Sport
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28.03.2016; Zuerich; Fussball Training Schweiz; 
Torhueter Yann Sommer (SUI) Stephan Lichtsteiner (SUI) 
(Andy Mueller/freshfocus)

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Football; Practice; Switzerland;

So muss es wieder sein: Freude, Spass und Einsatz ist gefragt.
Bild: freshfocus

Beherzt statt zögerlich: Ein Stilwandel würde der Nati gut tun

Im drittletzten EM-Test gegen Bosnien-Herzegowina will die Schweizer Equipe heute Abend in Zürich diverse Defizite minimieren. Unter Druck steht sie nicht, aber ein gewisser Stilwandel stünde der Nati gut an.



Jeder interpretierte das 0:1 gegen die irische B-Formation etwas anders. Vladimir Petkovic beispielsweise störte sich an der Lethargie seiner Equipe und am begrenzten Interesse, die eigene Komfortzone zu verlassen. Er zögerte in seiner Verärgerung nicht, öffentlich Defizite im charakterlichen Bereich anzudeuten – und der Selektionär sprach seiner Mannschaft den hundertprozentigen Willen ab, ein besseres Ergebnis zu erreichen.

In der TV-Analyse von Keeper Yann Sommer waren die Schweizer «unheimlich harmlos». Trotz 69 Prozent Ballbesitz resultierte kaum eine gefährliche Szene im Strafraum. In der eigenen Zone liessen die Schweizer in den ersten elf panischen Minuten fünf Corner zu. Stephan Lichtsteiner, der in Dublin geschonte Teamleader, relativierte den Spielverlauf und wehrte sich gegen die schonungslose Kritik: «Man muss den Teufel nicht an die Wand malen. So schlecht sieht es nicht aus.»

25.03.2016; Dublin; Fussball - Irland  - Schweiz; 
Torhueter Yann Sommer (SUI) 
(Andy Mueller/freshfocus)

****
Football; Ireland - Switzerland;

Yann Sommer fand sein Team gegen Irland «unheimlich harmlos». Das darf nicht sein.
Bild: freshfocus

Die bemerkenswert moderate Haltung Lichtsteiners ist aus seiner Optik nachvollziehbar. Zum einen spielte der impulsive Verteidiger nicht, womit seine diplomatische Einschätzung nicht als Überraschung, sondern als Wortmeldung eines Teamplayers zu taxieren ist. Andererseits spürte der künftige Captain, dass das derzeit eher fragile Ensemble schon an diversen Fronten genug unter Druck steht.

«Wir wollen einen Sieg. Damit wir auch mit einem positiven Gefühl in Richtung EM schauen können.»

Vladimir Petkovic

Vor dem drittletzten Testspiel vor der EM in Frankreich (ab dem 10. Juni) äusserte sich der Nationaltrainer hingegen deutlich zu seinen Erwartungen an die Mannschaft: «Es reicht nicht, wenn man nur immer sagt, es gebe keine Freundschaftsspiele. Man muss dies auch auf dem Platz zeigen.» Petkovic erwartet «Antworten» auf diejenigen Dinge, welche seine Mannschaft am Freitag nicht gut gemacht hat, «auch wenn nicht alles schlecht war.»

Mehr Systemsicherheit wäre ratsam

Spannend sind die extern überprüfbaren Abweichungen auf Kommunikationsebene. Der Nationalcoach betont bei jeder Gelegenheit die Relevanz der Vorbereitungsspiele in den zweieinhalb Monaten vor der Endrunde in Frankreich. Timm Klose hatte vor, in Dublin «meine Karten auf den Tisch zu legen und Gas zu geben», derweil Lichtsteiner hinterher die Aussagekraft von freundschaftlichen Begegnungen halbierte: «Es ist erklärbar, dass man in Testspielen nicht den gleichen Druck aufbauen kann wie in Ernstkämpfen.»

Umfrage

Gelingt der Nati eine Steigerung gegen Bosnien-Herzegowina?

  • Abstimmen

488

  • Ja, die putzen wir weg.30%
  • Naja, es wird besser. Aber reicht höchstens zum Remis.39%
  • Nein, da geht nicht viel. Auch gegen Bosnien gibt's eine Niederlage.31%

Verständnis hin, Charakterdefizit her. Spurlos versickern dürfte die mediale Brause nicht. Die stolzen Protagonisten geben zwar oft vor, keine Zeitungen zu lesen. Von den negativen und teilweise deutlichen Kommentaren haben sie auf ihren Smartphones aber relativ zeitnah erfahren. Die Botschaft dürfte angekommen sein, eine spürbare Reaktion auf dem Letzigrund-Rasen ist absehbar.

Die in den letzten Monaten immer wieder wegen diverser Begleitthemen angezählte SFV-Auswahl wird bemüht sein, im drittletzten Heimspiel vor der EURO den Stimmungsbarometer etwas anzuheben. Und sie wird gut daran tun, nach der tagelangen Captain-Debatte und den monatelangen Verhandlungsrunden zur Regelung der Zukunft mit Petkovic im Kernbereich als leidenschaftliche Einheit aufzutreten und wieder einmal die Dynamik ihrer besten (WM-)Tage zu entfachen. Anpassungen drängen sich auf, wünschenswert wäre mittelfristig ein Stilwandel und keine weiteren Relativierungen: beherzt und couragiert statt unterkühlt bis zögerlich.

epa05231166 Switzerland's Timm Klose and Ireland's Eunan O’Kane in action during the friendly soccer match between Republic of Ireland and Switzerland at the Aviva Stadium in Dublin, Ireland, 25 March 2016.  EPA/AIDAN CRAWLEY

Es braucht wieder mehr Einsatz von der Schweizer Nati.
Bild: AIDAN CRAWLEY/EPA/KEYSTONE

Und ratsam wäre angesichts der Formschwäche gewisser Akteure zudem, die Systemvorgaben exakter umzusetzen, Sicherheit zu gewinnen. Petkovic muss ein taktisches Gerüst definieren, das auch unter prekären Umständen einsturzsicher ist. Die unter Ottmar Hitzfeld eingespielte Ausrichtung passt nach wie vor am besten: das 4-2-3-1-System.

Bosniens Top-Trio

Die Formation von Bosnien-Herzegowina hat an sich gute zwölf Monate hinter sich. Nur zwei Spiele hat die Balkan-Elf verloren – das 0:2 in Irland schmerzt indes noch immer. Im Rückspiel der Barrage entglitt der Nummer 21 des FIFA-Rankings das erste EM-Ticket der Verbandsgeschichte. Ihr Spektrum reichte zuletzt von einem 2:3 gegen Zypern bis zu einem 1:1-Remis gegen die in der Weltrangliste topklassierten Belgier.

FILE - In this March 22, 2013, file photo, Bosnia's Edin Dzeko celebrate his goal against Greece  during World Cup 2014 Group G qualifying soccer match at Stadium Bilino Polje  in Zenica, Bosnia. Bosnia-Herzegovina have a core of talented players capable of changing games in an instant. The majority of the squad regularly showcase their talents in Europe’s biggest leagues, giving them the experience necessary to shine on the biggest stage of them all. (AP Photo/Amel Emric, File)

Noch immer der Star Bosniens: Edin Dzeko.
Bild: Amel Emric/AP/KEYSTONE

Getragen werden die «Zmajevi» (Drachen) von einem brillanten Offensiv-Trio. Edin Dzeko, der 30-jährige Roma-Stürmer mit der Referenz von 116 Toren in 266 Meisterschaftsspielen in England, Deutschland und Italien, gehört zur gehobenen europäischen Klasse. Sein Partner Vedad Ibisevic (31) hat in 222 Bundesliga-Partien 90 Treffer geschossen und Hertha Berlin unter die Top 3 geführt. Assistiert werden die beiden vom «Römer» Miralem Pjanic, einem fabelhaften Regisseur mit langjähriger Vergangenheit in Lyon. Für den 25-Jährigen sollen sich diverse Grossklubs interessieren.

Gegen Bosnien-Herzegowina, den WM-Teilnehmer von 2014, der am Freitag in Luxemburg 3:0 siegte, erwartet Petkovic ein anderes Spiel als in Dublin. «Sie spielen nicht so aggressiv wie die Iren, aber sie haben qualitativ ein höheres Niveau. Wenn wir nicht 100 Prozent konzentriert sind, werden wir noch mehr Schwierigkeiten bekommen als gegen Irland.» Petkovics Forderung an seine Mannschaft für das Duell mit seinem Geburtsland – Petkovic ist in Sarajevo geboren und in Bosnien aufgewachsen – ist klar: «Wir wollen einen Sieg. Damit wir auch mit einem positiven Gefühl in Richtung EM schauen können.» (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rumpelstilz 29.03.2016 15:50
    Highlight Highlight Das Problem ist, dass diese Mannschaft generell überschätzt wird. Selbst wenn wir X Legionäre in den besten Ligen der Welt haben: wirklich tragende Rollen spielen nur ein Bruchteil. Da plötzlich im Nationalteam zum Leistungsträger zu avancieren, ist schwierig und darf auch nicht erwartet werden. Vielleicht sollte man ganz einfach mal auf die Euphoriebremse treten. Die Schweizer sind nicht so gut, wie wir es gerne hätten. Klar ist aber auch, dass diese Mannschaft mit mehr Leidenschaft auftreten muss. Das sieht alles nach Dienst nach Vorschrift aus - null Mut zum Risiko, null Spielfreude.
  • alingher 29.03.2016 11:34
    Highlight Highlight Beherztheit, Charakter und Einsatz sind sicherlich nicht überbordend aber auch nicht das eigentliche Problem. Dieses heisst schlicht und einfach: Klasse. Nur weil die Spieler in Topligen spielen, heisst das nicht, dass wir auch eine Nati auf europäischem Topniveau haben.
    Dazu würde man Spieler benötigen, die in den Top-Teams der Ligen eine tragende Rolle spielen. Die EM werden die Bayern-, Real-, Chelsea-, Barça-, PSG-, etc.- Spieler unter sich ausmachen. Ausser Rodriguez, Lichti und vielleicht den Torhütern sehe ich keinen, der sich in einer solchen Mannschaft durchsetzen könnte.
    • royal 29.03.2016 11:59
      Highlight Highlight Jein. Ich bin mit dir einig, dass wir sicherlich nicht die Breite und Tiefe der Top 5 Nationen haben.

      Wir haben Klasse - zumindest auf dem Papier und wir sollten in der Lage sein, weitaus bessere Spiele zu liefern.

      In unserem Spiel ist keine Struktur zu erkennen. Die Spieler werden zum Teil auf völlig falschen Positionen eingesetzt. In einem System, dass für deren Veranlagungen nicht geeignet ist. Von diversen Formtiefs einmal abgesehen.

      Petkovic ist nicht fähig, der Mannschaft seine Spielart aufzudrücken und hat keinen Plan-B meiner Meinung nach.
    • Clank 29.03.2016 14:21
      Highlight Highlight Wir haben Klasse. Das Problem ist, heute besitzt jedes Team Klasse. Meiner Meinung nach gehört das CH Kader nicht mal in die Top 16.
      In der Nati sind relativ wenig einflussreiche Positionen gut besetzt, während die Essentiellen höchstens durchschnittlich belegt werden.
      Lieber ein guter Offensivmann als zwei weltklasse Aussenverteidger.
      An Struktur fehlt es nicht. Eher das Gegenteil, es gibt zu viele Strukturen, sodass das ganze voraussehbar ist und einfach zu verteidigen ist. Jeder bleibt brav auf seiner Position und so entsteht das kreativlose langweilige Standfussballbild.
  • royal 29.03.2016 10:12
    Highlight Highlight Ja, mann muss den Teufel nicht an die Wand malen. Aber..

    Ich bin weiss Gott kein Profitrainer.. Aber ich erkenne 3 Spieler in der Startelf die gegen den Ball gut sind und weiss, dass die Offensive so keine Akzente setzen kann.

    Das Spiel wird ständig über die Flanken aufgezogen und dies obwohl wir, bis auf Derdiyok keinen haben, der die Bälle im Strafraum annehmen und verwerten kann.

    Das schlimmste ist aber die 10ner Position. Dieses Bindeglied zwischen Xhaka und Stürmer ist seit Jahren völlig unbesetzt. Hauptsache Zuffi schaut zu und Abdi bleibt zuhause.
    • Clank 29.03.2016 13:52
      Highlight Highlight Bin generell gleicher Meinung. Jedoch sind Zuffi und Abdi genau so wenig 10ner wie ein Dzemail oder Kasami. Die spielen alle bei ihrem Club eher defensiv als offensiv.
    • royal 29.03.2016 14:05
      Highlight Highlight Abdi startet meistens im offensiven Mittelfeld, Zuffi eher zentral - da hast du recht.

      Es sind jedoch beides kreative Spielgestalter die auf der 10 Spielen können, das wollte ich damit ausdrücken :)

      Meiner Meinung nach gibt es sonst keiner in der Nati der diese Position ausfüllen kann, auch wenn Shaqiri gerne dort spielen möchte.

      Ich würde gerne mal ein Mittelfeld mit Frei, Xhaka und Abdi/Zuffi sehen. Im Sturm Embolo, Tarashaj und Shaqiri.

      In der Verteidigung RR, Djourou, Elvedi/Lustenberger, Lichtsteiner.

      Das könnte eine spielstarke 11 sein die nicht nur unnütze Flanken reinschlägt.

    • Clank 29.03.2016 14:58
      Highlight Highlight Mit Derdiyok wäre ein Flankenspiel gar nicht mal so dämlich. Die grösste offensive Stärke der Schweiz sehe ich eher aussen als durch die Mitte. Einen weltklasse 10ner besitzen wir nicht dafür aber viele gute schnelle Flügelspieler. Laufstarke Spieler wie Shaqiri, Steffen, Embolo und Lichtsteiner und flankenstarke Spieler wie Rodriguez sind ideale Voraussetzung für Angriffe von der Seite. Natürlich muss dafür auch im Strafraum ein kopfballstarker Knipser stehen, was mit Seferovic nicht zutrifft.
  • Asmodeus 29.03.2016 10:07
    Highlight Highlight Was ist schlimmer?

    Bei einem Freundschaftsspiel gegen Irland 1:0 zu verlieren oder mehrere wichtige Spieler verletzt zu verlieren, weil sie das Gefühl haben ums verrecken um jeden Ball kämpfen zu müssen?
    • Maxx 29.03.2016 10:32
      Highlight Highlight Nun gut aber dann lieber gar keine Freundschaftsspiele ausführen. Weil so macht das für niemanden Sinn. Und für uns Zuschauer ist es Zeitverschwendung so einen Match zu sehen. Bei diesen Gehältern musst Du immer TOP sein. Ghaaat'ss no.
    • Asmodeus 29.03.2016 11:27
      Highlight Highlight Sehe ich anders. Ein Freundschaftsspiel dient in erster Linie dazu, dass man Taktiken üben kann. Dass die Spieler lernen sich abzusprechen, einen gewissen Fluss untereinander lernen.



      Du kannst es mit Boxtraining vergleichen.

      Im Fussball hast Du Training -> Trainingsspiele -> Freundschaftsspiele -> Ernsteinsätze

      Im Boxen hast Du Training -> Schattenboxen -> Sparing -> Ernstkampf.

      Im Boxen würdest Du auch nicht erwarten, dass sich ein Boxer über 2 Stunden mit Volleinsatz mit dem Sparringspartner kloppt :)
  • NWO Schwanzus Longus 29.03.2016 09:25
    Highlight Highlight Ich denke das wird mit Petkovic nichts mehr, am besten man Trennt sich nach der EM weil ich glaube nicht das man sich gross verbessert.
    • Maxx 29.03.2016 10:33
      Highlight Highlight Das ist einfach keine CH-Mannschaft. Das Herz ist nicht dabei - der Albanische Adler schon.
    • Schreiberling 29.03.2016 11:19
      Highlight Highlight @Maxx: Das ist maxximaler Quatsch, den du da rausläst.
  • Amboss 29.03.2016 08:02
    Highlight Highlight Beherzt statt zögerlich. Der Titel trifft das Problem sehr gut. Bei den Nati-Spielen ist immer dieses Zögern zu sehen. Da ist keine Spielfreude, kein Spass, kein Kampf, keine Leidenschaft zu sehen. Nati-Spiele zu schauen macht einfach keine Freude mehr. Und zwar nicht erst seit Petkovic, sondern seit Hitzfeld.
    Die Resultate stimmen zwar, aber bei mir kommt eifach null Begeisterung für dieses Team auf.
    Woran liegt das? Ausser vielleicht Lichtsteiner ist irgendwie keiner da, der dem Team ein Gesicht gibt, der mitreisst... Geht es nur mir so? Oder bin ich einfach ein verwöhnter Miesepeter?
    • wololowarlord 29.03.2016 08:20
      Highlight Highlight Ich glaube vor allem, dass das konstante schweizer nati bashing auf die truppenmoral drückt
    • themachine 29.03.2016 08:49
      Highlight Highlight Ich möchte hier fairerweise dann doch an Spiele wie gegen Spanien 2010, Griechenland 2009, Honduras 2014 oder Argentinien 2014 erinnern, wo man wirklich die Spielfreude und Leidenschaft förmlich spürte. Aber klar mit solche Auftritten wie in Dublin gehen wir an der EM unter, das schleckt keine Geiss weg.
    • Asmodeus 29.03.2016 10:09
      Highlight Highlight @themachine

      Die Schweiz erinnert mich an den FCB von vor 15 Jahren. Oder aktuell in der Europaliga.
      Gegen "starke" Gegner immer topmotiviert und konstant am Druck aufbauen und kämpfen.
      Gegen vermeintlich "schwache" Gegner aber dann komplett mit Larifari-Einstellung und schlussendlich übertrieben viel Mühe.
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