprofilen ebenso wie bei den Anstellungsbedingungen ergeben. Auch für das administrative Personal würde in jedem Fall der juristische Arbeitgeber ändern.
Mit der Neuausrichtung von Postauto sei kein Sparziel verbunden. Die Unternehmung geht trotzdem davon aus, dass aufgrund der geplanten strategischen Neuausrichtung, dem Wegfall einzelner Geschäftsfelder sowie der Nutzung von Synergien auch Stellen wegfallen könnten. Dies könnte sich gemäss der Mitteilung in einer Grössenordnung von etwa zwei Prozent aller Stellen von Postauto bewegen. Etwa 40 bis 60 Mitarbeitende könnten demnach vom Stellenverlust betroffen sein.
Postauto beabsichtige, die wegfallenden Stellen weitestgehend im Rahmen der natürlichen Fluktuation oder mit Frühpensionierungen aufzufangen. Es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass es im Einzelfall auch zu Kündigungen komme.
Von heute Montag an bis zum 23. September führt Postauto das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren durch. In diesem Rahmen kann das Personal Vorschläge unterbreiten, wie allfällige Kündigungen oder andere Änderungen der Anstellungsbedingungen vermieden, deren Zahl beschränkt oder ihre Folgen gemildert werden können.
«Wir sind uns bewusst, dass die geplanten Veränderungen bei den Mitarbeitenden Unsicherheit und auch Ängste auslösen können», wird der interimistische Leiter von Postauto, Thomas Baur, in der Mitteilung zitiert. Deshalb soll so rasch wie möglich Klarheit über die Rolle und die Aufgaben der Mitarbeitenden in der künftigen Organisation geschaffen werden.
Die Gewerkschaften fordern, von Entlassungen abzusehen. Syndicom begrüsse es, wenn Postauto als Folge des Subventionsskandals ihre Strukturen überdenke, ihre Präsenz in den Regionen stärke und wenn dies dazu führe, dass die Transparenz der Prozesse zunehme und die nationale Postauto-Leitung mehr Verantwortung übernehme.
Irritiert zeigt sich die Gewerkschaft hingegen über die Aussage, dass Kündigungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Bei einer Grössenordnung von zwei Prozent der Stellen, die wegfallen könnten, seien bei einer guten Planung Kündigungen nicht notwendig. So habe die Personalfluktuation bei Postauto 2016 drei Prozent betragen.
Der Personalverband Transfair begrüsst, dass Postauto die Präsenz in den Regionen stärken will. Die Reorganisation dürfe aber nicht auf dem Buckel des Personals erfolgen.
Transfair will sich ebenfalls dafür einsetzen, dass die Anzahl der vom Abbau betroffenen Personen möglichst gering gehalten und dass die angesprochenen Stellenkürzungen ohne Kündigungen realisiert werden können. Für Transfair sei wichtig, dass das Personal auch in Zukunft an erster Stelle stehe und dass Postauto ihre Sozialverantwortung wahrnehme. (sda)