Zu weich und unkritisch: Wieso der FCZ Dennis Hediger schon wieder rauswarf
Noch im Dezember hielt der FC Zürich Dennis Hediger für den richtigen Trainer für die Zukunft. Zwei Monate zuvor hatte der 39-Jährige interimsweise vom entlassenen Mitchell van der Gaag übernommen, nach zehn Spielen mit drei Siegen und zwei Unentschieden wurde er zum Cheftrainer befördert.
Keine vier Monate später ist Hediger beim FCZ bereits wieder Geschichte. Der Zehnte der Super League entlässt den Trainer nach der 0:1-Niederlage gegen Lugano und ersetzt ihn bis Saisonende durch Carlos Bernegger, im Juni übernimmt dann Marcel Koller. «Der FC Zürich zieht nach der aktuellen sportlichen Entwicklung die notwendigen Schlüsse», heisst es in der Medienmitteilung.
Der Grund für die Trennung sind einerseits die Resultate. In 24 Spielen gewann der FCZ nur sechsmal, ein Punkteschnitt von 0,88 Zählern pro Spiel ist ebenfalls wenig berauschend. Zuletzt gab es in sieben Partien nur einen Sieg. Der Vorsprung auf den Barrageplatz, den Stadtrivale GC belegt, ist auf sieben Punkte geschmolzen.
Doch die sportliche Krise sei nicht allein für den Entscheid des FCZ verantwortlich. Vielmehr soll es zwischen Hediger und dem Team grosse Differenzen gegeben haben. Wie der Blick berichtet, sei der Trainer den Spielern zu unkritisch gewesen. Sie konnten «seine weichgespülten Analysen nicht mehr hören». Gar wenn sie unzufrieden mit ihren Leistungen waren, redete Hediger diese schön, anstatt auch mal zu kritisieren. Darüber hätten sich mehrere Spieler klubintern beschwert.
Ausserdem sei der junge Trainer, der zuvor lediglich im Nachwuchsbereich und einige Monate als Co-Trainer von van der Gaag gearbeitet hatte, über den Konflikt mit Matthias Phaëton gestolpert. Der treffsichere Flügelspieler sass zuletzt dreimal in Folge auf der Tribüne. Der 26-Jährige habe bei einem Zwischenfall im Training verbal eine Grenze überschritten, erklärte Hediger. Gemäss der Tageszeitung habe der Trainer aber durchaus zur Eskalation beigetragen.
In den letzten sechs Spielen kam in Bledian Krasniqi zudem der beste Assistgeber des FCZ nur einmal zum Einsatz. Dies sei im Team ebenfalls nicht gut angekommen.
Neben den schwachen Resultaten sorgte wohl auch dies dafür, dass Hediger bei Ancillo und Heliane Canepa nach und nach an Rückhalt verlor. Das Besitzer-Ehepaar war die treibende Kraft hinter Hedigers Beförderung zum Cheftrainer im Dezember. Die Zweifel an der Eignung des unerfahrenen Coachs wischten sie zur Seite – mittlerweile konnten sie diese aber nicht mehr beiseitewischen und entliessen den Trainer.
Als Nachfolger wurde Marcel Koller verpflichtet. Der international erfolgreiche und erfahrene 65-Jährige scheint eine hervorragende Lösung für den FCZ zu sein. Da fiel die Trennung von Hediger womöglich noch etwas leichter.
Auffällig ist zudem, dass der im März installierte Co-Trainer Carlos Bernegger, der bis Saisonende als Cheftrainer fungiert, in der Vergangenheit bereits regelmässig mit Koller zusammengearbeitet hat. Sowohl Koller als auch Bernegger werden von Agent Dino Lamberti, der den FCZ bei Transferentscheidungen unterstützt, beraten. (nih)
