Schweiz
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ZUR MELDUNG, DASS SICH DIE SWISS VOM FLUGHAFEN BASEL-MUELHAUSEN ZURUECKZIEHE, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 9. JULI 2014 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Der Flughafen

Der Flug, den Kola Oroshi gebucht hatte, hat am Basler Flughafen nie existiert.  Bild: KEYSTONE

Gefälschte Tickets: Dubiose Flug-Anbieter zocken Schweiz-Kosovaren ab

Zahlreiche Schweizer mit kosovarischen Wurzeln konnten die Reise in die Heimat diesen Sommer nicht wie geplant antreten. Sie waren Betrügern aufgesessen, die ihnen gefälschte Flugtickets verkauft haben. Die Basler Staatsanwaltschaft spricht von mehreren hundert Betroffenen.



Rund 170'000 Kosovo-Albaner sind in der Schweiz zuhause. Im Sommer reisen viele von ihnen in die Heimat zurück, um Freunde und Verwandte zu besuchen. So auch Oroshi Kola, Maschinenführer aus dem Kanton Luzern. Dieses Jahr kam die Reise den Familienvater allerdings teuer zu stehen: Eine betrügerische Reiseagentur knöpfte ihm 2000 Franken ab.

Das Angebot der «Prishtina Airlines» erreichte Oroshi per SMS: Vier Flüge von Basel nach Pristina zum «Familienpreis» von 500 Franken pro Ticket. Oroshi schlug sofort zu: Er buchte Flüge für die ganze Familie, überwies das Geld auf ein Schweizer Bankkonto und bekam die gewünschten E-Tickets postwendend zugeschickt.

Bild

Mit solchen SMS werben die Betrüger ihre Opfer an.

Am Tag vor Antritt der Reise dann der Schock: Das Reisebüro liess ihn wissen, die Flüge seien kurzfristig annulliert worden. Oroshi, misstrauisch geworden, rief beim Euroairport in Basel an. Dort teilte man ihm mit, Flüge mit der entsprechenden Flugnummer hätten nie existiert. «Meine Familie war am Boden zerstört. Wir befürchteten schon, die Reise absagen zu müssen», so Oroshi.

«Inzwischen habe ich in der Maschine nach Pristina rund 30 Personen getroffen, denen dasselbe widerfahren ist.»

Kola Oroshi, Kosovare aus dem Kanton Luzern

Schliesslich kaufte der Familienvater bei einem etablierten Anbieter neue Tickets – für weitere 2800 Franken. Insgesamt wendete er also fast 5000 Franken für die Reise in den Kosovo auf. Das Geld, das er «Prishtina Airlines» überwiesen hat, sieht er wohl nie wieder. «Inzwischen habe ich in der Maschine nach Pristina rund 30 Personen getroffen, denen dasselbe widerfahren ist», sagt Oroshi.

In der Branche ist das Problem hinlänglich bekannt. «Wir hatten dieses Jahr schon 300 Kunden, die dringend ein neues Ticket brauchten, weil sie Betrügern auf den Leim gegangen waren», sagt Shpend Ibrahimi, Sprecher des bekannten Anbieters Air Prishtina, der Reisen in den Kosovo und nach Mazedonien organisiert. «Jedes Jahr tauchen neue dubiose Agenturen auf, die unter immer neuen Namen günstige Flüge nach Kosovo anbieten.»

«Jedes Jahr tauchen neue dubiose Agenturen auf, die unter immer neuen Namen günstige Flüge nach Kosovo anbieten.»

Shpend Ibrahimi, Sprecher von Air Prishtina

Die betrügerischen Firmen operieren dabei mit Namen, die jenem der etablierten Firmen zum Verwechseln ähnlich sind. «So ziehen sie unseren guten Ruf in den Dreck», ärgert sich Ibrahimi. Weil die Agenturen ihren Sitz im Ausland haben und meist nur für kurze Zeit existieren, sei es beinahe unmöglich, gegen sie vorzugehen. «Wir haben auch schon versucht, bei den Providern der Schweizer Telefonnummern zu intervenieren – aber leider vergebens.»

Tatsächlich hat auch die Agentur «Prishtina Airlines», bei der Familienvater Oroshi seine Tickets gekauft hat, eine Schweizer Telefonnummer. Die Website, auf der in fehlerhaftem Deutsch für Flüge von Basel, Stuttgart oder München nach Pristina geworben wird, existiert erst seit diesem Jahr. Auf eine Anfrage von watson reagierte das Unternehmen nicht.

Bild

Screenshot der dubiosen Webseite.

«In den vergangen Jahren gab es schon mehrere Anzeigen mit mehreren hundert Betroffenen.»

René Gsell, Staatsanwaltschaft Basel-Stadt

Den Strafverfolgern ist das Problem bekannt. Allein bei der Basler Staatsanwaltschaft sind in den letzten Jahren «mehrere Anzeigen mit mehreren hundert Betroffenen» eingegangen, wie Kriminalkommissär René Gsell auf Anfrage sagt. Auch im Kanton Zürich kommt es laut Polizeisprecherin Carmen Surber immer wieder zu Anzeigen, «nicht nur im Zusammenhang mit kosovarischen, sondern auch mit anderweitigen Reisebüros».

Um gegen die mutmasslichen Betrüger im Ausland vorzugehen, sei ein Rechtshilfeersuchen nötig, so Surber. Weil die Verkäufe online abgewickelt würden, sei es aber «nicht einfach», die Täter und insbesondere die Drahtzieher zu ermitteln. 

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) betreibt ein Meldeformular für Cyberkriminalität. Auch dort gingen schon entsprechende Meldungen ein. Sprecherin Lulzana Musliu rät Reisenden, beim Ferien-Buchen im Internet Vorsicht walten zu lassen. «Hilfreich kann es etwa sein, auf die Aufmachung der Websites zu achten.» Wer merke, dass er Opfer eines Betrugs geworden ist, solle zudem zwingend Anzeige erstatten. Zuständig sind in diesen Fällen die Kantonspolizeien.

Wegen diesen 9 Typen gehst du lieber alleine in die Ferien

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Video: watson/SDA SRF

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 28.07.2017 16:10
    Highlight Highlight Wird interessant sein, zu erfahren, wer da dahintersteckt.

    Hoffentlich nicht solche, welche die eigenen Landsleute abzocken 🤔!
    • Mia_san_mia 29.07.2017 02:44
      Highlight Highlight Sicher sind das solche, die eigene Landsleute abzocken 😊
  • h0nd 28.07.2017 15:13
    Highlight Highlight Erhalte diese SMS auch immer wieder. Verstehe sie zwar nicht, aber wirkt auch so nicht vertrauenswürdig.
  • My Senf 28.07.2017 12:20
    Highlight Highlight Aufmachung der Website! Die wurden per SMS angefragt! Man sollte sich fragen woher die Nummer haben...
    Tja Landsleute ausnehmen ist immer am einfachsten!
  • Alterssturheit 28.07.2017 09:43
    Highlight Highlight Also mein Erbarmen hält sich sehr in Grenzen. Wer heute noch Flugtickets (oder andere Angebote) via SMS oder anderweitig dubiosen Quellen kauft ist wirklich selber schuld. Es gibt vermutlich für fast alles seriöse und offizielle Quellen, in der Regel teurer, dafür wird man aber auch nicht beschissen.
    • Mia_san_mia 28.07.2017 09:52
      Highlight Highlight So ist es, ich lösche diese SMS sofort :-)
    • Beny 28.07.2017 11:04
      Highlight Highlight Es gibt eben auch viele ältere Menschen die das nicht durchschauen. Sie sehen die Nummer, sehen die Homepage und denken es ist alles gut.
    • Mia_san_mia 28.07.2017 12:44
      Highlight Highlight Ja so ist es leider... Einfach eine Riesenabzocke!
  • LordEdgar 28.07.2017 09:41
    Highlight Highlight Mal ganz abgesehen davon, dass 500 CHF für einen Retour-Flug nach Pristina wirklich kein Schnäppchen sind. Mit etwas Geduld und Geschick kriegt man einen Flug ab Zürich für unter 200 CHF.
    • loplop717 28.07.2017 10:11
      Highlight Highlight Es gibt flüge nach amerika für 500chf. Verstehe auch nicht was die gedacht haben das das ein schnäppchen sei.
    • goschi 28.07.2017 10:41
      Highlight Highlight Der Unterschied ist die anzahl Flüge auf diesen Routen, die Konkurrenz und die Sicherheitssituation.
      Flüge zu Nischen-Zielen sind immer ungleich teurer.
    • Amboss 28.07.2017 10:41
      Highlight Highlight Naja, 250 CHF pro Weg ist jetzt so wahnsinnig viel. Immerhin ist jetzt Hochsaison, viele Familien gehen zu Verwandten in den Schul-Sommerferien.
      Such mal Flüge zu Destinationen, die weit entfernt sind und auch ein bisschen "exotischer" als zB Berlin oder Wien.
      Sagen wir Prag oder Budapest. Da bist du schnell auch bei diesem Preis.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mia_san_mia 28.07.2017 09:37
    Highlight Highlight Jaja von denen bekomme ich auch immer wieder SMS mit Flugangeboten...
    • AJACIED 28.07.2017 11:18
      Highlight Highlight Wirklich? Also wer heute noch per SMS ( als Firma ) schickt der ist schon ein Riesen Amateur. Die die das noch glauben und kaufen noch grössere Amateure 🙈
    • Mia_san_mia 28.07.2017 12:47
      Highlight Highlight Ja es ist wirklich unglaublich... Ich verstehe auch nicht wie die meine Nummer bekommen... Da ich halb Albaner bin habe ich natürlich einen Albanischen Nachnamen und wies aussieht reicht das schön 😊

Diese Atomlager bedrohen Millionen Menschen und die Umwelt

Egal ob in Russland, den USA, im Pazifik oder im Atlantik: Überall wird Atommüll gelagert. Es gibt jedoch bis heute kein einziges Endlager für hochradioaktive Abfälle. Weltweit. Viel schlimmer noch: Viele dieser provisorischen Stätten sind tickende Zeitbomben für Mensch und Umwelt.

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