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Tigers Yannick Blaser, links, und Ville Koistinen, rechts, begleiten Benjamin Neukom, Mitte vom Eis, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem Lausanne HC, am Samstag, 18. November 2017 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die SCL Tigers drohen auch in dieser Saison die Playoffs zu verpassen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Fluch von 1978 bleibt und der ehemalige YB-General kommt nicht nach Langnau

Eine bittere, aber logische Niederlage (3:5 gegen Lausanne) wirft die SCL Tigers erneut zurück. Sie werden den Fluch von 1978 einfach nicht mehr los.



Langnaus Trainer Heinz Ehlers war leise böse. Es schien, dass auch er nicht fassen konnte, was er eben gesehen hatte. 3:0 führten die SCL Tigers, 3:5 verloren sie am Schluss, 0:4 das Teilresultat aus dem letzten Drittel.

Nie zuvor haben die Emmentaler unter Heinz Ehlers den letzten Spielabschnitt so hoch verloren. Er sagte mit leiser Stimme, er habe gesehen, was zu diesem Untergang geführt habe. «Aber das behalten ich besser für mich.» Die Statistik sagt, wer den Zorn des Chefs erregt hat: Gleich alle offensiven Titanen (Antti Erkinjuntti, Eero Elo, Aaron Gagnon, Yannick-Lennart Albrecht und Thomas Nüssli) haben Minus-Bilanzen (-2) eingefahren.

Tigers Pascal Berger, rechts, kaempft um den Puck gegen Lausannes Alain Mieville, links, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem Lausanne HC, am Samstag, 18. November 2017 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Wie konnte Langnau dieses Spiel nur noch aus den Händen geben? Bild: KEYSTONE

Auf Nachfragen der Chronisten sagte Heinz Ehlers dann wenigstens diplomatisch: «Es war von allem ein bisschen zu wenig. Zu wenig Leidenschaft, zu wenig Disziplin, zu wenig Konzentration. Die Summe von allem hat zur Niederlage geführt.» Kein Pfiff übrigens von den Zuschauerrängen. Vielmehr Ratlosigkeit. Als seien alle kalt geduscht worden.

Zum gefühlten einhundertsten Mal haben die Langnauer ein Spiel verloren, das sie hätten gewinnen müssen, um einen Schritt in die Playoff-Ränge zu tun. Mit einem Sieg wären die SCL Tigers auf den 8. Platz vorgerückt – nun sind sie durch die Niederlage auf den 11. Rang abgerutscht. Hinter sich mit 8 Punkten Rückstand nur noch der hoffnungslose Tabellenletzten EHC Kloten.

So ist es immer und immer und immer wieder. Wie bei Sisyphus, der Figur aus der griechischen Mythologie. Seine Strafe bestand darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Der Stein entglitt ihm jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und er musste immer wieder von vorne anfangen. Heute nennt man deshalb eine Aufgabe, die trotz grosser Mühen nie abgeschlossen wird, Sisyphusarbeit. Das gilt für Langnaus Bemühungen, die Playoffs zu erreichen.

Sisyphus ist für seine Versuche, die Götter auszutricksen, bestraft worden. Die Hockeygötter haben die Langnauer für ihre Hoffart mit dem Fluch von 1978 belegt.

Der Langnauer Juerg Berger jubelt nach dem Spiel gegen den EHC Biel, aufgenommen am 2. Maerz 1976 in der Ilfishalle in Langnau. Der SC Langnau steht als Schweizermeister fest.  (KEYSTONE/Str)

Schweizer Meister SC Langnau! 1976 war dies das einzige Mal der Fall. Bild: KEYSTONE

Im Frühjahr 1978 feuerten die SCL Tigers überraschend ihren kanadischen Spielertrainer Norm Beaudin aus einem noch ein Jahr laufenden Vertrag. Obwohl er in 28 Partien 20 Tore erzielt und erst noch oft Defensivaufgaben übernommen hatte. Die Begründung: Misserfolg.

Der Misserfolg bestand den zwei Vize-Meistertiteln von 1977 und 1978! In der offiziellen Begründung hiess es: «… es hätte mehr sein können, ja mehr sein müssen.» Im März 1978 hatten die Emmentaler den Titel im allerletzten Spiel durch eine 3:6-Heimniederlage gegen den SC Bern verpasst.

Unvergessen bleibt für alle Zeiten die dramatische Szene, wie sich der damalige Ligapräsident André Perey in der zweiten Pause beim Stande von 1:4 demonstrativ von seinem Sitz auf der Tribüne erhob und für alle der 6218 Zuschauerinnen und Zuschauer sichtbar mit seiner Entourage die Arena mit dem Pokal hocherhoben in Händen verliess um ihn nach Biel zu bringen. Dort besiegten die Bieler Kloten 4:1 und holten dank Langnaus Niederlage ihren ersten Titel.

Aldo Zenhaeusern, mit Pokal, und weitere Spieler des EHC Biel feiern am 26. Februar 1978 mit den Zuschauern den erstmaligen Gewinn der Schweizer Eishockeymeisterschaft. (KEYSTONE/Str)

Am Ende feierten 1978 doch die Bieler. Bild: KEYSTONE

Wie wir heute wissen, hat der schwergewichtige Waadtländer Nationalrat, Landwirt und Weinbauer damals mit dem Pokal auch Langnaus Hoffnungen auf einen weiteren Titel für immer aus dem Stadion an der Ilfis getragen. Es war der gefühlt bitterste Augenblick für die Emmentaler seit der Enthauptung von Bauernkönig Niklaus Leuenberger am 27. August im Jahre des Herrn 1653 zu Bern.

Norm Beaudin war im Frühjahr 1976 Nachfolger von Meister-Spielertrainer Jean Cusson geworden. Einen Trainer zu entlassen, der eine Dorf-Mannschaft zweimal auf den zweiten Platz geführt hat – so viel Hochmut konnten, durften die Hockeygötter einfach nicht ungestraft lassen.

Nur einmal in 39 Jahren in den Playoffs

Seither ist zwar den Langnauern immer wieder der Wiederaufstieg in die NLB bzw. in die NLA geglückt – aber seit 1978 sind sie in 39 Jahren nur noch ein einziges Mal zum Kampf um den Meistertitel zugelassen worden: durch die bisher einzige NLA-Playoff-Qualifikation im Frühjahr 2011 unter John Fust (Viertelfinal-Aus gegen den SCB). Und dieser Triumph brachte dem kanadisch-schweizerischen Doppelbürger kein Glück. Er ist heute arbeitslos.

Nun deutet vieles darauf hin, dass auch Heinz Ehlers die Rache der Hockeygötter spürt. Dass auch er immer wieder dann verliert, wenn er drauf und dran ist am 8. Platz.

Die Langnauer Roman Schild, Goalie Benjamin Conz und Simon Luethi von links, im Kampf um den Puck gegen den Davoser Peter Guggisberg mitte, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos, am Samstag, 29. Januar 2011, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Januar 2011: Langnau spielt in grün, weil sie erstmals seit Jahren in den Playoffs sind und im Teletext grün eingefärbt wurden. Bild: KEYSTONE

Trotzdem möchte Sportchef Jörg Reber den Vertrag mit seinem Trainer verlängern. Er hat eine Option, dass sich das Arbeitsverhältnis bei einer Playoff-Qualifikation automatisch um ein Jahr prolongiert. Aber es ist wohl besser, nicht darauf zu bauen und vorher zu verlängern. Er sagt: «Ja, wir sind an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit interessiert.» Heinz Ehlers will hingegen noch nichts von konkreten Verhandlungen wissen.

Alain Kappeler kommt doch nicht

Eine Überraschung hat der Sportchef neben dem Eis erlebt. Kürzlich öffnete Jörg Reber eine Bürotür und drin sass der auch im Emmental bestbekannte, überaus tüchtige Ex-YB-General Alain Kappeler, früher auch im Eishockey in Davos in einer Führungsposition. Er ist im September 2016 bei YB zusammen mit Sportchef Fredy Bickel gefeuert worden. Auf Nachfrage erfuhr Jörg Reber Sportchef, dass Alain Kappeler als General Manager sein neuer Chef in Langnau werden soll. Potz Donner!

ZUR MELDUNG, DASS YB CEO ALAIN KAPPELER DEN CLUB PER SOFORT VERLAESST, STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 13. SEPTEMBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Alain Kappeler, COO der Young Boys posiert im Super League Spiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Luzern, am Samstag 9. Februar 2013, im Stade de Suisse in Bern  (KEYSTONE/Peter Schneider)

Von YB doch nicht zu Langnau: Alain Kappeler. Bild: KEYSTONE

Gewährsleute erzählen nun, alles sei klar gewesen, sozusagen fast per Handschlag besiegelt – bis Alain Kappeler seine konkreten monetären Forderungen und Zielvereinbarungen präsentiert habe. Ein Geschäftsführungsmitglied soll danach gespottet haben, er sei nach dem Lesen dieser Forderungen erst im Sanitätsraum des Stadions aufgewacht – der Herzschlag habe ausgesetzt und er sei hart mit dem Kiefer auf der Pultkante aufgeschlagen.

Es ist wie es ist: Alain Kappeler kommt nun doch nicht. Dafür hat Verteidiger-Jahrzehnttalent Miro Zryd inzwischen seinen Abgang bestätigt. «Ja, es stimmt ich werde Ende Saison gehen. Mit dem neuen Klub habe ich vereinbart, dass ich noch nicht sagen, wo ich spielen werde.»

Sportchef Jörg Reber hat nun Offerten gemacht. Zurzeit Wunsch A: Noah Schneeberger (29) vom HCD. Wunsch B: Lukas Stoop (27) vom EHC Kloten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 19.11.2017 17:11
    Highlight Highlight ...interessanter Beitrag, Chlöisu👍🏻Allerdings würdest du besser über das geile Zähringer Derby von gestern schreiben🤔Das Spiel hat mich begeistert, die Fribourger haben alles gegeben aber wurden dennoch von der Hockeymaschine absolut dominiert. Das ganze war etwa so, wie im Match Bern vs. ZSKA Anfang 90er in der Allmend. Bern mit Rexi, Alan, Toto, Cunti,Triulzi etc. spielte mit aber ging gegen die Russkis, bei denen vom Superblock nur noch Kasatonov dabei war schlussamänd unter😳So müssen sich die heutigen Gegner Bern‘s fühlen, jeder weiss, vs. die Hockeymaschine🐻= Null Siegchance😎👏🏻🍻
  • f303 19.11.2017 17:07
    Highlight Highlight Sonntägliche Märchenstunde mit Onkel Klaus.
  • Tobiwankenobi [ZH] 19.11.2017 16:25
    Highlight Highlight Gäääääähn...
  • MARC AUREL 19.11.2017 16:21
    Highlight Highlight Ja, die Langnuller werden wohl nie Erfolg haben! Ein notorischer Verliererklub, der eher absteigen wird irgendeinmal.😎😉

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