Schweiz
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Bruderer

Pascale Bruderer war die aktivste Rednerin. bild: screenhshot srf

«Rentenreform» – wenn SVP-Frehner und SP-Bruderer halbherzig aufeinander losgehen, gewinnen Unbekannte  



Das Thema der ersten Arena nach dem Abstimmungswochenende heisst «Rentenreform 2020: Rettung oder Reinfall?» Ein Überthema, ein Thema von immenser Wichtigkeit, aber auch ein komplexes Thema. 

Wird es künftig weniger Rente geben? Oder müssen allfällige Kürzungen anderswo kompensiert werden, damit Rentner auch weiterhin gleich viel im Geldbeutel haben wie bisher? 

Diesen Fragen gehen in der Sendung folgende «Gladiatoren» mit höchst verschiedenen Standpunkten nach: 

Wegen der Komplexität der Debatte rund um die Rentenreform ist es für die vier Politiker nicht ganz einfach ihre Standpunkte kurz und prägnant der Gegenpartei an den Kopf zu werfen. Verhältnismässig gesittet geht es deshalb zu und her. Doch nicht nur. SVP-Mann Frehner und Bruderer von der SP kreuzen nach kurzem Warmlaufen rasch ein erstes Mal die Klingen:  

Die Granate Frehners 

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Video: streamable

Bruderer macht klar, ein Rentenalter 67 sei ganz und gar nicht vernünftig. Frehner kontert: «In der Schweiz haben wir seit 1948, als die AHV eingeführt wurde, dasselbe Rentenhalter.» Das Konzept sei immer noch dasselbe. In ein paar Jahren hätten wir aber doppelt so viele Rentner wie heute. Erhöhe man die AHV, komme in 20, 30 Jahren eine Granate auf uns zu. Die Jungen würden auf die Strasse gehen. 

Ein erstes Mal kommt das Publikum ins Spiel

Danach geht es hin und her, die Parteien verharren auf ihren Standpunkten. Farbe in die Sendung kommt aus dem Publikum. Von Sachbearbeiter Thomas Jauslin: 

Die Beruhigungspille Bruderers 

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Jauslin sieht keine andere Möglichkeit als das Rentenalter zu erhöhen. Er rechne mit nichts, müsse wohl selber für sich schauen. Bruderer, die Engagierteste der Runde, geht auf ihn ein. «Wir müssen wegkommen vom starren Rentenalter», sagt sie. Es brauche Flexibilität. Ihre Argumente kommen an. Jauslin ist beruhigt. 

«Zu den Ausländern»

Frehner muss sich in Sachen Redezeit nicht hinter Bruderer verstecken. Beim Thema Ausländer holt er aus und kritisiert die AHV: 

Die Korrektur der Expertin an Frehner 

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Die AHV sei ein Konstrukt, das nicht funktioniere, so Frehner. Man zahle immer viel weniger ein als man herausnehme. Je mehr Leute an diesem System partizipierten, desto grösser werde das Desaster für die AHV. Jetzt greift Expertin Silja Häusermann ein. Sie korrigiert Frehner: «Es ist nicht so, dass wir immer weniger einzahlen, als wir bekommen.» Die AHV funktioniere nach dem Umverteilungsprinzip. Es soll nicht das einzige Mal bleiben, dass Frehner den Kürzeren zieht. 

«Woher sollen wir das Geld nehmen?»

Das Publikum bleibt der unterhaltsamste Faktor der Sendung. Und es redet so, dass man es versteht:  

Klare Haltungen im Publikum 

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Der Pensionierte Hans Boll findet es – angesprochen auf einen allfälligen Generationenkonflikt – nicht in Ordnung, dass «Jung gegen Alt» ausgespielt werde. Das sei nicht das System der AHV. Kantonsschülerin Olivia Artho ist bereit «mehr zu zahlen». Allerdings fragt sie sich bei all den anderen Kosten, woher sie das Geld nehmen soll. 

Frehner und die Angst-Szenarien

Zurück zu den Politikern. Und die sind jetzt in Form. Frehner wiederholt, die AHV sei kein gutes Konzept. Man sollte die Säulen nicht vermischen. Dann kommt Bruderer in Fahrt: 

Der Höhepunkt bei Bruderer vs. Frehner und ein Zahlensalat 

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Die Angst-Szenarien, die er verbreite, die seien schon bei der Gründung der AHV dieselben gewesen, so Bruderer. Dann streiten die beiden um Zahlen. Es kommt zu einer vermeintlichen Einigung. Für einen kurzen Moment herrscht Stille.  

Und wieder eine Zuschauerin

Bezeichnenderweise ist es dann wieder jemand aus dem Publikum, der eine klare Meinung hat. Madeleine Weisskopf nimmt – mit Blick auf das Duo Frehner/Sauter – die Politik ins Gebet: 

Weisskopf redet Klartext 

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Sie habe gegen AHVplus gestimmt. Dass jetzt auf einmal alles gut sein soll, das glaube sie schlicht nicht. Dass die zweite Säule keine Probleme habe, nehme sie niemandem ab.  

Weisskopf setzt zum Schlussbouquet an

Und Weisskopf ist noch nicht fertig. Sie legt nach. Das Volk werde angehalten, einen Egoismus zu leben. 

Frehner outet sich als Egoist 

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Moderator Mario Grossniklaus nimmt den Ball auf. «Sind Sie ein bisschen egoistisch, Herr Frehner?» fragt er. «Das sind wir alle», entgegnet dieser. 

Fazit:

Es gab schon aggressivere Arenen. Während sich Frehner und Bruderer immer wieder duellieren und keiner so richtig als Gewinner aus der Arena steigt, bleiben Landolt und Sauter eher zurückhaltend und blass. Alle bekundeten Mühe, einfach zu reden. Der Sieger heisst deshalb «Publikum». Die Stimmen aus den Rängen waren vor allem eins –  verständlich.  

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    Alle Leser-Kommentare
  • Karl Marx 01.10.2016 19:28
    Highlight Highlight Sola titi tät
  • grandvlad 01.10.2016 12:02
    Highlight Highlight keine gleichen Löhne ergo kein gleiches Rentenalter ....
    • chicadeltren 01.10.2016 13:26
      Highlight Highlight Dafür 5 Jahre höhere Lebenserwartung...
  • rodolofo 01.10.2016 09:17
    Highlight Highlight Mir ist in der gestrigen Diskussion so richtig aufgegangen, dass unsere Altersvorsorge auf zwei komplementären- und sich darum ergänzenden Säulen steht, ergänzt von einer dritten Säule, dem privaten Sparen.
    Währenddem die erste Säule der AHV auf dem Solidarität-Prinzip basiert, bei dem Reiche mehr einzahlen, als sie zurückerhalten und Ehe-Frauen dank dem Splitting keine Nachteile erleiden, weil sie mehr unbezahlte Arbeit geleistet haben, basiert die Pensionskasse auf dem Ego-Prinzip: Jeder spart für sich selbst!
    So wollen die Reichen mit dem FDP-SVP-Vorschlag im Alter noch reicher werden...
    • FrancoL 01.10.2016 11:22
      Highlight Highlight @reezee; Vielleicht ist es nicht besonders dienlich Einzelgattungen zB Eisenleger und Reiche miteinander aufzuwiegen. Da könnte man ja zB den Beamten mit dem Reichen aufwiegen und das wäre der Gegenpart zum Eisenleger. Das bringt nun aber wirklich nichts.
      Es ist tatsächlich bei der AHV ein kleiner sozialer Ausgleich der stattfindet und natürlich wie alles was über eine ganze Gesellschaft gestülpt wird nicht in jedem Fall griffig, aber meistens greift es für den grösseren Teil der Gesellschaft.
      Ich bin klar der Meinung dass ein Modell wie die AHV ein Grundpfeiler bleiben muss.
    • FrancoL 01.10.2016 11:27
      Highlight Highlight @rodolfo und sich finde diese 2 1/2 Säulen (denn das Sparen ist wohl bei vielen schlichtwegs nicht möglich) machen Sinn und eine starke solidare Ebene wie die AHV muss für mich zwingend erhalten und gefördert werden, ausser man wolle dass im Alter immer mehr Menschen von der Fürsorge, also den Steuern leben sollen. Diese solidare Schiene federt zumindest ein wenig die wirtschaftliche Ungleichheit ab. Das System muss klar überdenkt werden aber nicht was die Solidarität betrifft.
  • _kokolorix 01.10.2016 08:55
    Highlight Highlight Die bürgerlichen Politiker tun immer so als ob ihre Lösungen vernünftig wären und funktionieren würden. Dabei zeigt doch die Realität offensichtlich, dass dem nicht so ist. Während die AHV bisher gut funktioniert hat, ist die zweite Säule erwiesenermassen ineffizient und anfällig fur Missbrauch. Wieviele Pensionskassen mussten schon mit Steuergeldern saniert werden? Wieviel Pleiteunternehmen haben ihre Kassen schon geplündert?
    Das Einzige was wirklich geht, ist Umverteilung von Vielen auf Wenige.
    Aber zwei drittel der Abstimmenden sind leider zu dumm um das zu erkennen
    • rodolofo 01.10.2016 09:49
      Highlight Highlight Viele Bürgerliche Nationalräte sind mit den Pensionskassen eng verbandelt, als Verwaltungsräte z.B..
      Also haben sie ein Eigen-Interesse daran, dass möglichst viel Geld in diese Pensionskassen fliesst, über das sie dann verfügen können, indem sie bestimmen, wo diese Gelder investiert werden.
      Daraus entsteht mehr Macht!
      Das andere Eigen-Interesse liegt darin begründet, dass Bürgerliche Nationalräte ihre Altersvorsorge für sich selbst sparen wollen und nicht für Leute, die sie möglicherweise sogar gewählt haben!
      Die AHV ist für solche "knallharten Verhandler" natürlich völlig uninteressant...
    • chicadeltren 01.10.2016 13:33
      Highlight Highlight Naja ab einem Lohn von 4000Fr. wäre man mit einem privaten Kapitaldeckungsverfahren rechnerisch gesehen besser dran als mit der AHV... Betrifft also bei Weitem nicht nur die Reichen.
      Ich bringe dann jeweils noch Variante X: Für jedes Kind zur Geburt 60'000 Franken anlegen und dann hat man bis 65 auch eine AHV-Rente auf 20 Jahre angespart, kostet den Bund aber nur 5 statt 10Mrd und die Lohnbeiträge könnten gestrichen werden. Think about it!
    • _kokolorix 01.10.2016 16:48
      Highlight Highlight @chicadeltren
      Rein rechnerisch kannst du von einem Lohn um die 4000.- gar nichts sparen wenn du 3 Kinder hast. Erklär mir mal wie du so für jedes Kind 60000.- anlegen willst?
      Mir scheint du lebst entweder vollkommen asketisch, oder du verdienst eher gegen 10000.-
      1750.- für Miete, 700.- Krankenkasse, 800.- fürs Essen, 200.- für Handy und Internet, 400.- für Mobilität, dann bleibt wieviel fürs Sparen übrig? Genau.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MarZ 01.10.2016 08:12
    Highlight Highlight Vielen Dank für die interessante und für einmal neutral gehaltene Berichterstattung! Nach der Abstimmungspropaganda in den letzten Wochen ein echter Lichtblick! Weiter so Felix Buch!
    • MarZ 01.10.2016 08:23
      Highlight Highlight Sorry, das r ist wohl verloren gegangen ;)
    • Felix Burch 01.10.2016 10:54
      Highlight Highlight Ich danke.
    • rodolofo 01.10.2016 16:43
      Highlight Highlight Willst Du Watson auf Mainstream-Kurs bringen?
      Das war keine Abstimmungspropaganda, sondern profilierte Meinungen mit Charakter!
      Ist es für JournalistInnen verboten, einen Standpunkt zu haben?
      Aber JournalistInnen müssten auch die Fähigkeit haben, diesen Standpunkt zu wechseln und andere Perspektiven einzufangen!
      Mit "neutralem Neutrum" hat das weniger zu tun, als mit "Chamäleon" plus "Menschen-Immitator".
      Hauptmethode bei der Arbeit eines solchen "action-anthropologist" ist die "Teilnehmende Beobachtung".
  • LeChef 01.10.2016 08:05
    Highlight Highlight Felix, es ist ja schön und gut, wenn das Publikum "einfach" reden kann und die Politiker nicht. Aber bei einer so technischen Thematik muss man leider, wenn man genügend tief schürfen will, auch komplex argumentieren. Wenn jemand der Debatte nicht folgen kann, soll er oder sie sich halt ein bisschen einlesen in das Thema.
    • LeChef 01.10.2016 09:39
      Highlight Highlight Günstiger ist die Lösung des Ständerats bestimmt nicht. Die Frage der politischen Akzeptanz und Referendumsfähigkeit ist natürlich eine andere.
  • Töfflifahrer 01.10.2016 07:13
    Highlight Highlight Na ja vor lauter Ideologie ist es dann für Politiker auch nicht mehr einfach den Mist selbst noch zu verstehen und auch anderen verständlich zu machen. Auch wenn sich populistische Sprüche als Lüge entlarven, wird immer noch daran festgehalten. Ich habe zufällig reingetappt und habe mir das angesehen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass einerseits die Politiker die Übersicht über das Thema verloren haben und andererseits auch der Bezug zu den Wählern immer weniger wird.
    Es sind aber auch die Medien die einen nichtvorhanden Generationenkonflikt postulieren, den es gar nicht gibt.

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