DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wie ein Detektiv aus Österreich mit dem Hallwilersee Kasse macht

Der Inhaber eines österreichischen Detektivbüros verdient Geld mit der Webseite www.hallwilersee.ch. Die Freude über die Website hält sich im Aargau in Grenzen.
03.03.2017, 18:1504.03.2017, 15:58
Pascal Meier / az Aargauer Zeitung
Der Hallwilersee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und – zumindest im Internet – auch bei Österreichern sehr beliebt.
Der Hallwilersee ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und – zumindest im Internet – auch bei Österreichern sehr beliebt.
Bild: Pascal Meier/AZ

Der Hallwilersee lockt vor allem im Sommer viele Ausflügler an. Das freut das Team von Seetal Tourismus, das die Region vermarktet. Vom Tourismus profitiert auch die Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH).

Wer im Internetbrowser jedoch die Adresse www.hallwilersee.ch eintippt, landet weder beim Tourismusbüro in Lenzburg noch bei den Hallwilersee-Schiffen. Es taucht eine Seite mit dem Look aus den späten 1990er-Jahren auf. Texte von Wikipedia, Fotos und Werbung sind bunt verstreut.

Jetzt auf

Kunterbunt sind auch die Informationen: Laut der Website hat Seengen 3100 Einwohner (richtig sind etwa 3900). In der Umgebung des Hallwilersees sollen die Gemeinden Bad Zurzach, Büttikon und Aarburg liegen.

Die Seite erinnert an den Look aus den späten 1990er-Jahren. Texte von Wikipedia, Fotos und Werbung sind bunt verstreut.
Die Seite erinnert an den Look aus den späten 1990er-Jahren. Texte von Wikipedia, Fotos und Werbung sind bunt verstreut.

Und: Es gibt spektakuläre Licht- und Lasershows am See. Darauf lassen zumindest eindrückliche Fotos schliessen, die bis vor wenigen Tagen auf der Internetseite zu sehen waren. Unter der Rubrik «Tourismus» taucht zudem prominent Werbung für Ferien in Österreich auf.

Fazit: Die Internetseite mit dem Titel «Hallwilersee Tourismus» ist keine gute Werbung für den Hallwilersee.

Jeden Tag rund 100 Zugriffe

Das Durcheinander hat offensichtlich System. Der Verdacht liegt nah: Möglichst viele Stichwörter wie «Immobilien», «Campingführer» und Namen von Gemeinden sollen Internetnutzer über Suchmaschinen auf die Seite führen. Denn jeder Besucher bringt etwas Geld: Die Internetseite hallwilersee.ch strotzt nur so von Werbung.

Wer steckt hinter der Website? Die Spur führt nach Österreich, genauer in ein Detektivbüro. Dessen Inhaber ist Besitzer von hallwilersee.ch und verantwortlich für den Inhalt. Auf Anfrage sagt er: «Die Internetseite mit rund 100 Besuchern pro Tag ist für mich eine kleine Einnahmequelle.» Die Einnahmen seien nicht hoch, er betreibe aber rund 50 solche Internetseiten, von Seen in Deutschland etwa. «Da kommt über die Jahre schon etwas Geld zusammen.»

«Viele solche Adressen sind in der Hand von Deutschen und Österreichern.»

Wie kam der Detektiv aus Österreich dazu, im Internet ausgerechnet den Hallwilersee zu kaufen? «Ich kenne die Gegend, sie ist schön. Gut möglich, dass ich am Hallwilersee irgendwann ein Ferienhaus kaufe und die Internetadresse dann für mein Haus nutze.»

Ein Verkauf der Seite sei deshalb kein Thema. «Für mich käme höchstens eine Vermietung infrage.» Im Übrigen sei es nicht ungewöhnlich, dass eine Internetseite über eine touristische Gegend in der Schweiz einem Österreicher gehöre. «Viele solche Adressen sind in der Hand von Deutschen und Österreichern.» Das Matterhorn zum Beispiel (matterhorn.ch). «Die Schweizer sind spät auf das Internet aufgesprungen.»

Website sorgt für Erstaunen

Die Internetseite des Hallwilersees hat der Detektiv vor rund zehn Jahren gekauft. Was erstaunt: Weder bei Seetal Tourismus noch bei der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee weiss man von der Seite. «Diese war bei uns noch nie Thema», sagt Ueli Haller, Geschäftsführer der Hallwilerseeschiffe. «Wir wurden vom Betreiber auch noch nie kontaktiert, ob wir die Seite kaufen möchten.» Das Interesse sei grundsätzlich vorhanden.

Nichts von der Internetseite weiss man auch bei Seetal Tourismus – obwohl der Besitzer aus Österreich sagt, dass Seetal Tourismus ihn vor fünf Jahren kontaktiert habe. «Von unserer Seite gab es keine offizielle Anfrage», sagt Geschäftsführer René Bossard. Die Freude über die Website hält sich beim Team von Seetal Tourismus in Grenzen: «Die Seite ist chaotisch und mit Pseudo-Angeboten aus touristischer Sicht eine Gefahr, vor allem weil sie unter dem Namen ‹Hallwilersee Tourismus› läuft.»

Der österreichische Betreiber kann dies teilweise nachvollziehen. «Ich werde den Titel ‹Hallwilersee Tourismus› deshalb streichen, obwohl das Wort ‹Tourismus› nicht geschützt ist.» Seine Seite verstosse jedoch gegen keine Gesetze, er werde diese weiterführen.

Google sorgt für Ordnung

Die Website hallwilersee.ch ist nicht das einzige Angebot im Internet, das Seetal Tourismus in die Quere kam oder immer noch kommt. Vor ein paar Jahren war dies seetal.ch: Jemand hatte die Internetadresse bereits reserviert, als Seetal Tourismus diese registrieren wollte. Das Tourismusbüro wählte stattdessen die Domain seetaltourismus.ch.

«Auch Aargau Tourismus hat das Wort Tourismus in seiner Internetadresse», sagt René Bossard. «Wir sind damit gut aufgestellt und geben uns Mühe, ein gutes Angebot zu bieten.» Über Google sei die Seite auch leicht zu finden. In der Zwischenzeit hat die Luzerner Gemeindeorganisation «Idee Seetal» die Adresse seetal.ch übernommen.

Ähnlich tönt es bei den Hallwilerseeschiffen. «Wer im Internet nach Hallwilersee und Schifffahrt sucht, landet direkt bei uns», sagt SGH-Geschäftsführer Ueli Haller. Tatsächlich ist Google schlau: Wer den Hallwilersee googelt, stösst unter den ersten Links auf die Schifffahrtsgesellschaft und dann auf Seetal Tourismus. Die Website des Detektivs aus Österreich taucht erst auf der zweiten Seite auf. (aargauerzeitung.ch)

11 der schönsten Velo-Ausflüge der Schweiz für Geniesser

1 / 68
11 der schönsten Velo-Ausflüge der Schweiz für Geniesser
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Externer Bericht prophezeit im schlimmsten Fall Stromlücke ab 2025

Falls nicht mindestens auf technischer Ebene Fortschritte erzielt werden, dürfte die Schweiz aufgrund des fehlenden Stromabkommens mit der EU ab 2025 ein erhebliches Problem bei der Versorgungssicherheit bekommen, vor allem im Winter.

Das zeigt eines von drei Szenarien eines externen Berichtes zur Versorgungssicherheit, den der Bundesrat am Mittwoch zur Kenntnis genommen hat. Die Szenarien untersuchen die Netz- und Versorgungssicherheit im Jahr 2025.

Ab Ende des Jahre 2025 müssen die …

Artikel lesen
Link zum Artikel