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Doping-Razzia an der WM – Langläufer «mit der Bluttransfusion im Arm erwischt»



Die wichtigsten Fakten

Liveticker: 27.02.2019 Doping in Seefeld

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Ralf Meile
c_meier
Dario Cologna im SRF
Ich habe es erst nach dem Rennen mitbekommen. Das ist sicher eine traurige Nachricht für den Sport. Aber andererseits ist es ein gutes Zeichen, dass man am Ausmisten ist und sie erwischt hat.»
Luis Stadlober im ORF
Der einzige Österreicher, der heute am Start war, wurde 56. und verpasste sein Ziel damit deutlich. «Das war eine sehr, sehr schwierige Situation», sagte Stadlober im ORF. «Ich belege das Zimmer gegenüber und hörte am Morgen, dass das Bundeskriminalamt eine Hausdurchsuchung macht … Das ist natürlich nicht die optimale Rennvorbereitung. Einfach eine Scheiss-Situation. Warum macht man so etwas? Wie schafft man das, dass man jeden anlügt, dass man den österreichischen Langlaufsport so zerstört?»
Erst die Spitze des Eisbergs?
Csefan: «Wir stehen am Anfang der Ermittlungen. Wir gehen aber von mindestens fünf Jahren aus, in denen dieses kriminelle Netzwerk weltweit aktiv war.»

Damit ist die Medienkonferenz beendet.
«Weltweit tätig»
Csefan: «Das Netzwerk agiert seit Jahren und weltweit, es sind sicher auch andere Sportarten betroffen. Wir stecken mitten in den Vernehmungen und Ermittlungen, deshalb kann ich nicht mehr sagen.»
In flagranti erwischt
«Einer der Läufer wurde bei der Wohnungsöffnung mit der Blutinfusion im Arm erwischt.» Um welchen der fünf betroffenen Sportler es sich handelt, wurde nicht bekannt. «Ich bitte um Verständnis, dass wir zu den einzelnen Sportlern keine Angaben machen. Sie befinden sich in Haft und werden derzeit von Kollegen vernommen.»
Kriminelle Organisation zerschlagen
Dieter Csefan vom Bundeskriminalamt: «Ausgangslage war eine Zeugenaussage eines ehemaligen Langläufers (wohl Johannes Dürr, Anm.d.Red.) … Wir konnten eine kriminelle Organisation ausheben und mit heutigem Tag zerschlagen. Es handelt sich um einen 40-jährigen Sportmediziner aus Erfurt, der mit seinen Komplizen seit Jahren illegal tätig ist.»
Nun die Pressekonferenz in Innsbruck
Hansjörg Mayr, Sprecher Staatsanwaltschaft Innsbruck: «Es besteht der Verdacht des Dopings und des Sportbetrugs. Konkret geht es um Eigenblutdoping. Es sind fünf Sportler betroffen: Zwei österreichische, zwei estnische und ein kasachischer Langläufer. Betroffen sind auch ein Sportmediziner aus Deutschland und weitere Komplizen von ihm. Sie wurden heute festgenommen, zeitgleich in Seefeld und in Erfurt.»
Sundby endlich ganz oben
Der Norweger Martin Johnsrud Sundby gewinnt erstmals eine Goldmedaille an einem Grossanlass. Der ehemalige Gesamtweltcup- und Tour-de-Ski-Sieger wendete auf den letzten Kilometer noch das Blatt. Er schlug den Russen Alexander Bessmertnych um 2,9 Sekunden. Bronze geht an den Finnen Iivo Niskanen.
epa07401275 Martin Johnsrud Sundby of Norway in action during the men's Cross Country 15km classic race of the 2019 Nordic Skiing World Championships at the Cross-Country Arena Seefeld in Seefeld, Austria, 27 February 2019.  EPA/SRDJAN SUKI
Dario Cologna fehlen auf die Medaillen zwölf Sekunden. Der Bündner läuft als bester Schweizer auf Rang 6.
Niskanen im Ziel vor Tönseth
Der Finne Iivo Niskanen hat den Spiess auf den letzten 2,5 km noch gedreht. Aus knapp zehn Sekunden Rückstand auf den Norweger Didrik Tönseth machte er im Ziel einen Vorsprung von vier Sekunden.
epa07401200 Livo Niskanen of Finland in action during the men's Cross Country 15km classic race of the 2019 Nordic Skiing World Championships at the Cross-Country Arena Seefeld in Seefeld, Austria, 27 February 2019.  EPA/SRDJAN SUKI
Bei Kilometer 12,5 liegt allerdings der Russe Alexander Bessmertnych vorne. Er ist noch nicht im Ziel. Dario Cologna ist bei jener Zwischenzeit auf Rang 5, der Bündner ist unterwegs zu einem Platz in den Top Ten.
Poltoranin auch nicht am Start
Nun scheint auch klar zu sein, um welchen kasachischen Athleten es sich bei den im Zuge der Dopingrazzia verhafteten Langläufer handelt: Um Alexei Poltoranin. Der 31-Jährige ist seit Jahren ein Schwergewicht der Branche und der klar höchstdekorierte des festgenommenen Quintetts. Poltoranin gewann schon WM-Medaillen und zwölf Weltcuprennen.
Alexey Poltoranin of Kazakhstan competes during the men's cross-country skiing 15km classic style of the FIS World Cup in Lahti, Finland, Sunday, March 4,  2018. (Markuu Ulander/Lehtikuva via AP)
Der Kopf der Gruppe
Bei Dr. Mark S. handelt es sich wohl um Mark Schmidt, Arzt des ehemaligen Radteams Gerolsteiner. Dieses und der Arzt waren 2008 an der Tour de France in einen grossen Dopingskandal verwickelt.

Dank Blutdoping schaffte es der Österreicher Bernhard Kohl sensationell auf Rang 3 und zum Gewinn des Bergpreistrikots. Schmidt sei in seine Dopingpraktiken eingeweiht gewesen, sagte Kohl in einem Ermittlungsverfahren aus.
epa01470562 Austria's Bernhard Kohl of Team Gerolsteiner signs autographs after the Tour of Germany's prologue in Kitzbuehel, Austria, 29 August 2008. This year's Tour of Germany leads in eight stages over 1,408.6 kilometres from Kitzbuehel to Bremen, Germany.  EPA/GERO BRELOER
Communiqué vom Bundeskriminalamt
Noch vor der für 15 Uhr vorgesehenen Pressekonferenz haben die österreichischen Behörden eine erste Mitteilung veröffentlicht. Es sei gelungen, ein international agierendes Dopingnetzwerk zu zerschlagen. Insgesamt wurden in Seefeld und in Deutschland neun Personen festgenommen und 16 Hausdurchsuchungen vollzogen.

Man habe im Rahmen seit mehreren Monaten andauernden Ermittlungen gehandelt, heisst es. Man habe «eine in Deutschland ansässige Organisation um den Sportmediziner Dr. Mark S. ausgeforscht.» Die Gruppierung sei dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen.
Nächstes Update zur Doping-Razzia
Luis Stadlober ist unterwegs
Schwierig heute für den Österreicher, sich zu fokussieren, nachdem zwei Teamkollegen verhaftet worden sind. Sein Vater Alois, einst selber Spitzenlangläufer, ist ORF-Co-Kommentator.

«Luis ist durch den Wind», sagte er vor dem Rennen. «Ich habe ihm gesagt: Du läufst. Wenn du jetzt nicht läufst, dann zeigen sie mit dem Finger auf dich. Aber es sind alle total am Boden zerstört.»
Der nächste Este, der fehlt
Auch die Startnummer 30 ist heute nicht dabei: Karel Tammjarv aus Estland.

Derweil führt bei Kilometer 2,3 der Schweizer Ueli Schnider vor seinem Landsmann Jonas Baumann. Aber die besten Athleten sind noch gar nicht gestartet.
«Operation Aderlass»
So tauften die Behörden laut «Krone» die Doping-Razzia heute in Seefeld.
Hauke ist nicht am Start
Bei der Startnummer 23 bleibt das Starttor leer: Der Österreicher Max Hauke kann nicht laufen.
Das Rennen über 15 km klassisch
Um 14 Uhr hat der Wettkampf begonnen. Auf den Start verzichtet hat der Este Andreas Verpaalu – oder musste er auf einen Start verzichten, weil er derzeit in Polizeigewahrsam ist?

Der 24-Jährige ist der Sohn des grossen Andrus Verpaalu, der je zweifacher Olympiasieger und Weltmeister war – mit der Spezialdisziplin 15 km klassisch.

Vier Schweizer sind am Start: Dario Cologna, Jonas Baumann, Ueli Schnider und Beda Klee.
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Ja, sie haben eine gewissen Vergangenheit
von c_meier
Das ist ja etwa das 4. Mal, dass die Österreichischen Langläufer an einem Grossanlass erwischt werden... (Olympia 2018, Olympia 2006 Turin, Olympia 2002 Salt Lake und jetzt WM 2019).
Trond Nystad im ORF
Der Norweger arbeitet beim ÖSV als Langlaufkoordinator.

«Für mich ist es nur traurig, ich finde keine Worte. Ich habe gedacht, dass aus der Vergangenheit gelernt wurde, dass Doping und Sport nicht zusammengehört. Ich fühle mich verarscht. Wir machen alles, dass sie schnelle Ski haben und die machen so etwas. Es ist für uns alle einfach nur traurig.»

«Ich hoffe, die Jungs haben die Eier, zu sagen, wer dahinter steckt. Ich erwarte, dass sie Mann genug sind. Wenn ich etwas gemerkt hätte, dann hätte ich sofort aufgehört, hier zu arbeiten. Aber ich habe gar nichts gemerkt.»
Von links: Die neue Trainercrew der Swiss-Ski Langlaeufer mit Fredrik Aukland, Distanz Herren, Marcus Cramer, Cheftrainer/Damen, und Trond Nystad, Sprint Herren, posiert am Donnerstag, 17. Juli 2008 beim Hotel Parc Naziunal auf dem Ofenpass. Das Weltcupteam Langlauf absolviert Mitte Juli einen Trainingslehrgang im Gebiet Ofenpass - Nationalpark - Livigno. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Markus Gandler im ORF
Der einstige Langläufer ist Rennsportdirektor für Langlauf und Biathlon beim österreichischen Skiverband ÖSV.

«Das sind erwachsene Leute, da kümmert sich eine acht-, neunköpfige Mannschaft seit dem frühen Morgen um die Ski. Wir bewachen die ja nicht auf Schritt und Tritt. Die haben auch genügend Freizeit, um so einen Blödsinn zu machen.»

«Ich wurde von den Ermittlern gebeten, bei der Suche nach den beiden Athleten zu helfen. Einer war da, nach dem anderen musste zunächst noch gesucht werden.»
ABD0148_20190219 - SEEFELD - ÖSTERREICH: ÖSV-Rennsportdirektor für Langlauf Markus Gandler, am Dienstag, 19. Februar 2019, anl. der PK des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) zur Nordischen Ski-WM 2019 in Seefeld. - FOTO: APA/BARBARA GINDL
Das ist Max Hauke
Er ist ebenfalls 26 Jahre alt und zweifacher Olympiateilnehmer. Im Weltcup war Hauke noch nie in den Top Ten klassiert.
Das ist Dominik Baldauf
Der Vorarlberger ist 26 Jahre alt und gilt als Sprint-Spezialist. Der gemeinsam mit Max Hauke erreichte 6. Platz im Teamsprint in Seefeld ist sein wertvollstes Resultat an Grossanlässen. Baldaufs bestes Weltcupresultat ist der 8. Rang im Sprint von Val Müstair am Neujahrstag 2019.
Dominik Baldauf of Austria in action during the men's sprint qualification (prologue)  of the 3rd stage of the Tour de Ski, in Tschierv, Switzerland, Tuesday, January 1, 2019. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller).
Krisensitzung im ÖSV
Auch ARD-Dopingredaktor Hajo Seppelt berichtet, die Polizei habe zwei Österreicher abgeführt. Derzeit halte der österreichische Ski-Verband eine Krisensitzung ab.
Wie geht es weiter?
Um 15 Uhr will die Landespolizeidirektion Innsbruck an einer Pressekonferenz Auskunft zur Aktion geben.

Bereits um 14 Uhr beginnt das Männer-Rennen über 15 km in der klassischen Technik. Schau'n mer mal, welche Läufer dort auf einen Start verzichten müssen.
Wer ist betroffen?
Nach Angaben der «Krone»-Zeitung wurden zwei österreichische Langläufer in flagranti beim Blutdoping erwischt: Dominik Baldauf und Max Hauke, die im Teamsprint Rang 6 belegten, seien beim Blutdoping in der Unterkunft erwischt worden. Laut «Eurosport»-Experte Jochen Behle wurde das Duo verhaftet.
Seppelt berichtete, dass auch Athleten aus Estland und Kasachstan im Fokus der Ermittler stünden.

«Eurosport» zählte einige Teams auf, die nicht betroffen seien: Norwegen, Schweden, Russland und Deutschland.
War dieser Film der Auslöser?
Seppelt erhielt Hinweise darauf, dass die Beamten aufgrund des Dok-Films «Die Gier nach Gold» tätig wurden, in welchem der österreichische Langläufer Johannes Dürr über Dopingpraktiken sprach.
Was bisher geschah
In Seefeld, dem Austragungsort der nordischen Ski-WM, fand um die Mittagszeit ein koordinierter Polizeieinsatz in mehreren Team-Quartieren statt. Zudem gab es auch eine Razzia in der Praxis eines Sportmediziners im deutschen Erfurt. Diese sei zuvor länger observiert worden, berichtete der in Sachen Doping in der Regel gut informierte ARD-Redaktor Hajo Seppelt.

Nach «Krone»-Informationen handelt es sich beim «Mastermind des Dopingrings» um einen ehemaligen Teamarzt der ehemaligen Rad-Equipe Gerolsteiner. Diese wurde 2008 aufgelöst, auch wegen eines Dopingskandals. Der Österreicher Bernhard Kohl war an der Tour de France kometenhaft aufgestiegen, er wurde Gesamtdritter und Bergkönig, ehe er wie sein Deutscher Teamkollege Stefan Schumacher, zweifacher Etappensieger, des Dopingmissbrauchs überführt wurde.

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