Schweiz
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Chocolat Frey bangt um Prestige-Auftrag der Swiss – 238 Tonnen stehen auf dem Spiel

Bisher hat die Migros-Tochter Chocolat Frey die Swiss-Schokolade produziert. Das könnte sich ändern.

Benjamin Weinmann / Nordwestschweiz



Sie sind das kleine Etwas, das die Swiss auszeichnet: Die rot-weiss verpackten Schokoladentäfelchen, welche die Flight Attendants vor der Landung den Passagieren verteilen. Pro Jahr sind es 17 Millionen Stück à 14 Gramm. In den letzten zweieinhalb Jahren produzierte die Migros-Tochter Chocolat Frey die Täfelchen. Sie erhielt 2014 den Auftrag mit dem Zückerchen, dass sie ihr Logo auf der Rückseite der Schoggi platzieren durfte. Diese prominente Platzierung ist werbemässig Gold wert, kommen doch viele Touristen auf einem Swiss-Flug zum ersten Mal in Berührung mit Schweizer Schokolade.

Die Herstellung der Board-Schokolade:

Video: © Youtube/Swiss International Air Lines

Im Gegenzug dürfte die Swiss einen saftigen Lieferrabatt kassiert haben. Brancheninsider schätzen das Auftragsvolumen auf 1.5 bis 2 Millionen Franken. Pro Täfelchen ergibt dies einen Stückpreis von maximal 18 Rappen. Die Swiss gibt sich diesbezüglich bedeckt.

Nun dürfen andere Hersteller hoffen. Wie der Chef eines bekannten Schokoladenkonzerns gegenüber der «Nordwestschweiz» sagt, sucht die Swiss für die Produktion ab 2018 zurzeit einen neuen Hersteller. Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek bestätigt diese Information. Man habe den Auftrag neu ausgeschrieben, da man die Produkte alle zwei bis drei Jahre überprüft und einer Qualitätskontrolle unterziehe.

Noch wehen sie, die Flaggen der Chocolat Frey:

Fahnen mit dem Logo der Chocolat Frey AG flattern im Wind vor dem Fabrikationsgebaeude in Buchs (AG), am Freitag, 31. August 2012. Anlaesslich des diesjaehrigen 125-Jahr-Jubilaeums laedt Chocolat Frey zum Tag der offenen Tuer ein. Chocolat Frey AG, die nummer 1 im schweizer Schokoladenmarkt, gehoert zu 100 Prozent zur Migros-Gemeinschaft. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Bild: KEYSTONE

Ein süsser Deal

«Wir werden mitbieten – so wie jede andere namhafte Schokoladenfirma auch», sagt der Chef der Firma, der nicht genannt werden möchte. «Verdienen kann man bei diesem Auftrag nichts, aber es geht ums Prestige. Es ist eine einmalige Gelegenheit, sich 17 Millionen potenziellen Kunden zu präsentieren.» Lindt, Läderach, Maestrani und wie die Schokoladenproduzenten alle heissen, dürften somit am Start sein und mitbieten.

Frey-Sprecherin Pascale Buschacher bestätigt, dass man sich um eine Erneuerung des Vertrags bemühen werde, der im Frühling 2018 ausläuft. Schon jetzt zieht sie aber ein positives Fazit: «Der Auftrag hat sich gelohnt.» Er sei mengenmässig interessant und nicht zuletzt ein positiver Image-Faktor.»

Ob gewisse Bewerber bereits aussondiert wurden, verrät Swiss-Sprecherin Ptassek nicht. Sie betont aber, dass nur heimische Produzenten an der Ausschreibung teilnehmen können. Tatsächlich ist die Tochtergesellschaft der deutschen Lufthansa bemüht, gegen aussen das Swissness-Bild zu pflegen. Erst im Frühling hatte Swiss-Chef Thomas Klühr gesagt, dass rund 70 Prozent der Beschäftigten Schweizer sein sollten. Diese Richtzahl würde in allen Bereichen der Firma gelten.

Luxus-Kunden naschen Sprüngli und Lindt

Ausschlaggebend dafür, wer in den kommenden Monaten den Zuschlag erhält, seien wirtschaftliche Aspekte und die Qualität der eingereichten Schokolade, sagt Swiss-Sprecherin Ptassek. Chocolat Frey hatte sich 2014 denn auch nicht nur mit dem Preisangebot durchgesetzt, sondern auch qualitativ nach entsprechenden Blindtests bei Swiss-Mitarbeitenden. Vor der Migros-Tochter war es der Schokladenkonzern Barry Callebaut, der die Täfelchen zusammen mit der Luzerner Confiserie Hug produziert hatte.

Die klassische Swiss-Bordschokolade wird nur in der Economy-Klasse verteilt. Weiter vorn im Flugzeug, in der Business-Class, kommt teurere Schokolade zum Zug, solche aus dem Hause Lindt. Und ganz vorne in der First Class kommen die Luxus-Kunden in den Genuss von Pralinés der Confiserie Sprüngli. Im Bordverkauf werden diverse Markenschokoladen angeboten.

Am Hauptsitz in Zürich-Kloten wiederum können sich die Mitarbeitenden mit Ragusa-Schokoladewürfeln verköstigen, ebenfalls verpackt in Swiss-Farben.

Der Marktführer aus dem Aargau

Chocolat Frey mit Hauptsitz in Buchs AG ist laut dem Branchenverband Chocosuisse seit mehreren Jahren Marktführer in der Schweiz. Mehr als jeder dritte Schoggi-Franken landet demnach bei der Migros-Industrietochter. Im vergangenen Jahr haben die rund 2200 Mitarbeitenden den Umsatz um 2.5 Prozent auf knapp über eine Milliarde Franken steigern können. 28 Prozent der Produktion wird exportiert. Vor vier Jahren wurde in Buchs ein Besucherzentrum eröffnet.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ein Freigeist 07.08.2017 13:58
    Highlight Highlight M-Budget Schoggi mit Swiss Logo drauf - das wär doch was (Ironie aus)
  • ch-freak 04.08.2017 16:31
    Highlight Highlight "Tatsächlich ist die Tochtergesellschaft der deutschen Lufthansa bemüht, gegen aussen das Swissness-Bild zu pflegen."
    Aber der Rotwein kommt aus Frankreich.... naja SWISS!
  • Guetzli 04.08.2017 09:24
    Highlight Highlight "Sie sind das kleine Etwas, das die Swiss auszeichnet"
    Tja, das ist auch das EINZIGSTE was die Swiss auszeichnet - Freu mich schon auf die Blitzen :)
    • goldmandli 04.08.2017 12:58
      Highlight Highlight Die Blitze gibts wohl eher für den Gebrauch des Wortes "einzigste".
    • Guetzli 04.08.2017 15:07
      Highlight Highlight @goldmandli - Glaube kaum, dass so viele wissen, dass es das Wort 'Einzigste' nicht gibt ;)
  • N. Y. P. D. 04.08.2017 09:04
    Highlight Highlight Das Vorgehen ist in Ordnung, da die Swiss die Ausschreibung im Inland vornimmt. Sie setzt also weiterhin auf Schweizer Schokolade.
  • Jein 04.08.2017 08:46
    Highlight Highlight Hoffentlich steigen sie auf Lindt oder Cailler um. Ich mag Frey überhaupt nicht, irgendwie find ich den Geschmack zu künstlich.
    • öpfeli 04.08.2017 09:02
      Highlight Highlight Bitte nicht Cailler und damit Nestle das Konto noch mehr füllen.
      Lindt macht schon genug Umsatz.
      Es gibt sicherlich sehr feine Schokolade eines weniger bekannten (oder reichen) Herstellers, welcher den Deal seines Lebens machen könnte.
    • Jein 04.08.2017 09:56
      Highlight Highlight Da hab ich wohl grad die Gefühle einiger Migros-Kinder beleidigt, sorry 😂

      Gut, wenn man so argumentiert müsste auch nicht Frey den Auftrag bekommen, sondern irgendein kleinerer Produzent.
    • öpfeli 04.08.2017 11:05
      Highlight Highlight Wer weiss 😁

      Das ist so, ich bin für kleinere Unternehmen ❤
    Weitere Antworten anzeigen
  • Theor 04.08.2017 07:58
    Highlight Highlight Bin letztens mit der Swiss geflogen. Ging zwar nur nach Wien, aber da gabs bereits zu meiner Verwunderung kein "Schögeli" an Board. Habe mich da schon gefragt, ob Swiss diese Verpflegungspolitik geändert hat.
    • Chääschueche 04.08.2017 14:32
      Highlight Highlight Ich bin schon lange keine Kurzstrecke mehr geflogen. Gab es auf den Kurzstrecken den jemals auch Schoggi?

      Und falls ja, hast du gefragt wieso es keine gibt?
    • Theor 04.08.2017 15:59
      Highlight Highlight Ich bin der Meinung, dass es früher mal welche gab, da ich eigentlich selten weit weg fliege und trotzdem mich an verteilte Schokolade erinnern konnte, aber ich bin auch schon ein paar Jahre nicht mehr diese Strecke geflogen. Also kann ich mich auch irren.
    • Brummbaer76 04.08.2017 16:25
      Highlight Highlight Ja auf der Kurzstrecke gibts auch Schoggi. Vielleicht sind sie ausgegangen oder was weiss ich. Grundsätzlich gibts die in jedem Swiss Flug.

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