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Davos Headcoach Arno Del Curto im 4. Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Davos, am Donnerstag, 24. Maerz 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Was tun? Davos und Arno Del Curto liegen gegen Bern 1:3 Siege zurück.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Leise Töne bei Arno Del Curto – stille Resignation oder kluge Psychologie?

Die Niederlage in Bern (2:3 n.V.) bringt den HC Davos nicht nur an den Rand des Ausscheidens. 1:3 steht es nun in der Playoff-Halbfinalserie. Die Niederlage hat HCD-Trainer Arno Del Curto nachdenklich gemacht.



Arno Del Curto spielt nie Theater. Er ist immer authentisch. Also ehrlich, unverfälscht und glaubwürdig. Anders als die nordamerikanischen Trainer kann er nicht künstlichen Optimismus vorspielen.

Am Tag nach dem 2:3 n.V. in Bern wirkt er nicht ganz so leidenschaftlich und kämpferisch wie sonst. Er entfacht keine Polemik und befeuert keine Verschwörungstheorie. Täuscht sich der Chronist, wenn er vor der fünften Partie bei diesem grossen Trainer zum ersten Mal leise Zwischentöne der Resignation vernimmt? Der Müdigkeit? Nein, er täuscht sich nicht. Oder ist Arno ganz einfach ein kluger Psychologe?

«Helft mir, diesen Fehler gutzumachen»

Es gibt eine interessante Episode aus dem verlorenen Spiel vom Donnerstag. Arno Del Curto verursacht durch Reklamieren bei den Schiedsrichtern in der 29. Minute beim Stande von 2:1 für den SCB eine Zweiminutenstrafe. In einem so intensiven, engen Spiel kann das die Vorentscheidung herbeiführen und den Sieg kosten.

Was ist da vorgegangen? «Ich habe eine Strafe für Halten reklamiert und dafür haben wir eine Bankstrafe bekommen. Dann habe ich auf der Bank zu den Spielern gesagt: ‹Das ist unverzeihlich von mir, helft mir diesen Fehler gutzumachen.›» Und was passiert? Der HCD hat während diesem gegnerischen Powerplay die besten offensiven Szenen des Spiels. Perttu Lindgren gelingt in Unterzahl das 2:2 und beinahe wäre Samuel Walser auch noch das 3:2 gelungen. Die Spieler haben dem Chef geholfen.

Der Davoser Topscorer Perttu Lindgren erzielt das Tor zum 2-2 gegen Berns Torhueter Jakub Stepanek im 4. Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Davos, am Donnerstag, 24. Maerz 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Davos-Topskorer Lindgren sorgt dafür, dass es auf dem Videowürfel gleich nicht mehr 2:1 für Bern steht.
Bild: KEYSTONE

Alles ändern – oder fast gar nichts?

Bei keiner anderen Mannschaft ist die Beziehung zwischen dem Trainer und seinen Spielern so intensiv wie beim HC Davos. Kein Wunder: Arno Del Curto ist schliesslich schon seit dem Sommer 1996 im Amt. Die Wirkung seines «Schuldbekenntnisses» gegenüber seinen Jungs und die positive Reaktion können wir als Zufall abtun. Aber sie ist wohl kein Zufall. Die Spieler haben auf ihren Trainer positiv reagiert.

Del Curto gesteht eine gewisse Ratlosigkeit ein. Die sonst in solchen Situationen kämpferische Rhetorik ist leiseren Tönen gewichen. Auf die Frage, was er nun tun, was er verändern werde, sagt er: «Es arbeitet im Kopf. Ich habe ein paar Ideen. Aber ich weiss noch nicht, was ich tun werde.» Keine speziellen Motivations-Tricks wie die Tausendernote-Prämie für Dick Axelsson für den Fall, dass er sich zusammenreisst – eine Massnahme, die im 7:1-Sieg im dritten Spiel zinste? «Nein, keine solchen Aktionen.» Und dann sagt der Trainer nachdenklich, beinahe philosophisch: «Man kann immer etwas verändern. Vielleicht gibt es grosse Änderungen. Aber vielleicht auch fast keine …».

Der Unterschied: Davos darf den Titel holen, Bern muss

Arno Del Curto stimmt der Analyse zu, dass der SCB mit allen vier Linien eine höhere Intensität ins Spiel bringt und zuletzt im vierten Spiel wohl gut und gerne 80 Prozent der Zweikämpfe gewonnen hat. Aber warum das so ist, kann er nicht sagen und er mag auch nicht mehr einwenden, dass die Zusatzbelastung durch die Champions League der Grund dafür ist. Immer mehr sieht er den grösseren Biss der Berner als Ursache. «Es macht einfach einen Unterschied, ob eine Mannschaft den Titel verteidigt oder ihn erst holen will.» Er muss es wissen. Er hat mit dem HCD schon sechs Meisterschaften gewonnen – und den Titel noch nie verteidigen können.

Beinahe verletzlich wirkt Arno Del Curto. Es ist keine Schauspielerei. Eher scheint es so, als ob er ahnen würde, dass die Titelverteidigung erneut scheitern könnte, dass gegen diesen SCB kein Kraut mehr gewachsen ist. Er sagt zwar, dass nichts verloren sei. Dass es dem HCD ja auch schon mehrmals gelungen sei, eine Serie noch zu drehen, wie etwa ein 1:3 gegen die ZSC Lions oder ein 0:3 gegen den EV Zug. Aber ein direkter Vergleich zu vergangenen Serien lehnt er ab: «Da sind ja immer auch die besonderen Umstände zu berücksichtigen.»

Berns Luca Hischier, unten, pruegelt sich mit dem Davoser Simon Kindschi im 4. Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Davos, am Donnerstag, 24. Maerz 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bissige Berner Bären: Hischier zwar schon auf dem Rücken, dennoch mit der Hand in Kindschis Gesicht.
Bild: KEYSTONE

Heute schon Lichterlöschen?

Es ist offensichtlich: Der Chef, einer der grössten Trainer aller Zeiten, hat kein Rezept, keinen Trick auf Lager um die Wende herbeizuführen. Er braucht die Hilfe seiner Spieler. Jetzt müssen die Spieler ihren Chef «retten». Genauso wie in der Szene am Donnerstag, als wegen einer von Arno Del Curto verschuldeten Strafe der Untergang drohte und daraus noch einmal der Ausgleich zum 2:2 in Unterzahl die Rückkehr ins Spiel geworden ist. Die leisen Töne als kluge psychologische Massnahme?

Der HCD braucht einen Sieg, um in die Serie zurückzukehren. Im Falle einer Niederlage ist heute Abend Lichterlöschen, Saisonende – und für Arno Del Curto zum sechsten Mal die Operation Titelverteidigung gescheitert.

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