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Schweiz
Zürich

Aktivist(innen) buhen lauthals Alice Schwarzer im Kaufleuten aus

Die Publizistin Alice Schwarzer spricht am Samstagabend, 10. Nov. 2007, als Wettpatin waehrend der TV-Show "Wetten dass...?" in Leipzig. (AP Photo/Eckehard Schulz) --- German publisher Alice ...
Die streitbare Feministin hat zahlreiche Kritiker.Bild: AP

Aktivistinnen buhen Alice Schwarzer in Zürich aus – Podiumsdiskussion entgleitet

05.09.2016, 06:2405.09.2016, 11:14
Zürich
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Alice Schwarzer polarisiert. Deutlich wurde das einmal mehr am Sonntagabend im Zürcher Kaufleuten. Schwarzer und Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, diskutierten mit Moderator Matthias Daum («Die Zeit») über den Islam, das Burkaverbot und die Rolle der Geschlechter. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – und Schwarzer hatte mit ihren Argumenten die grosse Mehrheit des Publikums hinter sich geschart. Sie begann mit der Silvester-Nacht in Köln: «Dort wurde erstmals im Westen der sexuelle Terror gegen Frauen geprobt».

Das Burkaverbot sei unumgänglich, eine Zumutung, dass man das überhaupt noch diskutiere.

Applaus.

Die Burka sei das Leichentuch für die Frau. Ein Stoff-Fetzen, der erstens die Frau entwürdige und zweitens aus dem Mann eine Art Tier mache, das sich offenbar nicht zu beherrschen weiss, wenn es ein bisschen Haut zu sehen bekommt.  

Applaus.

Der radikalisierte, politisierte Islam sei lebensbedrohlich. Die Medien hätten das endlich ernst zu nehmen. 

Applaus. 

Aktivistinnen formieren sich gegen Schwarzer 

Dann kommen die Fragen. Das Mikrofon wandert durch die vorderen Reihen des Publikums. Eine Frau steht auf, in ihrer Stimme wohnt eine Menge Wut. Sie zitiert aus Schwarzers «Der Kleine Unterschied». Irgendetwas von 1975 also.

Man versteht sie schlecht, weil die Menge in ihre Frage hineinbuht.

Sie hat offensichtlich nichts mit dem Thema zu tun. Eine Mit-Aktivistin brüllt indessen etwas vom «Mythos Vaginal-Orgasmus». Dann greift sich die Nächste das Mikro – mit bebender Stimme donnert sie gegen Schwarzer. Sie stehe in der Tradition von Thomas von Aquin. Ein Dominikaner, Theologe und Philosoph, der wohlgemerkt ins 12. Jahrhundert gehört. Sie führe seine düsteren Gedanken fort. Die Frau als Krüppel, als unfertigen Mann. 

Buh.

Alice Schwarzer lacht: 

«So etwas hab ich noch nie erlebt! Ich dachte, ihr Schweizer seid so vernünftig!»
Alice Schwarzer

Die Frauen waren offenbar organisiert und Alice Schwarzer von Deutschland nach Zürich hinterhergereist, um sie mit ihren doch sehr merkwürdig radikalfeministischen Fragen zu bombardieren. Als sie merken, dass die 500 Menschen im Saal mehrheitlich wieder zum Thema Islam und Frauen zurückkehren wollen, halten die Aktivistinnen ihre Musikboxen in die Luft. Daraus scheppert irgendein altes deutsches Lied.

Dann werden sie vom Sicherheitspersonal herausgeführt. Eine rief noch:

«Ich zahle doch nicht 28 Franken, damit mir hier der Mund verboten wird!»
Eine der Aktivistinnen

Unklar war bis zuletzt, aus welcher Ecke die Gruppe von mehrheitlich Frauen kam. Entsprechend trieben die Spekulationen wilde Blüten: Von türkischen Grauen Wölfen oder evangelikalen Aktivistinnen war im Publikum die Rede. Dies, weil die Frauen eher konservativ gekleidet und frisiert waren.

Ein Sinnbild für Alice Schwarzer. Sie schliesst mit dem Satz:

«Ein Dutzend Sektenmitglieder genügt, um das Ganze zu zerstören.»
Alice Schwarzer

(rof/rwy)

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ElenderKuschelwuschel
05.09.2016 08:21registriert Juni 2016
Geht einem langsam auf die Nerven, dass Schreihälse und Diskussionsunfähige ständig als "Aktivisten" bezeichnet werden, egal ob es linke oder rechte Heulbojen sind.
Das sind keine Aktivisten, das sind einfach nur Idioten.
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elk
05.09.2016 10:47registriert Mai 2016
Es wäre noch spannend zu erfahren, was die andere Diskussionsteilnehmerin zu sagen hatten.
Wenn man schon Vertreter eines fortschrittlichen Islams zu ihrer Meinung befragt, wäre es nett, ihnen auch eine Plattform für die Antworten zu bieten.
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Blutgrätscher
05.09.2016 10:49registriert Juli 2016
«Ich zahle doch nicht 28. Franken, damit mir hier der Mund verboten wird!»

Schon weltfremd, so einen Satz aus dem Publikum einer Podiumsdiskussion zu bringen.
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