Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
New FIFA president Gianni Infantino of Switzerland , left, delivers a speech after being elected  during the Extraordinary FIFA Congress 2016  in Zurich, Switzerland, Friday, Feb. 26, 2016. Gianni Infantino of Switzerland is the new FIFA president after winning a second-round vote. Infantino got 115 of the 207 eligible votes to take a decisive majority ahead of Sheikh Salman of Bahrain. (/Patrick B. Kraemer/Keystone via AP)

Der Walliser Gianni Infantino bedankt sich beim FIFA-Kongress für das Vertrauen.
Bild: AP/KEYSTONE

Gianni Infantino hat die Fussballwelt von einem Albtraum befreit

Geist hat über Geld gesiegt, der Kandidat des Herzens, des Verstandes und der Vernunft ist neuer Fussballkönig geworden. Warum die Wahl von Gianni Infantino ein Glücksfall ist.



Gianni Infantino ist neuer Fussballkönig, Gott sei Dank. Der Stossseufzer ist nicht dem Stolz geschuldet, dass weiterhin ein Schweizer eine der mächtigsten Organisationen des Weltsportes führt. Die Erleichterung gilt der Sache. Gianni Infantino befreit den Fussball von einem Albtraum.

Newly elected FIFA President Gianni Infantino gives a thumb up as he arrrives for a news conference during the Extraordinary FIFA Congress in Zurich, Switzerland February 26, 2016. Swiss football executive Gianni Infantino vowed on Friday to lead FIFA, the sport's world governing body, out of years of corruption and scandal after being elected president to succeed Sepp Blatter.    REUTERS/Ruben Sprich  TPX IMAGES OF THE DAY

Daumen hoch: Der Albtraum ist abgewendet. 
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Dass die 207 Delegierten tiefgreifenden FIFA-Reformen zugestimmt haben, ist keine Überraschung. Zu gross war der Druck der US-Justiz. Ohne diese Reformen wäre die FIFA zur kriminellen Organisation erklärt worden. Die Wahl von Gianni Infantino ist hingegen eine angenehme Überraschung. Denn die «alte Garde», also viele jener, die Sepp Blatter noch gewählt haben, kürten nun auch den neuen König.

«Le roi est mort, vive le roi» («Der König ist tot, es lebe der König»). Das sind die geflügelten Worte bei einem Machtwechsel. So wurde einst in Frankreich der Tod des alten Königs bestätigt, zugleich der neue ausgerufen und den Untertanen klargemacht: Es wird so weitergehen wie bisher.

Tief im Herzen hoffen die meisten Delegierten immer noch, auch für die FIFA möge gelten «Le roi est mort, vive le roi». Es möge trotz allem, trotz Reformen irgendwie alles so weitergehen wie bisher. Wie unter Sepp Blatter.

Fussball muss man leben

Als Favorit galt deshalb Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, ein zutiefst undemokratisches Mitglied der Herrscherfamilie von Bahrain. Die neue FIFA regiert und repräsentiert von einem Mann aus einem Kulturkreis, dem Fussball so fremd ist wie uns Kamelrennen? Ein Albtraum. Denn noch so gute Strukturen nützen wenig, wenn sie nicht gelebt werden. Den Schwefelgeruch des Bösen hätte die FIFA mit dem Mann aus dem Morgenland nicht aus den Kleidern gebracht.

FIFA presidential candidate Sheikh Salman Bin Ebrahim Al-Khalifa of Bahrain (L) congratulates newly elected FIFA President Gianni Infantino during the Extraordinary Congress in Zurich, Switzerland February 26, 2016. Infantino was chosen as the new president of FIFA, a position which made his predecessor Sepp Blatter as instantly recognisable as some of the world's leading statesman.   REUTERS/Arnd Wiegmann  TPX IMAGES OF THE DAY

Scheich Salman gratuliert Infantino zur gewonnenen Wahl.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Aber Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa ist nicht gewählt worden. Seine Wahl wäre das Ende der Sportweltmacht FIFA gewesen. Die «alte Garde» hat Gianni Infantino bereits im zweiten Wahlgang zum neuen Präsidenten gekürt und damit die Zukunft gewählt. Ein sicheres Zeichen, wodurch selbst den erzkonservativsten Fussballfunktionären klargeworden ist, dass die Zeiten geändert haben, dass es eine neue FIFA braucht. Das ist überaus erfreulich.

Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen

Das zentrale Problem wird in den nächsten Jahren nämlich nicht einmal die US-Justiz sein.

Die Verhaftungen und Rechtshändel, die in den letzten Monaten so viele Schlagzeilen produzierten, werden dereinst nur noch Fussnoten der FIFA-Geschichte sein. Es ist von allen Aufgaben die kleinste, in den Büros des Weltfussballverbandes nun die Geldströme offenzulegen und korrekt zu verbuchen und Entscheidungsprozesse transparent zu machen. Dafür können Fachleute, Buchhalter, Buchprüfer, Bürokraten sorgen. Mit den gestern bewilligten Reformen ist das Fundament für eine neue FIFA gebaut worden.

Die FIFA von morgen: Bedrängt von den Klubs?

Es geht um eine viel grössere Herausforderung. Noch ist die FIFA Herrscherin über die Fussballwelt. Sie hat so viel Geld an die nationalen Verbände zu verteilen, dass sie ihren Willen bis in die hintersten Winkel der Welt durchsetzen kann. So gesehen ist der Präsident der FIFA, ob er nun seine Befugnisse durch Reformen eingeschränkt ist oder nicht, fussballpolitisch allmächtig. Die Quelle dieser Macht ist das Geld, das durch die WM verdient wird.

Aber die Fussball-Welt verändert sich im 21. Jahrhundert dramatisch. Die grossen Klubs aus den grossen Ligen haben inzwischen globale Ausstrahlung.

Eine ganz simple Frage führt uns zum Kern des Problems: Woher kommen eigentlich die WM-Stars? Die Spieler also, die es der FIFA ermöglichen, mit der WM Milliarden zu verdienen? Sie kommen aus den grossen Ligen. Ihre Arbeitgeber sind Klubs, die immer mächtiger und reicher werden. Längst braucht ein Spieler nicht mehr WM-Ruhm für eine grosse Karriere und fürs grosse Geld.

Paris Saint-Germain President Nasser al-Khelaifi, attends the UEFA Champions League draw ceremony, at the Grimaldi Forum, in Monaco, Thursday, Aug. 28, 2014. (AP Photo/Claude Paris)

Seine Macht im Fussball nimmt stetig zu: PSG-Mäzen Nasser Al-Khelaifi.
Bild: Claude Paris/AP/KEYSTONE

Die FIFA von morgen kann nicht mehr so diktieren wie gestern, der neue FIFA-Präsident kann nicht mehr so regieren wie sein Vorgänger. Die FIFA kann nur noch in enger Zusammenarbeit mit den grossen Ligen der Welt ihre Bedeutung erhalten.

Der Tag, an dem einer der grossen Klubs seine Stars nicht mehr für die WM freigibt, bzw. die Klubs das Geld, das die FIFA jetzt noch an die Landesverbände verteilt, für sich reklamieren werden, ist nicht mehr fern.

Das bedeutet, dass der autokratische Stil wie ihn Sepp Blatter pflegte, nicht mehr möglich sein wird. Deshalb muss der neue FIFA-Präsident vom hohen Ross herabsteigen und den Schulterschluss mit den mächtigen Ligen suchen. Die Landesverbände alleine reichen als Machtbasis nicht mehr aus.

Der moderne Sepp

Die FIFA kann nur noch durch einen Präsidenten geführt werden, der nicht nur mit den verschiedenen Fussballkulturen vertraut ist und viele Sprachen spricht. Der Vorsitzende muss vor allem die Macht der grossen Ligen und grossen Klubs respektieren. Auch deshalb ist Gianni Infantino der perfekte neue Präsident und ein Glücksfall für die FIFA. Als Generalsekretär der UEFA (sie organisiert die Champions League) ist er bestens mit den Titanen des Klubfussballs vernetzt. Ein Technokrat mit Charme und Überzeugungskraft – und wie sein Vorgänger Sepp Blatter ein Walliser.

Gianni Infantino of Switzerland  new FIFA President,  delivers a speech after being elected  in the 2nd ballot during the Extraordinary FIFA Congress 2016  in Zurich, Switzerland, Friday, Feb. 26, 2016. Gianni Infantino of Switzerland is the new FIFA president after winning a second-round vote. Infantino got 115 of the 207 eligible votes to take a decisive majority ahead of Sheikh Salman of Bahrain. (/Patrick B. Kraemer/Keystone via AP)

Weiss, wie man sich ausdrückt: Infantino spricht sechs Sprachen.
Bild: AP/KEYSTONE

Die Walliser sind die talentiertesten Machiavellisten des Sportes. Ein bisschen Sepp Blatter, ein kleiner Machiavelli steckt auch in Gianni Infantino. Sonst wäre er am Freitag nicht FIFA-Präsident geworden – und sonst könnte er sich künftig nicht behaupten.

Denn die «alte Garde» der FIFA, die den neuen Präsidenten gekürt hat, wird sich nur knurrig dem neuen Chef unterziehen. Wer mag, kann ihn als geläuterte, klüger gewordene, pragmatische und moderne Ausgabe seines Vorgängers, als den Sepp Blatter des 21. Jahrhunderts bezeichnen.

Und ein wenig freuen dürfen wir uns schon, dass weiterhin ein Schweizer König des Weltfussballs sein darf. Mit Gianni Infantino hat der Kandidat des Verstandes und der Vernunft die Wahl gewonnen. Pathetisch dürfen wir als Schweizer gar sagen: Geist hat über Geld triumphiert.

Der Fussball schreibt oft die schönsten Geschichten

«Oh Zinédine, pas ça!» Zidanes Kopfstoss im WM-Final gegen Materazzi erschüttert die Welt

Link zum Artikel

Marco van Basten schiesst den «ewigen Zweiten» mit seinem Traumtor zum EM-Titel

Link zum Artikel

Das schlimmste Foul im Schweizer Fussball: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie

Link zum Artikel

Andrés Escobar wird nach einem Eigentor an der WM mit 12 Schüssen hingerichtet

Link zum Artikel

Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

Link zum Artikel

Ailton wettert: «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball. Unglaublig»

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

«Decken, decken, nicht Tischdecken» – als man(n) im TV noch über Frauenfussball lästerte

Link zum Artikel

Nati-Goalie Zuberbühler schiebt die Schuld für ein Riesen-Ei dem «Blick» zu

Link zum Artikel

Der Goalie mit Pudelmütze sorgt für eine der grössten Sensationen der Fussball-Geschichte

Link zum Artikel

«Hoch werd mas nimma gwinnen» – der legendäre Ösi-Galgenhumor beim 0:9 gegen Spanien

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

Link zum Artikel

Ronaldo kämpft vor dem WM-Final mit dem Tod – warum er trotzdem spielt, bleibt ein Rätsel

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Mit dem letzten Spiel im Hardturm gehen 78 Jahre Schweizer Fussball-Geschichte zu Ende

Link zum Artikel

Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch – weil er 3 Penaltys in einem Spiel verschiesst

Link zum Artikel

Die Schweizerin Nicole Petignat pfeift als erste Frau ein Europacup-Spiel der Männer

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Alle FIFA-Präsidenten seit Gründung des Weltverbands 1904

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Dan Rifter
26.02.2016 21:05registriert February 2015
Jepp, die Korruption und Entwicklungsgelder-Veruntreuung in der FIFA gehören der Vergangenheit an.
"The FIFA's money is your money" .. also erhalten die Verbände das Geld nun direkt und müssen nicht einmal mehr so tun, als würden sie Fussballplätze und Jugendakademien bauen.
Statt Stadionprojekt reicht die IBAN, Herr Infantino hat die FIFA bereits jetzt effizienter gemacht.
307
Melden
Zum Kommentar
Statson
26.02.2016 22:04registriert February 2015
Schreib über eishockey, onkel klaus!
3826
Melden
Zum Kommentar
9

Der wundersame Aufstieg von Andrea Padula: Wer ist der neue FCB-Verteidiger?

Innert eines Jahres schafft es Andrea Padula von den Niederungen der Challenge League ins internationale Geschäft. Der Aufstieg des 24-jährigen Italieners, der im Tessin aufgewachsen ist, halt viel mit FCB-Trainer Ciriaco Sforza gemein.

Im Sommer 2016 verstaut Andrea Padula sein frisch erhaltenes Matura-­Zeugnis. Es landet im Schrank in seinem Elternhaus in Campione d'Italia, wo es bis heute unangerührt liegt. Denn Padula hat in diesem Sommer vor vier Jahren neben dem Schulabschluss ein noch wichtigeres Schriftstück erhalten: einen Vertrag beim FC Chiasso in der Challenge League. «Ab dann habe ich nur noch an Fussball gedacht», sagt ­Padula heute.

Mittlerweile sitzt er in einer Loge im St. Jakobpark. Der 24- Jährige ist im …

Artikel lesen
Link zum Artikel