Schweiz
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Odysseus treibt orientierungslos auf dem Meer umher. bild: peter connolly, die welt des odysseus

Kommentar

Verloren auf dem Meer des Unwissens: Rettet den Geschichtsunterricht!

«Alles in der Welt wird durch die Geschichte gerechtfertigt», sagte der russische Schriftsteller Tschechow. Ich glaube, er hat recht. Und genau darum ist sie so unendlich wichtig.



Wir hatten da so ein Buch zuhause rumliegen. Eins über die Abenteuer des Odysseus. Ich habe es mit etwa sieben Jahren in die Finger gekriegt – inzwischen ist es ganz abgegriffen, Schokoflecken zieren das Trojanische Pferd, und als ich es heute wieder aufschlug, fielen ein paar Krümel eines wohl 24-jährigen Brotes heraus.

Mit den Bildern und Erzählungen dieses Buches begann ich mich in die Geschichte zu verlieben – und dieser Zustand hält bis heute an.

Der Zyklop Polyphem wird von Odysseus geblendet. bild: peter connolly, die welt des odysseus

Die alten Griechen unterschieden nicht zwischen Geschichte, also tatsächlich geschehenen Dingen, und dem Mythos. Eins ging ins andere über. So lesen wir bei Herodot, dass die im 5. vorchristlichen Jahrhundert ausgetragenen Perserkriege (Der Film «300» und so!) eigentlich bereits mit den mythologischen Frauenrauben begonnen hätten. Und als dann Paris die schöne Helena dem spartanischen König Menelaos entriss und nach Troja brachte, war dieser «Besitzverlust» Grund genug, sich an den Trojanern mit einem unerbittlichen Krieg zu rächen.

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Der griechische Held Achilles schleift die Leiche seines besiegten Feindes Hektor um die Mauern Trojas. bild: peter connolly, die welt des odysseus

Auch historische Anekdoten sind oft Mythen, winzige, detailverliebte Geschichten innerhalb der Geschichte. Und auch sie sind schuld an meiner ungebrochenen Geschichtsvernarrtheit.

Mein Vater, damals selbst Lehrer, sass unten in der Garage, wohin er zum Pfeifenrauchen verbannt wurde. Ich setzte mich zu ihm und lauschte seinen Erzählungen über Napoleon, dieses «militärische Genie, das bei Waterloo nur Pech hatte (Marschall Grouchy war schuld), der Erschaffer des genialen Code civil, dieser geistig unglaublich bewegliche Mensch, der nebst all seinen Eroberungszügen stets noch seine Geschwister, allen voran seine Mutter, zufriedenstellen musste.»

«Weisst du, dieser clevere Korse zwang den Papst, bei seiner Krönung dabei zu sein. Er wollte den sakralen Segen, aber keinerlei Abhängigkeit von der Kirche. Als dann der Pontifex aus seiner Kutsche stieg, an der Stelle, wo Napoleon es befohlen hatte, stand er kniehoch im Schlamm. Der Papst in seinen feierlichen Gewändern im Dreck! Welch Demütigung!» 

Mein Vater lachte selig.

Nur 15 Jahre nach der Revolution feiert Frankreich seinen neuen Herrscher von Gottes Gnaden: Die Krönung Napoleons in der Notre Dame in Paris 1804. Napoleon (mit Lorbeerkranz) ist dabei, seine Frau Joséphine zu krönen, während Papst Pius VII. (sitzend), aus dessen Händen Napoleon kurz zuvor die Krone riss, die Zeremonie segnet. Gemälde von Jacques-Louis David. bild: wikimedia

Ziemlich sicher ist diese Anekdote fiktiv. Vielleicht hat sie mein Vater irgendwo gelesen. Oder er hat sie selbst erfunden. Jedenfalls entbehrt sie dessen, was wir so hochtrabend Wahrheit nennen. Aber ist das überhaupt von Belang? Drückt die Geschichte am Ende nicht genau das Napoleonische am Wesen dieses Mannes aus? Erzählt sie nicht von einem ziemlich selbstgefälligen Machtmenschen, der mit seiner Schlammaktion den Papst und damit die gesamte Kirche zusätzlich demütigen wollte?

Wo hört die Wahrheit auf und wo beginnt die Erfindung? Und gibt es Wahrheit in der Fiktion? 

«Oft wird ein ganzer Mensch durch eine einzige Handbewegung, ein ganzes Ereignis durch ein einziges Detail schärfer, einprägsamer, wesentlicher charakterisiert als durch die ausführlichste Schilderung.»

Egon Friedell, österreichischer Kulturphilosoph  

Das Bild, mit dem Napoleon Jaques-Louis David beauftragte, ist ebenso vollgemalt mit kleinen Lügen. Die Mutter, im Bild in der Mitte der untersten Zuschauerloge zu sehen, scheint der Zeremonie vorzusitzen. In Wirklichkeit war sie gar nicht anwesend. Sie wollte keine Krönung. Doch sicher wollte Napoleon sie dabei haben.

Selbst die Marmorsäulen im Chorsaal der Notre Dame standen nicht derart tadellos im Raum, wie sie das im Bild tun. Sie waren beschädigt, von Rissen und Bruchlinien übersät. 

Geschichte erfordert einen stets wachsamen, kritischen Kopf, mit dem man gegen solche Fassaden anrennen muss bis sie bröckeln. Und irgendwo im Schutt findet man dann auch ein paar Bruchstücke der Wahrheit. 

Jungen Menschen eine solche Denkfähigkeit beizubringen, liegt in der Verantwortung der Geschichtslehrer. In jüngster Zeit werden allerdings Stimmen laut, die über den «regelrechten Niedergang des Schulfachs» klagen. Mario Andreotti, der 30 Jahre an Kantonsschulen in St.Gallen und Uri unterrichtet hat, gehört dazu. Und auch Caspar Hirschi, Professor für Allgemeine Geschichte an der Uni St.Gallen, findet den geringen Wissensstand von Studenten prekär:

«Ich bin schon froh, wenn alle Studenten wissen, dass die Reformation vor der Französischen Revolution stattgefunden hat.»

Caspar Hirschi, Professor für Allgemeine Geschichte an der Uni St.Gallen in der «NZZ»

Wo wir grad beim Thema sind ...

bild: quickmeme

Was ist in unseren Schulen los?

Vom Bewundern zum Hinterfragen

Im 20. Jahrhundert riss man keine trügerischen Fassaden herunter, um historische Wahrheiten aufzuspüren. Vielmehr baute man sie auf. Der Geschichtsunterricht der Volksschule war vorrangig dazu da, aus den Schülern patriotische Bürger zu formen und die nationale Identität zu stärken. Es wurde nichts hinterfragt, es wurde vor allem bewundert. Da waren die glänzenden Schlachten der Vorfahren, die sagenhafte Gründung der Eidgenossenschaft, all die heroischen Taten, die zur Entstehung der Schweiz geführt hatten. Die Willensnation brauchte einen gemeinsamen Wertehorizont, ganz besonders in Zeiten der Geistigen Landesverteidigung. 

«Das Fach Geschichte war lange in erster Linie ein Gesinnungsfach.»

Peter Gautschi, Professor für Geschichte und Geschichtsdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Luzern gegenüber der «Zeit»

Karl Jauslin, «Schlacht am Morgarten». Bild: morgarten2015.ch

Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren. Der schweizerische Geschichtsunterricht hat sich Europa geöffnet, interessiert sich für die ganze Welt und ihre Vergangenheit. Er muss keine staatspolitische Aufgabe mehr erfüllen. «Doch mit dem Rückzug des traditionalistischen Unterrichts verliert die Geschichte in der Schule an Gewicht», schreibt Urs Hafner in der «NZZ».

Vom Hinterfragen zur Oberflächlichkeit

Ein schleichender Stundenabbau des Fachs in Schweizer Volksschulen macht sich tatsächlich bemerkbar, wie eine Nationalfondstudie der Erziehungswissenschafterin Karin Manz zeigt. Und nicht nur das. Geschichte wird in den meisten Kantonen seit zehn Jahren mit anderen Fächern wie Geographie zusammengeworfen. Im Lehrplan 21 heisst das neue Sammelfach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» – und meint damit so gut wie alles. Wie aber soll man den Sekundarschülern alles beibringen, wo der kantonale Schnitt für dieses «Konglomeratsmonstrum» bei drei Stunden pro Woche liegt?

Wir haben also zeitliche Einsparungen auf der einen und hehre Ziele auf der anderen Seite. Das Zauberwort des Lehrplans 21 lautet «Kompetenzen». Es werden nicht mehr länger die Inhalte formuliert, die die Lehrer zu vermitteln haben, sondern was die Schüler am Ende wissen und können sollen. Im Pädagogenjargon klingt das so:

«Wissen als Kompetenz wird in einem breiten Sinne verstanden: als direkt nutzbares Verfügungswissen, als Reflexionswissen und als Orientierungswissen. Die dem Lehrplan zugrunde liegende Idee der Kompetenzorientierung bedeutet keine Abkehr von einer tief verstandenen fachlichen Wissens- und Kulturbildung, sondern im Gegenteil deren Verstärkung und Festigung durch ein auf Verständnis, Wissensnutzung und Können hin orientiertes Bildungsverständnis.»
Aus dem Lehrplan 21

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bild: flickr

Am Ende dieses Prozesses sollen also selbstständig denkende, kritische Menschen stehen. Sie sollen fähig sein, Mythen zu dekonstruieren, Texte und Quellen zu hinterfragen, sinnvolle Zusammenhänge herzustellen. Kurz, ein historisches Bewusstsein entwickeln. 

An die Stelle der grossen historischen Erzählungen und dem traditionsverpflichteten Geschichtsunterricht ist die Pädagogik getreten:

«Es ist nicht mehr die Fachwissenschaft Geschichte, die den Geschichtsunterricht prägt, sondern die Pädagogik, die die Fragestellungen der Jugendlichen und die gesellschaftlichen Schlüsselprobleme ins Zentrum rückt.»

Peter Gautschi

Das ist nicht schlecht. Nur geht dabei sicher viel verloren. Denn die Fragen der Schüler zu einem bestimmten Sachverhalt können doch überhaupt erst in ihre Köpfe steigen, wenn sie bereits über ein solides Wissen darüber verfügen. Dieses Wissen erfordert Zeit. Die Jugendlichen müssen mit Geschichten, mit Erzählungen konfrontiert werden.

Wie sollen sie sonst gedanklich auf der Metaebene herumturnen können, wenn ihnen die Ebenen nur spärlich bekannt sind? Wie soll das Zwischen-den-Zeilen-Lesen funktionieren, wenn für die Zeilen gar keine Zeit bleibt? 

In drei Jahren, mit jeweils durchschnittlich drei Lektionen pro Woche, sollen die Schüler gemäss dem neuen Lehrplan die Geschichte vom Beginn der Neuzeit bis heute in ausgewählten Längs- und Querschnitten erzählen können, dabei Statistiken, Bilder und Karten richtig lesen. Verstehen, warum zwei Weltkriege die Erde im 20. Jahrhundert verdunkelten, was Faschismus, Kommunismus, Holocaust und Globalisierung bedeuten.

Sowjetisches Propaganda-Poster (1933): «Halte den Banner von Marx, Engels, Lenin und Stalin hoch!» Bild: wikicommons

Sie sollen die Schweizer Geschichte kennen und unser demokratisches System verstehen, auf einer Weltkarte aktuelle Konflikte zeigen und kurz erläutern können. Das sind nur einige Beispiele der unzähligen Kompetenzen, die sich die Schüler im Fach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» aneignen sollen. Dazu gesellt sich noch die Geographie mit ihren Rohstoffen, erneuerbaren- und nicht erneuerbaren Energieträgern, Wetterphänomenen und dem Klimawandel.

Die Tiefe von Verständnis, die die Pädagogik mit ihrem Kompetenzensystem fordert, steht doch in keinem Verhältnis zur Zeit, die dafür zur Verfügung steht. Wie soll diese Übermenge erhabener Ziele jemals erfüllt werden?

Vielleicht mit Fleiss? gif: giphy

Mir schwant, dass damit nicht viel mehr möglich ist als ein schäbiges Gekratze an der Oberfläche. Nun ist es aber so, dass ein Lehrplan für sich alleine noch lange nichts aussagt. Das weiss ich auch von meinem Vater. Lehrer mögen es nämlich nicht, wenn man ihnen zu dreist reinschwätzt. Sie sind die Staatsbeamten mit der grösstmöglichen Freiheit. Und die Schulzimmer sind ihre Spielräume. Deshalb hoffe ich auf all die Geschichtslehrerinnen und -lehrer da draussen, die sich von diesem engen Zeitkorsett nicht die Luft abschnüren lassen – und weiterhin tapfer den Kampf gegen die Unwissenheit kämpfen.

Für eine bessere Zukunft: Die richtigen Fragen an die Gegenwart stellen

Geschichte wird da gesellschaftspolitisch relevant, wo sie hilft, gegenwärtige Zustände zu erklären. Heiss wird aktuell debattiert über den Wert von Wahrheit und die Lügen der Medien. Das Unwort der Trump-Ära heisst «fake news». Und in ihr scheint ein allgemeines Klima des Misstrauens gegenüber jeglichen Informationen zu herrschen.

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  bild: ap, bearbeitung watson

Misstrauen ist nicht schlecht, es kann das Nachdenken fördern, doch wenn es gepaart mit Unwissenheit und ideologischen Verdrehungen daherkommt, endet das Ganze in wirren Verschwörungstheorien oder gefährlicher Geschichtsverdrehung. 

Wünschenswert in dieser Zeit der politischen Extreme, wo die Probleme der Gesellschaft meist emotional diskutiert werden und Ideologien das Nachdenken ersetzen, wäre eine weitgehend objektive Hinwendung zur Sache. Der Blick auf die Vergangenheit vermag das zu leisten – sofern er nicht entstellt wird von politischen Intentionen.

Ein Beispiel dafür: der Historiker Caspar Hirschi schreibt in einem Artikel für die «NZZ» über die Nazi-Vergleiche, die im Zusammenhang mit Trump immer wieder gezogen werden. Darin betont er, dass Trumps Tiraden gegen «fake media» von Journalisten und Historikern gerne mit Hitlers Gleichschaltung der Presse verglichen werden. Sein Einreiseverbot für Bürger der sieben muslimischen Länder mit der Judenverfolgung im «Dritten Reich».

Der Vergleich funktioniere aber nur so lange, wie man diesen ahistorisch ziehe, schreibt der Historiker weiter. Denn die Weimarer Republik war zum Zeitpunkt von Hitlers Machtergreifung noch keine fünfzehn Jahre alt, ihre parlamentarische Demokratie wurde «weit über den Kreis der Nationalsozialisten hinausreichenden Teil der politischen, der intellektuellen und der wirtschaftlichen Elite abgelehnt». Und die Männer, die in ihr Politik machten, hatten einen verlorenen Weltkrieg überlebt, durch den sie «brutalisiert und radikalisiert» worden waren. 

Adolf Hitler wird in den Strassen von München gefeiert, November 1933. bild: ap

Wende man dieses Szenario nun auf die heutige USA an, hiesse das: «Die amerikanische Demokratie entstand erst 2002 als Folge eines katastrophalen Kriegsausgangs, und bis heute wollen sie zahlreiche Politiker und Richter, Professoren und Journalisten gleich wieder abschaffen, weil sie in ihren Augen eine zum amerikanischen Volkskörper unpassende Staatsform darstellt.»

Natürlich ist auch das überspitzt formuliert. Hirschi verdeutlicht damit aber, wie schwierig historische Vergleiche sind. Und wenn sie ohne viel Überlegung gezogen werden, sind sie leider nicht viel mehr wert als ein kurzer Aufschrei. Reflexartig empört man sich, «Trump ist wie Hitler!» Doch wo bleibt im Ganzen die gewinnbringende Erkenntnis?

«Wir können den Sumpf, auf dem der Rechtspopulismus blüht, nur austrocknen, wenn wir aufhören, seine Protagonisten zu diabolisieren, und stattdessen über die Probleme debattieren, denen er seinen Aufstieg verdankt.»

Historiker Caspar Hirschi

Geschichte ist die Summe vom menschlichen Treiben hier auf der Erde. Je besser wir sie kennen, desto besser kennen wir uns. 

Der Mythos bleibt

bild: wikiart

Wahrscheinlich werden wir den Mythos niemals überwinden. Es gibt keine eine Wahrheit. Keine einfachen Antworten. Doch wenn uns bewusst ist, dass Informationen gefärbt sein können, dass hinter jeder Erzählung eine Intention steckt, vermögen wir die Dinge wenigstens vielschichtig zu interpretieren. Dies – so bleibt trotz all der Widrigkeiten zu hoffen, soll der Geschichtsunterricht leisten.

Nur so schaffen wir die Möglichkeit, Lehren aus unseren Fehlern zu ziehen. Und müssen nicht wie Odysseus auf dem Meer umherirren – weil wir nicht Kartenlesen können.

Wo wir grad dabei sind – ein paar dämliche Schülerantworten ...

... hier noch ein paar ...

... weiter geht's ...

... mit blöden Antworten ...

... So. Nun kommen die letzen 17.

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    Alle Leser-Kommentare
  • MajaW 24.06.2017 07:55
    Highlight Highlight Sehr einverstanden. Der Lehrplan geht vom idealen Schüler aus, die engagierten Lehrer werden weterhin spannende Inhalte vermitteln, es liegt aber such an den Schülern, neugierig zu sein und Wissen einzusaugen
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 16.06.2017 13:26
    Highlight Highlight So nachdem ich bereits eine Buchempfehlung erhalten habe von Frau Rothenfluh, möchte ich noch ein Lob aussprechen für den Artikel.
    Toll geschrieben.
  • dracului 16.06.2017 08:12
    Highlight Highlight Geschichte ist das typsiche Füllfach für Phil Ier. Die ganz Arbeitsscheuen hängen für ihre 12 Wochen Ferien dann noch etwas Lendenschurzpädagogik an, damit sie staatlich geprüft versuchen dürfen, Schüler mit Langeweile zu quälen. Warum gibt es eigentlich immer noch keine Qualitätssicherung bei Lehrern nach Bologna? Fachübergreifende Zusammenhänge (Musik, Deutsch, Geschichte, Geografie) und Zusammenarbeit im Lehrerkollegium wäre auch mal toll. Mir ist eigentlich nur geblieben, dass wir aus der Geschichte nichts lernen und der Unterricht sich seit dem Mittelalter kaum weiterentwickelt hat.
    • Schlafwandler 16.06.2017 13:06
      Highlight Highlight Ich finde es immer ganz geil, wenn mir Leute in Kommentarspalten erklären warum ich tu was ich tu :)
      Danke für die Einsicht, ich zieh mir dann mal meinen Lendenschurz an dann habe ich wenigstens etwas gemacht heute ich faule Sau.

      (Und noch ein kleiner Scherz am Rande: Bologna taugt als Qualitätssicherung.)
    • Kaviar 16.06.2017 14:48
      Highlight Highlight @yallix: Ja, des Lehrers.
  • Schneider Alex 16.06.2017 06:16
    Highlight Highlight Man kann aus der Historie nichts ableiten für die Zukunft, und zwar grundsätzlich nicht.
    Wenn auch gewisse Umstände sich ähneln, und man meint, die Geschichte wiederhole sich, so täuscht man sich immer. Denn neben den sich ähnelnden Umständen sind die meisten anderen Umstände (gesellschaftliche, kulturelle, ökonomische, militärische, demografische, u. v. a. m.) ganz anders.
    Deswegen wiederholt sich Geschichte nie, oder nur scheinbar. Und deshalb lässt sich keine Lehre für die Zukunft aus der Vergangenheit ableiten und die Zukunft bleibt in dichtem Nebel.
    • Kaviar 16.06.2017 10:48
      Highlight Highlight Das ist so gut! Schade ist es nicht von mir.
    • Anna Rothenfluh 16.06.2017 10:59
      Highlight Highlight @Schneider Alex: Selbst wenn sich Geschichte nicht wiederholt oder dies nur scheinbar tut, heisst das nicht, dass man keine Lehre für die Zukunft daraus ziehen kann. Kannst du nur auf etwas gescheit reagieren, wenn du zuvor schon mal in der exakt gleichen Situation warst?
    • Kaviar 16.06.2017 11:24
      Highlight Highlight @Anna: Ob man gescheit re-/agieren wird, kann man nur in speziellen Fällen im Voraus wissen.
      Z.B. ist es nicht gescheit aus dem 6. Stock aus dem Fenster zu springen. Man weiss aus der Erfahrung anderer, dass man das nicht unverletzt oder überhaupt nicht überlebt.
      Aber die meisten Situationen im Leben sind nicht vorhersehbar, weil zuviele Menschen und Zufälle mitwirken.
      Man kann nie in einem Buch die eigene Zukunft nachschlagen. Das Leben bleibt ein Wagnis. Wie man dann reagiert, hängt nicht von der Vergangenheit ab, sondern vom Charakter, d. h. von den Prinzipien die man befolgen will.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lady A 16.06.2017 00:27
    Highlight Highlight Liebe Anna
    Wie gerne würde ich mit dir ein, zwei Gläser Wein trinken und darüber "weinen", wie unser schulisches System in gewissen Bereichen komplett versagt. Und ja, wir sprechen über unsere Zukunft! In der heutigen Zeit ist es nicht mehr einfach das ursprüngliche Ziel des Lehrplans zu erreichen. Wieso, warum und weshalb würde den Rahmen dieses Kommentares sprengen. Aber, ich lade dich herzlichst gerne auf eine Flasche Wein ein... ganz à la Wein doch...
    Ach ja, die guten alten Zeiten finden sicherlich auch Platz (ksbg✌️)
    • Anna Rothenfluh 17.06.2017 21:37
      Highlight Highlight Lady A, das klingt doch wunderbar! Schreib mir doch eine Mail an anna.rothenfluh@watson.ch und dann lass uns enorme Mengen Rotwein trinken.
    • Anam.Cara 19.06.2017 07:08
      Highlight Highlight Wenn dabei noch jemand platz hat, bringe ich gerne den Wein mit.
      VIelleicht können wir uns auch noch ein bisschen über den praktischen Wert von Hintergrund-Wissen im Alltag unterhalten. Und damit meine ich auch den Rest der breiten Pallette, die Schule früher vermittelt hat...
    • Qui-Gon 19.06.2017 14:41
      Highlight Highlight Yeah, KSBG. Ist aber so lange her, da hiess sie noch nicht mal so :-)
  • Electric Elephant 16.06.2017 00:16
    Highlight Highlight Gut geschrieben und richtig...
    Übrigens finde ich, dass Du, Anna, mit Deinen jeweiligen Artikel zum Thema Geschichte sicher auch dazu beiträgst, den Leuten das Ganze näher zu bringen. Diese Artikel, die meistens "süffige" Begebenheiten leicht verständlich, aber trotzdem fundiert behandeln, haben sicher auch schon bei manchem Geschichtsmuffel Interesse für das Thema geweckt!
  • Spooky 15.06.2017 23:41
    Highlight Highlight Ich bin perplex! Also das ist ja ein ganz super Artikel! Eher schon Philosophie als Geschichte. Chapeau!

    Den besten Satz finde ich diesen:
    "Wahrscheinlich werden wir den Mythos niemals überwinden."

    Das stimmt.

    Warum stimmt das? Weil jeder Augenblick, den wir erleben, ein Mythos ist, und weil die Vergangenheit, also die Geschichte, ein noch grösserer Mythos ist. Die Vergangenheit, also die Geschichte, ist eine Vorstellung unseres Verstandes.

    Aber das ist nicht wichtig. Wir können die Geschichte auch als Realität betrachten. Der Gegenwart ist es egal, so oder so.
  • Murky 15.06.2017 23:08
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen wunderbaren Kommentar. Ich kann ihn wirklich unterschreiben. Ich bin zwar kein Pädagoge, mache aber Geschichtsvermittlung als Hobby (Living History). Letzthin war unsere Gruppe mal an einer Schule um den Kindern das Hochmittelalter etwas näher zu bringen. Der Lehrer arbeitete da meiner Meinung nach wirklich sehr gut mit den Kindern, die Fragen der Kleinen waren auch entsprechend. Was wir da sonst so erleben ist oft erschreckend, speziell das Mittelalter kam jahrzehntelang zu kurz.
    https://www.facebook.com/pg/comthureyalpinum/photos/?tab=album&album_id=1221291857954176

  • MikeT 15.06.2017 21:07
    Highlight Highlight Geschichte und Geographie versuchen, die Welt zu beschreiben, zu erklären und zu analysieren. Wir müssen verstehen, woher wir kommen, warum wir wie entscheiden und wie wir damit die Gesellschaft und unseren Lebensraum verändern. Aber dieses unverzichtbare Allgemeinwissen wird gekürzt, zusammengelegt, anderen Fächern untergeordnet. Eine fatale Entwicklung.
  • coronado71 15.06.2017 20:07
    Highlight Highlight Der beste Geschichtslehrer den ich je hatte war eigentlich ein Deutschlehrer. Als sich im Sommer/Herbst 1989 die gewaltigen Umwälzungen in Osteuropa anbahnten, funktionierte er den Deutschunterricht kurzerhand zu Geschichte um. Trieb Ausgaben des "Neuen Deutschland" auf und wir verglichen/analysierten die Berichte mit denen in der NZZ, dem Tagi usw. Lehrplan? Grammatik und Diktate kann man auch so noch irgendwie einbauen. Nie habe ich so viel über historische u. politische Zusammenhänge gelernt wie damals. Ich hoffe, dass im LP21 solche Typen möglich sind. Danke, KK ;)

  • Alienus 15.06.2017 19:50
    Highlight Highlight Frau Rothenfluh, schön Ihre Ode an die Geschichte!

    1/2

    Verknüpft mit mythologischen Rankwerk. Halleluja: wer wagt, der gewinnt. Aber ein winzig kleines Wermutströpfen gibt’s.

    Homersaga - ohne „Trojanische Pferd“? Der Mythos schlechthin!

    Man möchte diesen Mythos nicht entmythisieren, aber Homer hat‘s nicht gesehen.

    Folgt man der Historie, Militär-, Bau- und Metallgeschichte, drängt sich als die eigentliche Quelle mit superstarken Plausibilität der in der damaligen Zeit entwickelte „Sturmturm“ auf.

    Eine damals neuartige Maschine zum Erstürmen von hohen Verteidigungsmauern.
    • Anna Rothenfluh 15.06.2017 22:03
      Highlight Highlight Danke alienus! Der Herodot wars natürlich, habs korrigiert, danke!
  • Alienus 15.06.2017 19:48
    Highlight Highlight 2/2

    Eine bewegliche Plattform mit 4 Stützen, auf denen ein mit Metallplatten gepanzerter Kasten ist, im dem die Sturmsoldaten geschützt sind. Zum begehen das Kastens ist hinten eine Leiter angebracht.

    Aus diesem Kasten geht vorne ein Turm nach oben und von diesem eine Brücke, die an die zu erstürmende Brüstung gelegt wird.

    Nun, in der Schnelle und für mil. Laien wie Homer ist das Ding ein Pferd!

    Nun, die Militärs lieben nun mal solch ein Pferd, aber auch den Rammbock, die Schildkröte, die Feldschlange, den Rammbär usw.

    Ob Mythos oder Realität: egal. Es ist einfach interessant.
  • Enzo Duro 15.06.2017 19:35
    Highlight Highlight OMG, Anna Rothenfluh! Ganz grosses Kompliment für ihren Beitrag zu einem qualitativ hervorragenden Journalismus. Soeben mit "Glücksgefühlen" von einer faszinierenden Wanderung in meiner Wohngegend (Lago Maggiore) zurückgekehrt, haben Sie mich mit Ihrem Artikel aus folgenden Gründen noch zusätzlich beglückt: Was sie uns mitteilen ist interessant, farbig, fundiert und regt zum Nachdenken an. Weiter so!
    • Anna Rothenfluh 15.06.2017 19:58
      Highlight Highlight Vielen Dank für dieses wundervolle Kompliment, ich bin ganz gerührt und freudig.
  • Dogbone 15.06.2017 19:20
    Highlight Highlight Anna, wieder einmal 1A, Dein Artikel! Sachlich, umfassend, gut recherchiert und mit der perfekten Prise Leidenschaft geschrieben, die den Inhalt jedoch nicht zu sehr färbt. So macht lesen Spass!
    • Anna Rothenfluh 15.06.2017 20:02
      Highlight Highlight dogbone, auch dir vielen herzlichen Dank, ich bin grad sehr überwältigt von all diesen schönen Kommentaren. So lohnen sich Überstunden haha.
  • Ridcully 15.06.2017 19:10
    Highlight Highlight Nur Dank Frau Rothenfluh (früherer Artikel) habe ich von Egon Friedell erfahren, dessen Kulturgeschichte der Neuzeit für mich persönlich die wichtigste Entdeckung des letzten Jahres in Sachen Bücher war. 😀
    • Anna Rothenfluh 15.06.2017 20:08
      Highlight Highlight So schön, das freut mich riesig. Ich hole den Friedell auch immer wieder hervor, ich kenne keinen anderen, der einen ästhetischeren und klugeren Zugang zu Kulturgeschichte hat. (Obwohl ich zugeben muss, dass Spenglers Untergang des Abendlandes noch immer unberührt bei mir im Regal steht. Aber Friedell hat eh alles gelesen haha)
  • Der Rückbauer 15.06.2017 18:30
    Highlight Highlight Interessanter, aber ziemlich komplizierter Artikel, wie es eben heute so ist bzw. heute offenbar sein muss. - Mein Vater, auch Volksschullehrer, sagte zur Geschichte jeweils nur: "Wenn du willst wissen, wohin du gehst, musst du wissen, woher du kommst". Im 2. Weltkrieg war er am Rhein stationiert. Wenn die Schweizer jeweils die Deutschen auf der anderen Seite des Kraftwerkes auf- und abgehen sahen, hatten sie die Hosen voll vor Angst. In der Schule war damals der 2. Weltkrieg kein Thema, zu frisch waren die Wunden. Um so mehr interessiert mich heute, wie es zu Nazi-Deutschland kommen konnte
  • koalabear 15.06.2017 18:30
    Highlight Highlight Geschichte als eigenes Fach hatten wir erst ab der Oberstufe. Das war schon Anfang der 90er so. Mir blieben zwei Aussage: man muss Geschichte verstehen und in Kontext setzen können. Und für mich die Wichtigste: Geschichte wird von den Gewinnern geschrieben.
  • destin 15.06.2017 18:25
    Highlight Highlight Herzlichen Dank für die kompetent geschriebene Unterstützung, Frau Rothenfluh. Allerdings denke ich, dass gewisse Wirtschafts- und Politikerkreise in eine andere Richtung zielen (ab 2015 Reduktion der Geschichtslektionen an den Berufsmaturitätsschulen von 4 auf 3 Lektionen, Abschaffung einer Abschlussprüfung). Aber vielleicht ist das ja auch nur Zufall.
  • Dan Rifter 15.06.2017 18:08
    Highlight Highlight Sackstarch, Frau Rothenfluh. Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Geschichte hat mich immer fasziniert. Doch Geschichtslehrer sind armi Sieche.. besonders in der Kanti und im KV unterrichten die nach X Jahren für max. 3 pro Klasse, die's interessiert.

    Einen ähnlichen Niedergang meine ich bei der Gg zu beobachten. Die Pöstlergeografie ist den M+U-Luftibussen an der PH halt zu ordinär..
  • Linus Luchs 15.06.2017 17:59
    Highlight Highlight Ich erlebe im nächsten Umfeld, wie das Lernresultat dieser Sammelfächer aussieht. Ein unstrukturiertes Kuddelmuddel, punktuelles Halbwissen, bei dem laufend Orte, Namen und Zeiträume miteinander verwechselt werden. Ein Desaster.

    Für mich stellt sich die Frage: Wer resp. welche Kräfte treiben diesen Abbau eines nachhaltigen Geschichtsunterrichts voran? Ist es nur Dummheit, die dahintersteckt? Oder könnte es ein Interesse daran geben, dass die Menschen vor allem bei der Arbeit und als Konsumenten funktionieren, ansonsten aber nicht allzu viel hinterfragen und verstehen sollen?
  • chr_bopp 15.06.2017 17:50
    Highlight Highlight Wir brauchen Inscheniöre, also mehr MINT! Unsere Kids können keinen Satz mehr geradeaus schreiben, also mehr DEUTSCH! Die angehenden Jung-Mänätscher verstehen nichts von Wirtschaft, also mehr ÖKO! Um auszurechnen, wie viel 10 Prozent sind, greift die Jugend zum Taschenrechner, also mehr MATH! Jeder muss programmieren können, also mehr INFORMATIK! Zu dick sind sie auch, also mehr SPORT! Galileis Fallgesetz, war der das Wer- oder der Weg-Fall? Also mehr FÜSIK! Jungbürger wissen nicht, wie Demokratie geht, mehr STAATSKUNDE! Und jetzt auch noch mehr GESCHICHTE??? Nur kosten darf es nix.
    • Firefly 15.06.2017 18:34
      Highlight Highlight Man nennt es Bildung!
    • Ridcully 15.06.2017 19:12
      Highlight Highlight Jemand der Bildung nur als Mittel zum Geldverdienen versteht, disqualifiziert sich selbst.
  • Firefly 15.06.2017 17:48
    Highlight Highlight Auch zu empfehlen, weniger Geschichte dafür der größte Strauss an gesammelten Geschichten von Afrika bis Japan, "Die Geschichten aus 1001 Nacht" übersetzt aus der original Kalkutta-Ausgabe. Das sind sechs Bände voller wundersamer Geschichten und Protagonisten. Kann man immer mal wieder aufschlagen und verweilen.
  • Luca Brasi 15.06.2017 17:41
    Highlight Highlight Hat nicht Herr Löpfe häufig die Idee den Ersten Weltkrieg oder die Zeit des Faschismus 1:1 mit der Trump-Ära zu vergleichen? Oder Eismeister Zaugg häufig die Tendenz heutige Sportereignisse mit Militärgeschichte zu vergleichen.
    Gut, beide haben ihr Handwerk bei einer gewissen Boulevardzeitung gelernt. Wahrscheinlich sind beide noch Kinder des "Verherrlichungszeitalters". ;P

    PS: Der Geschichtsunterricht ist aber heute immer noch eurozentristisch. Kein Konfuzius, Erfindung des Schiesspulvers, Mogulreich oder Sassaniden kommen darin vor. Zumindest im ach so gebildeten Europa...
    • MaskedGaijin 15.06.2017 18:32
      Highlight Highlight Das mit eurozentristisch stimmt schon. Aber in China ist der Geschichtsunterricht wohl auch sinozentristisch (sagt man dem so?).
    • Dogbone 15.06.2017 19:17
      Highlight Highlight Mit Löpfe/Zaugg liegst Du tatsächlich nicht falsch. Das Boulevard offenbart sich bei den beiden gut und gerne. Trotzdem lese ich regelmässig deren Artikel🤔

      Und von wegen eurozentristisch: immerhin ist der Inhalt nicht mehr nur das strahlende Helvetien. Ein viel grösserer Radius liegt bei dem Stundenplan wohl nicht drin...
    • Anna Rothenfluh 15.06.2017 19:23
      Highlight Highlight Herr Brasi, ich hab schon gewartet auf Ihre Eurozentrismus-Kritik. Ich persönlich bin der Ansicht, dass erst die Geschichte Europas gelernt werden soll, weil wir nun mal einen christlich-abendländischen Hintergrund haben. Es ist "unsere" Geschichte. Und weil ja leider zu wenig Zeit bleibt, alles durchzunehmen, gibt man Europa den Vorrang. Und zu Löpfe: da haben Sie recht. Ich bin aber erstens überhaupt nicht grundsätzlich gegen historische Vergleiche (Vergleiche, nicht Gleichsetzungen) und zweitens denkt Löpfe darüber wohl anders, und das darf er auch, watson ist ja nicht eine gleiche Meinung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Fly Baby 15.06.2017 17:41
    Highlight Highlight "Franciso, can you give me the number of this painter, Michel Angel, it's huge, Melania will love it"
  • dääd 15.06.2017 17:11
    Highlight Highlight Leider geil. Mehr söttige Beiträge!
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 15.06.2017 17:09
    Highlight Highlight Frau Rothenfluh, ich suche seit langem dieses Buch, bitte geben Sie mir den Titel oder die ISBN 😍
  • Edel Weiss 15.06.2017 17:09
    Highlight Highlight „Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“

    Und doch kann ich Gandhi nur zitieren, weil ich mich mit ihm auseinandergesetzt habe. Was mir besonders zu denken gibt ist, dass die Schule zunehmend der Leistungsgesellschaft angepasst wird. Internationale Konkurenz drängt uns dazu, die uns keine Zeit mehr für die Allgemeinbildung zu nehmen. Doch wie bei der Grundlagenforschung ist eben diese breite Bildung ein Nährboden für eine gesunde und florierende Gesellschaft. Ich unterrichte selber MINT, sehe aber mit Bedauern, wie Kunst und Geschichte verdrängt werden
  • Rabbi Jussuf 15.06.2017 16:53
    Highlight Highlight Hey, danke, dass du Egon Friedell erwähntest. Habe den früher verschlungen. Ich werde seine Bücher wieder mal ausgraben und nochmals lesen.
    • Anna Rothenfluh 15.06.2017 16:56
      Highlight Highlight @Rabbi Jussuf: Unbedingt! Friedell war ein Genie, ich liebe seine Kulturgeschichte der Neuzeit. Und in welch grossartigem Stil sie verfasst ist. Man möchte jeden zweiten Satz in einen goldenen Rahmen stecken und an die Wand hängen.
  • moedesty 15.06.2017 16:38
    Highlight Highlight Ich habe erst seit kurzem verstanden wie wichtig die Geschichte ist. Habe ich früher immer gesnobt, weil ja angeblich die Zukunft zählt. Aber nun beim aktuellen Weltgeschehen habe ich verstanden, dass man zuerst die Vergangenheit verstehen muss um die Gegenwart zu begreifen. Vor allem was Länderkonflikte anbelangt. Darum habe ich mir seit kurzem die Historien von Herodot gekauft und fange mal von ganz hinten an.
  • Cerulean 15.06.2017 16:37
    Highlight Highlight Ausgezeichneter Artikel. Dazu gibt schon der genannte französische Kaiser zu bedenken:

    "L'histoire est une suite de mensonges sur lesquels on est d'accord"

    Die Verschmelzung von Geschichte und Mythos, die uns noch heute beschäftigt stammt aber vornehmlich aus dem 19. Jahrhunder als unser heutiges Konzept von Nationalismus entstand und man plötzlich Gründngsmythen brauchte. Das war natürlich aber auch damals nichts neues. Die Julianer in Rom (Julius Caesar) sahen sich als Nachfahren der Göttin Venus und die Mittelalterlichen Briten (z.B. Geoffrey of Monmouth) sahen ihre Ahnen im antiken Troya
  • Dinolino 15.06.2017 16:36
    Highlight Highlight Danke für den guten Artikel! Ich schaue gern "Mit offenen Karten" auf Arte (oder youtube)
    • Majoras Maske 15.06.2017 16:57
      Highlight Highlight Haha, habe ich kürzlich auch mal wieder geschaut und finde es nach wie vor etwas vom Besten. Aber für viele kommts wohl etwas zu schnöde daher, auch wenn ich das gerade an der Sendung schätze.
  • mostindianer 15.06.2017 16:31
    Highlight Highlight Mir scheint wichtig, meinen Schülern den Unterschied zwischen Mythos und nachweisbaren Fakten klarzumachen. Die Grenzen verschwimmen da immer mehr. Ich unterrichte nach LP21 und ich unterrichte auch weiterhin (mit Freude übrigens!) auf der Mittelstufe Geschichte, auch wenn das Fach neu NMG heisst, die Inhalte diesbezüglich sind klar: Schweizer Geschichte ist immer noch dabei.

    PS: Lehrer haben in der Schweiz längst keinen Beamtenstatus mehr.
  • Pasch 15.06.2017 16:25
    Highlight Highlight Geschichte weckt bei mir grosses Interesse, viele Dinge lassen sich Ableiten auf das hier und jetzt, man muss nur vorsichtig sein mit allzu schnellen Rückschlüssen, aber Zeichen der Zeit die gibt es.
    Was allerdings im ersten Moment wenig dazu beigetragen hatte war der Geschichtsunterricht aus der Schulzeit, erst mit den Jahren und der medialen Berieselung fallen einem gewisse Dinge auf... so ala hey das gabs doch schonmal oder so ähnlich, und schon hats einen gepackt.
    Kenne die Vergangenheit dann bist du gerüstet für die Zukunft.
    • loplop717 15.06.2017 18:01
      Highlight Highlight Ich denke da kommt es sehr draufann was man für einen Geschichtslehrer hatte und auch wie interessiert die Klasse war. Das kann beides einen grossen Einfluss auf die unterrichtsqualität und wie viel man lernt haben.
  • Kaviar 15.06.2017 16:20
    Highlight Highlight Geschichte ist belanglos, aber unterhaltsam, wie Romane.
    Tschechov liegt falsch. Geschichte rechtfertigt nichts. Es sind Menschen, die rechtfertigen. Sie rechtfertigen geleitet von Prinzipien (z.B. Opportunismus, Gier, Gerechtigkeit, Freiheit, etc.) und illustriert mit Beispielen aus der Geschichte.
    Wirklich wichtig sind dabei die Prinzipien, nicht aber die Beispiele aus der Geschichte.
    Je nach Betrachtungsweise, d. h. der geltenden Prinzipien, war z. B. Willhelm Tell ein heldenhafter Freiheitskämpfer, oder aber bloss ein hinterhältiger Mörder.
    Wofür die Story steht, hängt vom Leser ab.
    • moedesty 15.06.2017 16:40
      Highlight Highlight Das stimmt aber sowas von nicht. Die Geschichte wiederholt sich immer. Ich könnte dir (nach der Arbeit) zig Beispiele nennen. Will dich nicht beleidigen, aber deine Aussage ist ein wenig ignorant.
    • JoeyOnewood 15.06.2017 16:40
      Highlight Highlight Du verwechselt Geschichte und Geschichten...
    • Firefly 15.06.2017 18:06
      Highlight Highlight Die Geschichte lehrt uns die Vielfalt und den Pluralismus, dass wenig in Stein gemeisselt ist und wir alle Zwerge sind auf den Schultern von Giganten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • JoeyOnewood 15.06.2017 16:20
    Highlight Highlight So könnte man das Interesse der Schüler besser wecken und ihnen Werkzeuge mit auf den Weg geben, sich Wissen auch ausserhalb der Schule aneignen zu können.
  • JoeyOnewood 15.06.2017 16:18
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel, danke! Hoffen wir, dass er gehört wird. Ich denke aber, das Problem mit dem vielen Stoff und den wenigen Lektionen und dem damit verbundenen "Krazen an der Oberfläche" ist nicht nur beim Fach Geschichte das Problem. Hier kommt mir wieder Richard David Precht in Sinn, der ungefär sagt, dass Wissen an sich ist im 21. JH nicht mehr absolute Priorität hat, sondern die Fähigkeit Interesse zu Entwickeln, vernetzt zu Denken und Kritisch zu Hinterfragen. Er schlägt Projektwochen vor, in denen mehrere Fächer anhand eines durchgehenden Themas behandelt werden können...
    • Alnothur 15.06.2017 21:25
      Highlight Highlight Einen Grundstock an Wissen braucht man aber auf jeden Fall, um überhaupt auf eigene Faust "weiterforschen" zu können und Interesse zu entwickeln. Und genau dazu reicht das Kratzen an der Oberfläche eben nicht.
    • JoeyOnewood 16.06.2017 06:51
      Highlight Highlight deswegen die Themenwocheb, in denen die Schüler genug Zeit kriegen, in ein Thema einzutauchen. eine Lektion Geschichte, 1 Mathe, 2 Deutsch, dann französisch - so kann meiner Meinung nach kein Interesse geweckt werden, da die Schüler immer wieder aus dem Thema gerissen werden. Französisch und erwas über die französische Revolution lernen, das wäre doch interessant....
  • Wilhelm Dingo 15.06.2017 16:17
    Highlight Highlight Geschichte ist unendlich spannend wenn sie in Zusammenhängen und mit Bedeutung in die heutige Zeit erzählt wird. Leider gelingt das den Schulen nicht. Ganz spannend wird es, wenn die Geschichte der vergangenen 50 Jahre erzält werden soll! Leider hört es spätestens bei den Weltkriegen auf. Warum eigentlich?
    • Luca Brasi 15.06.2017 17:32
      Highlight Highlight Also bei mir hörte es mit der Gegenwart auf und Geschichten von Menschen wie Caesar, der eine Republik in eine Alleinherrschaft verwandeln wollte, sind heute auch nicht gerade unaktuell.
      Dass es den Schulen per se nicht gelingt Zusammenhänge zur heutigen Zeit herzustellen, kann man generell auch nicht sagen. Ich sehe gerade in der Schweiz Schülerinnen und Schüler, die das können. Aber es gibt eben auch starke Unterschiede bei Kantonen, Schulen und auch Lehrern und die Übergänge zu gewissen Stufen sind auch nicht immer perfekt.
  • Colourreader 15.06.2017 16:10
    Highlight Highlight Sehr gut ausgedrückt. Ich staune immer wieder, wie viel klarer einen Krisensituationen und die Lage von Nationen erscheint, wenn man deren Geschichte kennt. Ohne geschichtliche Kenntnis kratzt man nur an der Oberfläche.
    Ich hoffe sehr, dass all die Geschichtslehrerinnen und -lehrer da draussen den Mut haben, diese Kenntnisse zusammen mit dem nötigen Mass an Skepsis weiterhin zu fördern.
  • BossAC 15.06.2017 16:00
    Highlight Highlight Chapeau! Sehr gut geschriebener Artikel. Als selbst Geschichstbegeisterter kann ich dem nur zustimmen.

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