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Der Flug, den Kola Oroshi gebucht hatte, hat am Basler Flughafen nie existiert.  Bild: KEYSTONE

Gefälschte Tickets: Dubiose Flug-Anbieter zocken Schweiz-Kosovaren ab

Zahlreiche Schweizer mit kosovarischen Wurzeln konnten die Reise in die Heimat diesen Sommer nicht wie geplant antreten. Sie waren Betrügern aufgesessen, die ihnen gefälschte Flugtickets verkauft haben. Die Basler Staatsanwaltschaft spricht von mehreren hundert Betroffenen.



Rund 170'000 Kosovo-Albaner sind in der Schweiz zuhause. Im Sommer reisen viele von ihnen in die Heimat zurück, um Freunde und Verwandte zu besuchen. So auch Oroshi Kola, Maschinenführer aus dem Kanton Luzern. Dieses Jahr kam die Reise den Familienvater allerdings teuer zu stehen: Eine betrügerische Reiseagentur knöpfte ihm 2000 Franken ab.

Das Angebot der «Prishtina Airlines» erreichte Oroshi per SMS: Vier Flüge von Basel nach Pristina zum «Familienpreis» von 500 Franken pro Ticket. Oroshi schlug sofort zu: Er buchte Flüge für die ganze Familie, überwies das Geld auf ein Schweizer Bankkonto und bekam die gewünschten E-Tickets postwendend zugeschickt.

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Mit solchen SMS werben die Betrüger ihre Opfer an.

Am Tag vor Antritt der Reise dann der Schock: Das Reisebüro liess ihn wissen, die Flüge seien kurzfristig annulliert worden. Oroshi, misstrauisch geworden, rief beim Euroairport in Basel an. Dort teilte man ihm mit, Flüge mit der entsprechenden Flugnummer hätten nie existiert. «Meine Familie war am Boden zerstört. Wir befürchteten schon, die Reise absagen zu müssen», so Oroshi.

«Inzwischen habe ich in der Maschine nach Pristina rund 30 Personen getroffen, denen dasselbe widerfahren ist.»

Kola Oroshi, Kosovare aus dem Kanton Luzern

Schliesslich kaufte der Familienvater bei einem etablierten Anbieter neue Tickets – für weitere 2800 Franken. Insgesamt wendete er also fast 5000 Franken für die Reise in den Kosovo auf. Das Geld, das er «Prishtina Airlines» überwiesen hat, sieht er wohl nie wieder. «Inzwischen habe ich in der Maschine nach Pristina rund 30 Personen getroffen, denen dasselbe widerfahren ist», sagt Oroshi.

In der Branche ist das Problem hinlänglich bekannt. «Wir hatten dieses Jahr schon 300 Kunden, die dringend ein neues Ticket brauchten, weil sie Betrügern auf den Leim gegangen waren», sagt Shpend Ibrahimi, Sprecher des bekannten Anbieters Air Prishtina, der Reisen in den Kosovo und nach Mazedonien organisiert. «Jedes Jahr tauchen neue dubiose Agenturen auf, die unter immer neuen Namen günstige Flüge nach Kosovo anbieten.»

«Jedes Jahr tauchen neue dubiose Agenturen auf, die unter immer neuen Namen günstige Flüge nach Kosovo anbieten.»

Shpend Ibrahimi, Sprecher von Air Prishtina

Die betrügerischen Firmen operieren dabei mit Namen, die jenem der etablierten Firmen zum Verwechseln ähnlich sind. «So ziehen sie unseren guten Ruf in den Dreck», ärgert sich Ibrahimi. Weil die Agenturen ihren Sitz im Ausland haben und meist nur für kurze Zeit existieren, sei es beinahe unmöglich, gegen sie vorzugehen. «Wir haben auch schon versucht, bei den Providern der Schweizer Telefonnummern zu intervenieren – aber leider vergebens.»

Tatsächlich hat auch die Agentur «Prishtina Airlines», bei der Familienvater Oroshi seine Tickets gekauft hat, eine Schweizer Telefonnummer. Die Website, auf der in fehlerhaftem Deutsch für Flüge von Basel, Stuttgart oder München nach Pristina geworben wird, existiert erst seit diesem Jahr. Auf eine Anfrage von watson reagierte das Unternehmen nicht.

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Screenshot der dubiosen Webseite.

«In den vergangen Jahren gab es schon mehrere Anzeigen mit mehreren hundert Betroffenen.»

René Gsell, Staatsanwaltschaft Basel-Stadt

Den Strafverfolgern ist das Problem bekannt. Allein bei der Basler Staatsanwaltschaft sind in den letzten Jahren «mehrere Anzeigen mit mehreren hundert Betroffenen» eingegangen, wie Kriminalkommissär René Gsell auf Anfrage sagt. Auch im Kanton Zürich kommt es laut Polizeisprecherin Carmen Surber immer wieder zu Anzeigen, «nicht nur im Zusammenhang mit kosovarischen, sondern auch mit anderweitigen Reisebüros».

Um gegen die mutmasslichen Betrüger im Ausland vorzugehen, sei ein Rechtshilfeersuchen nötig, so Surber. Weil die Verkäufe online abgewickelt würden, sei es aber «nicht einfach», die Täter und insbesondere die Drahtzieher zu ermitteln. 

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) betreibt ein Meldeformular für Cyberkriminalität. Auch dort gingen schon entsprechende Meldungen ein. Sprecherin Lulzana Musliu rät Reisenden, beim Ferien-Buchen im Internet Vorsicht walten zu lassen. «Hilfreich kann es etwa sein, auf die Aufmachung der Websites zu achten.» Wer merke, dass er Opfer eines Betrugs geworden ist, solle zudem zwingend Anzeige erstatten. Zuständig sind in diesen Fällen die Kantonspolizeien.

Wegen diesen 9 Typen gehst du lieber alleine in die Ferien

Video: watson/SDA SRF

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