Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Joos Sutter, Vorsitzender der Geschaeftsleitung und Leiter Direktion Retail, rechts, spricht an der Bilanzmedienkonferenz von Coop in Muttenz am Donnerstag, 15. Februar 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Läuft. Joos Sutter an einer Bilanzmedienkonferenz im Februar dieses Jahres. Bild: KEYSTONE

Coop-Chef Joos Sutter: «Wir sind für den Kampf gegen Amazon gerüstet»

Migros-Tochter Galaxus macht Zalando Konkurrenz, während Coop-Tochter Siroop gescheitert ist. Wie will sich Coop in Zukunft auf dem Markt behaupten? Chef Joos Sutter (54) gibt Einblick in seine neue Online-Strategie.

benjamin weinmann



Herr Sutter, Sie haben gestern das neue, 80 Millionen Franken teure Logistikzentrum von Microspot.ch und Interdiscount in Jegenstorf BE eröffnet. Dort haben Sie Platz für 30'000 Artikel. Fühlen Sie sich damit gerüstet für den Kampf gegen Amazon und Galaxus?
Joos Sutter:
Ja, wir sind gut aufgestellt. Man muss sehen: Wir erzielen schon heute einen Umsatz von zwei Milliarden Franken mit Heimelektronik. Mehr macht in der Schweiz keiner. Einen Fünftel davon setzen wir online um. Interdiscount entwickelt sich vor allem gut in Bezug auf die Verknüpfung vom stationären und dem Online-Geschäft. 40 Prozent der Leute, die einen Artikel im Webshop von Interdiscount bestellen, holen ihn in einer der rund 180 Filialen ab.

Und Microspot?
In den letzten vier Jahren konnte die Firma den Umsatz auf 210 Millionen Franken verdoppeln. Die Ausgangslage stimmt also. Und jetzt brauchte es mit dem neuen Logistikzentrum den nächsten grossen Schritt. Denn schöne Homepages reichen nicht aus. Nun betreiben wir ein grosses Kernsortiment; von Staubsaugern, über Drucker bis hin zu Kaffeemaschinen.

Sicht auf das neue vollautomatisierten Logistik-Zentrum von Interdiscount und Microspot, am Donnerstag 24. Mai, 2018 in Jegenstorf. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Das neue Logistikzentrum von Interdiscount und Microspot. Bild: KEYSTONE

Sie wollen vor allem das Angebot von Microspot stark ausweiten auf 260'000 Artikel bis Ende 2019. Das ist aber deutlich weniger als bei der Migros-Tochter Galaxus. Dort sollen es bald über zwei Millionen sein.
Wir haben dieses Zahlen-Spiel ja bis vor kurzem auch mitgespielt bei unserem Online-Warenhaus Siroop. Dank Drittanbietern hatten wir über eine Million Artikel im Sortiment. Fakt ist, dass bei allen Online-Warenhäusern einige wenige Händler auf der Plattform den grössten Umsatzkuchen generieren. Mit Microspot können wir dieses wichtige Kernsortiment nun selber organisieren, einen schnellen Lieferservice garantieren und die Kunden werden ihre Pakete in hunderten von Coop-Filialen abholen können.

Die Sortimentsbreite ist dennoch wichtig, um die Kunden anzulocken.
Natürlich. Deshalb werden auch wir mit weiteren Händlern das Gespräch suchen, die auf Microspot ihre Ware verkaufen könnten. Als erstes sprechen wir mit unseren Partnern von Siroop.

Bleiben wir bei Siroop, bei dem Sie nach zwei Jahren kürzlich den Stecker zogen. Was lief falsch?
Siroop war eine Investition in ein Start-up und wie bei jedem Start-up kommt der Moment, wo man sich fragen muss, welche Teile man davon in der Gesamtorganisation gut gebrauchen kann und welche nicht. Bei Siroop hatten wir wie gesagt über eine Million Artikel und einige hunderttausend Kunden. Und wir konnten viel Know-how beim Personal binden ...

... aber?
Wir mussten uns fragen, ob es Sinn macht, weiterhin mit zwei Marken, Microspot und Siroop, zu werben. Wir kamen zum Schluss: Nein. Und ich denke, mit dieser Erkenntnis werden wir in der Branche nicht die Einzigen bleiben.

Diese Erkenntnis hätte man schon beim Start 2016 haben können.
So funktioniert die Start-up-Welt nicht. Es braucht ein gewisses Risiko, aber auch den Mut aufzuhören oder das Ganze, wie in unserem Fall, zu integrieren.

Was hat das Siroop-Abenteuer, das Sie zusammen mit der Swisscom lanciert hatten, gekostet?
Wir waren bei unseren Investitionen im Branchenvergleich vernünftig unterwegs. Und wir werden auch weiterhin in Start-ups investieren. Als grosses Unternehmen müssen wir offen bleiben, solche Schritte zu wagen, die in Zeiten der Digitalisierung nötig sind.

In der Branche war die Rede von bis zu 50 Millionen Franken.
Diese Zahl möchte ich nicht kommentieren. Aber nochmals: Es war eine vernünftige, vertretbare Investition.

Mit Microspot verfolgen Sie nun eine ähnliche Strategie wie mit Siroop: Sie wollen bald auch Büromaterial, Kosmetik und Spielwaren anbieten – mithilfe Ihrer Tochterfirmen wie Import Parfumerie, Coop City und Lumimart?
Zuerst sprechen wir mit den bisherigen Siroop-Partnern, die mit uns erfolgreich waren. Und ja, danach werden wir Schritt für Schritt Sortimente aus unseren eigenen Kanälen aufnehmen.

Galaxus verkauft zunehmend auch Mode und greift damit Zalando an. Wird Mode auch für Microspot zum Thema?
Mode wird für uns ein Thema sein, aber erst wenn unsere Kernsortimente gut funktionieren.

Aber mal ehrlich: Beim Namen Microspot denkt kaum einer an Röcke, Shirts und Unterwäsche.
Wir glauben, dass sich der Name bei der Online-Kundschaft schnell einprägt. Meist sind es ohnehin Fantasie-Namen. Viel wichtiger sind der gute Service, die kurze Lieferzeit, das Sortiment und so weiter.

Trotzdem blieb der Name Siroop offensichtlich zu wenig im Gedächtnis der Kundschaft kleben.
Mir gefiel der Name Siroop. Aber nun setzen wir voll auf Microspot.

Frauen bedienen einen Computer bei der Eroeffnung des neuen vollautomatisierten Logistik-Zentrum von Interdiscount und Microspot, am Donnerstag 24. Mai, 2018 in Jegenstorf. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Mitarbeiterinnen im Logistikzentrum von Microspot. Bild: KEYSTONE

Aussen vor – so macht es den Anschein – bleibt bei dieser Strategie Ihr dritter Elektronikhändler Fust. Ein Verkäufer in einer Zürcher Filiale meinte kürzlich im Gespräch, dieses Jahr seien die Umsätze nochmals deutlich stärker zurückgegangen. Welche Rolle spielt Fust in Zukunft?
So viel vorweg: Fust liegt per April deutlich über Vorjahr! Die Firma verkauft in erster Linie so genannte Weissware, also Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Klimaanlagen und Waschmaschinen. In diesem Bereich ist Fust absoluter Marktführer und gewinnt Marktanteile. Natürlich kann es im stationären Bereich wegen der Onlinekonkurrenz zu einer Bereinigung der Filialen kommen. Aber Fust ist hier die Nummer eins und wird dies auch bleiben. Da gibt es andere grosse Konkurrenten, die deutlich rote Zahlen schreiben. Bei unseren Mitbewerbern rechne ich durchaus mit einer Filialbereinigung.

Wie läuft es Coop generell im laufenden Geschäftsjahr?
Wir sind sehr gut unterwegs, liegen umsatzmässig über Vorjahr. Der grosse Kampf ist die Rentabilität. Kurz gesagt: Wir machen es recht ordentlich in einem sehr anspruchsvollen Markt.

Auch weil viele Schweizer weiterhin im Ausland einkaufen.
Natürlich. Wobei, wenn man sich die aktuellsten Statistiken der deutschen Zollverwaltung ansieht, muss man sagen, dass der Einkaufstourismus seinen Zenit wohl überschritten hat. Aber die ausländische Konkurrenz bleibt ein Fakt.

Apropos Konkurrenz: Haben Sie inzwischen den neuen Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen kennengelernt?
Ja, ein sehr sympathischer Herr. Ich hatte es aber auch gut mit seinem Vorgänger Herbert Bolliger.

Offline-Shoppen kann richtig aufregend sein – mit diesen 9 Typen!

abspielen

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • JZ4EVER 25.05.2018 08:22
    Highlight Highlight Coop kann ja abgelaufenes Fleisch umpacken und online versenden.
  • Rectangular Circle 25.05.2018 07:08
    Highlight Highlight Funktioniert der Onlineshop von Microspot jetzt endlich fehlerfrei?

    Der war ja sogar nach dem Relaunch noch voller Bugs.
  • RacKu 24.05.2018 23:24
    Highlight Highlight Ready für Amazon? NOT.
  • bancswiss 24.05.2018 23:15
    Highlight Highlight Herr Sutter zur aktuellen Microspot Webseite: "Denn schöne Homepages reichen nicht aus...".
    Und ich frage mich immer wieso es da immer noch so schwierig ist etwas zu finden in den Kategorien und wieso man nicht online stornieren kann etc. Vielleicht sollte er sich erstmal einen kompetenten Berater zum Thema Onlinehandel suchen. Ich finde jedenfalls alle Webseiten von den hier erwähnten Händler ziemlich übel.

Kampf gegen Food Waste: Löst «Verfallsdatum» «mindestens haltbar bis» ab?

Pro Person landen jedes Jahr 190 Kilogramm geniessbare Lebensmittel im Abfall. Jetzt prüft der Bundesrat, ob ein neuer Begriff auf Verpackungen das Problem lindern könnte. Doch der Konsumentenschutz ist skeptisch.

Ist das Joghurt noch essbar, der Käse in Ordnung, die Bratwurst unverdorben? Ein Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum verschafft Orientierung – aber führt manchmal auch dazu, dass viele Lebensmittel im Abfall landen, obwohl sie noch einwandfrei wären. Auf jeden Fall lohnt es sich, die Geniessbarkeit selber zu testen. So zeigte zum Beispiel eine Untersuchung der Stiftung Konsumentenschutz, dass zwei Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums 92 Prozent der verpackten Milch- und …

Artikel lesen
Link zum Artikel