Nebelfelder
DE | FR
13
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Spass
Blogs

Tom Felber: 5 Kartenspiele, die in keiner Berghütte fehlen dürfen

De Ohrfiige na

5 Spiele, die in keiner Skihütte fehlen dürfen (und in deiner Hosentasche Platz haben)

Bild: La haute roche
Skifahren und Snowboarden sind vielleicht nur erfunden worden, damit man Abends in der Skihütte zusammen Karten spielen kann.   
29.01.2018, 12:37
Folge mir

Wir sind bereits wieder mitten in der Skisaison. Wenn ich die legendärsten Spielerlebnisse meines Lebens vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, dann sind doch einige von ihnen in Skihütten über die Bühne gegangen. Das Problem an guten Spielen ist aber, dass sie normalerweise viel Platz beanspruchen und man die sperrigen Schachteln beim Skifahren und Snowboarden nicht einfach auf den Rücken binden kann. Auch in den Hütten ist der Platz auf den Tischen oft eher beengt. Zum Glück gibt es aber ein paar sehr lustige Spiele, die derart kleinformatig sind, dass man sie problemlos im Skianzug oder der Snöberjacke verstauen und überall hin mitnehmen kann:   

Do De Li Do

Packshot Do De Li Do
Bild: Schmidt Spiele

«Öh, öh, Schildkröte», «Öh, Grün», «Pinguin», «Do De Li Do», «Kamel», «Rosa», «Rosa», «Flamingo», «Nix», «Öh nix»: Wer nichtsahnend in den Akustikbereich einer «Do De Li Do» spielenden Gruppe gerät, dem kann man nicht verübeln, wenn er denkt, es seien da wohl einige nicht ganz dicht; vor allem wenn dann plötzlich auch noch alle auf den Tisch hauen, sich gegenseitig die Finger einklemmen, schreien und jaulen. So blöd wie der Name klingt, so blöd fühlt man sich als Anfänger bei diesem Spiel auch.

Es ist eine turbulente Konzentrations- und Reaktionsaufgabe des luxemburgischen Spieleautors Jacques Zeimet. Alle 105 Karten werden gemischt und gleichmässig verteilt. Wer am Zug ist, muss blitzschnell die oberste Karte seines verdeckten Stapels offen in die Mitte des Tisches auf einen von drei Stapeln legen und aufgrund der gerade ausliegenden Kombination von Farben und Tieren die richtige gültige Ansage machen. Wer einen Fehler begeht oder zögert, nimmt alle Karten aus der Mitte und steckt sie wieder unter seinen Stapel.  Es gewinnt, wer zuerst alle Karten los geworden ist. Falls jemand «Äh» oder «Öh» sagt, ist das bereits ein Fehler – es sei denn, eine Schildkröte ist sichtbar, dann ist der Ausspruch zwingend. Erscheint ein Krokodil, muss man schnell auf die Karte klatschen. 

«Do De Li Do» kann tiefe Selbstzweifel auslösen und ist oft derart emotional, dass man noch drei Monate später über eine Partie redet, wenn man sich zufällig auf der Strasse begegnet. 

Kartenspiel von Jacques Zeimet für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren, 15 bis 20 min. Drei Magier, ca. 13 Franken.  

Drecksau

Drecksau Packshot
Bild: Kosmos

Wer im Ferienhaus einen ruhigen Nachmittag verbringen will, darf vorher keinem Kind das Spiel «Drecksau» zeigen. Dieses Mitbringspiel mit nur 66 Karten schlägt nicht nur wegen seines Namens sofort ein wie eine Arschbombe im Schlamm. Es eignet sich eben auch sehr gut für Kinder, die ganz toll daran finden, dass sich die Ferkel absichtlich schmutzig machen und sich nicht waschen wollen.

Trotz des Namens ist das Spiel völlig harmlos. Ich wurde schon von Fünfjährigen tagelang abgezockt, ohne dass sie einen bleibenden Schaden erlitten. Es geht nur darum, als Erster drei dreckige Schweinchen zu haben, denn der Regeltext besagt:

«Nur als echte Drecksau fühlen sich Schweine sauwohl!»

Jeder Spieler hat stets drei lustig gezeichnete Karten in der Hand. Sobald man an der Reihe ist, spielt man eine davon zu seinem Vorteil oder gegen Mitspieler aus und zieht nach. Bei einer «Matschkarte» ruft man «Drecksau» und dreht ein «Sauberschwein» auf die Drecksau-Seite um. Mit einer «Bauer-schrubbt-die-Sau-Karte» kann das wieder rückgängig gemacht werden. Eine «Regenkarte» wäscht alle Säue, ausser sie stehen im Stall. Mit einer «Blitzkarte» können die Ställe aber abgefackelt werden. Zum Schutz vor Blitzen gibt es die «Blitzableiterkarte». Und mit einer «Bauer-ärgere-dich-Karte» nagelt eine Drecksau die Stalltüre von innen zu, so dass sie für feindselige Putzaktionen unerreichbar wird. Das Spiel ist purer, spassiger Zeitvertreib und hat keinerlei taktischen Anspruch. 

Kartenspiel von Frank Bebenroth für 2 bis 4 Spieler ab 7 Jahren, ca. 10 min. Kosmos, ca. 11 Franken.

Hanabi

Hanabi mit Material
Bild: Abacusspiele

«Hanabi» ist japanisch und heisst «Feuerblume» oder «Feuerwerk». Ein solches müssen die Spieler gemeinsam auf den Spieltisch zaubern. «Hanabi» ist zugleich auch das winzigste Spiel, das je «Spiel des Jahres» geworden ist, nämlich 2013, und ganz klar auch das anspruchsvollste Spiel in dieser kleinen Westentaschen-Auswahl.

Es ist kooperativ. Alle gewinnen oder verlieren gemeinsam. Und wer «Hanabi» nicht kennt, denkt, die Spieler halten die Karten verkehrt herum in ihren Händen. Jeder sieht nur seine Kartenrückseiten und hat zunächst überhaupt keine Ahnung davon, was da zwischen den Fingern steckt. Nur die Mitspieler können das erkennen und müssen den Teammitgliedern Hinweise dazu geben. Die Karte, die man ausspielen will, muss jeder trotzdem stets selber wählen. Das Ziel ist es, auf dem Tisch aufsteigende Zahlenreihen in fünf verschiedenen Farben zu bilden. Eine Karte, die eine Farbreihe ergänzt, muss genau um den Wert 1 höher sein als die auf dem Tisch liegende Karte, andernfalls gibt es ein Unwetter, was schlecht ist. Falls drei falsche Karten ausgespielt wurden, ist die Partie bereits zu Ende.

Bei «Hanabi» entsteht mit wenig Regeln ganz viel Spiel. Es ist eine gemeinsame Deduktions- und Denksportaufgabe, bei der jeder eine andere Teilmenge an Informationen besitzt und diese möglichst effizient in die Runde einbringen will. 

Kooperatives Kartenspiel von Antoine Bauza für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren, ca. 30 min, Abacus, ca. 10 Franken.

Game Over

Cover Game Over
Bild: Asmodee

Als die Jury «Kinderspiel des Jahres» 2013 das Spiel «Der verzauberte Turm» auszeichnete, in dem ein männlicher Protagonist eine Prinzessin befreien musste, bekam ich als Jury-Präsident ziemlich viele E-Mails verstörter Menschen, in denen gefragt wurde, ob die Jury eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe, ein Spiel mit einem solch dümmlichen Plot ohne Berücksichtigung der Genderfrage aufs Podest zu heben. Alle diese Leute müssen jetzt stark sein und wegzappen. Im Spiel «Game over» muss nämlich nicht nur eine, sondern es müssen gleich vier Prinzessinnen befreit werden. Dieses charmante Gedächtnisspiel für Kinder und Erwachsene ab 5 Jahren ist ein Ableger der gleichnamigen Comic-Serie.

25 Karten werden in einem Quadrat ausgelegt. Jeder Spieler versucht dann, sich einen Weg durch das Verlies zu bahnen und einen Schlüssel sowie die eigene Prinzessin zu finden. Auf den meisten Karten lauern aber grimmige Monster, die Blorks. Für jeden Blork wird ein anderer Gegenstand benötigt, um an ihm vorbeizukommen. Gelingt dies nicht, wird die bisher gesichtete Auslage wieder umgedreht, man muss sich die Position der Karten merken und der nächste Spieler ist an der Reihe.

«Game over» erinnert stark an «Koffer packen». Entdeckt jemand in einem Rutsch einen Schlüssel sowie seine Prinzessin und überwindet alle Widersacher, ist dies schon der Sieg. Das Spiel ist im Handel nicht einfach zu bekommen, bei Fata Morgana gibt es im Moment aber noch einen Lagerbestand.   

Kartenspiel von Jérémy Peytevin für 2 bis 4 Spieler ab 5 Jahren, ca. 15 min. Asmodee, etwa 15 Franken.

Werwölfe vom Düsterwald 

Werwölfe Cover
Bild: Asmodee

Muss man diesen mörderischen Klassiker wirklich noch vorstellen? Neuneinhalb auf neuneinhalb auf zweieinhalb Zentimeter Spiel vermögen es, eine Gruppe von bis zu 18 Leuten ein ganzes Wochenende zu unterhalten. Hat man zwei Stück davon, können problemlos wesentlich mehr Leute mitspielen. In einem kleinen Dorf namens Düsterwald im zerklüfteten Hunsrück verwandeln sich jede Nacht ein paar ehrenwerte Bürger in blutrünstige Werwölfe und verschlingen einen aus dem Kreis der unbescholtenen Dorfbewohner.

Diese müssen herausfinden, wer unter ihnen zu den Werwölfen gehört, bevor der letzte Unschuldige das Zeitliche segnet. Ein talentierter Geschichtenerzähler, der als Spielleiter fungiert, erhöht den Spass. Jeder Spieler erhält geheim eine Karte, die seine wahre Identität zeigt. Je nach Spielerzahl und Variante sind zwei oder drei Werwölfe darunter, einige normale Dorfbewohner sowie Charaktere mit Spezialfähigkeiten.

Nachdem in einer Nachtphase ein Mitspieler den Werwölfen zum Opfer gefallen ist, müssen die Bewohner jeweils im Dorftribunal am nächsten Tag einen Schuldigen finden. Es wird diskutiert, geblufft, gemobbt, verdächtigt, gelogen, sich herausgeredet und kombiniert. «Die Werwölfe vom Düsterwald» wird mit kommunikativen Spielern zum unvergesslichen Gemeinschaftserlebnis.     

Partyspiel von Philippe de Pallières und Hervé Marly für 8 bis 18 Spieler ab 10 Jahren, 30 bis 60 min. Asmodee, ca. 14 Franken.

Und welches Spiel darf bei dir in der Berghütte nicht fehlen?
Tom Felber ist ...
... der Vorsitzende der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Fortan wird er hier für uns regelmässig neue Brett- und Kartenspiele vorstellen.
Bild
bild: zvg
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

13 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Calisthenics
29.01.2018 13:05registriert Januar 2018
Tschau Sepp.
Hoffe das ist jetzt nicht zu bünzlig :P für 20 und 21 jährige.
270
Melden
Zum Kommentar
13
Cancel Culture: Alles nur moralische Panikmache von weissen, alten, rechten Männern?
Eine neue Studie von Stanford Professor Adrian Daub kommt zum Schluss, dass es bei der Cancel Culture häufig weniger um verhinderte Redefreiheit geht als vielmehr um Aufmerksamkeitsökonomie.

Immer wieder höre ich, mein Asthma sei psychosomatisch bedingt, also mehr oder weniger Einbildung. Ich müsse nur richtig atmen lernen und die Ernährung umstellen, dann verschwinde es, ebenso all meine Allergien. Allergisch bin ich seit je gegen jede Form von Cancel Culture. Und was legt mir die neue Studie zur Cancel Culture von Literaturprofessor Adrian Daub nahe? Das versteht sich von selbst: einfach ruhig weiter atmen. Cancel Culture ist hauptsächlich Einbildung.

Zur Story