Sport
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Eishockey-WM in Dänemark, Viertelfinals

Finnland – Schweiz 2:3 (1:0,0:3,1:0)
Russland – Kanada 4:5 n.V. (0:1,2:1,1:1)
USA – Tschechien 3:2 (2:0,0:2,1:0)
Schweden – Lettland 3:2 (0:0,1:1,2:1)

Switzerland's players celebrate their victory after beating Finland, during the IIHF 2018 World Championship quarter final game between Finland and Switzerland, at the Jyske Bank Boxen, in Herning, Denmark, Thursday, May 17, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Ab zu den Kollegen bei Goalie Genoni: Die Schweizer feiern ihren Erfolg. Bild: KEYSTONE

3 Tore in 4 Minuten – wie die Schweiz in den WM-Halbfinal stürmte

Das Eishockey-Nationalteam steht an der WM in Dänemark in den Halbfinals. Die Schweizer besiegten Finnland nach einem 0:1-Rückstand bis zur 30. Minute mit 3:2. Im Halbfinal trifft die Schweiz am Samstag auf Kanada.



In magischen 235 Sekunden wurde das Fundament für den historischen Sieg gelegt. Gegen Finnland hatte die Schweiz an Weltmeisterschaften seit 1972 nie mehr gewonnen. In den 46 Jahren seither gab es bloss an den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary einen glückhaften 2:1-Sieg über die Suomi.

«Das Spiel war ausgeglichen, aber im Grossen und Ganzen haben wir den Sieg mehr verdient, weil wir aufopferungsvoller gespielt und uns immer wieder in Schüsse geworfen haben.»

Mirco Müller, Verteidiger srf

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Die Höhepunkte der Partie. Video: YouTube/IIHF Worlds 2018

Wende zur Spielmitte

Mit Glück und Fortune hatte der Schweizer Sieg in Herning wenig zu tun. Die Schweizer rissen im zweiten Abschnitt die Initiative vehement an sich und wurden für ihre mutige Spielweise mit drei Toren innerhalb von weniger als vier Minuten vom 0:1 zum 3:1 belohnt.

Bild

Der NHL-Pionier durfte gratulieren: Mark Streit (rechts) zeichnete Tristan Scherwey als besten Schweizer aus. bild: srf

«Es ist ein unglaublich schönes Gefühl. Als wir Kopenhagen verliessen, sagten wir uns, dass wir um jeden Preis zurückkehren wollen.»

Tristan Scherwey, Stürmer srf

Enzo Corvi leitete mit dem Ausgleich die Wende ein. Corvi gelang mit dem zweiten Nachschuss der 1:1-Ausgleich. Der WM-Debütant erzielte bereits sein viertes Tor in Dänemark; er führt mit vier Toren und vier Assists punktemässig das Schweizer Team an.

Corvi zeigt sich hartnäckig und erzielt das 1:1.

Endgültig auf die Siegesstrasse bogen die Schweizer nach 33 Minuten ab. Zuerst erwischte Joël Vermin den finnischen Goalie Harri Säteri – statistisch vor den Viertelfinals die Nummer eins des Turniers – zwischen den Beinen. Nur 36 Sekunden später erhöhte Gregory Hofmann nach einem Abpraller Säteris auf 3:1. Vermin und Hofmann erzielten jeweils ihr drittes WM-Tor. Hofmann sah im ersten Abschnitt beim Gegentor zum 0:1 noch schlecht aus, weil er seinen Gegenspieler (Verteidiger Markus Nutivaara) aus den Augen verloren hatte.

Das 3:1 für die Schweiz: Gregory Hofmann trifft.

«Vom ersten bis zum hinterletzten Spieler konnten wir das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten.»

Joël Vermin, Stürmer srf

Im finnischen Finish unter Druck

Dieses erste Gegentor, welches das Team von Nationalcoach Patrick Fischer bis zur Spielmitte in Rücklage gebracht hatte, blieb am Ende eine Randnotiz. Die Schweizer zeigten ihr mit Abstand bestes Spiel an dieser Weltmeisterschaft. Sie flitzten übers Eis. Sie dominierten die Finnen im zweiten Abschnitt mit Tempospiel. Und selbst als die Finnen im Schlussabschnitt immer mehr riskieren mussten, verloren die Schweizer die Übersicht nur selten.

Spannend wurde es aber noch: Zwölf Minuten vor Schluss verkürzten die Finnen in Überzahl (durch Mikko Rantanen) auf 2:3. Anschliessend spielte Finnland weitere zwei Minuten lang Powerplay. Die Schweizer gerieten im Finish enorm unter Druck, tauchten selber aber zweimal solo vor dem finnischen Torhüter auf. Die Schweizer stahlen den Sieg sicher nicht.

Schweizer Top-4-Klassierungen an Weltmeisterschaften

Rang 2: 1935, 2013.
Rang 3: 1928, 1930, 1937, 1939, 1948, 1950, 1951, 1953.
Rang 4: 1934, 1947, 1992, 1998.​

Genonis grosser Abend

Die Schweizer überzeugten und glänzten als Team. Einer stach trotzdem heraus. Goalie Leonardo Genoni durfte wieder einmal Held sein. An den Winterspielen war er nach 26 Minuten und 4 Gegentoren (und bloss 8 Paraden) ausgewechselt worden. In Pyeongchang durfte Genoni nachher nicht mehr aufs Eis. Auch in Dänemark hinterliess Genoni in der Vorrunde den weniger souveränen Eindruck als Reto Berra. Trotzdem setzte Patrick Fischer auf Genoni. Der 30-jährige honorierte das Vertrauen mit 32 Paraden. Bei den beiden Gegentoren besass Genoni keine Abwehrchance.

Players of Switzerland celebrate after the Ice Hockey World Championships quarterfinal match between Finland and Switzerland at the Jyske Bank Boxen arena in Herning, Denmark, Thursday, May 17, 2018. (AP Photo/Petr David Josek)

Mit 32 Paraden einer der Matchwinner: Leonardo Genoni. Bild: AP

Der dritte gewonnene WM-Viertelfinal (nach 1992 in Prag und 2013 in Stockholm) beruhigt die Stimmung rund ums Nationalteam. Niemand mehr wird die voreilige Vertragsverlängerung mit dem Nationalcoach vor den Winterspielen von Pyeongchang in Frage stellen. Patrick Fischer wird bis zur Heim-WM 2020 fest im Sattel sitzen.

«Wir haben zwei Spiele, in denen wir eine Medaille holen können. Dafür reist man an eine WM. Es ist ein langes Turnier und wir konnten uns von Spiel zu Spiel steigern.»

Mirco Müller, Verteidiger srf

Gewiss starten die Schweizer in die Partie gegen Kanada nicht als Favorit. Aber gegen das Team Canada erlebte die Schweiz in den letzten Jahren schon etliche Sternstunden. Von den letzten zehn Pflichtspielen gewannen die Schweizer immerhin vier – an den Olympischen Spielen in Turin besiegte die Schweiz sogar ein kanadisches NHL-Dream-Team. An der letzten WM in Paris setzten sich die Schweizer mit 3:2 nach Verlängerung durch. Und beim 1:5 in Pyeongchang im Februar wurden die Schweizer gewiss unter Wert geschlagen. (ram/sda)

Das Telegramm

Finnland – Schweiz 2:3 (1:0, 0:3, 1:0)
Herning. - 5634 Zuschauer. - SR Jerabek/Reneau (CZE/USA), Lasarew/Lhotsky (RUS/CZE).
Tore: 8. Nutivaara (Koivisto, Rantanen) 1:0. 30. Corvi (Fiala, Niederreiter) 1:1. 33. (32:32) Vermin (Meier) 1:2. 34. (33:08) Hofmann (Moser, Fora) 1:3. 49. Rantanen (Savinainen, Aho/Ausschluss Fora) 2:3.
Strafen: 0mal 2 Minuten gegen Finnland, 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
Finnland: Säteri; Pokka, Heiskanen; Nutivaara, Koivisto; Honka, Kivistö; Riikola; Rantanen, Granlund, Tolvanen; Teräväinen, Aho, Savinainen; Kapanen, Manninen, Jormakka; Anttila, Pesonen, Mäenalanen; Palola.
Schweiz: Genoni; Diaz, Josi; Fora, Müller; Untersander, Kukan; Frick; Rod, Schäppi, Scherwey; Moser, Haas, Hofmann; Niederreiter, Corvi, Fiala; Andrighetto, Vermin, Meier; Baltisberger.
Bemerkungen: Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Senn, Genazzi und Riat (alle überzählig). Timeout Finnland (59:32). - Schüsse: Finnland 34 (13-10-11); Schweiz 27 (6-14-7). - Powerplay-Ausbeute: Finnland 1/4; Schweiz 0/0.

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Rock'n'Rohrbi
17.05.2018 23:15registriert March 2017
Unendlich Finnenhände geschüttelt und Gratulationen entgegen genommen... merci Nati, merci Fischer für den unvergesslich schönen Abend in Herning. Hopp 🇨🇭🇨🇭🇨🇭🏒🥅
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Wayne99
17.05.2018 23:14registriert April 2014
Danke Jungs, war echt stark!
Ich werde jetzt ins Bett gehen und mit einem Lächen einschlafen! Hopp Schwiiz..Geili Sieche!!
1972
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Pana
17.05.2018 23:13registriert June 2015
Man gratuliert. Genoni solide. Evt aber doch Berra bringen fürs HF, wie 2013?
Für einmal gab es ausserdem auch gar nichts am Powerplay auszusetzen.
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