Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUR GESETZESWIDRIGEN GEWINN KLEINSCHREIBUNG DER POSTAUTO SCHWEIZ AG UND DEM UMGEHENDEN RUECKTRITT VON DANIEL LANDOLF, LEITER POSTAUTO AG, STELLEN WIR IHNEN HEUTE, 6. FEBRUAR 2018, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Postautos auf dem Postautodeck im Bahnhof in Chur, am Freitag, 24. Januar 2014. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Die Postauto AG hat gesetzeswidrig Gewinne eingefahren.  Bild: KEYSTONE

So trickste die Post bei den Subventionen

Post-Chefin Susanne Ruoff entschuldigt sich, dass die Postauto AG über Jahre öffentliche Gelder missbraucht hat.

roger braun / Aargauer Zeitung



So etwas hat es beim Bundesamt für Verkehr noch nie gegeben. «Ich bin zutiefst enttäuscht, wozu falsches Gewinndenken bei der Postauto AG geführt hat», sagte BAV-Direktor Peter Füglistaler gestern an einer Medienkonferenz. Gemäss einer Untersuchung des Bundesamts hat die Tochter der Post in den Jahren 2007 bis 2015 rund 78 Millionen Franken der Steuerzahler für andere Zwecke verwendet als gesetzlich vorgesehen.

Gewinne verschleiert

Die Postauto AG erhält jährlich etwa 350 Millionen Franken von Bund und Kantonen, um die Regionen an die Fernverkehrslinien anzuschliessen. Ein rentabler Betrieb dieser Linien ist unmöglich, deshalb fliessen Subventionen. Diese Gelder sind zwingend für den öffentlichen Regionalverkehr einzusetzen; nur ein kleiner Profit darf abgeschöpft werden. Erzielt die Postauto AG mit einer bestimmten Linie einen Gewinn, sinkt bei der nächsten Ausschreibung die Abgeltung – da die Linie offensichtlich mit weniger Geld kostendeckend zu betreiben ist. Und genau hier hat die Postauto AG getrickst.

«Ich bin masslos enttäuscht von der Postauto AG.»

Hans Peter Wessels

Gegenüber Bund und Kantonen erweckte sie den Eindruck, dass sie kaum profitabel sei. In der Realität jedoch warfen die regionalen Linien namhafte Gewinne ab. Diese wurden gegenüber der Aufsichtsbehörde verschleiert, indem sie in andere Unternehmenseinheiten verschoben wurden. Zum Beispiel wurden dem subventionierten Regionalverkehr betriebsintern überhöhte Treibstoffpreise oder Personalkosten verrechnet, um den Gewinn schrumpfen zu lassen. Damit haben die Postautos auf Kosten der Steuerzahler jahrelang missbräuchlich Gewinne eingefahren. Als die Bundesbeamten erste Indizien für das Fehlverhalten hatten, weigerte sich die Postauto AG zunächst, die Geschäftsakten auszuhändigen. Erst nach mehrmaligen Interventionen des Bundesamts erhielten sie die Berichte.

Susanne Ruoff, Konzernleiterin der Schweizerischen Post AG, aeussert sich an einer Medienkonferenz zur Pruefung der ordentlichen Revisionstaetigkeit der subventionsrechtlichen Rechnungsbelegung der PostAuto Schweiz AG, am Dienstag, 6. Februar 2018, in Bern. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) geht gegen die Post-Tochter Postauto vor. Es hat die Rechnungslegung der Firma geprüft. Dabei zeigte sich, dass die Post-Tochter zwischen 2007 und 2015 zu hohe Gewinne im abgeltungsberechtigten Busverkehr erzielt und in andere Geschäftsfelder umgebucht hat. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Post-Chefin Susanne Ruoff.  Bild: KEYSTONE

Die Post zeigte sich gestern reuig. An einer Medienkonferenz im Anschluss drückte Post-Konzernchefin Susanne Ruoff ihr Bedauern über die rechtswidrige Verwendung der öffentlichen Gelder aus. Sie versprach, dass die Post alles unternehmen werde, um die Vorgänge lückenlos aufzuklären. Eine interne Untersuchung sei im Gang. Den Behörden sicherte Ruoff vollkommene Kooperation zu. Bereits entschieden hat die Post, die missbräuchlich bezogenen 78 Millionen Franken an Bund und Kantone zurückzuzahlen. Der Leiter sowie der Finanzchef der Postauto AG müssen zudem das Unternehmen per sofort verlassen.

Die Postchefin versprach weiter, die Art der Verrechnungen zu überdenken, nachdem das Bundesamt das neue Modell beanstandet hatte. Ruoff sagte, sie habe erst im November 2017 von den Vorwürfen erfahren und danach vollkommene Transparenz geschaffen – etwas, was ihr auch das Bundesamt zubilligt. Ansonsten gab sie sich wortkarg. Wieso ist der Postkonzern nicht selbst auf die Verfehlungen gestossen? Ist die Führung der Postauto AG durch Boni zu den Bilanztricks animiert worden? Wie viele Leute waren in die Tricksereien involviert? Auf diese Fragen hatte Ruoff keine Antwort. Sie verwies einzig auf die Untersuchung, die bis Mitte Jahr abgeschlossen sein soll.

Weitere Rückzahlungen absehbar

Neben dem Bund erwarten auch die Kantone Antworten. Sie tragen nicht nur die Hälfte der Subventionen für den Regionalverkehr, sondern unterstützen auch den Ortsverkehr. «Ich bin masslos enttäuscht von der Postauto AG», sagt der Präsident der kantonalen Direktoren für den öffentlichen Verkehr, Hans-Peter Wessels. Der Basler Regierungsrat erwartet eine «rigorose Aufklärung» der Vorgänge.

«Die Postauto AG muss die zu Unrecht bezogenen Subventionen den betroffenen Kantonen und Gemeinden anstandslos und rasch zurückerstatten.» Insgesamt erhält die Postauto AG etwa 30 Millionen Franken für den Ortsverkehr. Geht man davon aus, dass dieser im selben Ausmass von der Trickserei betroffen ist, werden für die Post weitere 6 Millionen fällig. Enttäuscht ist auch die Präsidentin der Verkehrskommission. «Ich erwarte von der Post, dass sie ihrer Verantwortung als Bundesbetrieb auch bei ihren Töchtern nachkommt», sagt SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher (TG). Auf dem Spiel stehe der Ruf der Post. Im März werde die Kommission die Bilanztricks der Post kritisch durchleuchten.

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

BAG-Kuster tritt zurück

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Moudi 07.02.2018 10:09
    Highlight Highlight 3% Gewinnvorgaben! Ja die Frauen Ruoff und Leuthard wussten von nichts!! Genau, wir sind ja so doof! Die 2 Bauernopfer landolf Kunz haben "nur" die Konzern Vorgaben umgesetzt!
    Noch was: mann kennt schon die Höhe was zurück gezahlt werden muss ca. 80mio.. hmm aber es wurden noch nicht Mal alle Unterlagen Untersucht (Jahre) da kommt noch was auf die Damen zu! Hoffentlich!
  • Scaros_2 07.02.2018 08:35
    Highlight Highlight Naja wer erstaunt es. Wenn man interne Vorschriften von angeblich 3% gewinn hat jedoch offiziell gar kein Gewinn machen darf......wer erstaunt es da das man trickst.

    Für mich gehört die Postchefin ebenfalls weg.
  • Zap Brannigan 07.02.2018 07:49
    Highlight Highlight Ein Staatsbetrieb bescheisst den Staat bei Subventionen. Und kreative Buchführung mit überhöhten Kosten zur Verschleierung von Gewinnen. Sprich ungetreue Geschäftsführung und Bilanzfälschung. Die Revisoren scheinen bei der Postausgang AG auch nicht genau hinzuschauen. Und natürlich hat niemand etwas gewusst und alle sind ganz überrascht.
    Ein kleiner Buchhalter kann nicht intern einfach so überhöhte Personal- und Treibstoffkosten abrechnen. Sowas geht nicht ohne diverse Mitwisser im Controlling, der GL und der Revision.
    • Simonetta 07.02.2018 09:23
      Highlight Highlight Im Prinzip ja, aber es könnten auch Vollidioten statt Mitwisser gewesen sein.

      Jedenfalls werden viele der Mitwisser sich lieber als Vollidioten darstellen, denn als Mitwisser.
    • TheBean 07.02.2018 10:36
      Highlight Highlight Postausgang AG: Autokorrektur oder extra? :D
    • Mietzekatze 07.02.2018 13:54
      Highlight Highlight Der Buchhalter hätte wohl auch am allerwenigsten in der Kette etwas vom manipulieren der Ausgaben...
  • ujay 07.02.2018 06:58
    Highlight Highlight Ich denke, im Subventionswesen gibt es noch vielem nachzugehen. Kriminelle Energie, Bilanztricks und betrügerisches Verhalten im obersten Kader der Post; da sollten den Verantwortlichen in der Subventionsvergabe ein Licht aufgehen.
  • G. Nötzli 07.02.2018 06:52
    Highlight Highlight Das ist schlicht und einfach Betrug.

    Was sich da bloss der CFO gedacht hat…
    • Einstürzende_Altbauten * 07.02.2018 09:07
      Highlight Highlight Er hat sich wohl gedacht, er machen einen super Job.

      Nun hat er keinen mehr.

      Ich hoffe, es gab nicht mal einen bronzenen Fallschirm.

  • Roro Hobbyrocker 07.02.2018 06:48
    Highlight Highlight Sehe ich dass richtig, ein im Bund gehörender Betrieb hat dem Bund und den Kantonen ein paar Millionen abgerungen.
    Da diese Sparte „Postauto“ vermutlich noch unglaubliche 3% Gewinn gemacht hat, wird man wahrscheinlich den Verantwortlichen noch eine Prämie gegeben haben. Um dies zu vertuschen wollte man, dann einfach die Unterlagen, wo dies Beweist, nicht aushändigen (wie ein Kind welches man beim Stehlen erwischt hat).
    Nun ehrlich ich finde diese Geschäftpraktik sehr bedenklich und hoffe die Politik macht noch ein bisschen mehr Druck.

Interview

WEF-Chef Schwab: «Wenn wir nichts unternehmen, kommen die Veränderungen durch Gewalt»

Die Corona-Krise zeigt: Wir müssen den globalen Kapitalismus neu definieren, sagt Klaus Schwab, Chef des WEFs. Sonst komme die Veränderung mit Gewalt.

Seit Anfang des Jahres arbeitet Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums WEF, im Homeoffice. Noch nie habe er so viele Menschen getroffen wie in den vergangenen Monaten – aber eben nur virtuell, erzählt der 82-Jährige am Telefon.

Seit 50 Jahren lädt er Regierungschefs, Majestäten, Vorstandsvorsitzende, Menschenrechtler und Umweltaktivisten nach Davos, um sie ins Gespräch zu bringen. Im Januar 2021 wird es coronabedingt nur ein virtuelles Treffen geben. Das eigentliche Forum wurde auf …

Artikel lesen
Link zum Artikel